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Plötzlicher Kindstod - Schicksalsschlag aus heiterem Himmel

Kommentar schreiben Mittwoch, 26. Februar 2020

Er passiert meist aus heiterem Himmel und löst ein schweres Trauma aus – plötzlicher Kindstod. Wenngleich SIDS heutzutage weit seltener auftritt als noch vor wenigen Jahrzehnten, stellt es dennoch die häufigste Todesursache bei Kindern unter einem Jahr dar. Die exakten Gründe sind wissenschaftlich bisher nicht geklärt, man geht jedoch von einem multifaktoriellen Geschehen aus. Einige Maßnahmen können dabei helfen, plötzlichem Kindstod vorzubeugen. 

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Was ist plötzlicher Kindstod? 

 

Plötzlicher Kindstod – auch als SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) bezeichnet – tritt in den meisten Fällen völlig lautlos in Erscheinung. Er trifft Eltern aus heiterem Himmel und stellt eine unvorstellbare Belastungssituation da. Trotz vieler wissenschaftlicher Erkenntnisse in den letzten Jahrzehnten – das Phänomen plötzlicher Kindstod ist bisher nicht zur Gänze geklärt. Dass das Ängste schürt, scheint naheliegend.1

Um plötzlichen Kindstod handelt es sich dann, wenn ein scheinbar völlig gesunder Säugling – meist im Schlaf – zu Tode kommt. Ohne bekannte Erkrankung und in der Regel völlig unerwartet. Auch eine Obduktion kann keine Hinweise auf die Todesursache liefern.2 Die exakten Gründe für das Syndrom sind bisher nicht geklärt. Es dürfte sich jedoch um ein multifaktorielles Geschehen handeln. Fest steht in jedem Fall, dass die Atmung des Kindes aussetzt. Sei es aus physiologischen Gründen, oder weil sie von äußeren Faktoren beeinträchtigt wird.

 

Mittlerweile bekannte Vorsorgemaßnahmen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Fallzahlen in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken sind. Dennoch ist plötzlicher Kindstod in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache bei Kindern unter einem Jahr. So gibt es etwa 200-250 SIDS-Fälle jährlich. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Eine besonders hohe Gefährdung besteht zwischen dem zweiten und dem vierten Lebensmonat. Nach dem ersten Geburtstag sinkt das Risiko für SIDS rapide. Die genaue Ursache für plötzlichen Kindstod konnte wissenschaftlich bisher nicht geklärt werden.4

 

Plötzlicher Kindstod: Diagnose 

 

Wenn ein Baby scheinbar ohne Grund verstirbt, kann eine Obduktion helfen, im Nachhinein mögliche Ursachen auszumachen. Wird dabei nichts Konkretes festgestellt, scheint SIDS als Diagnose wahrscheinlich.5 Ausgeschlossen müssen etwa ursächliche Erkrankungen an Organen (Herz, Lunge,…) oder auch Stoffwechselstörungen werden. Gerade im Hinblick auf weitere Schwangerschaften ist das sinnvoll. Darüber hinaus trägt eine fundierte Diagnose dazu bei, Klarheit zu gewinnen und kann Eltern beim Trauerprozess unterstützen.6

 

Was verursacht plötzlichen Kindstod? 

 

Was nun konkret zu SIDS führt, ist bisher nicht geklärt. Aktuell geht man davon aus, dass plötzlicher Kindstod multifaktoriell bedingt ist. Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass eine Störung der Atemregulation ungünstig mit anderen Risikofaktoren zusammentrifft. Manche dieser Faktoren sind nicht veränderlich, andere wiederum können Eltern vermeiden – diese sind vor allem im Hinblick auf Prävention wesentlich.7

Eine gestörte Atemregulation scheint ursächlich im Zusammenhang mit plötzlichem Kindstod zu sein. So kommt es während des Schlafes zu einer unregelmäßigen Atmung. Die Folge ist ein Sauerstoffmangel, während das Kohlendioxid im Blut ansteigt. Nun setzt normalerweise ein Reflex ein, der dazu führt, dass Betroffene aufwachen. Das dürfte im Vorfeld eines plötzlichen Kindstodes ausbleiben. Die exakten Gründe für diese Atemschwäche sind wissenschaftlich bisher nicht geklärt. Ein noch nicht ganz ausgereiftes Atemzentrum im Gehirn dürfte aber eventuell eine Rolle spielen.8

 

Im Zuge intensiver Forschung hat man in den letzten Jahrzehnten einige Risikofaktoren identifizieren können, die im Zusammenhang mit SIDS bedeutsam sind. Diese lassen sich in beeinflussbare und nicht beeinflussbare Faktoren unterteilen.

 

SIDS: beeinflussbare Faktoren 

 

So konnte etwa festgestellt werden, dass das Rauchen in der Schwangerschaft, während der Stillzeit sowie in direkter Umgebung des Babys ungünstigen Einfluss in Bezug auf plötzlichen Kindstod nehmen kann. Es wirkt nämlich negativ auf das Nervensystem des Säuglings – und somit auf sein Herz- und Atemsystem. Auch Alkohol- oder Drogenkonsum der Eltern stellen ein Risiko dar, vor allem im Hinblick auf das gemeinsame Schlafen im Familienbett. So können substanzbedingte Einbußen in Körperkontrolle und Wahrnehmung der Eltern im schlimmsten Fall dazu führen, dass sie ihr Baby im Schlaf gefährden. Etwa dadurch, dass sie es in eine ungünstige Lage bringen oder versehentlich auf ihm zu liegen kommen. Auch ohne Drogenkonsum birgt das Schlafen im gemeinsamen Bett aus ebendiesem Grund ein Risiko.9

 

Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählt das Schlafen auf dem Bauch, was durchaus kontrovers diskutiert wird. Vor allem die Tatsachen, dass in Bauchlage Erbrochenes leichter in die Luftröhre gelangen kann (Luftröhre liegt unterhalb der Speiseröhre) und auch eine CO2-Rückatmung wahrscheinlicher ist, werden hier argumentativ angeführt. Ebenso können sich zu frühes Abstillen, der gänzliche Verzicht aufs Stillen beziehungsweise eine unzureichende Schwangerschaftsvorsorge ungünstig auswirken.10

  

Nicht zu unterschätzen ist zudem das Risiko durch Überhitzen beziehungsweise Gefahrenquellen am oder im Babybettchen. So können Heizkörper, direkte Sonneneinstrahlung oder zu viel Kleidung rasch zu einer Überwärmung des Babys führen – was sich ungünstig auf seine Atmung auswirken kann. Auch Kissen, Decken, Bettumrandungen oder Kuscheltiere stellen ein Risiko dar, da sie im schlimmsten Fall die Atemwege des Kindes verschließen können.11

 

SIDS: nicht beeinflussbare Faktoren 

 

Darüber hinaus gibt es Faktoren, die sich nicht beeinflussen lassen. Dazu zählen etwa eine Geburt vor der 33. Schwangerschaftswoche, ein Geburtsgewicht unter zwei Kilogramm oder Mehrlingsgeburten. Sind Geschwisterkinder an plötzlichem Kindstod verstorben, gilt das als wesentlicher Risikofaktor. Ebenso wie schwere Erkrankungen, lebensbedrohliche Zustände, die länger als eine Minute andauerten oder wenn in der Vergangenheit Wiederbelebungsmaßnahmen gesetzt werden mussten.12

 

Auch wenn das Baby dazu neigt, ohne Grund stark zu schwitzen, oder bei Fällen von plötzlichem Kindstod in der Verwandtschaft der Mutter, ist vermehrte Vorsicht geboten. Darüber hinaus besteht bei sehr jungen Müttern unter 19 Jahren ein erhöhtes Risiko für SIDS.13

 

SIDS: Risikofaktoren im Überblick: 

 

  • Schlafen auf dem Bauch
  • Rauchen (in der Schwangerschaft, Stillzeit und/oder Umgebung des Babys)
  • Alkohol-/Drogenkonsum
  • Familienbett
  • Überhitzung
  • lose Kleidung, Bettwäsche, Kuscheltiere oder ähnliches im Babybett
  • Geburt vor der 33. Schwangerschaftswoche
  • Geburtsgewicht unter zwei Kilogramm
  • Mehrlingsgeburt
  • schwere Erkrankungen/lebensbedrohliche Ereignisse
  • Wiederbelebungsmaßnahmen
  • Geschwisterkinder mit SIDS-Diagnose
  • Fälle von SIDS in der Verwandtschaft der Mutter
  • starkes Schwitzen des Säuglings
  • Mutterschaft unter 19 Jahren

 

Wie kann man sein Baby vor plötzlichem Kindstod schützen? 

 

Es gibt einige Maßnahmen gegen plötzlichen Kindstod. Die wichtigsten möchten wir folgend erläutern.

 

Schlafen in Rückenlage 

Um plötzlichem Kindstod vorzubeugen, ist es sinnvoll, dass das Baby auf dem Rücken schläft. In Bauchlage besteht ein höheres Risiko, dass Erbrochenes die Atemwege verlegt oder Kohlendioxid rückgeatmet wird. Außerdem funktioniert der Hustenreflex weniger gut. Gerade wenn sich das Baby noch nicht selbst drehen kann, sollte es zum Schlafen stets auf den Rücken gelegt werden. Sinnvoll wäre die Rückenlage das gesamte erste Lebensjahr über, wobei bereits mobile Babys ihre Schlafposition häufig selbst bestimmen.14

 

Fazit: Die Aufklärungskampagnen trugen dazu bei, dass in Deutschland die SIDS Rate stark gesunken ist.

 

Überwärmung vermeiden und sichere Ausstattung im Babybett 

Um SIDS vorzubeugen, sollte auf Bettwäsche verzichtet werden. Am besten ist ein passender Schlafsack, der sich nicht über das Gesicht des Babys legen kann. Dazu darf der Halsumfang nicht größer als Babys Köpfchen sein. Nach unten hin sollten maximal 10-15 Zentimeter Spielraum vorhanden sein. Manche Babys werden auch gerne gepuckt. In die Technik sollten sich Eltern gut einweisen lassen, damit die Puckdecke auch wirklich an Ort und Stelle bleibt. Sobald sich der Nachwuchs drehen kann, verzichtet man aus Sicherheitsgründen besser auf das Pucken.15

 

Sämtliche Accessoires, die Babys Atemwege verlegen können, haben im Babybettchen nichts verloren. Neben Bettwäsche zählen dazu Kuschelkissen, Mullwindeln, Fellstoffe, Bettumrandungen oder Kuscheltiere. Am besten also, man stattet Babys Bettchen so sparsam wie möglich aus.16

 

Zudem ist es wichtig, Überhitzung zu vermeiden. So sollte Babys Köpfchen beim Schlafen nicht von einer Mütze bedeckt sein. Unter dem Schlafsack ist ein dünner Schlafanzug oder Strampler ausreichend. Darüber hinaus sollte das Babybett nicht in der Nähe von Heizkörpern stehen. Direkten Lichteinfall gilt es zu vermeiden. Die Temperatur im Schlafraum sollte nicht über 18-20 Grad liegen. Außerdem ist es sinnvoll, das Babybett mit einer luftdurchlässigen Matratze auszustatten.17 Diese sollte frei von Schadstoffen sein. Auf einen wasserdichten Matratzenschutz verzichtet man lieber. Auch ein Lammfell hat im Babybettchen nichts verloren.18

 

Auf Familienbett verzichten 

Das Schlafen im gemeinsamen Bett mag zwar praktisch sein, doch nach Expertenmeinung erhöht sich dadurch das Risiko für plötzlichen Kindstod – vor allem im Zusammenhang mit Drogen, Alkohol oder Nikotin. Daher wird empfohlen, mit dem Baby zwar in einem Raum zu schlafen, nicht aber im selben Bett. Bewährt haben sich spezielle Beistellbetten. Die regelmäßigen Atemgeräusche der Eltern beeinflussen die Atemregulation des Babys positiv. Darüber hinaus werden Unregelmäßigkeiten in der kindlichen Atmung rascher bemerkt.19

 

Auf eine rauchfreie Umgebung achten 

Nikotin wirkt sich negativ auf das kindliche Nervensystem aus. Eine rauchfreie Umgebung kann das Risiko für plötzlichen Kindstod senken. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf Zigaretten verzichtet werden.20

 

Das Baby stillen und Schnuller nutzen 

Wird das Baby gestillt, kann das das Risiko für plötzlichen Kindstod senken. Grund ist nicht nur, dass Muttermilch das Immunsystem stärkt und vor Infekten und Allergien schützt, auch haben gestillte Kinder einen leichteren Schlaf. Das vermehrte Aufwachen in der Nacht beugt Atemaussetzern vor. Auch ein Schnuller kann sich positiv auf die kindliche Atmung auswirken.21 Abgesehen von den genannten Präventionsmaßnahmen ist es wesentlich, dass Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft und nach der Geburt gewissenhaft wahrgenommen werden. So kann man Auffälligkeiten oder Erkrankungen frühzeitig erkennen. Darüber hinaus ist es sinnvoll, Erste Hilfe bei Kindern zu erlernen. Im Ernstfall kann das dazu beitragen, Leben zu retten!

 

Plötzlicher Kindstod: Warnzeichen 

 

Folgende Auffälligkeiten beim Kind sollten schnellstmöglich ärztlich abgeklärt werden:

 

  • vermehrtes Schwitzen
  • Blaufärbung um Mund oder im Gesicht
  • auffällige Blässe
  • Atempausen im Schlaf
  • Ausschlag oder ungewöhnliche Flecken
  • schwere Erweckbarkeit
  • häufiges Erbrechen/Verschlucken
  • Fieber oder Schnupfen, wenn diese länger als drei Tage andauern22

 

SIDS: Hilfe für betroffene Eltern 

 

Plötzlicher Kindstod löst bei betroffenen Eltern ein schweres Trauma aus. In so gut wie allen Fällen sind (Selbst-)Vorwürfe und die Schuldfrage großes Thema. Der Trauer- und Verarbeitungsprozess ist langwierig. So manche Beziehung wird dabei hart auf die Probe gestellt. Folgeschwangerschaften und die Geburt von Geschwisterkindern können immense Ängste auslösen. Wichtig ist hier nicht nur ein soziales Netz, das auffängt, trägt und unterstützt, sondern ebenso professionelle Hilfe. Therapie und/oder Selbsthilfegruppen können hier sinnvoll unterstützen.


Erste Anlaufstelle für Deutschland ist GEPS (Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod) https://www.geps.de/

 

Daniela Jarosz
Autor: Daniela Jarosz

Daniela Jarosz ist Sonder- und Heilpädagogin. Während des Studiums hat sie sich intensiv mit Inhalten aus Medizin und Psychologie auseinandergesetzt. Sie arbeitet seit vielen Jahren im psychosozialen Feld und fühlt sich außerdem in der freiberuflichen Tätigkeit als Autorin zuhause. Im redaktionellen Bereich hat sie sich auf die Fachrichtungen Medizin, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance sowie Kinder und Familie spezialisiert.

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