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Johanniskraut – gegen Depressionen, Schmerzen, Hautkrankheiten & Co.

Kommentar schreiben Dienstag, 16. Juni 2020

Johanniskraut ist die bekannteste Heilpflanze gegen leichte und mittelschwere Depressionen. Schon in der Antike wurde sie zur Linderung von Melancholie und Unruhe eingesetzt. Bei Wunden, Rheuma und Verbrennungen hat sich ihre äußerliche Anwendung mit dem entzündungshemmenden Rotöl bewährt. Johanniskraut ist ein natürliches Mittel gegen starke Schmerzen von sehr nervenreichem Gewebe. Sie hilft auch bei Hautproblemen und Durchfall. Ihr Name kommt daher, dass sie um die Zeit des Johannistags (24. Juni) ihre leuchtend gelben Blüten entfaltet. Erfahren Sie hier, welche Substanzen Johanniskraut enthält, wie es wirkt, wie Sie es innerlich und äußerlich anwenden und worauf Sie bei der Anwendung achten müssen.

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Botanik – Was für eine Pflanze ist Johanniskraut?

 

Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum), auch Tüpfel-Johanniskraut genannt, zählt zur Familie der Johanniskrautgewächse. Weltweit gibt es etwa 370 Hypericum-Arten. Johanniskraut ist in Europa, Nordafrika und Asien beheimatet. Es wächst in lichten Wäldern, Weg- und Waldrändern, in Hecken und auf trockenen Wiesen. Die ausdauernde Pflanze mit ihren nach oben hin ästig verzweigten, harten und zweikantigen Stängeln trägt sternförmige, safrangelbe Blüten in traubigen Trugdolden. Auf den Blüten und Blättern finden sich Tüpfelchen. Es sind die Drüsen der Pflanze, die das ätherische Öl enthalten. Reibt man die Blüten zwischen den Fingern, tritt das purpurrote, harzige ätherische Öl aus.1

 

Geschichte – schon in der Antike eine Heilpflanze für gute Stimmung und Wundheilung

 

Johanniskraut hat als Heilpflanze eine lange Tradition: Es wird seit der Antike zur Wundbehandlung genutzt. Im Mittelalter kam die Melancholie als Indikation dazu. Paracelsus pries den Sommerblüher als Gegenmittel bei düsterer, depressiver Stimmung. In der Homöopathie Hahnemanns (1755-1843) wird Johanniskraut als Arznei bei Verletzungen und Schmerzen der Nerven, besonders im Kopf und im Bewegungsapparat wie auch bei trüber Stimmung eingesetzt. Der Arzt Justinius Kerner (1782-1862) prüfte Johanniskraut als Mittel gegen seelische Störungen mit unerklärlicher Traurigkeit.

 

Der Naturheilkundler Pfarrer Kneipp (1821-1898) verwendete Tees, Umschläge und Rotöl gegen unterschiedliche Beschwerden. Der Psychiater und Neurologe Karl Daniel verabreichte zwischen 1939 und 1954 die erste standardisierte Lösung des Wirkstoffs Hypericin aus Johanniskraut bei über 2000 Patienten. 68 bis 90 Prozent der Probanden ging es deutlich besser oder sie wurden geheilt. Erst in den 1980er Jahren begann man mit modernen Studien. Sie bestätigen nicht nur die bisher bekannten Wirkungen, sondern entdecken noch neue dazu. Im Jahr 2015 wurde Johanniskraut zur Heilpflanze des Jahres gewählt.2

 

Welche Wirkstoffe stecken in Johanniskraut?

 

Die Hauptwirkstoffe sind die Hypericine - die roten Farbpigmente in den Blüten und im Kraut - und das Hyperforin. Dazu kommen Flavonoide wie Quercetin, Hyperosid, Rutosid und Kämpferol sowie Gerbstoffe (Catechine), ätherisches Öl und Procyanidine, Pektin, Xantone und Cholin. Ein Kraftpaket an Wirkstoffen mit unterschiedlichsten gesundheitsfördernden Effekten:

 

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Johanniskraut gegen Ängste, Unruhe und Depressionen – So wirkt es

 

Bei dem häufigsten Anwendungsbereich erhöht Johanniskraut die Menge an Botenstoffen (Neurotransmitter) im Gehirn. Dazu hemmt es die Wiederaufnahme von Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, GABA und L-Glutamat. Durch die längere Verweildauer in dem Raum zwischen zwei Nervenzellen (synaptischer Spalt), können sich die Glücks- und Motivationshormone anreichern und mehr Impulse an die nächste Nervenzelle aussenden. Ihre Wirkung wird verlängert. Im Vergleich zu synthetischen Antidepressiva, die meist nur die Wiederaufnahme von Serotonin hemmen, zeigt Johanniskraut ein weiteres Wirkungsspektrum, da es noch die Menge anderer Botenstoffe positiv beeinflusst.

 

Frau schaut traurig aus dem FensterHypericine erhöhen die Lichtempfindlichkeit: Der Körper kann einen vermehrten Nutzen aus dem aufgenommenem Licht ziehen, was als innere Lichttherapie bezeichnet wird. Hypericine ähneln in ihrem chemischen Aufbau einem Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin, das gleichfalls eine antidepressive Wirkung ausübt.

Das ätherische Öl von Johanniskraut enthält ein Abbauprodukt der Hopfenbuttersäure. Es hat wie Hopfen eine beruhigende Wirkung.

 

Studien zufolge wirkt hochdosiertes Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen genauso wie synthetische Antidepressiva, nur dass es gut verträglich ist und kaum Nebenwirkungen zeigt. Interessant ist, dass Johanniskraut bei Depressionen nicht nur die Stimmung aufhellt, sondern auch körperliche Begleitsymptome, wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Müdigkeit, Herz- oder Magenbeschwerden deutlich lindern kann. Johanniskraut hat ähnlich dem Weißdorn eine herzunterstützende Wirkung.

 

Anwendungsbereiche für die Psyche sind neben Depressionen auch Ängste, nervöse Unruhe, Erschöpfung, Burnout-Syndrom, Schlafstörungen in Verbindung mit Depressionen, Wechseljahresbeschwerden, PMS, hoher Blutdruck, Wetterfühligkeit und Schwächezustände. Auch Migräne, Bettnässen und eine Reizblase können mit Johanniskraut behandelt werden.3

 

So wenden Sie Johanniskraut-Präparate bei seelischen Beschwerden und Depressionen an

 

Bei leichter Depression werden 300 bis 600 mg Trockenextrakt, bei einer diagnostizierten Depression 900 mg täglich empfohlen. Die Wirkung tritt frühestens nach einer Woche, oft erst nach 3 bis 5 Wochen ein. Johanniskraut sollte 3 bis 6 Monate eingenommen werden. Nicht im Winter absetzen!3 Depressive Zustände müssen immer auch vom Arzt abgeklärt werden.

 

Johanniskraut bei rheumatischen und neuralgischen Schmerzen

 

Das aus den Blüten gewonnene Rotöl wärmt, entspannt die Muskulatur und lindert den Schmerz. Es findet Anwendung bei Muskelschmerzen, Nervenschmerzen (Neuralgien), Hexenschuss, Ischialgie und Weichteilrheumatismus. Dazu wird das Öl in die betroffenen Stellen eingerieben. Alternativ kann eine Ölkompresse genutzt werden, wozu 40 Tropfen Rotöl auf eine angewärmte Kompresse getropft werden. Bei entzündlichen rheumatischen Beschwerden wird Rotöl eingerieben, um die Entzündung zu hemmen und die Schmerzen zu lindern. Auch in der Homöopathie wird Johanniskraut bei Schmerzen angewendet (siehe unten).3

 

Johanniskraut bei Magen-Darm-Beschwerden und Durchfall

 

Johanniskraut ist reich an Gerbstoffen. Sie haben eine zusammenziehende und entzündungshemmende Wirkung. Ist die Schleimhaut, hier im Verdauungstrakt, entzündet, verursachen sie eine chemische Reaktion mit den Eiweißen. Die Schleimhaut wird abgedichtet und vor Entzündungen geschützt. Bei Durchfall eignet sich Johanniskrauttee: 1-2 Teelöffel mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Zweimal täglich 1 bis 2 Tassen trinken. 3 Bei einem Reizmagen und zur Unterstützung der Ausheilung von Magen- und Darmgeschwüren wird die Einnahme von 3-mal täglich 1 Teelöffel Johanniskrautöl empfohlen.3

 

Johanniskrautöl fördert die Wundheilung

 

Das Öl aus den Blüten entwickelt nach ein paar Wochen eine rote Farbe und wird deshalb auch Rotöl genannt. Es hat durch die Flavonoide und das Hyperforin entzündungshemmende, juckreiz- und schmerzstillende Eigenschaften. Gerbstoffe fördern die Wundheilung und eine gute Narbenbildung. Rotöl bekämpft Bakterien, Pilze und Viren. Hyperforin hat einen ähnlichen Aufbau wie Antibiotika und kann gegen multiresistente Keime wirksam sein. Der Wirkstoff stärkt die Hautbarriere und fördert die Regeneration der oberen Hautschicht. Anwendungsbereiche sind Schürf- und Schnittwunden, Verstauchungen, Prellungen, Verrenkungen, Sonnenbrand, Verbrennungen ersten Grades, Nervenschmerzen und Muskelverspannungen. Auch bei schlechter Wundheilung können Rotöl-Kompressen direkt auf die Haut aufgetragen und über Nacht darauf gelassen werden. Wundliegen (Dekubitus) kann mit Rotöl vorgebeugt und behandelt werden.3

 

Rotöl zur Therapie von Hautkrankheiten

 

Rotöl hemmt Entzündungen und wirkt antibakteriell. Es reduziert die Hyperaktivität der Immunzellen und das Wachstum multiresistenter Staphylococcus-aureus-Bakterien, die sich bei Neurodermitis-Patienten aufgrund ihrer geschwächten Hautbarriere leicht vermehren und zu einer zusätzlichen Hautinfektion führen können. Rotöl stabilisiert die Schutzbarriere der Haut und unterstützt die Hautregeneration. Es nährt und beruhigt die Haut bei Neurodermitis und Schuppenflechte (Psoriasis). Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts ist Johanniskrautöl auch für eine Auflage bei nässenden Ekzemen geeignet.

 

Rotöl unterstützt den Wasser- und Fetthaushalt auch bei strapazierter und sehr trockener Haut. Während der Abheilung einer Gürtelrose (Herpes Zoster) lindern leicht erwärmte Ölkompressen mit Seidenläppchen den Schmerz. Sie können den Abheilungsprozess beschleunigen, insbesondere wenn ätherisches Minze- oder Lavendelöl dazugegeben wird. Es können auch Seidenläppchen, getränkt in Johanniskraut-, Hamamelis- oder Eichenrindentee, aufgelegt werden. Bei Analerkrankungen und Hämorrhoiden wird Johanniskrauttee dem Sitzbad zugegeben oder Rotöl aufgetragen.3 

 

Johanniskraut – unterstützend zur Krebsvorsorge?

 

Johanniskraut enthält antioxidative Substanzen wie Quercetin und Rutosid. Sie binden freie Radikale und schützen so das Erbgut im Zellkern. Das Risiko einer Mutation und Krebsentstehung kann reduziert werden. Forscher diskutieren, ob Johanniskraut Krebsformen entgegenwirken kann, die von Umweltgiften, die beim Grillen entstehen, sowie in Autoabgasen und durch Rauchen aufgenommen werden.3

 

Johanniskraut in der Homöopathie

 

In der Homöopathie wird Hypericum perforatum bei Melancholie verwendet sowie bei Beschwerden als Folge eines Schocks und bei der Angst, in die Tiefe zu stürzen. Körperlich wird Hypericum perforatum bei starken Schmerzen, z.B. bei Quetschungen von Finger(spitzen), Nägeln und Zehen zum Einsatz gebracht. Stichwunden und Schmerzen nach einer Operation können mit dem Mittel erfolgreich behandelt werden. Probleme nach dem Aufprall auf dem Steiß, Beschwerden im Rektum, Hämorrhoiden, Nervenverletzungen durch Tierbisse, Asthmaanfälle bei Wetterwechsel, Nervenentzündungen mit Kribbeln, Brennen und Taubheit zählen zu den Anwendungsbereichen in der Homöopathie. Schießende Schmerzen in den Schultern und Gliedmaßen können auf Hypericum perforatum hinweisen.4

 

Wann dürfen Johanniskrautpräparate nicht angewendet werden?

 

Gegenanzeigen sind schwere endogene Depressionen, eine Überempfindlichkeit gegenüber Johanniskraut sowie die gleichzeitige Einnahme von Arzneimitteln, bei denen Wechselwirkungen mit Johanniskraut bestehen. Beachten Sie die Packungsbeilage!3

 

Gibt es Nebenwirkungen?

 

Insbesondere bei hellhäutigen Menschen sind Hautreaktionen durch eine überhöhte Lichtempfindlichkeit möglich, aber selten. Dennoch sollte eine intensive Sonnenbestrahlung während der Einnahme vermieden bzw. der Sonnenschutz erhöht werden. Eine gleichzeitige Lichttherapie bei Depressionen ist laut Studien problemlos möglich. Bei der äußerlichen Anwendung sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.3

Quellen anzeigen

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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