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Die Winterdepression: Wenn das Licht fehlt - Unterschied zur klassischen Depression und was hilft

Kommentar schreiben Freitag, 22. Februar 2019

Alle Jahre wieder: Menschen mit einer Winterdepression leiden unter dem Grau in Grau in der dunklen Jahreszeit. Es wird es spät hell und zu früh dunkel. Dazwischen scheint viel zu selten die Sonne in unseren Breiten. Der Patient ist antriebslos, niedergeschlagen, hat ein ausgeprägtes Schlafbedürfnis und Heißhunger auf Süßigkeiten. Ein bisschen trübselig werden wir alle mal, wenn es draußen gar nicht mehr richtig hell werden will. Aber wenn die Melancholie zum echten Leid wird, sollte man einen Arzt aufsuchen. Er kann feststellen ob es sich um Winterblues, eine Winterdepression oder um eine  klassische Depression handelt und weiß, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten. Erfahren Sie hier das Wichtigste über Ursachen, Symptome und Therapie der Winterdepression, was Sie selbst tun können und wie man ihr vorbeugt.

 

Was ist eine Winterdepression?

 

Eine Winterdepression oder saisonal abhängige Depression, kurz SAD (seasonal affective disorder) genannt, beginnt im Herbst und zieht sich zum März durch. Dann wird sie mit zunehmendem Tageslicht ganz von selbst kuriert. In Deutschland leiden ungefähr 80 000 Menschen an SAD, Frauen häufiger als Männer. Auch Kinder und Jugendliche können eine Winterdepression bekommen.  

 

Welche Symptome sprechen für eine Winterdepression?

 

Das morgendliche Aufstehen, wenn alles noch dunkel ist, fällt besonders schwer. Wozu auch aus dem Bett kommen, wenn wieder nur ein dunkelgrauer Tag wartet? Kein Antrieb, keine Energie, keine Lust auf Garnichts. Die gedrückte Stimmung wechselt mit Unausgeglichenheit und Gereiztheit. Müdigkeit und Melancholie ziehen den Patienten auf den Boden. Am liebsten würde man sich den ganzen Tag ins Bett verkriechen und schlafen. Das Einzige, was sich steigert, ist der Appetit mit Heißhunger auf Kohlenhydrate, besonders auf Süßes, was zu Gewichtszunahme führen kann.  

 

Wie unterscheidet sich eine Winterdepression von einem Winterblues?

 

Beim Winterblues hat man nicht diesen Leidensdruck. Antrieb und Motivation sind zwar auch geschwächt. Schlechte Laune und am liebsten die Decke über den Kopf ziehen wollen gehören auch dazu. Vielleicht greift man auch mal zu einer Tafel Schokolade. Aber ein Winterblues hat nicht diesen Krankheitswert. Deshalb wird er in der Fachsprache subsyndromale SAD (s-SAD) genannt. Die Symptome sind nicht ausgeprägt genug, um als klinisch anerkanntes Syndrom diagnostiziert zu werden.

 

Was ist der Unterschied zwischen einer Winterdepression und einer klassischen Depression?

 

Neben dem nur saisonalen Auftreten besteht der Unterschied im Appetit und im Schlafverhalten: Bei der Winterdepression kommt man aus dem Schlafen gar nicht mehr heraus und hat großen Appetit. Bei einer klassischen Depression ist man appetitlos, verliert an Gewicht und tut sich schwer damit, ein- und durchzuschlafen.

 

Welche Ursachen kann eine Winterdepression haben?

 

In erster Linie führt man eine Winterdepression auf den Lichtmangel zurück. Fällt weniger Licht ins Auge, „denkt“ das Gehirn, es sei Abend und Zeit zum Schlafengehen. Also schüttet die Zirbeldrüse das Hormon Melatonin aus. Das macht müde.
Melatonin wird aus Serotonin gebildet. Mehr Melatonin bedeutet weniger Serotonin, unser Glückshormon, was die Abwärtsspirale noch verstärkt.
Fehlt dem Gehirn Serotonin, versucht es diesen Mangel durch Lust auf Süßes auszugleichen. Zucker und Kakao bewirken, dass im Gehirn mehr Serotonin gebildet wird. Bei einer Winterdepression ist auch der Botenstoff Noradrenalin als Motor für Antrieb und Dynamik reduziert. Neben diesen Veränderungen der Hormone (Botenstoffe) kann auch eine genetische Veranlagung die Ursache sein.

 

Kann auch ein Vitaminmangel Grund für eine Winterdepression sein?

 

Ein Mangel an B-Vitaminen, insbesondere Vitamin B12 und Biotin werden in Zusammenhang mit depressiven Verstimmungen gebracht. Eine Studie in der Cooper Clinic in Dallas zeigte eine klare Verbindung zwischen Vitamin-D-Mangel und Depressionen, besonders wenn in der Vorgeschichte schon einmal eine Depression aufgetreten ist. Das Sonnen-Vitamin ist Mangelware im Winter, was Depressionen begünstigt.

 

Wann sollten Sie zum Arzt bei Depressionen im Winter?

 

Wenn Sie spüren, dass Sie mehr als üblich und länger als 2 Wochen unter der dunklen Jahreszeit leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Nur ein Fachmann kann durch den Schweregrad Ihrer Befindlichkeit erkennen und weiß, welche Behandlung für Sie geeignet ist. Grunderkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion, ein Vitaminmangel sowie eine klassische Depression müssen ausgeschlossen werden. Vielleicht ist Ihre Winterdepression, wenn sie das erste Mal auftritt, auch keine Winterdepression, sondern Folge eines neuen Medikaments. In einer Studie an der Universität von Chicago wurde von Dr. Qato festgestellt, dass über 200 häufig verwendete Medikamente wie Betablocker, Protonenpumpenhemmer und Kortikosteroide („Kortison“) Depressionen als Nebenwirkungen haben. Auch dieser Zusammenhang kann von Ihrem Arzt geklärt werden.

 

Lichttherapie – was kann sie und worauf muss geachtet werden?

 

Die wichtigste Behandlungsform ist die Lichttherapie: Dazu sitzt der Patient z.B. 30 Minuten vor einer Lampe mit 10000 Lux ohne UV-Strahlen. 10000 Lux kommen der Helligkeit eines Sommertags im Schatten gleich. Zum Vergleich: Eine normale Zimmerbeleuchtung hat etwa 400 Lux. Die Wirksamkeit der Lichttherapie ist in diversen Studien dokumentiert. Vor einer Lichttherapie sollte man sich vorsichtshalber vom Augenarzt untersuchen lassen. Außerdem ist die erhöhte Lichtempfindlichkeit bei der Einnahme bestimmter Medikamente wie Johanniskraut zu beachten, da sich sonst Rötungen der Haut einstellen können. Ein Besuch im Solarium hilft übrigens nicht. Der Effekt des Lichts läuft über die Netzhaut ab. Sind die Augen geschlossen, kann das Licht nicht wirken.

 

Welche weiteren Therapien werden bei Winterdepression eingesetzt?

 

Je nach Schweregrad kann die Anwendung von Medikamenten, z.B. Seorotoninwiederaufnahmehemmern, die man auch bei normalen Depressionen einnimmt, notwendig werden. In sehr schweren Fällen wird zu einer ambulanten oder stationären Psychotherapie geraten.

 

Was können Sie selbst gegen eine Winterdepression tun?

 

Auch wenn es schwer fällt: Morgens so früh wie möglich aus dem Bett, vor die Lichttherapielampe und dann raus ins Freie. Auch wenn es noch so bewölkt und grau ist: Draußen ist es immer heller als drinnen bei Kunstlicht. Frische Luft und Bewegung wie lange Spaziergänge, Joggen, Nordic Walking oder Radfahren wecken die Lebensgeister. Man kann sich mit einem kleinen Event, schöner Musik, einem guten Buch oder einem Essen mit Freunden verwöhnen. Auch sich verwöhnen lassen tut gut, z.B. durch eine Massage mit wohlriechenden Düften. Wie bei jeder Depression hilft auch hier ein gut strukturierter Tagesablauf.

 

Wie kann einer Winterdepression vorgebeugt werden?

 

Schon bei den ersten Anzeichen sollte mit der Lichttherapie und der Anwendung von Antidepressiva begonnen werden, falls man welche einnimmt. Auch eine Dauermedikation mit geringer Dosis über das ganze Jahr kann vom Arzt als sinnvoll betrachtet werden. Auch als Vorbeugung gilt: Viel Aufenthalt und Sport im Tageslicht im Freien.

 

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Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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