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Ernährung bei Krebs - Dem Tumor die Nahrung entziehen!

Kommentar schreiben Dienstag, 30. Juni 2020

Mit der Ernährung beeinflussen wir unsere Gesundheit. Gilt das auch für Krebs? Wie ernährt man sich, um Krebs bestmöglich vorzubeugen? Was ist gesund? Was schadet dem Körper? Gibt es eine Krebsdiät? Genügt eine gesunde Ernährung oder braucht man Nahrungsergänzungsmittel? Gibt es Krebsarten, die besonders durch Ernährung beeinflussbar sind? Auf was muss man bei den einzelnen Krebsarten achten?

 

Inhaltsverzeichnis:

 

 

Gibt es eine Krebsdiät?

 

Nein. Auch wenn die Studienlage zum Teil widersprüchlich ist, in einem sind die Experten sich einig: Die optimale Ernährung, um das Krebsrisiko zu senken, deckt sich mit dem, was allgemein als gesundheitsfördernde Kost gilt. Die Wissenschaftler des World Cancer Research Fund (WCRF), einer weltweit tätige Organisation, die sich für Krebsprävention durch Ernährung und Bewegung engagiert, geben ähnlich wie die Internationale Krebsforschungsagentur der WHO und der Europäische Kodex zur Krebsbekämpfung neun Empfehlungen zur Vorbeugung von Krebs heraus:

 

  • Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht
  • Vermeiden Sie sehr kalorienreiche Lebensmittel und zuckerhaltige Getränke wie Limonaden und Fruchtsaftgetränke
  • Verzehren Sie hauptsächlich pflanzliche Lebensmittel, wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte.
  • Reduzieren Sie den Konsum von rotem Fleisch und vermeiden Sie verarbeitete Fleischwaren, wie Wurst, Schinken und Gepökeltes (Diese Empfehlung gilt auch weiter von der WHO, auch wenn es im Herbst 2019 ein gegenteiliges Studienergebnis gab: „Esst wieder Fleisch. Rotes Fleisch ist nicht gefährlich.“ Dieses Ergebnis hängt laut der Sendung Visite vom 22.09.19 mit der Finanzierung der Studie durch die USamerikanische Landwirtschaftslobby zusammen.1 Dagegen hat die Internationale Agentur für Krebsforschung im Jahr 2015 über 800 Veröffentlichungen zum Zusammenhang zwischen Krebs und rotem Fleisch bzw. verarbeiteten Fleischprodukten mit dem Ergebnis ausgewertet, dass verarbeitetes Fleisch als krebserregend und rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm, Ziege) wahrscheinlich als krebserregend eingestuft werden kann).2
  • Vermeiden Sie Alkohol
  • Reduzieren Sie den Konsum von Salz (Risiko für Magenkrebs) und vermeiden Sie verschimmelte Getreideprodukte
  • Vermeiden Sie Nahrungsergänzungsmittel
  • Stillen Sie Ihr Kind mindestens sechs Monate lang
  • Bewegen Sie sich mindestens 30 Minuten am Tag und versuchen Sie, weniger zu sitzen.1

 

30 % der Krebsfälle in westlichen Ländern sind auf ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zurückzuführen! Die Lebensmittel sollten abwechslungsreich, farbenfroh, ballaststoffreich und möglichst saisonal und regional sein. Einseitige Diäten, z.B. ein bestimmtes Gemüse, ein spezieller Tee oder der Verzicht auf Kohlenhydrate als kontraproduktiv, da sie genau das Gegenteil einer bunten Vielfalt darstellt. Wer empfohlene Lebensmittel nicht verträgt, sollte seinen Arzt oder einen professionellen Ernährungsberater befragen.2

 

Haben Vegetarier ein geringeres Krebsrisiko?

 

Vegetarier sollen weniger an Krebs erkranken. Neben dem Schwerpunkt auf pflanzlicher Ernährung und der Tatsache, dass Vegetarier selten übergewichtig sind, kommt sicher dazu, dass bei ihnen von einer insgesamt gesundheitsfördernden, bewussten Lebensweise ausgegangen werden kann.

 

Gibt es besondere Risikofaktoren für einzelne Tumorarten durch die Ernährung?

 

Im Bereich der Ernährung sind es besonders Übergewicht und Alkohol, die eine Krebsentstehung begünstigen. Immerhin 13 Krebsarten werden mit Übergewicht in Verbindung gebracht: Dick- und Enddarmkrebs, eine Form von Speiseröhrenkrebs, Nierenzellkrebs, Gebärmutterkörper- und Eierstockkrebs, Brustkrebs während und nach den Wechseljahren, Leber-, Gallenblasen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, Krebs des Mageneingangs, das multiple Myelom, Schilddrüsenkrebs und Meningeome.


Mit der Menge des Alkoholkonsums erhöht sich laut WHO das Risiko für Krebs in der Mundhöhle, im Rachenraum und im Kehlkopf. Wahrscheinlich steigt mit dem Alkoholkonsum auch das Risiko, an Speiseröhren-, Leber- und Brustkrebs zu erkranken.1

 

Übergewicht, Diabetes und Krebs: „Nur so viel essen, dass man nicht zunimmt“

 

Diese Empfehlung stammt von der Internationalen Krebsforschungsagentur. Das heißt, es geht nicht nur darum, was man isst, sondern auch wieviel. Übergewicht wird nicht nur direkt mit den besagten 13 Krebsarten assoziiert. Isst man mehr, als man verbraucht, speichert der Körper die überschüssige Energie als Fett ab. Als besonders gefährlich gilt das Bauchfett. Es gibt Botenstoffe (Zytokine) an die Umgebung ab, die Entzündungsprozesse auslösen und zum Teil als Wachstumsfaktoren dienen. Eine chronische Entzündung begünstigt Krebs. Wachstumsfaktoren können auch das Wachstum von Tumoren anregen. Fettzellen produzieren außerdem Östrogen. Das weibliche Sexualhormon kann das Wachstum hormonabhängiger Krebszellen, also in Brust und Gebärmutter, stimulieren.2

 

Ist Bio gesünder?

 

Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sind die meisten Lebensmittel in Deutschland schadstoffarm. Die Rückstände liegen bei 97 % der Lebensmittel in der Europäischen Union unter den gesetzlichen Grenzwerten. Dennoch sind Bio-Produkte mit weniger Pflanzenschutzmittelrückständen belastet und nicht gentechnisch verändert.2 Außerdem wird bei Bio-Fleisch nicht grundsätzlich, sondern nur in Notfällen Antibiotika angewendet.2

 

Welche Nährstoffe können das Krebsrisiko beeinflussen?

 

Fett in der Nahrung braucht der Mensch: Nur so kann er fettlösliche Vitamine aufnehmen. Zudem braucht er ungesättigte Fettsäuren für seine allgemeine Gesundheit. Allerdings erhöht ein hoher Fettanteil das Risiko für Übergewicht. In Studien konnte bisher nicht auseinanderdividiert werden, ob gesättigte oder ungesättigte Fettsäuren einen unterschiedlichen Einfluss haben.2
Studien zufolge gibt es keine Anhaltspunkte, dass Zucker und andere Kohlenhydrate Krebs, d.h. die Nährung von Tumorzellen, vorantreiben und der Verzicht darauf die Krebszellen „aushungert“.

 

Außerdem kann der Körper bei Bedarf aus allen Nährstoffen Traubenzucker bilden. Kohlenhydrate in Form von Ballaststoffen machen länger satt, vermeiden Heißhungerattacken und dienen den nützlichen Darmbakterien als Nahrung. Sie können das Risiko von Darmkrebs senken.
Sekundäre Pflanzenstoffe fördern die Gesundheit. Gut erforscht sind Carotinoide (Vorstufe von Vitamin A), Flavonoide (Farbstoffe), Schwefelverbindungen wie Sulforaphan in Brokkoli, Resveratrol aus Weintrauben, Epigallokatechin aus grünem Tee, Glucosinulate und Senfölglykoside in Kohlarten und Rettich. Für die krebshemmende Wirkung ist die Gesamtheit des Lebensmittels notwendig. Deshalb wird abgeraten, Einzelstoffe als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Die Einnahme hochdosierter isolierter Einzelstoffe kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken.2

 

Vitamine und Mineralstoffe – Mit Mikronährstoffen gegen Krebs?

 

Hier stellt sich vor allem die Frage, in welcher Form die Mikronährstoffe zugeführt werden. Auf natürliche Weise und in einer naturgemäßen Menge durch eine vitalstoffreiche Ernährung? Dann können sie eine krebshemmende Wirkung haben. Von der isolierten und hochdosierten Einnahme durch Nahrungsergänzungsmittel wird abgeraten. Ein Nutzen von Vitamin C und D in der Krebsvorbeugung konnte bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden. Wenn Krebspatienten oft einen Vitaminmangel haben, kann die Wissenschaft nicht klären, ob der Mangel die Mitursache oder die Folge der Erkrankung ist. Auch die Vitamine A, C und E, Multivitamintablette und Selen in Form von Nahrungsergänzungsmittel aufgrund der antioxidativen Wirkung können eher schaden als nützen.4
 

Superfoods im Kampf gegen Krebs?

 

Als Superfoods gelten Lebensmittel, die besonders reich an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen sind, wie Chiasamen, Gojibeeren oder Moranga. Manche werden nur getrocknet und als Pulver verkauft. Sie sollen aufgrund ihres hohen Gehalts an Antioxidantien auch Krebs vorbeugen können. Abgesehen davon, dass es auch hochwertige einheimische Superfoods gibt, wie Grünkohl, Brokkoli, Leinsamen und Beeren, werden besonders die als Tabletten propagierten Superfoods kritisch bewertet. Oft sind sie nur an Tieren oder Zellkulturen geprüft. Wenn sie nicht als Ganzes Lebensmittel verzehrt werden, sondern nur als Wirkstoffkonzentrat, besteht dasselbe Problem wie bei anderen Nahrungsergänzungsmitteln auch. Sie tragen nicht zur abwechslungs- und vitalstoffreichen frischen Kost bei.2

 

Schadstoffe und Krebs – Wie krebsfördernd sind Schimmel, Acrylamid, PAK, Nitrite & Co?

 

Schimmelpilzgifte gelten definitiv als krebserregend. Da Schimmel nicht nur da ist, wo man ihn sieht, z.B. am Anschnitt eines Brots, sondern auch unsichtbar in diesem Brot, sollte man angeschimmelte Produkte immer wegwerfen!
 

In Deutschland sind die Grenzwerte für Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, von Schwermetallen und radioaktiven Stoffen streng. Dennoch sind die Schadstoffe da. Krebsforscher gegen in den Industrieländern dennoch davon aus, dass falsche Ernährung und Übergewicht mehr zur Krebsentstehung beitragen als die Belastung durch Schadstoffe. Wer abwechslungsreich, Bio und saisongerecht isst, wird am wenigsten mit Schadstoffen belastet werden.


Acrylamid – Chemie beim Braten, Backen und Frittieren
Acrylamid entsteht beim Braten, Backen, Frittieren und Rösten von kohlenhydratreichen Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an der Aminosäure Asparagin, z.B. bei Pommes, Chips, Kartoffelpuffer, Keksen, Brot und geröstetem Kaffee. In Tier- und Laborversuchen zeigte Acrylamid eine erbgutverändernde Wirkung. Beim Menschen konnte dieser Zusammenhang noch nicht abschließend bewiesen werden.2


Acrylamid kann vermieden werden, wenn Getreide- und Kartoffelprodukte nur leicht angebräunt und nicht zu dunkel z.B. getoastet oder scharf angebraten werden. Backen unter 200 Grad und bei Umluft unter 180 Grad und die Verwendung von Backpapier reduzieren die Acrylamidbildung, wie auch Frittieren unter 175 Grad, Ei in Backwaren und Keksen sowie die Lagerung von Kartoffeln nicht unter 8 Grad. Besser Kochen statt braten!5


Heterozyklische Amine (HAA) und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
HAA und PAK zählen zu den Stoffen, die beim Grillen, scharfem Braten und beim Räuchern entstehen und das Risiko von Krebs, z.B. des Darms und der Blase, erhöhen können. Deshalb wird empfohlen, für fettiges Grillgut Grillschalen zu verwenden, Fleisch beim Grillen und Braten nicht verkohlen zu lassen bzw. verbrannte Stellen wegzuschneiden sowie gepökelte Fleisch- und Wurstwaren nicht zu grillen, da dabei zusätzlich krebsfördernde Nitrosamine entstehen.2


Nitrat, Nitrit und Nitrosamine
Nitratverbindungen, z.B. in Pökelsalz, sind relativ unbedenklich für die Gesundheit. Anders sieht es bei Nitriten aus. Sie können für Säuglinge gefährlich werden. Nitrite können im Körper aus Nitraten oder bei verderbenden Lebensmitteln entstehen. Kommen im Darm zu den Nitriten Eiweißbausteine dazu, entstehen Nitrosamine. Sie sind in Tierversuchen krebserregend und werden auch beim Menschen mit der Entstehung von Magenkrebs in Verbindung gebracht. Abhilfe schafft der Verzicht auf Fleischprodukte mit Nitritpökelsalzen sowie auf stark gedüngte Treibhausprodukte.2

 

Welche zusätzlichen Ernährungsempfehlungen gibt es bei einzelnen Krebsarten?

 

Bei Brustkrebs ist es besonders wichtig, Übergewicht zu verhindern. Da ein Brusttumor abhängig von Hormonen ist, sollten Brustkrebspatientinnen konzentrierte Phytoöstrogene in Nahrungsergänzungsmitteln meiden. Natürliche Mengen in abwechslungsreicher Ernährung sind vermutlich unbedenklich.


Bei Darmkrebs muss nach der Operation der Kostaufbau langsam durchgeführt werden. Zu viel Essen oder schwer verdauliche, blähende Speisen müssen zu Anfang zurückgestellt werden. Der Darm muss oft erst geduldig an Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und rohes Obst und Gemüse gewöhnt werden. Auch hier ist es wichtig, sein Normalgewicht zu erreichen. Es wird diskutiert, ob Übergewicht und Bewegungsmangel das Rückfallrisiko erhöhen.


Bei Prostatakrebs liegen keine ausdrücklichen Empfehlungen zur Vorbeugung, während der Therapie und als Rückfallprävention vor. Auch hier gilt: Die Energiebilanz zwischen Aufnahme und Verbrauch scheint wichtiger zu sein, als die Lebensmittel selbst.


Bei Lungenkrebs stehen Untergewicht und Mangelversorgung im Mittelpunkt. Empfohlen wird eine vielfältige, nährstoffreiche Ernährung und bei Bedarf eine Ernährungsberatung in einem Lungenzentrum.


Bei Hautkrebs gibt es keine zusätzlichen Empfehlungen, wie auch bei Harnblasenkrebs. Bei Magenkrebs braucht der Patient bei einer Entfernung des Organs Vitamin B12-Spritzen und eine professionelle Ernährungsberatung wie auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. Zusammengefasst kann man sagen, dass außer bei Untergewicht und Mangelversorgung zur Vorbeugung und auch bei einer Krebserkrankung keine spezielle Diät über die gesunde Ernährung hinaus angebracht ist.3 Weitere Infos über Selbsthilfegruppen und Patientenverbände finden sie auf der Seite krebsinformationsdienst.de.6

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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