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HIV und Aids: Das bedeutet die Infektion

Kommentar schreiben Freitag, 01. Dezember 2017

Der 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Zu diesem Anlass informiert Sie der apomio.de Gesundheitsblog umfassend über die Viruserkrankung und ihre Folgen. Noch immer befindet sich die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen in Deutschland auf einem konstant hohen Niveau. Trends zeigen: Bei der Generation 50+ steigt die Zahl der jährlichen Infektionen sogar an. Eine kausale Therapie gegen die HIV-Infektion und ihr Endstadium Aids gibt es bislang nicht.  Die Abkürzung HIV steht für „human immunodeficieny virus“ und bedeutet so viel wie menschliches Immunschwäche-Virus. Es handelt sich um eine erworbene Infektion. Das bedeutet, Betroffene haben sich aktiv bei Erkrankten angesteckt. Einmal im Körper, schlummern die Viren mitunter Jahrzehnte lang. Das Endstadium der Erkrankung wird als Aids bezeichnet. Die Abkürzung steht für „acquired immune deficiency syndrome“ und bedeutet erworbenes Immunschwächesyndrom. Die beiden Begriffe werden häufig fälschlicherweise synonym benutzt. Nicht jeder, der sich mit dem HI-Virus infiziert bekommt Aids, aber jeder, der an Aids leidet, hat sich einmal mit HIV angesteckt.

Ausbruch: Aids kam in den 1980er Jahren auf

Die ersten Erkrankungsfälle sind zu Beginn der 1980er Jahren in den USA aufgetreten. 1983 und 1986 wurden die beiden Viren Typen 1 und 2 identifiziert. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Viruserkrankung ihren Ursprung bei afrikanischen Altweltaffen hat. Vermutlich über den Verzehr von infiziertem Fleisch gelangten die Viren erstmals in den menschlichen Organismus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass heute circa 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert sind. Der Großteil der Betroffenen (etwa 85%) lebt in Afrika, südlich der Sahara. In Deutschland leben, laut Robert Koch Institut (RKI), etwa 70.000 Personen mit HIV. Die größte Gruppe der Betroffenen sind homosexuelle Männer. Auch Drogenabhängige infizieren sich leicht mit dem Virus. Doch in den letzten Jahren nahm die Anzahl der heterosexuellen Infizierten in der Altersklasse 50+ zu. Die Rate der Neuinfektionen unter den jüngeren Menschen ist zwischen 2004 und 2015 um vier Prozent gestiegen, bei den über 50-Jährigen betrug der Anstieg acht Prozent.

HIV-Übertragung: Ansteckung beim Geschlechtsverkehr

In der älteren Generation spiel Verhütung nicht mehr so eine große Rolle. Mit dem Verlust der Fruchtbarkeit rückt auch Safer Sex immer mehr in den Hintergrund und Geschlechtskrankheiten sind auf dem Vormarsch. Dazu gehört auch HIV. Denn das Virus wird über den Austausch von Körperflüssigkeiten übertragen. Nicht jeder Kontakt mit infektiösem Material führt automatisch zu HIV. Der Zustand des Immunsystems und die körperliche Verfassung spielen eine Rolle. So kann sowohl der einmalige Verkehr ansteckend sein, eine Infektion kann aber trotz jahrelangem ungeschützten Sex mit einer HIV positiven Person folgenlos bleiben. Infektiös sind vor allem

  • Blut
  • Sperma
  • Vaginalsekret

Kommen diese Flüssigkeiten in Kontakt mit verletzter Haut (Exzem, Wunden, etc.) oder den deutlich empfindlicheren Schleimhäuten, kann eine Ansteckung erfolgen. Vor allem über kleine Verletzungen der Schleimhäute beim Geschlechtsverkehr gelangen die Viren in den Körper. Deshalb sind vor allem Männer, die Sex mit Männern haben, eine Risikogruppe für HIV - beim Analverkehr enstehen häufig kleine Risse in den Schleimhäuten. Die Übertragung der Viren über normalen Hautkontakt, etwa bei Umarmungen oder dem Händeschütteln ist nicht möglich. Auch über den Speichel werden die Viren nicht übertragen. Ist eine Frau HIV positiv kann das Virus bei der Geburt auf das Kind übergehen.

Verlauf einer HIV-Erkrankung: Viren bleiben lange unentdeckt

Das Tückische an einer HIV-Infektion: sie wird häufig zunächst nicht bemerkt. Über die Schleimhäute gelangen die Viren in bestimmte Zellen der Immunabwehr. Diese Zellen wandern dann in die Lymphknoten – von dort aus verteilen sich die Viren über den Blutkreislauf im ganzen Körper, inklusive des Zentralen Nervensystems. Innerhalb von sechs Tagen bis sechs Wochen nach der Infektion kann es zu unspezifischen Symptomen kommen. Es können

  • Halsschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Abgeschlagenheit

auftreten. Diese Symptome sind allerdings typische für einen grippalen Infekt oder eine Grippe und werden nicht als Anzeichen einer HIV-Infektion gedeutet. Auf diese erste Krankheitsphase folgt in der Regel ein langer Zeitraum ohne jegliche Beschwerden – das Virus ist stumm. Diese sogenannte Latenzphase kann mehrere Jahre lang andauern. Der Betroffene bemerkt seine Infektion nicht, ist allerdings potenziell ansteckend für seine Geschlechtspartner. Am Ende der Latenzphase schwellen die Lymphknoten des Körpers an – diese Phase kann mehrere Monate lang andauern.

Nach der Latenzphase: HIV-Symptome treten auf

Im folgenden Stadium kommt es zu verschiedenen Krankheiten, weil das HI-Virus das Immunsystem schwächt. Es können

auftreten. Häufig wird die Erkrankung erst in diesen Stadium diagnostiziert. Betroffen leben mitunter Jahrzehnte lang mit dem Virus, ohne ihn zu bemerken.

HIV-Endstadium Aids

Die Endphase einer HIV-Infektion ist Aids. Durch das stark angegriffene Immunsystem kämpfen Betroffen mit vielen Erkrankungen. Normalerweise hätten die Erreger keine Chance den Körper zu schwäche, doch durch die Viren ist die Immunabwehr außer Gefecht. Mediziner sprechen dann von einer opportunistischen Infektion. Anzeichen hierfür sind

Unbehandelt endete eine HIV-Infektion tödlich. Doch die moderne Medikation ermöglicht trotz der Erkrankung ein weitgehend normales Leben.

Behandlung von HIV: Je früher, desto besser

Prinzipiell gilt: Je früher die Medikation gestartet wird, desto besser. Zwar kann eine HIV-Infektion nicht geheilt werden, doch moderne Medikamente können die Vermehrung der Viren im Körper stoppen und so das Fortschreiten der Krankheit stark verzögern oder gar unterbinden. Ist ein HIV-Test beim Arzt (Hausarzt, Gynäkologe, Klinik, Gesundheitsämter, Aids-Hilfe – hier sind einfache Bluttests kostenlos möglich) positiv, wird das Blut des Betroffenen genau untersucht. Erst wenn der genaue Viren Typ bekannt ist, kann eine medikamentöse Behandlung erfolgen. Eine Kombination aus drei Präparaten soll verhindern, dass das Virus Resistenzen entwickelt. Denn die HI-Viren mutieren sehr schnell und verändern ihre Strukturen, sodass Medikamente, die einmal gewirkt haben, unwirksam werden können. Inzwischen gibt es Ärzte, die sich auf die Behandlung von HIV und Aids spezialisiert haben. Die Experten stellen jedem Patienten individuell die passende Therapie zusammen. Immer werden in den Medien neue Wunderwaffen gegen Aids angepriesen. Eine Heilung der Infektion stehe allerdings noch nicht einmal in Aussicht. Zuletzt galt ein Mittel der Firma Abivax als neue Hoffnung im Kampf gegen Aids. Auch eine Gentherapie, die das HI-Virus aus den Zellen „schneidet“ scheint vielversprechend. Doch bis aussagekräftige Studien und Test stichhaltige Ergebnisse liefern, werden bis zu zehn Jahre vergehen.

HIV und Aids durch Verhütung verhindern

Nach dem Auftreten der ersten HIV-Fälle wurde die Gesellschaft sensibilisiert. Safer Sex gewann an Bedeutung, was die Neuerkrankungen deutliche reduzierte. Doch die nächste Generation geht wieder leichtfertig mit dem Thema Verhütung um. Dank Pille, Spirale und Co sind Kondome zur Empfängnisverhütung keine Pflicht mehr – sexuell übertragbare Infektionen sind seitdem wieder leicht auf dem Vormarsch. Auch die Ansteckungsrate mit dem HI-Virus rangiert auf einem hohen Level. Jedes Jahr infizieren sich in Deutschland etwa 3.200 Menschen. Einen guten Schutz vor einer Ansteckung bieten Kondome. Durch die physikalische Barriere können die Viren in der Samenflüssigkeit oder dem Vaginalsekret nicht auf den Partner übergehen. Sollte das Kondom einmal seinen Dienst versagen und reißen, steht eine präventive Behandlung mit Aids-Medikamenten zu Verfügung. In den 24 Stunden nach der potenziellen Infektion kann ein Arzt die Mittel verschreiben, sodass das Immunsystem die Viren abwehren kann. Vor allem Klinikpersonal, das mit dem Blut einer positiven Person in Kontakt kommt, kann sich so schützen.

Präventive Gabe von Aidsmedikamenten: Rückgang der Neuerkrankungen?

Ein Medikament, das vor einer möglichen Infektion mit HIV schützt ist bereits verfügbar. Unter dem Namen PrEP (Prä-Expositionsprophylaxe) sind in der EU zwei Wirkstoffe für Risikogruppen zugelassen. Vor allem Personen, die mit einem HIV positiven Partner zusammenleben und Personen mit wechselnden Partnern machen von den Mitteln Gebrauch. Sie dienen als Absicherung und unterstützen das Immunsystem bei der Abwehr der gefährlichen HI-Viren. In Frankreich sind diese Mittel bereits frei erhältlich, in Deutschland ist ein ärztliches Rezept notwendig. Die Kosten für die prophylaktische Therapie belaufen sich etwa auf 50 Euro im Monat. In Großbritannien konnte mit dem Einführen einer Prophylaxe ein Rückgang der Neuansteckungen beobachtet werden. Die Mittel bieten einen hohen Schutz vor der Ansteckung, wenn auch keine 100 prozentige Sicherheit. In den Risikogruppen werden sie vor allem zusätzlich zu einer physikalischen Verhütung mit Kondomen angewandt. Die Tabletten wirken nicht gegen andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Chlamydien oder Syphilis. Wer glaubt sich mit HIV angesteckt zu haben kann sich anonym bei der Aids-Hilfe beraten und testen lassen. Hier kann außerdem der Kontakt zu spezialisierten Ärzten hergestellt werden. Auch Selbsthilfegruppen sind im Umgang mit der Erkrankung eine wichtige Stütze für Betroffene. Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie bei der Deutschen Aids-Hilfe und im apomio Interview mit dem Leiter der Aids-Hilfe Nürnberg.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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