Kurkuma: Gewürz, Arzneipflanze – und vielleicht sogar „Wunderknolle“ Mittwoch, 17. Mai 2017

Kurkuma: Gewürz und Arzneipflanze | apomio Gesundheitsblog © akepong – Fotolia.com

Kurkuma (auch als Gelbwurz, Gelber Ingwer oder Safranwurzel bekannt und oft „Curcuma“ geschrieben) feiert in den letzten Jahren große Erfolge – nicht nur als exotisches Gewürz bei experimentierfreudigen Köchen, sondern auch als Arzneipflanze, der man vielfältige heilsame Wirkungen nachsagt.

Kurkuma ist eine aus Südostasien stammende Pflanze aus der Familie der Ingwergewächse. Sie bildet eine dem Ingwer sehr ähnliche Knolle, ist aber, im Unterschied zum Ingwer, von einer ganz intensiv gelben Farbe. Die Inhaltsstoffe dieser Knolle, des sogenannten Rhizoms, werden in getrockneter und pulverisierter Form zur Herstellung von Arzneimitteln, als Gewürz und auch als Farbstoff genutzt. Viele kennen Kurkuma gar nicht als eigenständige Pflanze, sondern lediglich als einen der Hauptbestandteile von Currypulver. Diese Gewürzmischung erhält durch Kurkuma ihre typische gelbe Farbe, was wiederum dem ockergelb-orangefarbenen Farbstoff Curcumin zu verdanken ist. Aus diesem Grund wird Kurkuma als Farbstoff verwendet: Unter der Bezeichnung E 100 findet man es zum Beispiel in Senf, Teigwaren, Kurkuma-Reis wie auch in Margarine und Wurst.

Kurkuma das „Gewürz des Lebens“

In Asien galt Kurkuma einst als heilig und war schon immer eines der wichtigsten Gewürze. In der ayurvedischen indischen Küche gehört es zu den „heißen“ Gewürzen, denen eine reinigende und energiespendende Wirkung zugesprochen wird. Während es in Indien zumeist in getrockneter Form verwendet wird, reibt man in Südostasien, etwa in Thailand, am liebsten frisch etwas von der ganzen Knolle ab. Frisch gerieben hat die Kurkuma-Knolle einen eher scharfen Geschmack, getrocknet dagegen wird sie als mild-würzig und nur leicht bitter wahrgenommen. Bei uns im Westen spielt Kurkuma bisher nur bei Liebhabern der asiatischen Küche eine Rolle, dann auch oft „nur“ als Bestandteil von Currypulver. Auch als Safran-Ersatz wird Kurkuma genutzt, denn es verleiht eine ebenso schöne sattgelbe Farbe, ist aber wesentlich günstiger zu haben als der sehr teure Safran.

Als Heilpflanze wird das urig aussehende Gewächs in der traditionellen indischen Heilkunst Ayurveda schon seit mehreren tausend Jahren – ebenso wie in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) – eingesetzt. Asiatische Naturheilkundige bezeichnen es auch als „Gewürz des Lebens“, das vielfältige Krankheiten heilen oder lindern kann. So wird Kurkuma z.B. in der traditionellen Medizin Indonesiens zur Stärkung des Immunsystems, zur Vorbeugung von Infektionen und Atemwegserkrankungen und gegen viele einzelne Krankheiten eingesetzt.

In der westlich orientierten Medizin sieht man in Kurkuma zwar beileibe kein „Wundermittel“, allerdings gibt es viele seriöse Hinweise darauf, dass seine Inhaltsstoffe in der richtigen Aufbereitung und Kombination die Therapie und Vorbeugung mehrerer Krankheiten zumindest unterstützen können. So soll Kurkuma entzündungshemmend und präventiv gegen die Alzheimer-Demenz wirken, und einige Studien haben deutliche Anzeichen ermittelt, dass Kurkuma sogar das Krebswachstum hemmen soll. Als unstrittig gilt, dass Kurkuma Verdauungsbeschwerden und andere Probleme im Magen-Darm-Bereich lindern kann. Ein Beleg dafür ist, dass Kurkuma in Deutschland schon seit den 1930er-Jahren offiziell im Deutschen Arzneibuch (DAB) gelistet ist; zusätzlich wurde 1978 der ebenfalls zur Gattung Curcuma gehörende Javanische Gelbwurz ins DAB aufgenommen. Hier ist nachzulesen, dass eine exakte und ausreichende Dosis entscheidend für die arzneiliche Wirkung sein soll.

Was steckt in Kurkuma – und was kann die „tolle Knolle“?

Kurkuma enthält zu einem hohen Anteil den schon erwähnten natürlichen Farbstoff Curcumin, daneben liefert sie wirkstoffreiche ätherische Öle sowie als allgemeine Bestandteile u.a. Zucker und Proteine. Vor allem das Curcumin ist immer wieder Gegenstand internationaler wissenschaftlicher Studien zu vielen verschiedenen Krankheiten. So gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass der Farbstoff u.a. eine krebshemmende, antioxidative – also freie Radikale bekämpfende – und entzündungshemmende Wirkung hat. Letztere hat man etwa bei Patienten mit Knie-Arthrose nachgewiesen.

Ebenso sind die krebshemmenden Eigenschaften des Curcumin bereits in mehreren Untersuchungen belegt worden. So hat beispielsweise eine Studie ergeben, dass Curcumin Darmpolypen – oft eine Vorstufe des Darmkrebses – verkleinerte bzw. zurückdrängte und damit dem Darmkrebs vorbeugen konnte. Zudem scheint Curcumin – vor allem in Kombination mit einem gängigen Therapeutikum – in der Lage zu sein, die Bildung und Ausbreitung von Metastasen bei Brustkrebs zu hemmen, wie amerikanische Wissenschaftler bei Experimenten mit Mäusen herausgefunden haben.

Nicht zuletzt scheint Curcumin positiv auf die Stabilität der Knochen zu wirken, indem es bestimmte Stoffe hemmt, die die Knochensubstanz abbauen und damit den Knochenabbau reduziert. Dass es außerdem dem durch Östrogenmangel bedingten Verlust der Knochendichte entgegenwirkt, konnte eine weitere Studie an Mäusen zeigen.

Vielversprechende Forschungsergebnisse …

Auch in Deutschland veröffentlichen Forscher, die die Wirkung von Kurkuma auf die menschliche Gesundheit im Labor untersuchen, immer wieder vielversprechende Ergebnisse. So fanden Wissenschaftler der Universitäten Stuttgart-Hohenheim, Frankfurt, Kiel und Jena gemeinsam u.a. heraus, dass der Pflanzenstoff Curcumin die Ablagerung von bestimmten Eiweißen im Gehirn blockiert, die möglicherweise an der Entstehung von Alzheimer-Demenz beteiligt sind.

Dass Kurkuma verdauungsfördernd wirkt, ist bisher am besten bekannt und gilt – anders als die bisherigen Studienergebnisse aus dem In- und Ausland – als gesicherte Erkenntnis. Man weiß, dass die Inhaltsstoffe von Kurkuma die Leber dazu anregen, vermehrt Gallensäure auszuschütten, die bekanntermaßen Fette aus der Nahrung bindet und sie damit besser verdaulich macht. Blähungen und Völlegefühl werden dadurch deutlich gelindert. So lässt sich erklären, dass Kurkuma bei uns bisher ausschließlich gegen Verdauungsprobleme medizinisch eingesetzt wird.

… doch von einer „Wunderknolle“ wollen Experten (noch) nicht sprechen

So positiv die genannten und weitere Forschungsergebnisse auch erscheinen mögen – Wissenschaftler sind bisher noch sehr vorsichtig, was die „wundersamen“ Wirkungen von Kurkuma auf die Gesundheit angeht. Vor allem wird betont, dass die bisherigen Erkenntnisse hauptsächlich aus Labor- und Tierversuchen stammten und damit noch längst nicht belegt sei, dass sich dieselben Wirkungen auch beim Menschen zeigten. Entsprechende Studien hierzu fehlten bisher.

Eine weitere Einschränkung: Curcumin kann, weil es fast nicht wasserlöslich ist, nur in sehr geringer Menge über den Darm in den Organismus gelangen. Das bedeutet zum Beispiel, dass aus einem Kurkuma-Aufguss nur ganz wenig des Wirkstoffs Curcumin vom Körper aufgenommen wird – zu wenig, um eine gesundheitsfördernde Wirkung zu erzielen. Etwas besser sieht es da schon beim Currypulver aus, denn das Gewürz schafft es zusammen mit dem Fett aus der Nahrung zumindest bis in den Magen-Darm-Trakt, von wo aus es der Körper besser aufnehmen kann. Doch auch hierüber gibt es bisher noch keine wirklich aussagekräftigen Erkenntnisse. Hoffnung macht eine ausländische Studie, die zeigen konnte, dass Pfeffer die Bioverfügbarkeit von Curcumin um ganze 2000 Prozent steigern kann – das heißt, wird Kurkuma zusammen mit Pfeffer verzehrt, könnte es möglicherweise besser vom Organismus verwertet werden und damit seine Wirkung im Körper ausreichend entfalten.

Und selbst wenn Curcumin in den Organismus gelangt, steht man noch vor einem weiteren Problem: Der Pflanzenstoff wird extrem schnell über die Leber wieder aus dem Körper hinausbefördert. Derzeit wird wissenschaftlich untersucht, wie diese Schwierigkeit künftig aus dem Weg geräumt werden könnte.

Überraschend vielfältig: Kurkuma als Zutat in der Küche

Mal ganz abgesehen von der medizinischen Wirkung: Mit Kurkuma lassen sich viele spannende und sehr leckere Gerichte zaubern – egal, ob man nun vegetarisch, vegan oder ganz konventionell mit Fleisch- und Tierprodukten kocht. Wer experimentierfreudig ist, kann Kurkuma als Gewürz in vielen altbekannten Rezepten ausprobieren und oft ganz neue Geschmackserlebnisse damit herstellen. Wichtig ist allerdings, Kurkuma immer nur sparsam zu verwenden, da es, wenn man zu viel davon erwischt, schnell alles mit einem allzu bitteren Geschmack überdecken kann. Einige vegetarische Rezepte haben wir gleich hier für Sie zum Ausprobieren zusammengestellt:

Ingwer-Kurkuma-Tee

Ein gesunder Tee, der die Verdauung fördert und einen Extra-Kick Energie liefert. Für eine Portion Tee gießt man je einen Viertel Teelöffel Kurkuma- und Ingwerpulver (oder frisch geriebene Wurzel) und eine Prise schwarzen Pfeffer mit siedendem Wasser auf. Zur Verfeinerung gibt man einen Schuss (Soja-)Milch oder Honig dazu.

Kurkuma-Smoothie

Besonders gesund und lecker! Die Zutaten sind ein Viertel Teelöffel Kurkuma, eine Handvoll grünes Blattgemüse (z.B. Mangold oder Spinat), eine Banane, zwei Esslöffel weißes Mandelmus, eine Tasse Kokoswasser, ein Esslöffel Leinöl und eine Prise Zimt. Alles zusammen in den Mixer geben – der cremige Smoothie ist im Nu fertig.

Kurkuma-Mangocreme

Wunderbar fruchtig und gleichzeitig sättigend. Man braucht neben einem halben Teelöffel Kurkuma eine reife Mango, eine Packung Frischkäse sowie etwas Salz und Pfeffer. Die Mango schälen, das Fruchtfleisch in Viertel schneiden und pürieren. Den Frischkäse löffelweise dazugeben und alles zu einer sämigen Creme verarbeiten. Mit Kurkuma, Salz und Pfeffer würzen – guten Appetit!

Kurkuma-Risotto

Für vier bis sechs Portionen braucht man eine Zwiebel, zwei Esslöffel Olivenöl, einen Esslöffel Gemüsebrühe, ca. 230 g Risotto-Reis, 70 ml Weißwein, ein bis zwei gehäufte Teelöffel Kurkuma, ein Lorbeerblatt, zwei Esslöffel Butter, 50 g geriebenen Parmesankäse und etwas frisch gemahlenen schwarzer Pfeffer. Die Zwiebeln würfeln, in einem großen Topf im Olivenöl andünsten. Parallel dazu Gemüsebrühe in einem kleinen Topf erhitzen. Den Reis kurz im Olivenöl mit anbraten, dann mit Weißwein ablöschen und Kurkuma und Lorbeerblatt dazu geben. Sobald der Wein verkocht ist, nach und nach mit Brühe auffüllen. Unter Rühren Brühe nachgießen, bis der Reis gar ist. Mit Pfeffer und Käse, eventuell auch etwas Salz  abschmecken.

Salatdressing mit Kurkuma, Minze und Zitrone

Kurkuma gibt Blattsalat-Dressing einen ganz besonderen Pfiff und macht aus Salat garantiert ein Hauptgericht! Man nehme zwei Esslöffel Apfelessig, vier Esslöffel Olivenöl, drei Esslöffel Zitronensaft, einen Esslöffel Senf, zwei Esslöffel frisch gehackte Minzeblätter, eine fein gehackte Knoblauchzehe und einen halben Teelöffel Kurkumapulver. Alle Zutaten in eine Schüssel geben und mit dem Schneebesen aufschlagen, bis das Dressing andickt. Nach Geschmack mit Pfeffer und Salz würzen.

Viel Spaß beim Ausprobieren und Genießen!

Autor: Helga Boschitz

Helga Boschitz, Jahrgang 1966, ist freie Journalistin und Texterin und gehört seit Januar 2016 zum apomio.de-Team. Nach Studium und Ausbildung arbeitete sie seit Anfang der 1990-er Jahre als Magazinredakteurin und Moderatorin in Hörfunk- und Fernsehredaktionen u.a. beim Südwestrundfunk, Hessischen Rundfunk und Westdeutschen Rundfunk. Medizin- und Verbraucherthemen sind ihr aus ihrer Arbeit für das Magazin ?Schrot und Korn? sowie aus verschiedenen Tätigkeiten als Texterin vertraut. Helga Boschitz lebt derzeit in Mannheim, wo sie u.a. als Autorin für die Tageszeitung ?Mannheimer Morgen? schreibt.

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