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Nachgefragt bei Frau Helm: Intuitives Essen!?

Kommentar schreiben Dienstag, 09. April 2019

Frühlingszeit – Abnehmzeit. Es ist wieder soweit: Die weiten Pullis und lässig fallenden Strickkleider Tarneffekt haben ausgedient. Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen und man trägt wieder weniger auf dem Leib. Endlich Frühling! Kleiner Wermutstropfen: Die Sünden der Winterzeit zeichnen sich erbarmungslos unter dem dünnen T-Shirt ab. Der Knopf meines Lieblingsröckchens geht nicht mehr zu. Prima! Also Ärmel hochkrempeln und den Kilostand nach unten bringen.

 

Leichter Winterspeck? Was nun?

 

Intervallfasten hat schon das Schlimmste verhindert. Aber als experimentierfreudiger Typ möchte ich noch etwas anderes probieren, das über das Erreichen des Wohlfühlgewichts hinausgeht: Intuitives Essen. Wie schon das Intervallfasten ist es keine Diät, sondern eine Ernährungsumstellung, aber ganz ohne Vorschriften. Gefragt sind Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit. Es steckt mehr dahinter und es kann auch mehr bewirken als eine Gewichtsreduktion. Das finde ich spannend.

 

Intuitives Essen – Eigentlich das normalste der Welt

 

Statt auf Diät-Tipps zu hören, hören wir auf unseren Bauch. Das ist schon alles. Aber was so einfach erscheint, ist heute ganz schön schwierig geworden. Denn die Zeit und Menge der Mahlzeiten und die Gründe, warum es an den Kühlschrank geht, sind deutlich vielfältiger als das archaische Hunger- und Sättigungsgefühl. Und darum geht es beim intuitiven Essen: Es wird nur gegessen, wenn und so lange man Hunger hat. Nicht weil 13 Uhr oder Mittagspause ist, weil der Partner gerade isst (man kann sich ja trotzdem dazu setzen und einen Tee trinken), weil früher in der Familie schon abends warm gegessen wurde, weil die Zucchinis endlich weg müssen, weil gerade etwas nervt oder der Liebste den Mittwochabend kurzfristig abgesagt hat. Nein, beim intuitiven Essen wird schlicht und einfach nur dann und deshalb gegessen, weil der Magen knurrt. Irre, was?

 

Der Körper gibt den Ton an

 

Der Körper signalisiert, wann und was er essen will. Das „wann“ muss ich noch perfektionieren, denn da folge ich auch gerne mal meinen Gelüsten, auch wenn der Bauch schon voll ist. Aber das „was“ kenne ich schon ganz gut. Es gibt Phasen, in denen ich richtig gierig z.B. auf Karottensaft bin und eine Zeitlang jeden Tag eine kleine Flasche trinke. Und dann habe ich schlagartig genug davon und wechsle zu 2 Litern Ingwertee am Tag. Ich bin überzeugt, dass der Körper wirklich genau weiß, was er braucht. Er füllt seine Depots mit bestimmten Vitalstoffen auf, lässt bei chronischen Entzündungen zu Omega-3-haltigen Nahrungsmitteln greifen und macht bei Schwächegefühlen Lust auf Hühnersuppe. Wenn das Gefühl für die Impulse des Körpers da ist, funktioniert intuitives Essen wunderbar. Wären da nicht die Saboteure, die der Körperwahrnehmung im Weg stehen:

 

Deshalb fällt uns das Gesunde so schwer

 

Andere Prioritäten: Funktionieren wollen, überhöhte Ansprüche an sich selbst erfüllen wollen, es jedem Recht machen wollen, Anpassung um des lieben Frieden willens usw. Einen interessanten Ansatz auf die Frage, warum wir uns sabotieren, obwohl wir es besser wissen, in Bezug auf Ernährung, Bewegung, Genussgifte, Umwelt, Klimaschutz u.a., bot die Sendung Scobel vom 14.03.2019: Ein Grund ist unser Belohnungssystem im Gehirn. Wir wollen JETZT belohnt werden und nicht erst in 20 Jahren. Wenn wir Lust auf Chips haben, wollen wir jetzt Chips. Natürlich enthalten sie Transfette und sind auch sonst ungesund. Und natürlich tragen sie langfristig dazu bei, unsere Gesundheit zu schädigen. Aber diese Schädigung in weiter Ferne ist uns zu abstrakt, um jetzt Verzicht zu üben. Die Belohnung ist zu weit weg. Wenn man leckere Chips sofort bekommen kann, was interessiert dann der kumulierende Gesundheitsschaden in 20 Jahren? 

 

Lust auf Schokokekse oder Nüsse?

 

Ich kenne beides: Wie oben geschildert die Lust auf Gesundes, aber auch die Begierde auf Chips & Co. Wo liegt der Unterschied? Erstens darf es keine Verbote geben. Verbote wecken die pubertäre Antihaltung und machen schon allein den Reiz aus, die Packung Schokokekse in einem Schwung zu leeren. Beim intuitiven Essen sind alle Nahrungsmittel erlaubt. Damit das gut geht, muss aus meiner Sicht dieser Ernährungsweise ein Programm vorgeschaltet werden. Sonst kommt man aus der Chips-Schoko-Ecke nicht heraus. Der Körper schaltet nicht freiwillig um, wenn er zuckersüchtig ist, auf den Geschmacksverstärker Glutamat geeicht ist und die entsprechenden ungünstigen Darmbakterien groß gezogen hat, die über die Bauchhirn-Kopfhirn-Schiene mit Erfolg nach noch mehr Süßem rufen. Darauf folgen Heißhungerattacken, die zu schnell verfügbaren Kohlenhydraten wie Zucker und Weißmehlprodukten verleiten. Ein Teufelskreis entsteht, der durch das hehre Vorhaben, intuitiv zu essen, nicht beendet wird.

 

Den Teufelskreis durchbrechen

 

Körperwahrnehmung, Achtsamkeit und Bewusstheit müssen erst wachgerufen und entwickelt werden. Dann kommt die Lust auf Nüsse statt Schokokekse von alleine. Und so ist intuitives Essen auch gemeint: Keine Regeln, keine Einschränkungen, keine Vorgaben. Erlaubt ist, was der Körper signalisiert. Nur dazu muss er erst mal auf den gesunden Weg und sein Besitzer in engem Kontakt zu ihm gebracht werden. Essen dient wieder nur der Nahrungsaufnahme. Es hat keine Ersatzfunktionen und wird nicht als Stressregulation fremdgenutzt. Dann ist das intuitive Essen der natürlichste und angenehmste Weg, sich zu fühlen, gesund zu ernähren und sein Wohlfühlgewicht zu haben. 

 

Durchstarten mit einer Woche Fasten

 

Der einfachste und schnellste Weg, wieder in Kontakt mit sich und seinem Körper zu kommen, ist Fasten. Es bedeutet einen Bruch mit der bisherigen Ernährungsweise und erhöht die Sensibilität für Körper, Geist und Seele. Alle Ebenen werden tiefengereinigt und frei für etwas Neues. Fasten ist das Gegenteil zu intuitivem Essen, aber die optimale Vorbereitung, um die Intuition entwickeln zu können. Der Umgang mit Nahrung nach einer Essenspause ist natürlicherweise achtsam. Fasten ist für beinahe jeden geeignet und bringt neben einer ersten Gewichtsreduktion auch andere gesundheitliche Vorteile. Eine Rundum-Information erhalten Sie bei der Ärztegesellschaft Heilfasten & Ernährung.

 

Und dann geht es ganz leicht: Auf den Körper hören – intuitiv essen

 

Aus dieser Position heraus, geschieht die Umstellung von selbst: auf Hunger- und Sättigungsgefühl hören, langsam und achtsam essen, sich auf das Essen konzentrieren, den Körper sprechen lassen, welche Nahrungsmittel er gerade braucht und welche nicht. Ich muss mir nichts mehr verbieten und vorschreiben. Der Kontakt mit dem dazu noch entschlackten Körper und der Wunsch, mit Bewusstheit und Achtsamkeit auf ihn zu hören und intuitiv zu essen, garantiert, die für mich richtige Auswahl und Menge an Nahrungsmittel zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu mir zu nehmen.

 

Den Körper wertschätzen und lieben

 

Offizielle Schönheitsauflagen hinter sich lassen und eigene Maßstäbe für Schönheit und Wohlfühlgewicht entwickeln. Wann fühle ich mich gut, unabhängig von dem Gewicht in Kilo? (Wenn der Rock wieder zu geht). Am besten verbanne ich die Waage für eine Weile in den Keller. Durch das Fasten entsteht ein innigerer, liebevoller Kontakt, eine Sensibilität für den Körper, den man sich bewusst erhalten kann. Natürlich leben wir nicht auf einer einsamen Insel und können uns nicht völlig frei von den Sichtweisen der Leute machen, die uns wichtig sind. Andererseits ist es wohltuend ansteckend, wenn jemand völlig mit sich einverstanden ist so, wie er ist. Deshalb tun wir nicht nur uns mit mehr Selbstliebe etwas Gutes, sondern auch unserem Umfeld.

 

Wenn alte Essgewohnheiten in Stresssituationen doch wieder auftauchen

 

Ein Rückfall hier und da gehört zu jeder Veränderung dazu. Am besten einfach hinnehmen und auf dem neuen Weg weitermachen. Je mehr ich mich aufrege, umso mehr Energie und Zeit verschwende ich damit und verurteile mein „Versagen“. Es ist besser, nach einem kurzen, wohlwollenden „kann passieren“ wieder auf den Körper und seine echten Bedürfnisse zu hören. Musste Essen vor der Umstellung als Ersatz für etwas herhalten, finden sich dafür Alternativen: Einfach daran erinnern, was ich mir früher in solchen Situationen Gutes getan habe. Intuitives Essen stärkt das Vertrauen in sich selbst: in die Weisheit des Körpers, wenn er achtsam behandelt wird, in die Gefühle und in die eigene Sicht auf das Leben. Intuitives Essen kann einen Stein ins Rollen bringen, um sich insgesamt mehr zu spüren und sich treu zu sein.

 

Intuitiv essen heißt auch intuitiv leben

 

Alles wirkt ineinander. Wird der Körper mit vitalstoffreicher Kost verwöhnt, springt dieser achtsame Umgang mit sich auch auf die seelische und geistige Ebene über. Dann will ich sicher auch in anderen Lebensbereichen keine ungesunde Kost mehr, keine Übersättigung und auch nicht mehr das Gefühl, zu hungern und nicht die Nährstoffe zu bekommen, die ich eigentlich brauche. Ich muss nicht mehr darben. Ich darf mir bei bisherigen Mangelzuständen den Teller füllen und die Fülle genießen. Dazu müssen vielleicht karge Lebenssituationen verlassen werden. Andererseits muss ich nicht mehr einen Teller ganz aufessen, der mir nicht bekommt. Das nächste Mal fülle ich ihn gleich nur halb oder wechsle zu frischer, saftiger, lebendiger Kost. Das betrifft das Essen genauso wie alles andere in meinem Leben. Ich freue mich darauf.

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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