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Zur Rose setzt 2020 auf Joint Ventures mit Migros

Kommentar schreiben Mittwoch, 22. Januar 2020

Das Schweizer Unternehmen Zur Rose versucht die Karten zu seinen Gunsten auch zukünftig geschickt zu mischen. Dafür setzt der größte europäische Versandplayer im Bereich Arzneimittelversand weiter auf Zusammenarbeit mit dem Schweizer Nahversorger „Migros“.

 

Shop-in-Shop und gemeinsame Online-Plattform

 

Wie im Juni 2019 bereits kommuniziert, möchte Zur Rose in der Schweiz ab Januar 2020 die  Zusammenarbeit mit Migros intensivieren. Bereits seit drei Jahren kooperiert Zur Rose in der Schweiz mit der bedeutenden Supermarktkette Migros. Bis November 2018 betrieb Zur Rose auf kleinster Marktfläche Shop-in-Shop-Apotheken in Migros-Märkten in Basel, Zürich und Bern. Neben der bedeutenden Nahversorgung durch das Detailhandelsunternehmen wickelt die Migros-Gemeinschaft ebenfalls die Belieferung von über 50 Ärztezentren des Unternehmens Medbase und die Versorgung von über 40 Apotheken der ältesten Schweizer Apothekenkette Topwell ab. Walter Oberhänsli, Konzernchef von Zur Rose - Mutterkonzern von DocMorris - betrachtet die weitere strategische Zusammenarbeit in eigenen Worten als großes Potenzial, „um die Qualität in der Patientenversorgung zu verbessern und gleichzeitig die Gesundheitskosten zu senken.“ 1

 

Zur Rose eröffnet weitere Shop-in-Shops in Migros-Märkten

 

Seit 2017 kooperiert Zur Rose mit Migros, indem es in Migros-Supermärkten ein bunt gefächertes Apothekensortiment im Rahmen einer Shop-in-Shop-Apothekenverkaufsfläche betreibt. Die ersten Kooperationen in Basel, Zürich und Bern zeigten sich offenbar erfolgversprechend. Kunden ihrer Apotheken in den Migros-Märkten gewährt Zur Rose seit Sommer 2017 die gleichen Preiskonditionen wie in der Versandapotheke – nach eigenen Angaben sind RX-Medikamente um 12 Prozent günstiger und OTC- sowie Gesundheitsprodukte um 40 Prozent günstiger als in anderen Apotheken. Auch in Crissier sollen Kunden von sogenannten „Cumulus-Punkten“ für ihre Bezüge profitieren. 2

 

Eine Sprecherin der Zur Rose Suisse AG teilte auf apomio-Anfrage über das Roll-Out weiterer Zur Rose-Filialen in Migros-Häusern mit: „Das Konzept der Shop-in-Shop-Apotheken wird nach einer erfolgreichen Pilotphase im Rahmen des einen Joint Ventures mit Medbase unter der Marke Zur Rose weiter ausgerollt“. 3 Bestehende Angebote in Basel, Zürich und sollen in der Stadt Bern im Migros-Markt Einkaufszentrum Welle 7 um eine weitere Zur-Rose-Apotheke ergänzt werden. Auch in Migros-Verkaufsstellen in den Städten Crissier und Spreitenbach sind neue Shop-in-Shop-Apotheken in Planung. Eigenen Angaben zufolge konzentriert sich Zur Rose aktuell auf Gebiete in der Westschweiz.  4

 

Gemeinsamer Webshop mit Medbase

 

Zusätzlich kooperiert Zur Rose ab Januar auch in Punkto Webshop mit der Migros-Tochter Medbase. Eine Zur Rose-Sprecherin ergänzte auf apomio-Anfrage: „Seit Jahresbeginn betreiben die beiden Partner ebenfalls unter der Marke Zur Rose einen gemeinsamen Webshop für frei verkäufliche Gesundheits- und Pflegeprodukte. Dieser solle mittelfristig als Marktplatz betrieben werden - auf dem Portal werden künftig auch weitere Partner der Zur Rose ihre Produkte anbieten können.“ 5  Auf der Online-Plattform werden neben gemeinsamen Angeboten auch Beiträge zu medizinischen, pharmazeutischen und therapeutischen Themen publiziert. Die Kommunikationsabteilung von Zur Rose sagte apomio über die gemeinsamen Unternehmensziele: „Im Rahmen der Zusammenarbeit nutzen die beiden Unternehmen ihre medizinischen und pharmazeutischen Kompetenzen und entwickeln gemeinsam Modelle für eine qualitativ hochwertige, moderne, sichere und kostengünstige Versorgung mit Medikamenten, Gesundheitsprodukten und weiteren Dienstleistungen.“ 6 Zur Rose forciert dabei Experten zufolge „innovative Gesundheitsdienstleistungen im Rahmen einer vielseitigen Gesundheitsplattform“. 7

 

Zur Rose setzt auf „bequemen Einkauf“

 

Vor dem Hintergrund zunehmend globaler, vielseitiger und flexibler Absatzwege von medizinischen und pharmazeutischen Dienstleistungen vernetzen sich Unternehmen zunehmend, um im Wettbewerb um Kundenbindung zu bestehen. Früheren Pressemitteilungen zufolge setzt Zur Rose bei Kunden auf vielseitige Alltagserleichterung: „Die Kunden von Zur Rose profitieren beim Einkauf in der Shop-in-Shop-Apotheke in mehrfacher Hinsicht. Sie können den Gang zur Apotheke bequem mit ihrem Einkauf in der Migros verbinden und gewinnen so wertvolle Zeit.“ 8 Branchenübergreifend lancieren Unternehmen seit Jahren das sogenannte „Omni-Channel-Konzept“, indem sie bewusst mehrere Kanäle gleichzeitig pflegen und betreiben, beispielsweise parallel Nahkauf, Internet und Produktkataloge. Apothekenprodukte von Zur Rose sollen in einem 2016 beschriebenen Konzept nebst Abholung in der Filiale auch online bestellt oder nach Hause geliefert werden können. Damals betonte Walter Oberhänsli in einer Verlautbarung der Gruppe: «Durch die Verknüpfung von online und stationär treten wir auf die sich verändernden Marktbedürfnisse ein und bieten einen zusätzlichen Service», so CEO Oberhänsli. 9

 

Weitere Details zum Roll-Out noch offen

 

Die genaue Anzahl der Shop-in-Shop-Angebote sowie weitere Details zur inhaltlichen Ausgestaltung des gemeinsamen Webshops möchte der Konzern zu einem späteren Zeitpunkt kommunizieren. Dem Tagblatt.ch zufolge zeigen sich Bankanalysten der Baader Bank und der Zürcher Kantonalbank erfreut von den Gemeinschaftsunternehmen: Die Experten versprechen sich dem Blatt zufolge von den Joint-Ventures positive Folgen auf Wachstum und Erweiterung der Schweizer Zielgruppen von Zur Rose und Medbase. 10

 

Gesundheitsdienstleister Medbase

 

Die Medbase AG mit Sitz in der Schweiz widmete sich ursprünglich dem Aufbau von Physiotherapie- und Arztzentren. Seit Mitte Oktober 2015 übernahm der Gesundheitsdienstleister Medbase 70 Prozent der Santémed-Medizinzentren der Schweizer Krankenkasse „Swica“. Auch bietet das Unternehmen in der Schweiz sogenannte „Medical Center“ zur Versorgung und Prävention von Patienten mit ambulanten Therapieangeboten von Ärzten und Heilpraktikern an. Nach eigenen Angaben von Medbase ist die Firma „größter Dienstleister in der ambulanten medizinischen Grundversorgung“.  Der Zusammenschluss mit Versandapotheke und Ärztegrossist Zur Rose dient Medbase der strategischen Kooperation gemeinsamer „medizinischer und pharmazeutischer Kompetenzen“. 11

 

Große Umsatzerwartungen bei der Zur Rose-Gruppe bis 2022

 

Das ursprünglich aus einer Ärztefusion hervorgegangene börsennotierte Unternehmen Zur Rose betreibt nach Eigenangaben das „führende elektronische Arzneimittelunternehmen in Europa“. 12 Tätig ist das Schweizer Unternehmen hauptsächlich in der Schweiz, Deutschland und Österreich im Bereich des Arzneimittelversands. In Frankreich, Spanien und Italien widmet sich der Versandriese dem Bereich Gesundheitsprodukte und Kosmetik.

 

Markant wuchs der Umsatz im Kernmarkt Deutschland insbesondere durch die Übernahme von medpex im Jahr 2019: laut Halbjahresreport um 46,2 Prozent auf 447,38 Euro. 13 Auch der Kauf und die Integration des deutschen Versandunternehmens apo-rot Service GmbH in Hamburg in 2019 führte erwartungsgemäß zu Umsatzzuwächsen. Im Heimatland Schweiz wuchs der Konzernumsatz nach Angaben im Halbjahresbericht 2019 mäßig kontinuierlich um 4,3 Prozent auf 254,4 Millionen Euro - trotz regulatorisch bedingter Preissenkungen von 4 Prozent gegenüber 2018. Um das erhöhte Umsatzvolumen der zukünftigen Jahre abzuwickeln, ließ das Unternehmen in der niederländischen Stadt Heerlen ihr Logistikzentrum ausbauen. Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz beliefert das Unternehmen von Logistikzentren in Heerlen und Halle aus.

 

Die Zur Rose-Gruppe plant eine Verdopplung ihres im Jahr 2018 erzielten Umsatzes bis Ende 2022. Diese euphemistischen Erfolgszahlen fußen nach Eigenangaben des Unternehmens im Wesentlichen auf prognostizierten Verkaufsumsätzen der 2019 einverleibten medpex-Tochter sowie darauf, dass sich der Schweizer Konzern von der Einführung des E-Rezepts in Deutschland erhebliche Mehreinnahmen verspricht: „Die Zur Rose Gruppe peilt eine Verdopplung des 2018 erzielten Umsatzes an. Wie bereits kommuniziert, liegt die EBITDA-Zielmarge für 2022 bei 5 bis 6 Prozent, entsprechend CHF 120 bis 150 Millionen Schweizer Franken beziehungsweise 112 bis 140 Millionen Euro. 14

Maria Köpf
Autor: Maria Köpf

Frau Maria Köpf ist seit 2018 als freie Autorin für apomio tätig. Sie ist ausgebildete Pharmazeutisch-technische Assistentin und absolvierte ein Germanistik- und Judaistik-Studium an der FU Berlin. Inzwischen arbeitet Maria Köpf seit mehreren Jahren als freie Journalistin in den Bereichen Gesundheit, Medizin, Naturheilkunde und Ernährung. Mehr von ihr zu lesen: www.mariakoepf.com.

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