© Leo Wolfert

Apothekengründungen 2018: Das waren die Trends

Kommentar schreiben Mittwoch, 21. August 2019

Eine stichprobenartige Analyse der apoBank aus Juli 2019 hat das Thema Apothekengründungen im Jahr 2018 untersucht. Das Ergebnis vorneweg: Die Schere für Übernahmepreise bereits bestehender Apotheken geht für besser und schlechter gehende Apotheken zunehmend auseinander. Existenzgründer werden der apoBank-Analyse zufolge immer jünger und als Gründungsort werden größere Städte unter Apothekern immer beliebter.

 

Methodisch ging die Beobachtungsstudie auf Basis von Stichproben bei rund 330 Apothekengründungen vor, die die Bank selbst im Jahr 2018 finanziell begleitete. Jährlich analysiert die Deutsche Ärzte- und Apothekerbank (apoBank) die Daten des vorangegangenen Jahres. Die Daten wurden anonymisiert ausgewertet und auf der Internetseite der apoBank veröffentlicht.

 

Übernahmen immer beliebter

 

Offenbar werden Übernahmen bereits bestehender Apotheken bei Apothekengründern immer beliebter. Insgesamt zeigte sich bei Gesamtinvestitionen nach Gründungsart im Vergleich zum Vorjahr, dass Übernahmen die mit Abstand beliebteste Apothekengründungsform bleiben. Besonders Übernahmen von Einzel- und Hauptapotheken erfreuten sich im letzten Jahr wachsender Beliebtheit. An zweiter Stelle rangierten Übernahmen von Filialapotheken, an dritter Stelle Neugründungen von Einzel-oder Hauptapotheken.

 

Investitionshöhen bei Apotheken stark angestiegen

 

Im Vergleich zu den Vorjahren erwiesen sich Übernahmen bereits bestehender Apotheken als beliebteste Form der Apothekengründung. Unter dem Begriff Gesamtinvestitionen fasste die apoBank den Übernahmepreis, das gegebenenfalls übernommene Warenlager und die Investitionen zusammen. Als Investitionen definierte die apoBank die getätigten Ausgaben für Einzelinvestitionen, wie zum Beispiel Umbaumaßnahmen, Offizinausstattung, EDV, Computer, Kommissionierer.

 

Maßgeblich für deutlich höhere Gesamtinvestitionen war der Analyse zufolge der gestiegene Kaufpreis für Apotheken. Als prägender Faktor für den gestiegenene Kaufpreis erwies sich der ideelle Faktor von Apotheken. Im Unterschied zum materiellen Kaufwert liegt der ideelle Kaufwert einer Apotheke deutlich höher, wenn Apotheken von guter Lage, stabiler Stammkundschaft und optimalen Vertragspartnern (Herstellerkontakten etc.) profitieren.

 

Der ideelle Wert stieg offenbar im vergangenen Jahr um insgesamt 23 Prozent an. Kostete eine Apothekenübernahme im Jahr 2017 noch 385.000 Euro, mussten Apotheker 2018 bereits 458.000 Euro berappen, um eine eigene Apotheke zu gründen. Das entspricht einem Vorjahresanstieg um stolze 73.000 Euro.

 

Betrachtet man die getätigten Gesamtinvestitionen für den Apothekenkauf, Warenlager und Einzelinvestitionen, stiegen die Ausgaben um insgesamt 11,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. So mussten Apothekeninteressenten 2018 für den ideellen Kaufpreis 311.000 Euro hinnehmen,  zudem 74.000 Euro für den materiellen Kaufpreis, 108.000 Euro für das Warenlager sowie 32.000 Euro für Einzelinvestitionen einplanen.

 

Die Schere am Apothekenmarkt geht auseinander

 

Offenbar geht der Trend hin zu hochpreisigen Apotheken, während kleinere Apotheken eine stark schwankende Entwicklung zeigen. Während Apothekenkäufer im Segment „Kaufpreis über 600.000 Euro“ im Vorjahresvergleich knapp 25 Prozent Übernahmen tätigten, sank ihr Interesse bei Apotheken im Segment „Kaufpreis zwischen 300.000 bis 599.000 Euro“ in den letzten Jahren eher ab. Hierfür interessierten sich nur 14 beziehungsweise 16 Prozent der Käufer.

Im Gegensatz dazu wurden Apotheken wieder zunehmend interessanter, wenn ihr Kaufpreis unter 300.000 Euro lag. Kleinstapotheken, die unter 150.000 Euro Übernahmepreis kosteten, verzeichneten sogar einen ähnlich großen Investoranteil wie die teuersten Apotheken (über 600.000 Euro Investitionssumme): Für solche Kleinapotheken begeisterten sich ganze 23 Prozent der Investoren.

 

Viele scheuen das Risiko für Neugründungen

 

Die Schere der Übernahmepreise geht am Apothekenmarkt auffällig auseinander. Entweder kaufen sich Apotheker eine Bestandsapotheke, die ausgesprochen gut geht  oder sie setzen ihre Existenzgründung auf kleine Apotheken, für die sie nur einen kleinen Preis zahlen müssen. Der Apothekenmarkt zeigt sich insgesamt als Übernahmemarkt, indem bestehende Apotheken aufgekauft, um- und ausgebaut werden, diese Option wählen 55 Prozent der Käufer. 31 Prozent der Käufer entscheiden sich für eine Filialgründung, nachdem sie zuvor in einer anderen Apotheke angestellt gewesen waren. Nur 3 Prozent gehen das Wagnis ein, sich für eine Neugründung einer Apotheke zu entscheiden. Anzunehmenderweise erscheint vielen das Wagnis, einen hohen Kredit über 30 Jahre hinweg angesichts einer in den letzten Jahren wackeligen Apothekenentwicklung in Deutschland zu riskant.


Apothekengründer werden jünger

 

Zum Gründerpool sagt die apoBank in ihrer Studie, dass es jünger wird: „Das Durchschnittsalter sinkt, der Anteil jüngerer Existenzgründer steigt bei gleichzeitigem Rückgang älterer“, so die Analyse-Auswertung. Dafür zog die apoBank die erstmaligen Apothekengründer heran. Waren Apothekengründer im Jahr 2016 im Schnitt noch 38 Jahre alt, gingen das Wagnis im Jahr 2018 durchschnittlich ApothekerInnen mit 36,3 Jahren ein. Unter den 40- bis 44- Jährigen wagten den Schritt 2018 noch 16 Prozent (2017: 18 Prozent), während sich die Gründungstendenz bei den über 50-Jährigen nur noch mit 4 Prozent (2017: 8 Prozent) zeigte. Auffällig ist, dass es mehr Gründerinnen unter den erstmaligen Apothekengründern gibt (Frauenanteil: 62 Prozent, Männeranteil: 38 Prozent), jedoch sind Männer offenbar etwas früher entschlossen, die verbundenen Risiken einzugehen. Im Schnitt waren Frauen bei der Apothekengründung 37,4 Jahre alt, während Männer 34,7 Jahre jung waren.

 

Größere Städte und Ortschaften immer beliebter

 

Auch diese Analyse stützt die Tendenz der letzten Jahrzehnte auf dem Apothekenmarkt hin zu weniger Land- und mehr Stadtapotheken. Gerade in schwach besiedelten Gebieten mit einer Bevölkerungsverteilung von 10 Prozent fanden nur 7 Prozent Apothekengründungen statt. Deutlich beliebter waren Mittelstädte und Großstädte: Hier kam es zu Gründungen in 34 Prozent (Mittelstädte) und 35 Prozent (Großstädte) der Fälle. Für Kleinstädte interessierten sich noch immerhin 24 Prozent der Gründer. Als Kleinstädte bezeichnete das Bankenunternehmen Städte mit 5000 bis 20.000 Einwohnern, als Mittelstädte solche mit einer Einwohnerzahl von 20.000 bis 100.000 Einwohnern und als Großstädte solche mit über 100.000 Einwohnern.

 

 

 

 

Quellen (Stand: 22.08.2019):

Apothekengründungen 2018, Trends und Veränderungen:

https://existenzgruendung.apobank.de/gruenderwissen/existenzgruendung_apotheker.html

Analyse unter den Existenzgründern der apoBank für das Jahr 2018:

https://existenzgruendung.apobank.de/content/dam/g8008-0/existenzgruendung/exi-grafiken/existenzgruendung_apotheken_2018.pdf

Maria Köpf
Autor: Maria Köpf

Frau Maria Köpf ist seit 2018 als freie Autorin für apomio tätig. Sie ist ausgebildete Pharmazeutisch-technische Assistentin und absolvierte ein Germanistik- und Judaistik-Studium an der FU Berlin. Inzwischen arbeitet Maria Köpf seit mehreren Jahren als freie Journalistin in den Bereichen Gesundheit, Medizin, Naturheilkunde und Ernährung. Mehr von ihr zu lesen: www.mariakoepf.com.

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.

Beiträge die Sie auch interessieren könnten

Rezept-Versandverbot: Eine Gegenüberstellung
Rezept-Versandverbot: Eine Gegenüberstellung

Das Bangen und Hoffen um ein RX-Versandverbot ist seit dem EuGH-Urteil im Oktober 2016 nach wie vor ein heißes Eisen für Befürworter und Gegner. In den Worten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wird hier immer noch mit „gleich langen Spießen“ gefochten. Zwei Jahre später, zum Apothekertag Mitte Oktober 2018, will Gesundheitsminister Spahn nun ein Gesamtpaket zu dem Thema vorlegen. Letztlich geht es um immense Einbußen, die deutschen Versandapotheken durc...

––– Weiter lesen
Amazon und PillPack: Nicht alles, was neu ist, ist böse – oder doch?
Amazon und PillPack: Nicht alles, was neu ist, ist böse – oder doch?

Wo lukrative Märkte sind, ist Amazon nicht weit - und allein der deutsche Medikamentenmarkt ist rund 40 Milliarden Euro schwer. In den USA gibt es bereits einen Prototyp für rezeptpflichtigen Versand via Amazon. Wenn die Regulierungen hierzulande nicht so streng wären, wäre Amazon wohl auch im deutschen Medikamentenmarkt präsent - so die Bewertung eines Sprecher des BVDVA. Seit Mai 2017 kooperiert Amazon bereits mit einer Apotheke, die auf der Amazon-Plattform OTC-A...

––– Weiter lesen