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Lebensmittelmythen – Fakt oder Irrglaube?

Kommentar schreiben Mittwoch, 22. April 2020

Spinat macht stark, Karotten sind gut für das Sehvermögen und ohne Milch keine gesunden Knochen! Lebensmittelmythen sind weit verbreitet. Stimmen sie auch? Oder ernähren wir uns nach Regeln, die nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mehr aufrechterhalten werden können oder ohnehin schon immer nur ein Mythos waren? Erfahren Sie hier, was hinter den bekannten Mythen von Lebensmitteln steckt. Was ist wahr und was nicht?

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Wusste schon Trickfigur Popeye, dass Eisen stark macht?

 

Das ist nicht nur die Überzeugung des Comic-Matrosen Popeye. Wissenschaftler des Biotech Centers der Rutgers Universität von New Jersey entdeckten: Spinat enthält Phytoecdysteroide. Sie erhöhen bis zu 20 % die Produktion von Eiweißen in den Muskelzellen von Mäusen und Menschen. Bei Versuchen mit Ratten konnte deren Greifkraft der Vorderpfoten mithilfe eines Spinatextrakts nachweislich erhöht werden. Studien am Institut für Biochemie im ungarischen Szeged bestätigten die Wirkungen der pflanzlichen Stoffe im Spinat auf die Muskelgröße und Muskelkraft. Auch hier wurden im Tierversuch die Muskeln anhaltend aktiviert und die Eiweißsynthese im Muskel erhöht.1 Neben diesen Effekten auf die Muskulatur ist Spinat reich an den Vitaminen A, C und E sowie an der Vorstufe zu Vitamin A, dem Beta-Carotin – alles Substanzen mit einer hohen antioxidativen Wirkung.

 

Sie schützen Zellen und Erbgut vor der Schädigung durch aggressive Sauerstoffverbindungen, den freien Radikalen. Vitamin A fördert die Gesundheit von Haut, Schleimhaut und Sehkraft. Vitamin C ist außerdem Voraussetzung zur Bildung von Kollagen – der Basissubstanz von Bindegewebe, straffer Haut, Knorpel, Sehnen, Faszien und Knochen sowie für ein starkes Immunsystem. Zudem enthält Spinat Folsäure, wichtig für Zellteilung und Zellwachstum, Calcium für die Knochen, Magnesium ebenfalls für gesunde Knochen und als Anti-Stress-Mineral und Zink für eine Vielzahl von Stoffwechselvorgängen und die Abwehrkräfte.

 

Wie viel Eisen hat Spinat?

 

Der Spitzenwert für Eisen geht auf eine falsche Darstellung der Berechnung des Schweizer Physiologen Gustav von Bunge zurück: Seine Angabe, dass 100 g Spinat 35 g Eisen enthält, bezog sich nicht auf frischen, sondern getrockneten Spinat. Da das grüne Fuchsschwanzgewächs zu 90 % aus Wasser besteht, verbleiben bei 100 g noch etwa ein Zehntel, d.h. 3,5 g Eisen, das zudem zum Teil von der Oxalsäure im Spinat gebunden wird.1

 

Warum sollte Spinat nicht aufgewärmt werden?

 

Und warum soll man Spinat nicht mehrmals erhitzen? Spinat enthält Nitrat, das bei längerem Aufenthalt im Warmen durch Bakterien in gesundheitsschädigendes Nitrit umgewandelt wird. Die Mahnung stammt noch aus Zeiten, in denen es keinen Kühlschrank gab. Wenn man heute den restlichen Spinat gleich kühlstellt, nur einen Tag aufbewahrt und vor dem Verzehr auf mindestens 70 Grad erhitzt, kann man ihn guten Gewissens aufwärmen.2

 

Können Karotten die Sehkraft stärken?

 

Das stimmt. Karotten enthalten die Vorstufe von Vitamin A, das Beta-Carotin. Bei einem Vitamin-A-Mangel können die Sinneszellen auf der Netzhaut des Auges, die Stäbchen und Zapfen nicht funktionieren. Sie nehmen das Licht auf und senden es durch Nervenimpulse ins Gehirn zur Verarbeitung. Die Zapfen ermöglichen das Farbensehen mithilfe von drei Formen des Sehpigments Iodopsin. Die lichtempfindlichen Stäbchen lassen uns mit dem Sehpigment Rhodopsin nur Hell und Dunkel unterscheiden. Sie sind für den „Schwarzweißfilm“ in der Nacht, in der Zapfen mit ihrem Farbensehen nicht aktiv sind, zuständig. Beide Sehpigmente benötigen für ihren Aufbau Vitamin A. Das Schwarz-Weiß-Sehpigment für die Nacht nimmt Vitamin A langsamer auf. Deshalb macht sich ein Vitamin-A-Mangel zuerst beim Nachtsehen bemerkbar. Das kann in Entwicklungsländern bis hin zur Blindheit führen. Bei uns ist die Versorgung mit Vitamin A bei normaler Ernährungsweise jedoch ausreichend.3


Dass Karotten die nächtliche Sehkraft stärken, soll auf die Engländer im zweiten Weltkrieg zurückgehen. Die Piloten erklärten ihre Treffsicherheit bei Nacht mit einem hohen Konsum an Karotten. Damit verheimlichten sie den wirklichen Grund: die Erfindung eines Board-Radars. Diese Aussage soll Ursprung des auch heute noch gültigen Mythos von Möhren und guten Augen sein.4

 

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Wie gesund ist Milch für die Knochen?

 

Schließlich enthält sie Calcium, Phosphor und Vitamin D. Untersuchungen zeigen aber, dass Milch das Risiko eines Knochenbruchs nicht senkt. In einer Harvard-Studie mit 330 000 Teilnehmern kam es bei den Teilnehmern, die nur ein Glas Milch in der Woche trinken, nicht eher zu einem Knochenbruch als bei den Probanden, die zwei oder mehr Gläser Milch wöchentlich zu sich nahmen.5 Eine schwedische Studie sagt aus, dass starke Milchtrinker im Alter genauso oft Knochenbrüche erleiden wie mit weniger Milchkonsum. Bei Frauen ist es sogar so, dass sie bei einem außergewöhnlichem Verzehr von Milch mehr Knochenbrüche haben als wenn sie weniger Milch trinken. Auch das Sterberisiko ist laut der Studie für einen bestimmten Zeitraum genommen bei starken Milchtrinkern höher als sonst.6

 

Macht Fett fett?

 

Macht es nicht. Bei Fett ist die Frage, welche Art von Fettsäuren man zu sich nimmt: Omega-3-Fettsäuren verringern Entzündungen, schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, senken das Risiko für Diabetes und können Darmkrebs entgegenwirken. Lein-, Walnuss- und Rapsöl sowie Lachs, Makrele und Hering sind reich an diesen Fettsäuren. Nur mit ausreichendem Verzehr an Fett ist die Versorgung mit den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K gesichert. Gute Fette machen gesund und nicht dick, das ist erwiesen. Wirklich schädlich sind nur Transfette, die sich z.B. in Backmagarine und daraus produziertem Gebäck und Blätterteig sowie in Snacks und Chips befinden. Besser Fisch als Schweinefleisch, Nüsse statt Erdnuss-Flips, Bio-Pflanzenöl statt Billig-Margarine – für mehr Gesundheit und das Wunschgewicht.7

 

Können Light-Produkte beim Abnehmen helfen?

 

Auch wenn light nach leicht klingt, machen Light-Produkte nicht unbedingt schlank. Denn nicht da, wo light drauf steht, ist auch light drin. Light kann sich ein Produkt nennen, wenn es mindestens 30 % weniger Zucker oder Fett als das Original-Produkt hat. Aber auch dann kann es noch reichlich Kalorien enthalten. Da Fett Geschmack verleiht, wird bei fettarmen Produkten der Geschmacksverlust durch mehr Kohlenhydrate, sprich Zucker ausgeglichen.

 

Folge: Light Produkte zeigen oft eine hohe Energiedichte. Deshalb warnen Forscher der Deakin University im australischen Melbourne vor Light Produkten. Sie fanden heraus, dass eine durchschnittliche Mahlzeit bis zu 5,1 Kilojoule pro Gramm enthält. Fettarme Produkte brachten es auf einen Wert von bis zu 7,7 Kilojoule pro Gramm! Da fettarme Produkte nicht so schnell satt machen und das Wort light noch dazu verleitet, mehr von dem Produkt zu sich zu nehmen, tendiert man dazu, mehr zu essen. In einer Studie an der kanadischen Universität Alberta fütterte David Pierce Ratten 16 Wochen lang mit Light-Lebensmitteln. Sie aßen mehr und wogen am Ende der Studie sogar mehr als die Vergleichsgruppe, die normales Futter bekam. Wer abnehmen will, muss einfach weniger essen und sich mehr bewegen.7

 

Sind rohe Karotten und Tomaten nahrhafter als gekochte?

 

Auch wenn Obst und Gemüse aufgrund seiner hitzelabilen Bestandteile roh meist gesünder sind als gekocht, ist es bei Karotten, Kürbis und Tomaten umgekehrt. Wird das Gemüse stark zerkleinert oder gekocht, lösen sich die wertvollen Mikronährstoffe Vitamin A, D, E und K, die Polyphenole und die Carotinoide, z.B. Lycopin, Lutein und Zeaxanthin aus den Bindungen mit anderen Substanzen heraus. So können sie vom Körper besser aufgenommen und verwertet werden.8 Bei Tomaten gehen die Meinungen auseinander: Die meisten Quellen besagen, dass auch ihr Lycopin in gekochter Form besser verfügbar ist. z.B. 9

 

Andere sind der Meinung, dass es schon in rohem Zustand für den menschlichen Organismus verfügbar ist.8 Zum Erhitzen genügt eine Minute lang im Wasserdampf von 100 Grad, um den Effekt der besseren Bioverfügbarkeit zu erreichen.8

 

Sind braune Eier gesünder als weiße?

 

Dieser Mythos entstand, weil die meisten Bio-Eier braune Schalen haben und Bio-Eier als gesünder gelten oder zumindest aus einer für das Huhn tiergemäßeren Haltung stammen. Er ist falsch. Zwischen weißen und brauen Eiern bestehen keinerlei Unterschiede, was die Inhaltsstoffe, wie Mineralien und Vitamine anbelangt. Die Farbe der Eierschale ist genetisch bestimmt. Je nach Hühnerrasse produziert die Schalendrüse im Legedarm des Huhns Pigmente aus dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin den gelben Pigmenten des Gallenfarbstoffs, die sich gemischt auf der Kalkschale des Eis ablagern: Die Schale wird braun. Bei anderen Hühnerrassen fehlen diese Farbstoffe in der Schalendrüse: Die Eierschale ist weiß. Die Ernährung des Huhns hat keinen Einfluss auf die Eierschale. Mais oder Paprika im Hühnerfutter bewirken allerdings, dass der Dotter eine intensivere Farbe erhält.10 Genaue Infos über die Qualität von Ei und Haltung ist aus der Printnummer auf dem Ei erkennbar.11   

 

Welche Quellen sind verlässlich bei Fragen zu Mythen zu Lebensmitteln und Ernährung?

 

Qualifizierte Infos über Ernährung finden Sie z.B. bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (www.dge.de), beim Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung (www.ugb.de), aus schulmedizinischer Sicht beim Ärzteblatt (www.aerzteblatt.de), aus dem Blick der Pharmazie in der Deutschen Apotheker Zeitung (www.deutsche-apotheker-zeitung.de) und aus ganzheitlicher Sicht beim Zentrum für Gesundheit (www.zentrum-der-gesundheit.de).

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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