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Wenn Frau kein Kind (mehr) bekommen möchte - Sterilisation

Kommentar schreiben Freitag, 14. Februar 2020

Entscheidet sich die Frau für eine Sterilisation, wird sie sich diesen Schritt sehr sorgfältig überlegt haben. Die Gründe können unterschiedlich sein, in der Konsequenz bedeutet eine Sterilisation die endgültige Entscheidung gegen einen weiteren Kinderwunsch. Die Sicherheit moderner Verhütungsmethoden ist in vielen Fällen der Sterilisation gleichzusetzen. Dennoch können medizinische Gründe oder persönliche, moralische und religiöse Einstellungen für eine operative Maßnahme sprechen.

 

Inhaltsverzeichnis

 

1. Welche Gründe sprechen für eine Sterilisation?

Sofern die Frau in einer Partnerschaft lebt, mag eine einvernehmliche Entscheidung wichtig sein. Jedoch ist für den Arzt ausschließlich die Einwilligung der Patientin von Bedeutung.1 Besonders jungen Frauen kann der Operateur den Eingriff verweigern. Zwar gibt es weder eine gesetzliche Altersgrenze noch ist die bisherige Anzahl an Kindern ausschlaggebend. Doch sollte das Lebensalter in die Überlegung einbezogen werden. Nicht immer muss der aktuelle Lebensentwurf in Zukunft so bestehen bleiben. Psychologische Aspekte spielen ebenso eine Rolle, wie die aktuelle finanzielle und soziale Situation. Auch kann der Kinderwunsch wieder aufflammen, wenn ein passender Lebenspartner gefunden wird.

Ist die Familienplanung definitiv abgeschlossen, kann ebenso eine Sterilisation beim Mann als Alternative erwogen werden. Diese ist vergleichsweise unkompliziert und bietet eine ähnlich hohe Sicherheit bei der Schwangerschaftsverhütung. Besteht noch keine Volljährigkeit oder ist beispielsweise eine Behinderung ausschlaggebend2, muss ein Sterilisationsbetreuer gerichtlich beauftragt werden.

Ebenso kann aus operationstechnischen Erwägungen von diesem Eingriff abgeraten werden. Insbesondere bei stark übergewichtigen Patientinnen, bekannten Tumoren oder dem Verdacht einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sollte auf eine andere Methode zur Schwangerschaftsverhütung zurückgegriffen werden.

Merke: Es gibt Gründe, die gegen eine Sterilisation sprechen können. Einer davon ist, dass die Familienplanung möglicherweise doch noch nicht abgeschlossen ist.

 

2. Für welches Sterilisationsverfahren soll ich mich entscheiden?

Allen Sterilisationsmaßnahmen gleich ist die Möglichkeit, zu unterbinden, dass Spermien und Eizellen aufeinandertreffen. Die radikalste Methode einer Sterilisation ist die Entfernung der Eileiter (Salpingektomie). Diese sind paarig angelegt, sodass für eine sichere Sterilisation beide Tuben entfernt werden müssen. Ebenfalls können die Fimbientrichter durch einen Eingriff entfernt werden. Diese befinden an den Eileitern am Übergang zu den Eierstöcken und sind für die Aufnahme der Eizelle beim Eisprung zuständig.

Die häufigste Methode zur Sterilisation ist indes ein dauerhafter Verschluss der Eileiter (Tubensterilisation). Dieses geschieht entweder mittels eines Clips (Metall oder Kunststoff) oder durch Hitzekoagulation (Verödung). Eine zusätzliche Verödung der Eileiter am Übergang zur Gebärmutter soll die Möglichkeit einer Eileiterschwangerschaft verhindern.In den meisten Fällen verschafft sich der Operateur mit einer sogenannten Bauchspiegelung Zugang zu den Eileitern.

Eine seit wenigen Jahren bekannte Alternative besteht in der sogenannten hysteroskopischen Sterilisation. Dabei wird in die Eileiter durch die Scheide und die Gebärmutter hindurch eine Spirale aus Titan eingesetzt. Zwar kommt dieser Eingriff ohne Vollnarkose aus, besitzt jedoch ein größeres Risiko hinsichtlich einer ungewollten Schwangerschaft. In mehr als fünf Prozent ist laut einer Arbeit aus den Jahren 2010 bis 2014 eine weitere Operation notwendig geworden. In Deutschland hat sich dieses Verfahren bisher nicht durchsetzen können.

Der Vollständigkeit halber sei noch die Sterilisation mit einer chemischen Substanz namens Quinacrin zu erwähnen. Diese Substanz wurde jedoch nie für diesen Zweck zugelassen und kommt in Deutschland nicht zur Anwendung.

3. Ist die Sterilisation ein sicheres Verfahren?

Die Sterilisation erfolgt unter einer kurzen Vollnarkose. Der Eingriff ist nach heutigem Stand der Medizin ein sehr sicherer Eingriff. Im Vorfeld wird der Narkosearzt in einem ausführlichen Gespräch über mögliche Risiken aufklären. Komplikationen, wie Blutungen und ein gewisses Infektionsrisiko sind indes bei keiner Operation mit Sicherheit auszuschließen.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Erfolgsaussichten nach überstandener Sterilisation. Auch hier gilt, eine hundertprozentige Verhütungsmethode gibt es nicht. Allerdings zählt die Salpingektomie mit einem Pearl-Index von 0,2 bis 0,3 zu den sichersten Maßnahmen (zwei bis drei von tausend Frauen werden schwanger).4

4. Die Zeit nach der Sterilisation

Die Durchtrennung der Eileiter hat aus medizinischer Sicht keinen Einfluss auf die Hormonlage und somit dem natürlichen Zyklus der Frau. Somit bleibt der monatliche Eisprung ebenso bestehen. Die Eizelle wird weiterhin von den Eileitern aufgenommen und dort von der Schleimhaut resorbiert und aufgelöst.

In seltenen Fällen berichten Patientinnen über unregelmäßige Blutungen und Schmierblutungen. Dies könnte ihre Ursache in einer Störung der Hormonproduktion haben. Wahrscheinlich ist indes auch, dass dieses Phänomen im Zusammenhang mit dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel steht. Eine Fehlfunktion der Eierstöcke kann mit einem vorzeitigen Einsetzen der Wechseljahre (Klimakterium praecox) einhergehen. Der Grund liegt möglicherweise in einer, durch die Sterilisation hervorgerufenen Durchblutungsstörung der Ovarien.5

5. Habe ich die richtige Entscheidung getroffen?

Ein wesentlicher Anteil an der Entscheidung für eine Sterilisation liegt bei vielen Frauen im Vorteil eines unbeschwerten Sexuallebens. Das Wegfallen der Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft kann hier sogar die Libido steigern. Ist der Eingriff komplikationslos verlaufen, sind sehr wahrscheinlich zukünftig keine Nebenwirkungen mehr zu erwarten. Aufgrund der negativen Begleiterscheinungen der Pille und anderer hormoneller Kontrazeptiva entscheiden sich viele Frauen für die Tubensterilisation.

6. … oder überwiegen die Nachteile?

Die Entscheidung für eine Sterilisation setzt voraus, endgültig auf eine (weitere) Schwangerschaft verzichten zu wollen. Neben möglichen Risiken im Rahmen des Eingriffes kann diese Maßnahme durchaus weitreichende persönliche Konflikte nach sich ziehen. Zwar handeln neun von zehn Artikeln über die seelischen Probleme der Sterilisation beim Mann, doch lässt sich zweifelsohne eine mögliche psychische Belastung in gleicher Weise bei den Frauen feststellen. Sei es mit dem Arzt oder in speziellen Beratungsstellen6, das Wissen um ein „nie mehr“ sollte im Vorfeld ein wichtiges Thema sein. Binden Sie in jedem Fall ihren Partner in die Entscheidung mit ein. Wird er oder sie den Entschluss mittragen, können die Konsequenzen gemeinsam bewältigt werden. Der Partner wird Ihnen das Gefühl geben, weiterhin Frau zu sein.

7. Wer übernimmt die Kosten?

Seit dem Jahr 2004 sind die gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr verpflichtet, die Kosten für eine Sterilisation zu übernehmen. Die Zusage ist seither abhängig von der medizinischen Notwendigkeit des Eingriffes. Dieser Aspekt beinhaltet neben der körperlichen auch die seelische Verfassung der Frau. Kommt der Arzt zur Ansicht, eine Schwangerschaft könne deren Zustand gefährden oder verschlechtern, wird die Krankenkasse im Allgemeinen zur Übernahme bereit sein.7,8

Wäre trotz medizinischer Indikation die Sterilisation bei der Frau mit schwerwiegenden Folgen verbunden, würde laut Aussage der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) eine Sterilisation (Vasektomie) beim gesunden Partner übernommen werden.Für die Kosten des ambulanten Eingriffs bei der Frau müssen zwischen 500 und 1000 Euro veranschlagt werden. Eine Vasektomie hingegen schlägt mit etwa der Hälfte der Kosten zu Buche.

Fazit: Ob die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten einer Sterilisation übernehmen, hängt von der medizinischen Notwendigkeit des Eingriffes ab.

 

8. Kann ich wirklich nie mehr schwanger werden?

Noch vor einigen Jahren galt die Tubensterilisation als endgültig. Auch heute noch wird sie nur empfohlen, wenn sich die Frau beziehungsweise beide Partner ihrer Entscheidung wirklich sicher sind.Die moderne Mikrochirurgie kann in vielen Fällen durch eine Refertilisierung den Kinderwunsch dennoch erfüllen.

Für eine Umkehr der Sterilisation sind bestimmte Voraussetzungen, wie ein ansonsten funktionsfähiger Eileiter, Eierstöcke und Fimbientrichter erforderlich. Daneben sind das Alter beziehungsweise eine noch ausreichende Eizellreserve maßgebend. Trotz erfolgreicher Refertilisation sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft mit zunehmendem Alter. Bei über Vierzigjährigen besteht lediglich zu 25 Prozent die Möglichkeit schwanger zu werden. Sollte, aus welchen Gründen auch immer, der Wunsch nach einem eigenen Kind wiedererwachen, bietet die Reproduktionsmedizin heute in vielen Fällen eine erfolgversprechende Alternative.

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Jürgen Kressel
Autor: Jürgen Kressel

Sein beruflicher Werdegang hat sich in letzter Zeit mit persönlichen Vorlieben verbunden. Als Medizinisch technischer Assistent haben sich die Erfahrung und Ehrgeiz zu einem ganz ordentlichen Wissen auf einigen Gebieten entwickeln können. Fachlich ist er vor allem im Bereich der Allergologie (insbesondere Nahrungsmittelallergien), Endokrinologie (allgemein und Kinderwunsch) und Gastrologie versiert. Seine letzten Berufsjahre als MTA hat er in einem Notfalllabor eines großen Krankenhauses eingebracht.

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