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Verhütung Spezial: Der richtige Umgang mit der Pille

Kommentar schreiben Dienstag, 27. Oktober 2015

Seit vielen Jahren ist sie mit Abstand das beliebteste Verhütungsmittel: die Pille. Sie bietet einen sicheren und komfortablen Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft. Kommt es trotz der Einnahme eines hormonellen Kontrazeptivums zu einer Befruchtung, ist meist ein Einnahmefehler, die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten oder pflanzlichen Stoffen verantwortlich. Wir erklären Ihnen, welche Stoffe sich wie auf die Verhütung mit der Pille auswirken und wie man sich dennoch richtig schützt.

Um zu verstehen, was man bei der Einnahme der Pille beachten muss ist es wichtig, die Wirkungsweise der Anti-Baby-Pille zu kennen. Die Pille enthält künstliche Geschlechtshormone, die einen dauerhaft konstanten Hormonspiegel herbeiführen. Die Regelung durch die übergeordneten Steuerhormone aus dem Gehirn wird so verhindert und der natürliche Zyklus unterdrückt. Durch die Einnahme der Pille wird dem Körper quasi eine Schwangerschaft „vorgegaukelt“. Die Eireifung im Eierstock wird (wie auch bei einer Schwangerschaft) unterdrückt und der Eisprung wird verhindert. Wo es kein fruchtbares Ei gibt, kann es nicht zur Schwangerschaft kommen.

Außerdem verändert die Pille auch den Gebärmutterschleim (Zervixschleim), der den Muttermund umgibt. Er verschließt bei einer dauerhaften Einnahme der Pille die Gebärmutter dauerhaft, sodass keine Spermien hinein gelangen können. Der dritte Wirkungsort der Pille ist die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium). Sie wird nicht so stark aufgebaut, sodass sie – in dem unwahrscheinlichen Fall, dass doch eine Eizelle gebildet und befruchtet wurde – ein Einnisten der befruchteten Eizelle verhindert.

Unterschied: Mikro- und Minipille

Grundsätzlich gilt: Keine Pille ist wie die andere. Sie unterscheiden sich in der Wirkstoffzusammensetzung und dadurch auch in der richtigen Anwendung. Mikropillen sind Kombinationspräparate aus Östrogenen und Gestagen. Es gibt sie als Ein-, Zwei- und Mehrphasenpräparate. Sie sollten möglichst immer zur selben Tageszeit eingenommen werden. Vergisst man einmal ein Dragee, hat man weitere zwölf Stunden Zeit um die Pille einzunehmen. So lange ist der Verhütungsschutz definitiv noch aktiv.

Die Minipille enthält nur niedrig dosierte Gestagene, keine Östrogene. Sie sind daher leichter verträglich. Doch durch die niedrige Wirkstoffkonzentration ist auch der Einnahmezeitraum begrenzt. Sollte eine Pille vergessen werden, bleiben nur etwa drei Stunden Zeit, um das vergessene Dragee einzunehmen, da sonst der Hormonspiegel bereits absinkt und eine Empfängnisverhütung nicht mehr sicher ist.

Grundsätzlich sollte jede Pille nur nach Absprache mit dem Gynäkologen und nach Anweisungen der Packungsbeilage eingenommen werden.

Die Pille und Antibiotika

Je nach Art der Pille und Art des verschriebenen Antibiotikums kann es zu unterschiedlichen Wechselwirkungen kommen. Das Östrogen der Mikropillen wird über den Darm und Darmbakterien in den Organismus aufgenommen. Die Einnahme von Antibiotika zerstört sowohl körperfremde, als auch körpereigene Bakterien. Durch die verringerte Anzahl an Darmbakterien können die Wirkstoffe der Pille unter Umständen nicht ausreichend aufgenommen werden – die Wirkung der Pille ist unsicher.

Außerdem steigert die Einnahme von Antibiotika die Konzentration von Enzymen, die Östrogen und Gestagen abbauen. Dadurch ist sowohl die Wirkung der Mikro-, als auch der Minipille nur begrenzt möglich und es kann unter Umständen kein sicherer Schutz vor einer Schwangerschaft erfolgen. Eine zusätzliche Verhütung ist im Zweifelsfall erforderlich.

Die Pille und Tuberkulose- oder Epilepsie-Medikamente

Nicht nur Antibiotika, sondern auch andere Medikamente können diese Wirkung haben. Abführmittel sorgen dafür, dass die Pille schnell ausgeschieden wird und ihre Wirkung nicht komplett entfalten kann. Die Tuberkulosemedikamente mit dem Wirkstoff Rifampicin wirken stark auf die Verwertung der eingenommenen Pillen-Hormone ein. Eine zusätzliche Verhütung beispielsweise mit Kondomen ist bis zu zwei Monate lange nötig.

Auch Medikamente gegen Epilepsie mit den Wirkstoffen Barbiturate, Phenytoin, Primidon und Carbamazepin können sich negativ auf die Verhütung mit der Pille auswirken.

Die Pille und Diabetes, Pilzinfektionen und HIV

Auch Mittel die den Blutzuckerspiegel regulieren können durch ihre Wirkungsweise die Verhütung mit der Anti-Baby-Pille beeinflussen. Ebenso Antimykotika gegen Pilzinfektionen und Medikamente, die bei einer HIV-Infektion verschrieben werden oder Blutdruck- und cholesterinsenkende Mittel und Medikamente gegen Rheuma können Wechselwirkungen bei einer gleichzeitigen Einnahme mit der Pille hervorrufen.

Aus diesem Grund sollte dem Gynäkologen jedes Medikament genannt werden, bevor er erstmals die Pille verschreibt. Bei jedem neuen Medikament kann auch der Apotheker beratend zur Seite stehen und über eventuelle Wechselwirkungen mit der Pille aufklären, damit es nicht zur ungewollten Schwangerschaft kommt.

Die Pille und Johanniskraut

Johanniskraut ist ein häufig verschriebenes, pflanzliches Mittel gegen leichte und mittlere Depressionen. Es wirkt stimmungsaufhellend und ist auch ohne Rezept zur Selbstmedikation in der Apotheke erhältlich. Außerdem wirken Johanniskrautpräparate gegen Schlafstörungen und einige Magen-Darm-Beschwerden. Obwohl es sich um ein pflanzliches Produkt handelt, wirkt es auf Darm und Leber so aktivierend, dass die Pille zu schnell abgebaut wird.

Dabei werden viele der wirkenden Stoffe der Pille vernichtet und der verhütende Schutz ist unter Umständen nicht ausreichend gegeben. Der Effekt ist allerdings in der Regel relativ gering, sodass die Empfängnisverhütung nicht zwangsläufig entfällt. Ein Restrisiko bleibt dennoch. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte nach der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten zusätzliche Verhütungsmittel wie Kondome verwenden. Eine Medikation mit Johanniskraut sollte außerdem mit dem Frauenarzt besprochen werden.

Durchfall und Erbrechen und die Pille

Kommt es drei bis vier Stunden nach der Einnahme der Pille zu Durchfall oder Erbrechen, kann es sein, dass nicht genug Wirkstoffe aufgenommen werden konnten und der verhütende Schutz nicht gewährleistet ist. In diesem Fall sollte entweder eine weitere Pille eingenommen oder mit Kondomen verhütet werden.

Die Pille vergessen

Wird die Einnahme der Pille vergessen, so sollte die vergessene Pille umgehend genommen werden, selbst wenn man dann zwei Pillen an einem Tag schluckt. Wird in der ersten Woche ein Dragee vergessen, ist der verhütende Schutz nicht vollständig aktiviert und es muss mindestens sieben Tage lang anderweitig verhütet werden. Das weitere Vorgehen kommt auf die Art der Pille an und ist der Packungsbeilage zu entnehmen oder beim behandelnden Gynäkologen zu erfragen.

In der zweiten oder dritten Einnahmewoche ist bei vielen Präparaten eine vergessene Pille weniger schlimm, weil zuvor und danach der Hormonspiegel konstant hoch gehalten wird. Vergisst man mehr als einmal die Pille einzunehmen, ist der Schutz nicht mehr gewährleistet. Der behandelnde Frauenarzt kann in dieser Situation beratend zur Seite stehen.

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Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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