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Erfrierungen und Frostbeulen: Gefahr im Winter besser nicht unterschätzen

Kommentar schreiben Dienstag, 26. Januar 2021

Sowohl Erfrierungen als auch Frostbeulen entstehen durch massive oder längere Kälteeinwirkung oder Feuchtigkeitseinwirkung. Viele Menschen meinen, dass man sich Erfrierungen und Frostbeulen nur bei Minusgraden zuziehen kann. Das ist ein Irrglaube. Nicht nur im Himalaya oder bei einem Flugzeugabsturz in den Anden kann man sich Erfrierungen und Frostbeulen zuziehen. Auch schon bei +6 Grad Celsius kann es dazu kommen, wenn gerade Frost herrscht oder eine hohe Luftfeuchtigkeit gegeben ist.1 Warum das so ist und wie man sich und seine Lieben im Winter am besten vor schädlicher Kälteeinwirkung schützt, lesen Sie hier.

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Unterscheidung zwischen Frostbeulen, Erfrierungen und Unterkühlung

Frostbeulen (Perniones) zeigen optisch, wie es der Name bereits erahnen lässt, eine Beule unter der Haut. Zunächst führt die kurzfristige starke Kälteeinwirkung oder die permanente Kälteeinwirkung über einen längeren Zeitraum dazu, dass sich die Haut rötlich und nach weiterer Zeit bläulich-rötlich verfärbt.2 Dann kommt es zu einer Hautschwellung und es können Blasen unter der Haut entstehen. Menschen, die zu Frostbeulen besonders in der feuchten, moderat kalten Herbstzeit neigen, haben vermutlich eine herabgesetzte Fähigkeit der Blutgefäße, dem Wetterumschwung angemessen zu begegnen. Die Frostbeule kann jucken und Schmerzen verursachen, heilt aber in der Regel nach einigen Wochen komplett aus.2

 

Erfrierungen (Congelatii) sind entweder lokale, eng begrenzte Gewebeschäden durch längerfristige oder kurzfristig-intensive Kälteeinwirkung. Eine Erfrierung im medizinischen Sinne ist prinzipiell eine Eiskristallbildung unter der Haut mit lokalen Gewebeschäden. Die Körperzellen im geschädigten Gewebe erleiden irreparable Schäden durch die mangelnde Durchblutung nach zu intensiver Kälteeinwirkung und sterben ab.3 Wie massiv das Gewebe durch eine Eiskristallbildung unter der Haut geschädigt wurde, kann man erst nach mehreren Tagen sagen. Im Anfangsstadium lassen sie sich noch gut behandeln, wenn man keinen Fehler in der Handhabung der Erfrierung macht. Sehr schwere Erfrierungen können jedoch mit Blauschwarzfärbung der Haut und Absterben des Gewebes (Nekrose) reagieren.4 In solchen Fällen können die Körperteile nicht mehr geheilt werden und müssen manchmal sogar amputiert werden. Das lässt sich jedoch erst nach Tagen beurteilen, denn die Hautschäden und die Blauschwarzfärbung (Gewebsnekrose) der Haut geschieht zeitverzögert.5

 

Von allgemeiner Unterkühlung (Hypothermie) sprechen Ärzte dagegen, wenn der gesamte Körper im Gegensatz zu einzelnen eng begrenzten Körperteilen unterkühlt ist, also bei unter 36 Grad Celsius (Körperkerntemperatur) liegt. Bei einer allgemeinen Unterkühlung des gesamten Körpers sinkt die Körperkerntemperatur auf unter 36 Grad Celsius im Vergleich zur üblichen Temperatur von 37 Grad ab.6 Auch eine langsame Abkühlung des gesamten Körpers kann schnell zu einer Unterkühlung (Hypothermie) führen. Zunächst versucht der Körper bei jeder längeren oder sehr intensiven Kälteeinwirkung thermisch gegenzusteuern. Durch unser Zittern der Körpermuskeln versucht unser Organismus, die Körperkerntemperatur durch Bewegung zu erhalten und gleichzeitig ein wahrnehmbares Signal für eine Unterkühlung an uns zu senden. Sinkt die Gewebetemperatur auf rund 15 Grad, reagiert unser Körper mit einer Engstellung der Gefäße – weniger Wärme wird dadurch nach außen abgegeben.7 Sinkt die Temperatur weiter ab, reagieren die Gefäße mit abwechselnder Eng- und Weitstellung. So wird die lokale Durchblutung in dem entsprechenden Körperteil gefördert. Leider wandert schließlich das warme Blut – das Blut im Körperkern beziehungsweise um das Herz herum im Körperstamm ist immer am wärmsten – vom Körperkern ab und es kommt zum nächsten Verlust von Körpertemperatur.

 

Wie schnell entstehen Erfrierungen und Frostbeulen?

Erfrierungen und Frostbeulen können schon in sehr kurzer Zeit von wenigen Minuten entstehen. Durch sehr tiefe Umgebungstemperaturen und sehr starken Wind oder Kontakt mit sehr kaltem Wasser oder sehr kalten Materialien wie Metall, Eis, Stickstoff oder Trockeneis kann es schon innerhalb von ein paar Minuten zu Haut- und Gewebeschäden kommen.8 Entsteht die Gewebeerfrierung mit Kristallbildung oder die Unterkühlung des Körpers durch Hautkontakt mit einem festen Material wie Metall oder ein chemisches Material wie Stickstoff, spricht man übrigens von einer „Kälteverbrennung“.9

 

Vorsicht bei feuchtem und windigem Klima

Besonders schnell kühlen Menschen aus, die ins Wasser fallen oder sich in einer kalten Umgebung befinden, in der es zusätzlich eine stärkere Windgeschwindigkeit gibt. Denn Feuchtigkeit und Wind verstärken die Kälteeinwirkung von außen massiv. Daher sind Menschen beim Schlittschuhlaufen nach einem Sturz ins kalte Wasser oder bei einem Skisturz in eine Schneewehe, Gletscherspalte oder nach einer Lawine  besonders gefährdet.10 Bläst ein Wind bei einer Außentemperatur von Minus 9 Grad mit einer Windgeschwindigkeit von 45 km/h oder mit einer Stärke von 6 Bft (Beaufort), fühlt sich die Außentemperatur für den Menschen wie Minus 31 Grad Celsius an. Übrigens: Unter solchen Klimabedingungen kann es schon binnen von 2 oder 3 Minuten zu Erfrierungen kommen.11 Denn der Wind pustet unsere schützende, warme Luftschicht um unseren Körper herum fort, sodass die Hauttemperatur gefühlt unter der Lufttemperatur liegt.

 

Personen und Körperteile, die besonders schnell unterkühlen oder erfrieren können

Menschen, die bereits körperlich erschöpft oder angeschlagen sind, neigen schneller zur Unterkühlung oder Erfrierung. Auch alte Menschen und Kinder erleiden schneller Unterkühlungen und Erfrierungen als gesunde Erwachsene. Besonders betroffen sind Ohren, Finger und Zehen, Nase und Wangen sowie alle anderen Körperteile, die von zu engem Schuhwerk oder zu enger Kleidung umschlossen sind.12

 

Diese Körperteile sind deshalb so anfällig, weil sie wenig Muskulatur und Körpergewebe haben und zugleich an Stellen liegen, die verstärkt dem Wind und der Luft ausgesetzt sind. Auch sind oft Körperregionen wie beispielsweise Füße betroffen, weil sie von zu beengter Bekleidung umgeben sind und sich so nicht ausreichend bewegen können, um die Durchblutung zu erhalten. Gefährlich sind auch zu enge oder zu feuchte Schuhe oder Kleidungsstücke.

 

Bei zu enger Kleidung kann unser Körper keine schützende, warme Luftschicht um die obere Hautschicht bilden. Auch bei zu feuchter Kleidung oder nassen Schuhen verpufft die wärmende Schutzschicht durch die Feuchtigkeit sofort. Besonders Kinder, Senioren und erkrankte Menschen sollten bei ersten Kälteanzeichen, Zittern, Rot- und Blauverfärbungen oder Kälteschmerzen an Körperteilen schnell ins Warme gebracht werden.13 Dann müssten die betroffenen Körperstellen konsequent aufgewärmt  werden. Es gibt außerdem Erkrankungen, die Erfrierungen, Frostbeulen und Unterkühlungen fördern: jegliche Erkrankung oder Situation, in der unser Körper schlechter durchblutet wird, ist schlecht für die Temperaturregulation des Menschen. Das kann durch Durchblutungsstörungen – beispielsweise auch bei Mädchen in der Pubertät, Frauen vor oder während der Menopause – oder durch Unterernährung, körperliche Schwächung, Rauchen, Alkohol, Diabetes oder Medikamente geschehen.14 Besonders bei Alkohol wie dem berühmten Glühwein im Winter werden die Gefäße erweitert, wodurch der Körper mehr Wärme an die Umgebung abgibt. Zumal viele Menschen vermeintlich glauben, dass ihnen wärmer wird, was jedoch nur auf die Weitstellung der Gefäß zurückzuführen ist. Wenn man im Kalten einen kleinen Likör auf dem Weihnachtsmarkt trinkt, dann rasch bewegen oder wirklich nur ein paar Schlückchen trinken.

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Was hilft gegen akute Unterkühlung?

Stadium 1:

- Die Person zeigt Zittern, blaue Lippen, ist unruhig, aber bei Bewusstsein. Die Person kann/will sich noch bewegen

- nasse Kleidung ausziehen, durch trockene Kleidung ersetzen

- die Person zum aktiv selber bewegen motivieren

- Ort aufsuchen, der möglichst windarm und warm ist

- andernfalls: Windschutz und warmen Untergrund organisieren (Rettungsfolie, Decke, Plane, etc.)

- auch die „Zitterphase“ in Stadium 1 nicht unterschätzen

- die Unterkühlung des gesamten Körpers ist in der Regel schneller lebensbedrohlich als lokale Erfrierungen

- manche Patienten reagieren in Stadium 1 bereits mit Hyperventilation, niedrigen Blutdruck oder Herzrasen.15

 

Stadium 2:

- Die Person wirkt schläfrig, apathisch (teilnahmslos) und verwirrt

- Die Person kann/will sich nicht mehr zum Bewegen motivieren

- Kritischer Unterkühlungsgrad: nasse Kleidung nicht mehr ausziehen, nicht die Person unnötig bewegen, insbesondere nicht die Beine und Arme bewegen

- Person von unten und oben aus vorsichtig warm einpacken

- Den Körperstamm (Rumpf, Bauch, Herzgegend) durch Heißgetränk, Trinkflasche, Wärmflasche zusätzlich wärmen – aber Vorsicht: Wärmeflasche und Wärmekissen nicht direkt auf das Unterhemd geben, sondern zwischen Überjacke und Unterjacke (sonst besteht Verbrennungsgefahr)

- gut zureden, motivieren und beruhigen

- Notruf anrufen16a

 

An dieser Stelle ist es wichtig, dass Sie den Unterkühlten nicht bewegen, da das Blut aus den unterkühlten Körperteilen bei Bewegung zurück zur Körpermitte fließt und im schlimmsten Fall einen Kreislaufschock auslösen kann und den lebensnotwendigen Körperstamm weiter auskühlt. Dieses Zurückfließen des kälteren Bluts aus Armen  und Beinen in den Körperstamm mit dem wärmeren Blut mit dem anschließenden Kreislaufschock ist auch als „Bergungstod“ bekannt.

 

Was hilft gegen Erfrierungen?

Bei Erfrierungen 1. und 2. Grades:

- sofort die Kälte verlassen

- beengte Schuhe und beengte Kleidungsstücke lockern

- Schuhe erst ausziehen, wenn die Person im Warmen ist und die Schuhe nicht erneut anziehen muss

- aufwärmen durch Bewegungen der betroffenen Person selbst (Zehen bewegen, Hände bewegen, Hampelmännchen-Springen)

- wenn das nicht mehr hilft, das erfrorene Körperglied sanft anwärmen, damit die Anwärmphase nicht zu sehr schmerzt durch einen nicht allzu warmen Gegenstand (eine lauwarme Tasse mit Kaffee, ein lauwarmes Wasserbad für Hände und Füße)

- erfrorene Körperteile niemals mit trockener oder zu intensiver Hitze erwärmen (nicht mit Heizung, Lagerfeuer, Fön, Heizkissen)

– die bereits erfrorene Haut, die bereits ohne Gefühl ist, kann verbrannt werden

- erfrorene Person, wenn sie sich draußen befindet und bis zur Rettung im Freien warten muss, nicht aktiv die Gliedmaßen erwärmen

- Frieren Erfrierungen erneut ein, wird das Gewebe noch schwerer beschädigt

- Dennoch: Eine wärmende Decke und trockene Kleider werden immer empfohlen

- neue Kälteeinwirkung verhindern

- gut zureden, motivieren und beruhigen16b

 

Bei Erfrierungen 2. Grades mit Frostbeulen (Frostbeulen signalisieren bereits Ende von 2. Grad, kurz vor 3. Grad)

- sterilen Verband anlegen

- Blasen nicht öffnen, Infektionsgefahr

- das betreffende Körperteil hochlagern

- das betreffende Körperteil nicht bewegen

- den Notruf anrufen oder sofort ins Krankenhaus fahren

- erfrorene Person, wenn sie sich draußen befindet und bis zur Rettung im Freien warten muss, nicht aktiv die Gliedmaßen erwärmen

- eine wärmende Decke und trockene Kleidung idealerweise vorsichtig umlegen, vor Wind schützen17

 

Wie kann man Erfrierungen und Frostbeulen vorbeugen?

Wie so oft, gilt auch hier, dass die beste Therapie gegen Erfrierungen das Vorbeugen ist. Folgende Handlungsweisen helfen, eine Erfrierung oder Unterkühlung zu vermeiden:

-  Wetter mit zu hoher Luftfeuchtigkeit und zu starkem Wind zu vermeiden

- witterungsangemessene Kleidung und Schuhe tragen

- auf hochwertige Winterkleidung achten, Mütze, Handschuhe, Socken, Schuhe, Unterhose, Unterhemd, Oberjacke, Unterjacke

- für Bergsteiger auf hochwertige Winterausrüstung achten, zwei Paar Handschuhe übereinander tragen

- Mütze anziehen: 30 Prozent der Körperabwärme verlieren wir über den Kopf

- feuchte Kleidung direkt nach der anstrengenden Tour ausziehen und trockene Kleidung anziehen

- genügend trinken, aber nicht zu lange Pausen einlegen

- beim ersten Zittern sofort aktiv bewegen, nicht sitzen bleiben, aktiv bleiben

- sich auf Bergtouren und bei anstrengenden Spaziergängen in der Kälte aufmerksam gegenseitig beobachten:

- Fragen stellen wie: sind die Lippen bläulich, zittert die Person, wirkt sie teilnahmslos, erschöpft o.ä.?

- körperliche Überanstrengung und Erschöpfung vermeiden18

 

Welcher Arzt ist zu kontaktieren?

Bei Erfrierungen ab Erfrierungen 2. Grades mit oder ohne Frostbeulen und bei Unterkühlungen ist immer der Notarzt zu rufen, da sich niedergelassene Ärzte gewöhnlich nicht mit diesen akuten Notfällen auskennen und nicht über die nötige Ausrüstung verfügen – wie beispielsweise einen intravenösen Zugang legen können, eine Reanimation einleiten können, die Körperkerntemperatur minutiös verfolgen oder Katecholamine verabreichen können.

 

Fragwürdige Frostbeulen als Symptom von Covid-19

Übrigens: Die seltenen Veränderungen an den Füßen von Patientinnen und Patienten, die sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert hatten, stellen keine Frostbeulen dar. Zwar sähen diese den Berichten der ÄrzteZeitung zufolge den schmerzhaften Läsionen durch Frostbeulen ähnlich. Doch stellen die rötlichen und papulösen (bläschenartigen) Läsionen vermutlich nur eine „immunologische Antikörper-Antigen-Reaktion“ im späteren Verlauf der Coronavirus-Infektion dar.19

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Quellen anzeigen

Maria Köpf
Autor: Maria Köpf

Frau Maria Köpf ist seit 2018 als freie Autorin für apomio tätig. Sie ist ausgebildete Pharmazeutisch-technische Assistentin und absolvierte ein Germanistik- und Judaistik-Studium an der FU Berlin. Inzwischen arbeitet Maria Köpf seit mehreren Jahren als freie Journalistin in den Bereichen Gesundheit, Medizin, Naturheilkunde und Ernährung. Mehr von ihr zu lesen: www.mariakoepf.com.

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