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Die 5 Phasen der Beziehung – Von der Verliebtheit zur Liebe

Kommentar schreiben Aktualisiert am 14. August 2019

Vieles wird und wurde zum Thema Paarbeziehung geschrieben. Unter anderem auch, wann es sinnvoll ist, einen Neubeginn als Paar zu starten. Genauso wie die Entscheidung zu treffen, sich zu trennen, um sich wieder frei zu fühlen. Fast die Hälfte aller Ehen wird geschieden. Das regt zum Nachdenken an. Der Paartherapeut Roland Weber hat die Veränderungen in einer Partnerschaft in 5 Phasen unterteilt, die in jeder Beziehung ähnlich ablaufen. Und er hat sich damit beschäftigt, welche Schritte ein Paar unternehmen kann, um wieder zueinander zu finden. 

 

Was sind die 5 Phasen der Beziehung?

 

Jede Partnerschaft durchläuft in der Regel 5 Beziehungsphasen. Diese sind:

 

  1. Die Verliebtheitsphase
  2. Das Verliebtheitsgefühl verschwindet
  3. Gegensätze werden bekämpft
  4. Die Findungsphase - Das Ich, Du und Wir
  5. Du bist mein Zuhause1

 

Woher kommt das Konzept?

 

Dieses 5-Phasen-Konzept hat der Paar- und Familientherapeut Dr. Roland Weber geprägt und untersucht. In seiner Arbeit als Psychotherapeut und systemischer Paar- und Familientherapeut hat er sich intensiv mit dem Thema Partnerschaft beschäftigt. Als Grund, warum Partnerschaften nicht mehr so lange dauern wie früher, nannte er die sehr hohen Erwartungen an den Lebenspartner, die sich oft nicht bestätigen. In der Regel möchte man sich nicht mehr mit einer alltagstauglichen Partnerschaft zufriedengeben. Die Vorstellungen sind sehr hoch angesetzt. Hier klaffen Phantasie und Wirklichkeit manchmal auseinander. Gute Chancen hat ein Paar, das diese Phasen gemeinsam übersteht.2 

 

In seinem Buch „Gehen oder bleiben? - Entscheidungshilfe für Paare“ gibt Roland Weber Anregungen, um eine Bestandsaufnahme der eigenen Beziehung zu machen. In diesem Buch stellt Weber zum Beispiel die Frage: „Befindet sich Ihre Beziehung auf Talfahrt?“ Das Buch kann also als Hilfe und Orientierung bei Krisen und Veränderungsprozessen zugrunde gelegt werden.3

 

Was macht diese Phasen aus und welche Herausforderungen bringen sie mit sich?

 

Die Verliebtheitsphase dauert in der Regel 3 - 18 Monate an. Darin sehen wir den Anderen so, wie wir ihn sehen möchten. Vieles wird ausgeblendet, was wir gar nicht erkennen wollen. Wir freuen uns auf ein weiteres Treffen und tun vieles für den Anderen. Oft stellen wir uns mit unseren eigenen Wünschen hinten an. In dieser Zeit wächst das Paar zusammen. Es zeigt sich in diesem Stadium meistens schon, ob bereits eine gute Grundlage für ein weiteres Zusammenleben besteht.

 

Wenn das Verliebtheitsgefühl jedoch verschwindet, dann erkennen wir, dass der Partner nicht perfekt ist. Wir fragen uns, wie wir uns so haben täuschen lassen. Wir haben den Glückstreffer im Lotto erwartet und sind nun enttäuscht, dass wir seine bzw. ihre Fehler entdeckt haben. Nun fängt die richtige Beziehungsarbeit an. In dieser Zeit entscheidet es sich meistens, ob das Paar weiter zusammenbleibt oder sich trennt.

 

Wenn wir jedoch die Partnerschaft nicht aufgeben, dann kommen wir in die dritte Phase, die Bekämpfung der Gegensätze. Hier kommt es oft zu Konkurrenzkämpfen und dem Durchsetzen der eigenen Sichtweise. Jeder möchte seine eigenen Vorstellungen umsetzen. Es kommt in dieser Zeit zu vielen Machtdemonstrationen.

 

Die vierte Phase wird bezeichnet als Findungsphase oder Du, Ich und Wir. Hier wissen wir in der Regel, wie der Andere tickt, denkt und fühlt. Man sieht sich wieder als Paar und interessiert sich füreinander. Aus dem Du und Ich verbindet sich ein Wir.

 

Die letzte, also die fünfte Phase beinhaltet, dass man das Zuhause im Anderen sieht. Vieles hat man gemeinsam erlebt und Höhen und Tiefen sind gemeistert worden. Diese Gemeinsamkeiten schweißen das Paar zusammen. Man kennt die Stärken und Schwächen des Partners und kann sich besser auf ihn einstellen.4

 

Der richtige Umgang mit den Phasen

 

Sofern man vorbereitet ist, dass diese Phasen in der Regel von allen Paaren durchlaufen werden, kann man sich persönlich besser darauf einstellen. Wenn man nicht gleich alles hinwirft, weil sich die ersten Krisen einstellen, besteht eine gute Chance, sich gemeinsam weiterzuentwickeln.

 

Vor allem gilt es, die Andersartigkeit des Partners zu akzeptieren. Es ist wichtig, das, was geschehen und nicht mehr zu ändern ist, zu vergeben und zu vergessen. Nur, wenn beide dazu bereit sind, kann aus der Krise etwas Positives entstehen.3

 

Wann weiß ich, ob wir zusammenpassen?

 

In der Findungsphase weiß man vieles vom Anderen. Man hat viele Machtkämpfe hinter sich gelassen und akzeptiert die Bedürfnisse des Partners. Wir fokussieren uns nicht mehr so intensiv auf die Partnerschaft, sondern konzentrieren uns wieder mehr auf uns. Wir setzen die Energie gezielt für unsere Weiterentwicklung und den Zusammenhalt der Partnerschaft ein. Deshalb existiert hier verstärkter wieder das Ich, Du und Wir.

 

Was, wenn es einfach nicht passt?

 

Vor allem, wenn man in der Anfangsphase berechtigte Zweifel hegt, kann es manchmal besser sein, sich zu trennen. Dies zeigt sich vorrangig darin, wenn die Lebensziele auseinander gehen. Zum Beispiel möchte der eine Partner eine Familie gründen, der andere möchte lieber keine Kinder. Manchmal passen die Lebensentwürfe einfach nicht zusammen. Hier ehrlich zu sich selbst zu sein und den Partner nicht schönzureden ist die Grundlage für gute Entscheidungen.

 

Als Test bietet sich folgende Methode an: Man stellt sich in Gedanken vor, bereits 10 Jahre mit dem Partner verbracht zu haben. So kann man ausprobieren, wie es sich anfühlt, wenn man so lange Zeit zusammen ist. Hier kann man sich in die Vorstellung hineinbegeben und sich ein Bild dafür erschaffen. Durch die Beantwortung folgender Fragen ist es möglich, mehr Klarheit hinsichtlich des Zusammenbleibens zu erhalten: Sehe ich ein positives Bild? Habe ich ein gutes Gefühl dabei?

 

Was ist grundsätzlich wichtig für eine funktionierende Beziehung?

 

Eine Hilfe und Unterstützung ist es, den Partner so anzunehmen und zu akzeptieren wie er ist. Deshalb ist es gut, vorab darauf zu achten, ob man mit den Macken des Partners zurechtkommt. In der Regel werden sich diese nicht einfach auflösen, sondern manchmal sogar noch verstärken.

 

Großzügigkeit und Toleranz sind außerdem gute Grundlagen für eine Beziehung. Dem Anderen seinen eigenen Freiraum zuzugestehen und ihm Vertrauen zu schenken, ist ein guter Wegweiser für eine funktionierende Partnerschaft. Humor und Lachen können Streitigkeiten auflösen. Eine gute wertschätzende Kommunikation rundet das ganze Bild ab.

 

Eine erfüllende und bereichernde Partnerschaft ist ein großer Wunsch von vielen Menschen. Vielleicht warten wir immer noch auf den Prinzen, der uns auf seinem Ross mitnimmt bzw. auf die Prinzessin, die uns jeden Wunsch von den Augen abliest. Leider leben wir nicht im Märchen. Wir haben jedoch jederzeit die Chance, eine gute und stabile Liebesbeziehung im realen Leben zu führen. Hierfür braucht es Mut, Optimismus und Durchhaltevermögen.

 

 

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Christine Riemer-Mathies
Autor: Christine Riemer-Mathies

Christine Riemer-Mathies ist Psychologische Beraterin, Coach für Persönlichkeitsentwicklung, Zielerreichung und Beziehungsthemen sowie Ernährungsberaterin. Seit über 10 Jahren hält Sie Vorträge und Seminare zur Verbesserung der Lebensqualität und schreibt für diverse Blogs. Als Methoden setzt sie im Life-Coaching Gespräche und Beratung, Systemische Aufstellung, Klopfakupressur sowie die BILDERN-Methode ein. Außerdem bietet sie Online Seminare auf der Plattform edudip an. Weitere Informationen: www.lebensfreudefinden.de

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