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Kastration bei Katzen: Fakten und Vorteile

Kommentar schreiben Aktualisiert am 16. April 2015

Schwanz hoch und Hintern raus: Während der Phase der Rolligkeit werden die sonst so geliebten Samtpfoten mitunter unerträglich. Mit einer Kastration kann Herrchen oder Frauchen dem wilden Urinieren und dem unangenehmen Präsentieren des Allerwertesten ein Ende machen. Im Folgenden klären wir den Unterschied zwischen kastrieren und sterilisieren, was ihrer Fellnase besser bekommt und was es mit der Rolligkeit auf sich hat.

Seit vielen Jahren führt die Katze das Feld der beliebtesten Haustiere an. Laut einer Umfrage des Zentralverbands Zoologischer Fachgebiete lebten 2013 11,5 Millionen Samtpfoten in deutschen Haushalten. Und das nicht ohne Grund: Egal ob getigert, gesprenkelt, kohlrabenschwarz oder schneeweiß – die haarigen Vierbeiner sind treue Weggefährten. Dennoch steht die Beziehung zwischen Mensch und Katze ab und zu auf der Kippe. Wenn die Katzen und Kater rollig werden, stellen sie ihre Besitzer schon einmal auf eine Geduldsprobe. Sie markieren ihr Revier mit übel riechendem Urin. Wenn die Katze Freigang bekommt, tut sie das an Bäumen und Sträuchern, wenn es sich um eine Hauskatze handelt muss eben die Tapete, die Couch oder der Wäscheberg dran glauben.

Rollige Katzendamen neigen gerne dazu laut zu Miauen und einen möglichen Paarungspartner anzulocken. Zum Ärger der Besitzer geschieht dies vor allem nachts. Außerdem lässt die paarungsbereite Katze kaum eine Gelegenheit aus ihren Schwanz zu heben um ihr prächtiges Hinterteil zu präsentieren. Der Begriff „rollig“ kommt daher, dass sich die Kätzin während dieser Phase gerne spielerisch auf den Rücken rollt.

Geschlechtsreife bei Katzen

Katzen und Kater werden zwischen dem 4 und dem 15 Lebensmonat geschlechtsreif. Die erste Rolligkeit der Kätzin fällt somit in diese Zeitspanne. Wann genau die Geschlechtsreife eintritt ist von Rasse zu Rasse, aber auch von Tier zu Tier verschieden. Eine normale Rolligkeit hält etwa 5 bis 7 Tage an. Wird die Katze während dieser Zeit nicht gedeckt, ist sie nach etwa ein bis zwei Wochen erneut rollig.

Das besondere an Katzen: Sie haben keinen klassischen Zyklus mit Eisprung. Der Eisprung wird durch den Geschlechtsakt selbst ausgelöst. Findet dieser nicht statt, bildet sich das Folikel zurück. Kommt es bei nicht kastrierten Hauskatzen mehrfach hintereinander zu einer solchen Rückbildung, kann sich das Gewebe verändern und tumorartig wuchern.

Kastration bei Katze und Kater

Eine Kastration kann dies verhindern. Dabei handelt es sich um einen Eingriff, bei dem die Keimdrüsen, also Hoden oder Eierstöcke, entfernt werden. Es werden also Kater und Katzen kastriert. Durch die Entfernung der Drüsen wird die Produktion von Geschlechtshormonen unterbunden und die Fortpflanzung ist nicht mehr möglich.

Was für den Menschen vielleicht abschreckend klingt hat für die Tiere viele Vorteile: Katzen können nach der Entnahme der Eierstöcke nicht mehr an Brustkrebs erkranken, Eierstockzysten werden verhindert. Findet kein Geschlechtsakt statt, sinkt für die Katze das Infektionsrisiko, da sie während der Fortpflanzung gekratzt und gebissen wird. Experten sagen, eine Kastration verlängert ein Katzenleben um etliche Jahre. Katzen sollten etwa im 4. Oder 5. Lebensmonat kastriert werden.

Leben nicht kastrierte Hauskatzen in der Wohnung ohne einen männlichen Artgenossen, kehrt der Zustand der Rolligkeit immer wieder. Die Pausen dazwischen werden immer kürzer und die Katze wird regelrecht mit Hormonen überschwemmt. Eine Kastration kann das verhindern und erspart der Kätzin damit diese Belastung.

Kater profitieren von Kastration

Doch auch für Kater hat die Kastration positive Effekte. Freilaufende Kater müssen auf der Suche nach einem Weibchen häufig viele Kilometer zurücklegen und sich durch die Reviere anderer Männchen kämpfen. Dabei lauern nicht nur Gefahren wie befahrene Straßen, auch die Infektion mit lebensbedrohlichen Viren ist möglich. Nach einer Kastration ist das nicht mehr nötig, das Tier bleibt eher in der Nähe seines Zuhauses. Da weniger Kämpfe mit Artgenossen ausgetragen werden, sinkt das Krankheits- und Verletzungsrisiko. Häufig werden Kater nach einer Kastration anhänglicher und menschenbezogener.

Für den Dosenöffner Mensch erfreulich: Ein kastrierter Kater markiert in der Regel nicht mehr die gesamte Wohnung als sein Revier, eine Garantie hierfür ist der Eingriff allerdings nicht. Wird das Männchen kastriert bevor er sich dieses Verhalten angewöhnt, stehen die Chancen gut, dass er nach der Kastration gar nicht damit anfängt. Tierärztin Dr. Friederike Unkel-Mohrmann aus der Kleintierklinik Itzehoe empfiehlt eine Kastration bei Katern etwa im 6. Lebensmonat.

Was ist eine Sterilisation?

Bei der Sterilisation werden die Keimdrüsen nicht entfernt. Eine Durchtrennung der Samen- oder Eileiter unterbindet den Transport der Geschlechtszellen, es kann kein Nachwuchs gezeugt werden. Geschlechtshormone werden aber weiterhin produziert. Katzen werden also auch nach einer Sterilisation rollig, Katzer markieren und bleiben kampflustig. Viele Tierarztpraxen raten von einer Sterilisation ab, da sie keine Vorteile gegenüber einer Kastration hat und die Tiere unter dem Zustand leiden können.

Eine Sterilisation kann bei Katzen zur dauerhaften Rolligkeit führen. Diese belastet sowohl den Körper als auch die Psyche des Tieres.

Verändert sich das Tier nach dem Eingriff?

Häufig kommt es nach der Kastration zu einer Gewichtszunahme des Tiers. Das liegt allerdings nicht am Eingriff selbst, sondern am Verhalten des Besitzers. Nach der Entfernung braucht das Tier weniger Energie. Wird das Futter beziehungsweise die Futtermenge nicht angepasst, entsteht in Windeseile das berüchtigte Katzen-Hängebäuchlein. Damit es nicht so weit kommt berät der behandelnde Tierarzt nach der Kastration über die richtige Mahlzeit und deren Dosierung.

Außerdem werden vor allem Kater anhänglicher und bauen eine engere Bindung zu „ihrem Menschen“ auf – für den Katzenbesitzer sicher nicht das Schlechteste.

Verhinderung der unkontrollierten Vermehrung

In vielen großen Städten gibt es eine ungeahnt große Population an wilden Katzen. Da diese nicht kastriert sind vermehren sie sich immer weiter. Die streunenden Katzen müssen täglich um ihr Überleben kämpfen und verhungern nicht selten. Um diesem Trend entgegen zu wirken ist die Kastration der eigenen Katze, auch wenn es sich bisher nur um eine Hauskatze handelt, der richtige Schritt.

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Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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