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Vorsicht, Mieze! Grüne Gewächse, die Katzen schaden können

Kommentar schreiben Mittwoch, 15. Juni 2016

Grünpflanzen in den Wohnräumen, auf dem Balkon und im Garten – wer möchte schon ohne sie leben? Sie schaffen uns eine wohnliche Atmosphäre und verbessern nicht zuletzt das Raumklima. Wer allerdings nicht nur mit grünblättrigen und blühenden, sondern auch mit vierbeinigen Freunden zusammen lebt, muss besonders vorsichtig sein. Gerade Katzenhalter sollten bei ihren Grünpflanzen sehr darauf achten, ob diese eventuell Gifte enthalten, die für ihr Tier gesundheitsgefährdend, ja vielleicht sogar lebensbedrohlich sein können.

Was vielen Menschen und darunter auch vielen Katzenhaltern gar nicht bewusst ist: Zahlreiche Pflanzen sind enorm giftig für ihr Tier. Weil Katzen nicht nur gern auf der Fensterbank sitzen und aufmerksam das Geschehen draußen beobachten, sondern auch gerne mit den dort – oder auch anderswo stehenden – Pflanzen spielen, sie beknabbern, ist eine Vergiftung schnell passiert.

So greifen viele Substanzen, die in Pflanzen enthalten sind, schwerwiegend in den Stoffwechsel der Katze ein. Manchmal genügen schon geringe Mengen des Giftes, z.B. ein einzelnes kleines Blatt der Pflanze, um zu Vergiftungssymptomen und folgenden Gesundheitsstörungen des Tieres zu führen. Ist die Giftmenge ausreichend groß und/oder die Katze noch klein, geschwächt oder schon alt, kann eine Vergiftung das geliebte Tier schlimmstenfalls töten. Und auch erwachsene, kräftige und gesunde Katzen können durch die entsprechende Giftart und -menge z.T. schwere Schäden davontragen.

„Giftig“ oder „ungiftig“: Grundsätzlich können alle Pflanzen schaden!

Im Grundsatz gilt auch bei Pflanzen das aus der Medizin bekannte Zitat des Arztes Paracelsus: Dosis sola facit venenum – Allein die Dosis macht das Gift. Das heißt, dass – je nach individuellen Umständen – alle Pflanzen, ob sie nun als giftig oder ungiftig kategorisiert sind, Tieren schaden können. So wie Medikamente nur in der richtigen verabreichten Menge wirken und bei der falschen Dosierung mitunter üble Nebenwirkungen haben, können Pflanzen bei Katzen keine, geringe oder aber auch schwerste Vergiftungserscheinungen auslösen, je nachdem, wie viel die Katze davon erwischt. Schnappt sich der dicke Kater nur ein Blatt einer leicht giftigen Pflanze, bleibt er auch danach putzmunter. Nascht ein Katzenkind dieselbe Menge derselben Pflanze, kann das böse schon Folgen haben. Frisst der kräftige Kater dagegen eine große Menge einer eigentlich ungiftigen oder nur leicht giftigen Pflanze, kann ihm das unter Umständen sehr schlecht bekommen. Bei der Wirkung von Pflanzen auf Katzen spielt es eine große Rolle, wie alt, groß und schwer und wie gesund das Tier ist. Jede Katze ist ein Individuum und reagiert anders auf bestimmte Pflanzen und Substanzen. Und dann gibt es unter den Katzen eben auch solche, die Grünpflanzen eher verschmähen und solche, die besonders gerne davon fressen. Ist letzteres der Fall, sollte man natürlich besonders achtsam sein.

Nicht zu vergessen: Pflanzen enthalten mehr oder weniger Gift, je nachdem, wo sie stehen und welche Pflege sie bekommen. Außerdem können auch „ungiftige“ Gewächse giftig sein, da Pflanzen ja fast immer chemisch behandelt werden - und Fungizide und Pestizide sind natürlich schädlich für Katzen. Am besten sollte man bei neu angeschafften Pflanzen, die zum Knabbern für die Katze bestimmt sind, ein paar Wochen Karenzzeit einhalten. Danach sind die Giftstoffe ausreichend abgebaut.

Katzen im Haushalt? Dann diese Gewächse lieber meiden!

Ob Zimmer- oder Balkonpflanze mit und ohne Blüten, Bäume und Gehölze, Schnittblumen oder auch Gemüsepflanzen oder Kräuter – im Folgenden stellen wir nur eine kleine Auswahl bekannter und beliebter Pflanzen vor, die in Katzenhaushalten nicht vorhanden bzw. nur unzugänglich für das Tier vorhanden sein sollten.

Der Efeu ist mit seinen mittlerweile unterschiedlichsten Blattformen und -farben in Wohnräumen sehr beliebt. Alle Sorten können bei der Katze z.B. Brechdurchfälle oder Hautreizungen hervorrufen. Bei Lilien sind alle Teile, sogar der Blütenstaub, sehr gefährlich für das Tier. Mögliche Folgen des Verzehrs sind Appetitlosigkeit, Erbrechen und Apathie bis hin zum akuten Nierenversagen nach einigen Tagen. Azaleen und Rhododendron enthalten einen toxischen Stoff namens Acetylandromedol, der zu Rauschzuständen mit vermehrtem Speichelfluss, Taumeln, Apathie und Erbrechen bis hin zum Herz-Kreislauf-Kollaps, manchmal sogar zum Koma, Herzversagen und damit zum Tod führen kann. Immer beliebter werden in letzter Zeit Chili-Pflanzen mit ihren dekorativen (ungefährlichen) roten Früchten in den Wohnzimmern. Da Chili zu den Nachtschattengewächsen gehört, enthalten die grünen Pflanzenteile den Wirkstoff Solanin, ein Gift, das zu Erbrechen führen und für kleine Tiere sogar tödlich sein kann.

Daneben sollten Katzenbesitzer noch viele weitere Pflanzen meiden, darunter Grünpflanzen und Bäume bzw. Gehölze wie Aloe Vera, Efeu, Eiche (die Früchte sowie alle Pflanzenteile und der Eichenholzstaub), Farne, Feigen- und Gummibäume, Kastanien und die Strahlenaralie (Schefflera), blühende Pflanzen wie Alpenveilchen, Begonien, Engelstrompete, Krokus, Hyazinthe, Wandelröschen, Calla, Maiglöckchen, Tulpen und Narzissen (besonders die Zwiebeln) sowie Gemüsepflanzen, Früchtepflanzen und Kräuter wie Avocado, Tomaten- und Pfirsichpflanze (jeweils nur die Blätter), Lorbeer und Schnittlauch.

Die Liste der Giftpflanzen ist lang

Eine Faustregel für Einsteiger: Wenn eine Pflanze immergrün ist, ätherische Öle oder Milch in Blättern und Zweigen enthält, Knollen bzw. Zwiebeln hat und besonders intensiv duftet, dann handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine (zumindest für die Katze) giftige Pflanze. Doch sollte man es schon noch etwas genauer wissen. Ausführliche Listen über für Katzen giftige Pflanzen gibt es im Internet. Hier finden sich auch Datenbanken von Fachleuten, z.B. die Giftpflanzen-Datenbank für die Veterinärmedizin. Es genügt, in die Suchmaschine die Stichworte „Katze“ und „Giftpflanze“ einzugeben. Auch gibt es zahlreiche Fachbücher im Handel. Diese eignen sich z.T. besser als das Internet, da sich im Netz oft schlecht recherchierte und widersprüchliche Angaben finden.

Wie erkennt man eine Vergiftung und was kann man dagegen tun?

Wer seine Katze kennt, merkt recht schnell, wenn sie an einer akuten Vergiftung leidet. Vielleicht fühlt sie sich zunächst erkennbar unwohl, ist müde und mag nicht fressen. Zu den weiteren typischen Vergiftungserscheinungen zählen verengte oder erweiterte Pupillen, aufgeregtes und allgemein auffälliges, abweichendes Verhalten, Zittern, Speicheln, Erbrechen und Durchfall, Taumeln, Benommenheit, Apathie sowie Lähmungen. Bei vielen Giften tritt die Vergiftung auch schleichend auf.

Wichtig ist, bei einer Vergiftung der Katze nicht eigenmächtig zu behandeln. Im schlimmsten Fall kommt es dadurch noch zu einer Verschlechterung. Also am besten sofort zum Tierarzt oder in die Tierklinik! Je schneller die Katze fachgerecht behandelt wird, desto besser sind ihre Überlebenschancen; auch Organschäden lassen sich durch schnelles Eingreifen oft vermeiden. Um dem Tierarzt die Diagnose zu erleichtern, empfiehlt es sich, Beobachtungen genau zu schildern und, wenn möglich und vorhanden, Proben des Giftstoffs, z.B. Teile der angeknabberten Pflanze, mit in die Praxis zu bringen.

Unbedenkliche Pflanzen, die Katzen und Mensch erfreuen

Zum Glück gibt es viele Pflanzen, die ungiftig für Katzen sind und die man bedenkenlos in ihrer ganzen Schönheit und Pracht in Wohnräumen, auf dem Balkon oder der Terrasse aufstellen kann. Wichtig ist natürlich, genau zu wissen, welche Pflanzen denn nun wirklich unbedenklich für das Tier sind. Katzenhalter sollten dabei immer ganz auf Nummer sicher gehen, denn viele Pflanzen ähneln sich ungemein, so dass es leicht passieren kann, eine giftige Pflanze für ungiftig zu halten. Außerdem werden verschiedene Pflanzen z.T. unter  denselben oder zumindest ähnlichen (umgangssprachlichen) Namen verkauft. Auch hier helfen Expertenseiten im Internet mit entsprechenden Listen und Fachbücher. Auch gut geschulte Verkäufer im Gartenfachhandel kann man fragen. Dabei gilt: besser zu vorsichtig als einmal unvorsichtig sein! Bleiben Fragen offen, sollte man sich im Zweifel immer gegen eine Pflanze entscheiden, um unnötige Risiken für den vierbeinigen Freund zu vermeiden.

Zum Teil ganzjährig blühend, schön anzusehen und ungefährlich für die Katze sind z.B. Bambuspflanzen, Baldrian, Blaues Lieschen, Jasmin, Kamelie, Kapuzinerkresse, Kornblume, Lavendel, Melisse, Ringelblume, Pantoffelblume, Salbei oder Tagetes. Auch hier aber gilt wieder: Wenn die Katze schon daran knabbert, sollte sie es nur in Maßen tun!

Wirklich unbedenklich ist eine Pflanze nur dann, wenn ihre Giftigkeit gering genug ist, dass Katzen auch bei einem üppigen Imbiss von diesem Gewächs nichts passieren kann. Oder wenn ihr Gift z.B. nur in der Wurzel vorkommt und diese so tief im Blumentopf vergraben ist, dass die Katze garantiert nicht drankommt.

Besondere Schätzchen fürs Kätzchen

Der Balkon kann ein wahres Paradies für die Katze sein. Die vielen Geräusche, Insekten und Vogelgezwitscher und all das Spannende, was da draußen vor sich geht – gerade reinen Wohnungskatzen tut das richtig gut.

Einige Pflanzen eignen sich besonders gut für einen Katzenbalkon, aber genauso für das Innere der Wohnung. Dazu gehört zuallererst einmal das Katzengras in all seinen verschiedenen Varianten. Ein großer Vorteil von speziell gezüchteten Katzengräsern ist, dass sie – im Gegensatz zu anderen Pflanzen – nicht mit Insektiziden und Pestiziden behandelt wurden. Empfohlen werden auch der Katzengamander mit seinen schönen rosa Blüten und das so genannte „kriechende Schönpolster“ (auch Golliwooog genannt), außerdem Anis Ysop, die Mühlenbeckie oder Blaubeer-Pflanzen. Wer seine Samtpfote richtig verwöhnen will, kann z.B. Katzenminze zum Naschen oder spezielles Katzenspielzeug aus Pflanzen bereitstellen.

Wer also auf Nummer sicher geht, sich gut informiert und ebenso gut auf sein „Samtpfötchen“ aufpasst, kann sich und seinem tierischen Freund das Leben inmitten dekorativer und üppiger Pflanzen richtig schön machen!

Alles über giftige Pflanzen für Hunde können Sie in unserem Beitrag "Für den Hund tabu: Diese Pflanzen sind giftig für den besten Freund" nachlesen.

Helga Boschitz
Autor: Helga Boschitz

Helga Boschitz, Jahrgang 1966, ist freie Journalistin und Texterin, lebt in Nürnberg und gehört seit Januar 2016 zum apomio.de-Team. Nach Studium und Ausbildung arbeitete sie seit Anfang der 1990er-Jahre als Magazinredakteurin und Moderatorin in Hörfunk- und Fernsehredaktionen u.a. beim Südwestrundfunk, Hessischen Rundfunk und Westdeutschen Rundfunk. Medizin- und Verbraucherthemen sind ihr aus ihrer Arbeit für das Magazin „Schrot und Korn“ sowie aus verschiedenen Tätigkeiten als Texterin vertraut.

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