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Allergisch gegen die eigenen vier Wände: Die Hausstaubmilbenallergie

Kommentar schreiben Aktualisiert am 10. April 2019

Die Hausstaubmilbenallergie zählt neben der Pollenallergie zu den häufigsten Allergien in Deutschland – dem Deutschen Allergie- und Asthmabund e. V. zufolge sind rund 10 Prozent der Gesamtbevölkerung betroffen. Was ist eine Hausstaubmilbenallergie? Wie äußert sich diese Allergie und wie kann sie behandelt werden?

Was sind Hausstaubmilben?

Hausstaubmilben gehören zu den Spinnentieren, die sich hauptsächlich sowohl von menschlichen als auch von tierischen Hautschuppen sowie Schimmelpilzen ernähren und sich in Polstern, Teppichen, Gardinen und Kissen sehr wohlfühlen. Ihr Lebensraum wird besonders durch die hohe Luftfeuchtigkeit im Bett, besonders in den Matratzen; begünstigt. Der tägliche Verlust von ein bis zwei Gramm menschlicher Hautschuppen kann 1,5 Millionen Hausstaubmilben für einen Tag lang ernähren. Ihr Dasein hat im Übrigen nichts mit mangelnder Hygiene zu tun – Hausstaubmilben gelten als natürliche Mitbewohner unserer häuslichen Umgebung. Eine absolut staub- und milbenfreie Wohnumgebung kann demnach kaum hergestellt werden.

Hausstaubmilben als Allergieauslöser

Die Anwesenheit von Hausstaubmilben löst noch keine Allergien aus, denn die eigentlichen Allergene stammen aus dem Kot der Milben. Die Kotbällchen der Milben zerfallen in winzige Teile, welche sich mit dem Hausstaub verbinden. Der allergenhaltige Staub wird auf Textilien wie Bettdecken, Kissen, Matratzen, Polstern oder Teppichen sowie bei Zugluft aufgewirbelt und dann mit der Atemluft eingeatmet und kann allergische Beschwerden verursachen. Die umgangssprachliche Bezeichnung der Allergie wird auch verkürzt als „Hausstauballergie“ bezeichnet; die korrekte Bezeichnung ist Hausstaubmilbenallergie. Die Hauptvermehrungszeit der Hausstaubmilben liegt in den Monaten Mai bis Oktober. In einem Gramm Hausstaub leben bis zu 10.000 Milben.

Symptome

Folgende allergische Beschwerden können auftreten:

  • Augentränen oder Jucken
  • Husten
  • verstopfte Nase, besonders am frühen Morgen
  • Fließschnupfen
  • Nießanfälle
  • Reaktionen der Haut
  • in schwerwiegenden Fällen: Atemnot bis zum allergischen Asthmaanfall

Verdacht auf Hausstaubmilbenallergie

Besteht der Verdacht auf eine Hausstaubmilbenallergie ist ein Besuch bei einem allergologisch geschulten Facharzt zu empfehlen. Denn ein nicht behandelter allergisch bedingter Schnupfen kann sich verschlimmern und mit einem sogenannten Etagenwechsel einhergehen – es kann zu Asthma bronchiale führen. Wenn die Allergie nämlich falsch oder gar nicht behandelt wird, droht die Überempfindlichkeit von den oberen Atemwege (Nase, Rachen) in die unteren Atemwege (Bronchien) zu wandern. Bei einer richtigen und frühzeitigen Behandlung der Erkrankung kann das Risiko für die Entstehung von allergischem Asthma verringert werden.

Behandlung

Allergenkarenz

Der wichtigste Therapieansatz liegt in der sogenannten Allergenkarenz, nämlich dem Meiden der Stoffe, die die Allergie auslösen. Das heißt: Häufiges Putzen, um die Lebensbedingungen der Hausstaubmilben zu verschlechtern. Ratsam ist es, als Allergiker den Putzvorgang nicht eigenständig durchzuführen, sondern „reinigen zu lassen“. Durch die Allergenkarenz kann der Medikamentenbedarf sogar gesenkt werden.

Hyposensibilisierung

Bei einer Hyposensibilisierung, auch als Allergie-Impfung bekannt, werden dem betroffenen Allergiker kleinste Mengen eines Extraktes der Hausstaubmilbenallergene gespritzt; die gespritzte Dosis wird wöchentlich erhöht bis die Höchstdosis erreicht ist und alle vier bis acht Wochen erneuert wird. Das Ziel: Dem Immunsystem die übereifrige Abwehrreaktion, die sich in den allergischen Symptomen äußert, abzugewöhnen. Nach der Hyposensibilisierung kann der Medikamentenbedarf gesenkt oder gar nicht mehr erforderlich sein. Auch die Entstehung eines allergischen Asthmas kann verhindert werden, sofern der sogenannte Etagenwechsel noch nicht stattgefunden hat.

Therapiemaßnahme bei Asthma bronchiale

Asthmaanfälle können mit hochgradiger Atemnot auf. Die Kranken leiden vor allem an der erschwerten Ausatmung. Die Asthmaanfälle können unterschiedlich schwer verlaufen. Dabei treten der Reihe nach auf:

  • Atemnot unter Belastung
  • Atemnot in Ruhe
  • Schwere Atemnot mit Sauerstoffmangel (blaue Lippen)
  • Schwerste Atemnot mit Bewusstseinstrübung

Zwischen den Anfällen können die Betroffenen beschwerdefrei sein. Trotzdem ist eine ärztliche Betreuung mit exakter Diagnose und Behandlungsführung dringend anzuraten. Hierbei gilt es zu klären, ob es sich tatsächlich um ein allergisches Asthma handelt und welches die auslösenden Allergene darstellt. Für Patienten mit allergischem Asthma bronchiale wird der Arzt einen individuellen Behandlungsplan nach beispielsweise folgendem Muster empfehlen:

  • Vorstufe: Betamimetika einatmen (bei Beschwerden mehr als zweimal pro Woche über sechs Wochen)
  • Stufe 1: Cromoglicinbehandlung, eventuell mit Betamimetika
  • Stufe 2: zusätzlich Corticosteroide einatmen
  • Stufe 3: Theophyllin retard als Tabletten
  • Stufe 4: erhöhte Dosis Corticosteroide einatmen
  • Stufe 5: Corticosteroide als Tabletten

Vorbeugende Maßnahmen für Hausstaubmilben-Allergiker

Hausstaubmilben bevorzugen eine Temperatur von 25 °C und eine hohe Luftfeuchtigkeit von etwa 75 Prozent, weshalb sich Hausstaubmilben besonders gerne im Bett aufhalten, da zudem auch zahlreiche menschliche Hautschuppen, die als Hauptnahrungsquelle dienen, zu finden sind. Aus diesem Grund ist es von großer Wichtigkeit, dass Allergiker regelmäßig lüften und das Schlafzimmer ungeheizt lassen, damit die Temperatur niedrig gehalten wird und die Luftfeuchtigkeit entweichen kann, um den Lebensraum der Hausstaubmilben zu beeinträchtigen.

Weitere vorbeugende Maßnahmen, um eine Hausstaubmilbenallergie nicht zu verschlimmern, sind folgende:

  • alle Räume gut lüften und trocken halten
  • Sanierung des Bettes: das Bett mit einem milben- und allergendichten Matratzenüberzug umhüllen
  • Kauf von kochfester Allergiker-Bettwäsche, Decken und Kissen, welche sich bei 60°C, am besten sogar 95°C waschen lassen. Alle vier bis sechs Wochen sollte die Bettwäsche gewaschen werden, damit die Hausstaubmilben abgetötet werden können
  • nicht waschbare Materialien, wie zum Beispiel Kuscheltiere, können für 24 Stunden ins Gefrierfach gelegt werden, dadurch sterben die Hausstaubmilben auch ab
  • Glatte Böden sind für Allergiker nur von Vorteil, wenn diese mindestens zweimal in der Woche feucht gewischt werden; ansonsten kann anfallender Staub auf glatter Oberfläche nämlich stärker aufgewirbelt werden als in einem kurzflorigen Teppichboden
  • Teppichböden sollten regelmäßig gesäubert werden
  • Im Schlafzimmer sollte auf Staubfänger, wie offene Regale, viele Kissen, Tagesdecken, Kunstpflanzen, etc. verzichtet werden, damit der Kot der Hausstaubmilben nicht mit dem Hausstaub in Verbindung kommen kann

Fazit: Hausstaubmilben sind für die meisten Menschen harmlos, können Allergikern allerdings das Leben sehr schwer machen. Die wirksamste Therapie ist es, den Milben wahrlich das Biotop zu vermiesen: Schonbezüge für Betten und häufiges Putzen verschaffen Linderung und können manchmal sogar von einer dauerhaften Medikamenteneinnahme absehen.

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J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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