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Die Pankreatitis – Was passiert bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Kommentar schreiben Mittwoch, 15. April 2015

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, medizinisch auch als Pankreatitis bezeichnet, ist eine seltene, aber eine ernstzunehmende Erkrankung, die lebensgefährlich werden kann. Alles über Ursachen, Symptome, Risikofaktoren, Häufigkeit und Behandlungsmöglichkeiten im Überblick.

Funktionen der Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse ist eine 14 bis 18cm lange, 60 bis 100g schwere, längliche Drüse, die sich s-förmig gekrümmt im Oberbauch befindet und aus Kopf (Caput pancreatis), Körper (Corpus pancreatis) und Schwanz (Cauda pancreatis) besteht.

Das Organ besitzt einen exokrinen („nach außen abgebend“) und einen endokrinen Anteil („nach innen abgebend“): mit dem exokrinen Anteil stellt die Bauchspeicheldrüse die wichtigste Verdauungsdrüse des menschlichen Körpers dar. Täglich werden 1-2 Liter dünnflüssiger Pankreassaft gebildet; dieser Saft ist reich an Bikarbonat, das dazu beiträgt, dass der saure Nahrungsbrei aus dem Magen neutralisiert wird. Darüber hinaus enthält der Pankreassaft Proenzyme für die Verdauung von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten. Die Enzyme, die erst im Darm aktiviert werden, sorgen dafür, dass die Bestandteile der Nahrung verdaut werden.

Der endokrine Anteil der Bauchspeicheldrüse ist unter anderem für die Regulation des Blutzuckerspiegels, über die Hormone Insulin und Glukagon, verantwortlich. Zu der Erkrankung des endokrinen Anteils zählt die Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus.

Definition Bauchspeicheldrüsenentzündung – die Pankreatitis

Die griechische Endung –itis bezeichnet eine entzündliche Krankheit, wie in dem Fall die Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die Pankreatitis.

Die Pankreatitis lässt sich in zwei Verlaufsformen unterscheiden: Die Erkrankung kann sowohl akut auch als chronisch verlaufen. Die Ursachen für die Entstehung einer Pankreatitis werden im Folgenden näher beschrieben:

Akute Pankreatitis

Zu den weitestgehend häufigsten Ursachen der akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse zählen

  • Gallenwegserkrankungen, „akute biliäre Pankreatitis“: durch gewanderte Gallensteine kommt es zu einem Verschluss des gemeinsamen Ausführungsgang Pankreasgang und Gallengang, Folge: die Verdauungssäfte aus dem Pankreas können nicht in den Darm fließen, es kommt zu einem Rückstau
  • Übermäßiger Genuss von Alkohol: bislang ist nur bewiesen worden, dass übermäßiger Alkoholkonsum eine Pankreatitis hervorrufen kann, die Zusammenhänge, wie es dazu führt, sind bisher noch nicht geklärt.

Die akute Pankreatitis kann auch entstehen bei

  • Infektionskrankheiten
  • Virusinfektionen (Mumps, AIDS, Virushepatitis)
  • genetischer Veranlagung („hereditäre Pankreatitis; eher selten)
  • angeborene Anomalien (sog. Pancreas divisum; eher selten)
  • Magen/Zwölffingerdarmgeschwüre
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Verletzungen im Bauchraum
  • chirurgischen Eingriffen
  • als Nebenwirkung von Medikamenten
  • ERCP (endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatikografie zur Untersuchung der Gallenblase und Gallengänge)

In zehn Prozent der Fälle von Pankreatitis ist die Ursache der Entstehung unbekannt; die Rede ist dann von einer idiopathischen Pankreatitis.

Chronische Pankreatitis

Die chronische Pankreatitis ist definiert als eine anhaltende Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Die chronische Pankreatitis führt zu einer exokrinen Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse bis hin zur endokrinen Funktionsminderung (Insulinmangeldiabetes).

Der zum Teil dauerhafte bis vollständige Funktionsausfall wird als Pankreasinsuffizienz bezeichnet.

Die häufigste Ursache für eine chronische Pankreatitis steht im direkten Zusammenhang mit dem übermäßigen Alkoholkonsum: In etwa 80 Prozent der Fälle ist die Entzündung und Einschränkung der Bauchspeicheldrüsenfunktion als Folge von Alkoholmissbrauch anzusehen.

Ein chronischer Alkoholmissbrauch ist allerdings nicht als alleinige Ursache für eine chronische Pankreatitis verantwortlich.

Weitere Ursachen können sein

  • idiopathisch (keine erkennbare Ursache): in 15 Prozent der Fälle
  • Medikamente
  • Chronische Niereninsuffizienz
  • Genetische Faktoren
  • Tumor
  • Papillenstenose (Verschluss des Pankreashauptganges)

Symptome

Akute Pankreatitis

Die dramatischen Krankheitserscheinungen bestehen in plötzlich einsetzenden heftigsten gürtelförmigen Schmerzen im Oberbauch, welche nach allen Seiten bis zum Rücken oder Brustkorb ausstrahlend sind. Häufig krümmen sich die Patienten im Bett vor Schmerzen, da die Krümmung ein wenig zur Schmerzlinderung führen kann.

Weitere Symptome, die bei einer akuten Pankreatitis auftreten können, sind:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Fieber
  • Blähungen
  • Eingeschränkte Darmperistaltik bis hin zum Darmverschluss (Ileus)
  • Niedriger Blutdruck
  • Gelbverfärbung der Haut (Ikterus) bei biliärer Ursache

Bei der durchgeführten klinischen Untersuchung stellt der behandelnde Arzt durch Palpation (Abtasten) des Bauches eine prall-elastische Abwehrspannung fest; man spricht von einem sogenannten „Gummi-Bauch“.

Chronische Pankreatitis

Eine chronische Pankreatitis macht sich durch Druckgefühl im Bauch, das über Stunden bis Tage anhalten kann, und Appetitlosigkeit, vor allem aber durch Verdauungsbeschwerden bemerkbar. Die Krankheitserscheinungen sind wiederkehrend. Es besteht Neigung zur Durchfällen und Blähsucht.

Weitere Symptome:

  • Gewichtsabnahme
  • Fettstühle (lehmartiger, glänzender Stuhl durch die Beimengung unverdauten Fettes)
  • die Schmerzen können wie bei einer akuten Pankreatitis gürtelförmig sein
  • die Schmerzen treten gelegentlich mehrere Stunden nach Nahrungsaufnahme auf
  • Entwicklung einer Diabetes mellitus

Pankreatitis: Die Diagnose

Plötzlich auftretende Oberbauchschmerzen, die gürtelförmig ausstrahlend sind, können auf eine Pankreatitis hinweisen. Um die Diagnose zu bestätigen, wird neben der Ultraschalluntersuchung, dem CT und/oder MRT, eine Blutuntersuchung durchgeführt, um die Enzyme Lipase und Elastase, die pankreasspezifisch sind, zu bestimmen.

Der Wert von Lipase und Elastase (Enzyme, die die Bauchspeicheldrüse produziert) ist bei einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse im Blut erhöht.

Therapiemöglichkeiten einer Bauchspeicheldrüsenentzündung

Eine akute Pankreatitis kann unter intensiv medizinischen Bedingungen konservativ behandelt werden. Damit sich der Allgemeinzustand des Patienten bessert, sind folgende Maßnahmen zu befolgen:

  • engmaschige Überwachung des Patienten auf Intensivstation
  • Nahrungskarenz (Nulldiät) bis eine Schmerzfreiheit einsetzt
  • Volumen-, Elektrolyt- und Glukosesubstitution durch Infusion (weil der Flüssigkeitsverlust enorm sein kann; 4 bis 6 Liter)
  • Schmerzmittelgabe nach Bedarf
  • eventuelle Antibiotikagabe

Die Therapie einer chronischen Pankreatitis ähnelt den Behandlungsmöglichkeiten der akuten Pankreatitis: In entzündlichen Schüben sollte leichtverdauliche Kost eingenommen oder eine Nahrungskarenz eingehalten werden. Der absolute Verzicht auf Alkohol als kausale Therapie ist unabdingbar. Alkoholkarenz führt in 50 Prozent aller Fälle zur Schmerzlinderung. Zudem sind Medikamente einzunehmen, die die fehlenden Bauchspeicheldrüsenfermente enthalten. Ebenfalls finden sich in der Literatur Hinweise, dass chirurgische Eingriffe wie z.B. Pankreasteilresektionen, das Fortschreiten einer chronischen Pankreatitis hemmen bzw. verbessern können.

Die Pankreatitis. Ein ernstzunehmender Krankheitszustand, der nicht unterschätzt werden sollte.

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J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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