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E-Rezept: Digitalisierung im Sinne des Patienten?

Kommentar schreiben Mittwoch, 26. September 2018


Beim Thema E-Rezept geht es um viel. Sowohl für Patienten als auch für Apotheken, Krankenkassen, Ärzteschaft, Therapeuten und Gesundheitspolitiker. Damit das Projekt „E-Rezept“ nicht allein zum Prestigeobjekt oder Status-Quo-Mittel wird, appelieren Experten zur Wahrung des Patientenwohls.

 

Derzeit fördert die Landesregierung Baden-Württemberg ein Projekt mit einer Fördersumme von 1 Million Euro: Darüber berichtete zuletzt die DAZ.online am 31 August. Das Projekt trägt den Namen GERDA – Geschützter E-Rezept Dienst der Apotheken. Hierbei testet das südwestliche Bundesland ein Vorläufermodell für das E-Rezept. Das großangelegte Pilotprojekt, das unter der Schirmherrschaft der ABDA steht,  erprobt erstmals die das Handling von E-Rezepten im Zuge der Online-Praxis „Docdirekt“. Geleitet wird das Projekt von der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg und dem LAV – dem Landesapothekerverband Baden-Württemberg e.V.

 

Das Testmodell prüft in einer In-Vivo-Implementierung, ob die Online-Praxis der KV Baden-Württemberg zugleich virtuelle Rezepte ausstellen kann. Die technische Umsetzung unternimmt die Firma „Teleclinic

 

Wie nützlich werden E-Modelle für Patienten?

Auch andere Datenspeicherungsmodelle für Patientendaten werden derzeit getestet oder wurden bereits flächendeckend gelauncht. Inzwischen haben Versicherte von mehr als einem Dutzend gesetztlichen Krankenkassen bereits Zugriff auf ihre persönliche „elektronische Patientenakte“. Hierüber können Versicherte bereits via Smartphone auf Röntgenbefunde, Impfstatus, Medikationsdaten und Blutbildbefunde zugreifen. Möglich machen dies eigens hierfür konstruierte Gesundheitsapps. Auch hier wird seitens der Krankenkassen gerne der Slogan „Der Patient bleibt Herr seiner Daten“ verwendet.

 

Hardy Müller betont jedoch als Generalsekretär des Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) einen anderen Blickwinkel - nämlich den Gedanken, wie sehr elektronische Daten dem individuellen Patienten nutzen können: „Der Versicherte will keine Datenfriedhöfe im Sinne einer reinen Datenspeicherung erhalten. Er möchte sinnvollen nützliche Auswertungen der Daten. So wäre etwa ein Hinweis, dass die Interaktion seiner Medikamente problematisch ist wertvoll oder auch Warnungen, falls seine Medikamente aus gefälschten Chargen stammen.

 

In dieser Hinsicht muss das E-Rezept jedoch noch beweisen, inwieweit es dem Patienten auch einen gesundheitlichen Mehrwert bietet.

 

Skepsis in Bezug auf die E-Health-Sicherheit

Auf Anfrage von apomio lässt Stefan Möbius ausrichten, dass die erforderlichen Datenschnittstellen für das geschützte E-Rezept-Modell namens GERDA in Baden-Württemberg zunächst mit der Ärzteschaft diskutiert werden. Zur genauen technischen Umsetzung kann die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg bislang keine Details nennen. Dabei erhält apomio eine Antwort in Bezug auf die Datensicherheit des GERDA-Testmodells, das an die Verbandspolitik der ABDA erinnert: „Wichtig ist, dass der Patient Herr seiner Daten bleibt. Die freie Wahl der Apotheke muss ebenfalls gewährleistet sein.“

 

Auch hier ist Hardy Müller als APS Generalsekretär und Referent der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen vorsichtig: In diesem Jahr stellte unser Verein besonders den Nutzen der digitalen Transformation für die Patientensicherheit heraus. Es geht uns um eine kritische Begleitung der Digitalisierung in der Medizin. Wir wollen den Nutzen für die Patienten stärken und die einhergehenden Risiken zu minimieren. Nicht nur, weil etwas digital daherkommt ist es schon hinreichen. Neben Vertraeuen in das neue Angebot zählen insbesondere Kenntnisse bei Patienten und Anbietern, wie man die neuen Anwendungen qualifiziert einsetzt.

 

Ob Patienten bald durch E-Patientenakte und E-Rezept einen Mehrgewinn für Gesundheit und Sicherheit erfahren, wiegt der APS-Vorstand deshalb noch ab: Es kommt jetzt definitiv viel auf die Betroffenen zu – auf Kliniken, auf Health-Professionals, auf Ärztepraxen. Diese sind heute noch nicht in dem Maße vorbereitet, dass alle Akteure über ausreichend Vertrauen und Kenntnisse hinsichtlich neuer digitaler Anwendungen im Gesundheitswesen verfügen. Diese digitale Gesundheitskompetenz ist eine unverzichtbare Voraussetzung für eine gelingende digitale Transformation im Gesundheitswesen.


Auch E-Patientenakten als Quelle für E-Rezepte erwägen

Neben der Speicherung auf der elektronischen Gesundheitskarte andere Spielarten für die telematische Infrastruktur wie die Datenspeicherung durch ‚Apps zu finden, hält auch APS-Generalsekretär Müller für sinnvoll: „Unbedingt sollten auch vorhandene Aktenmodelle“ mitdiskutiert werden. Die TK bietet die „TK Safe“ an und die DAK seit dieser Woche die Gesundheitsapp „Vivy“. Die vorhandenen Modelle unterscheiden sich in der Ausführung sehr. Alle haben aber den Anspruch für den Patienten seine Behandlungs-Daten leicht verfügbar zu machen. Auch lassen sich in diesen Akten schon heute zusätzliche vom Patienten erhobene Daten ablegen.

Offensichtlich lässt die brach liegende Datenspeicherung der Telematikinfrastruktur (TI) auf der elektronischen Gesundheitskarte aktuell noch Alternativen fragen. Seit fas einem Jahrzehnt wird daran gearbeitet, dass Gesundheitswesen durch digitale Vernetzung zu  vereinfachen. Diskutiert wird beispielsweise seit längerem eine elektronische Patientenakte mit Behandlungs- und Medikationsplänen – der Inhalte nur der Patient abrufen kann. Auch befürwortet das Bundesgesundheitsministerium das in 17 europäischen Ländern bereits eingeführte E-Rezept. Damit würden digitale Verschreibungen vorangebracht und Kommunikationswege deutlich vereinfacht.

 

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Autor: apomio.de - Ihr Preisvergleich für Apotheken-Produkte

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