Bewegung: Power Plate Donnerstag, 09. November 2017

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Power Plate. Ein Training auf der Vibrationsplatte, welches die Pfunde schmelzen, die Dellen in der Haut, bekannt als Cellulite, verschwinden lassen soll und die Muskelstärkung intensiv fördern soll. Und alles in nur zehn Minuten. Wie gut ist Power Plate tatsächlich? Welche Kosten sind zu erwarten? Für wen ist es geeignet? Ein Fitnessprogramm für Couchpotatoes? Definitiv nicht. Mehr dazu im folgenden Beitrag.

Über Power Plate

Power Plate, was übersetzt so viel wie „Kraft Platte“ bedeutet, wird in Deutschland zunehmend zu dem bekannten Fitnessgerät der neuen Generation: Futuristisch aussehend wie eine Art große Waage löst das Gerät mittels Schwingungen Muskelreflexe aus und verspricht Fettabbau, Muskelaufbau und mehr Leistungsfähigkeit. Pro Sekunde werden zwischen 30 und 50 Muskelkontraktionen erreicht, wodurch das Vibrationstraining im Vergleich zum herkömmlichen Muskeltraining als zehnmal intensiver gilt.

Der Untergrund zittert und auf der Leinwand erscheinen Bewegungsübungen, die während der Sitzung ausgeführt werden sollen, während der Trainer in live diese dann überprüft und gegebenenfalls korrigiert. Und schon nach wenigen Sekunden auf der Power Plate ist das erste Ziehen im Oberschenkel spürbar. Das neue Wunder-Workout ist ursprünglich für die Astronauten entwickelt worden, nun hält sich sogar die Deutsche Fußballnationalmannschaft mit Power Plate fit und auch Stars wie Claudia Schiffer oder Madonna schwören darauf.

Power Plate gegen Cellulite?

Die große Hoffnung, durch Power Plate Cellulite bekämpfen zu können, ist leider nicht bestätigt. Da Cellulite nämlich zu 60 bis 80 Prozent genetisch bedingt ist, sind die Dellen leider auch nicht mittels Vibrationstraining zu bekämpfen. Power Plate verhelfe lediglich dazu, das Gewebe zu straffen und zu verhindern, dass sich Cellulite weiter ausbreitet. Im Hinblick auf die Hautstruktur existieren aber auch bisher keine Studien, die belegen, dass die Hautstruktur durch Power Plate positiv verändert werde. Auch der Abbau von Fettgewebe durch das Zittern auf einer Platte – nach dem Motto: Zittern, bis das Fett schmilzt – ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Aus diesem Grund sollte man skeptisch bleiben: Nicht alles was „angepriesen“ wird, weist eine wissenschaftliche Grundlage auf. Auch wenn die Werbung mit „Der 10 Minuten Erfolg“ es verspricht.

Power Plate: Nichts für schwache Muskeln

Wer glaubt, Power Plate sei etwas für faule, schwache Gemüter, der habe sich aber geirrt. Sportmuffeln wird sogar abgeraten, Power Plate zu nutzen, weshalb das Vibrationsgerät alles andere als der Ersatz für den schweißtreibenden Aufenthalt im Fitnessstudio oder im Aerobic-Kurs ist und auch keine Alternative für die Jogginglaufrunde im Wald darstellt. Sportwissenschaftler Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln warnt sogar davor: „Sind die Muskeln zu schwach, federn sie die Vibrationskräfte nicht ab.“ Die Folgen können sein: Knorpelschaden oder Schäden der inneren Organe.

Auch sollte Power Plate nicht genutzt werden, um die Ausdauer zu verbessern, das Vibrationstraining soll immer nur als Ergänzung zum normalen Sportprogramm betrachtet werden, rät der Experte. Für alle, die also gehofft haben, ganz von alleine innerhalb von zehn Minuten schlank und fit zu werden, werde leider enttäuscht. Power Plate ist also für bereits Sportbegeisterte geeignet, die die unwillkürliche Muskulatur in der Köpertiefe stärken möchten, die mit einem herkömmlichen Sportprogramm schwierig zu trainieren ist. Denn: der menschliche Organismus ist dazu fähig, 60 Prozent der Muskeln willkürlich zu steuern, der restliche Teil der Muskulatur werde durch das Vibrationstraining miteinbezogen, sodass man plötzlich an Körperregionen Muskelkater wahrnehme, an denen man noch nicht einmal davon ausgegangen ist, dort überhaupt Muskelkater empfinden zu können.

Das Vibrationstraining stabilisiere das Skelett, indem die Muskeln, die etwa die Wirbelkörper in der richtigen Position der Wirbelsäule halten, gekräftigt werden, sodass Bandscheibenvorfälle und Rückenschmerzen vorgebeugt werden. Die Sportwissenschaft hat lange Zeit die Muskeln unterschätzt: Etwa 640 Muskeln ziehen durch den gesamten Körper, 140 Muskeln allein stabilisieren den Rücken. Auch Stress kann sich in Verspannungen bemerkbar machen, weswegen Muskeltraining so wichtig ist: In Bewegung schütten Muskelzellen sogenannte Myokine aus, die hormonähnliche Botenstoffe sind, und vor Diabetes Typ II schützen sollen und einen positiven Einfluss auf Fettstoffwechsel, Gefäßwände und Gehirn haben.

Power Plate und der Kostenfaktor

Das Gerät für den privaten Hausgebrauch beispielsweise vor dem Fernseher nutzen zu können, ist zwar möglich, aber oft scheitert es an zwei Punkten: an Platzmangel und einer nicht allzu gut gefüllten Geldbörse. Power Plates sind nämlich mit etwa 3000 bis 15.000 Euro alles andere als günstig.

In speziellen örtlichen Power-Plate-Studios kann man die Effizienz des Gerätes trotz allem testen. Aber auch hier kann es teuer sein: eine 10er Karte kostet ungefähr 200 Euro. Eine kostengünstigere Alternative bieten Fitnessstudios mit Power-Plate-Inventar und Mitgliedschaft an. Wichtig ist es auch einen Ansprechpartner zu haben und vor Ort eine professionelle Einweisung zu erhalten, was sich von zu Hause eher schwierig gestaltet. Wer nämlich ohne Einweisung einfach so drauf loslegt und glaubt, mit dem Drücken des Einschaltknopfes sei es getan, der liege falsch: Das Training sei dann nicht nur uneffektiv, sondern wahrscheinlich auch ungesund.

Die Folgen falschen Trainings sind Migräne und Gelenkschmerzen. Ein Trainer zeigt die richtige Haltung und hat auch die fehlende Haltung, wie durchgedrückte Gelenke im Blick und korrigiert diese.

Vor- und Nachteile von Power Plate

Die Vorteile, aber auch Nachteile von Power Plate im Überblick:

Vorteile

  • geringer Zeitaufwand
  • intensives Training
  • individuelle Bedürfnisse und Ziele können durch einen Personal Trainer erreicht werden
  • die Muskeln werden trainiert, sodass Kraft und Beweglichkeit zunehmen
  • das Training stärkt den Rücken

Nachteile

  • Power Plate ist kostenintensiv
  • viele Studios bieten einen „Einheitsbrei“ an, sodass individuelle Bedürfnisse nicht erfüllt werden können, ein Beispiel: Person A möchte die Rückenmuskulatur stärken, Person B möchte für stärkere Beinmuskulatur trainieren
  • es gibt Personal Trainer, die das große Geld in Power Plate sehen und zu große, überfüllte Kurse anbieten
  • überschätzter Eifer eines Sportlers: nach Power Plate sollte man einen Tag Pause einlegen, was viele nicht einhalten: Es kommt zu Muskelkater und kleineren Muskelverletzungen, ein Teufelskreis beginnt

Regeln für das Nutzen von Power Plate

Power Plate ist nicht für Jedermann. Es gibt fünf wichtige Regeln, die Sie beherzigen sollten, wenn Sie mit Power Plate trainieren. Zu diesen gehören:

  1. ausreichend Flüssigkeitszufuhr: um den intensiven Trainingsreiz optimal verarbeiten zu können, ist es wichtig, ausreichend Wasser zu trinken und am besten schon vor dem Training einen halben Liter Mineralwasser oder ungesüßte Apfelschorle zu trinken, um die Reserven aufzufüllen
  2. Locker bleiben und nicht die Gelenke komplett durchstrecken: Seien es Kniebeugen oder andere Gelenke, wie zum Beispiel bei Liegestützen die Ellebogen – diese sollten nicht ganz durchgestreckt werden, damit die Vibrationen abgebremst werden können und nicht ungebremst den Kopf erreichen. Auf diese Weise vermeidet man Kopfschmerzen.
  3. Maximale Trainingseinheit nicht überschreiten: Pro Woche sollten maximale zwei Trainingseinheiten mit jeweils zehn Minuten nicht überschritten werden, damit es nicht zum „Übertrainingssyndrom“, eine Art sportliches Burnout, kommt. Auch sollte der Schweregrad der Übungseinheit nur minimal erhöht werden.
  4. Rundum fit werden und bleiben: durch das Vibrationstraining werden Herz und Kreislauf nicht gefordert, aus diesem Grund ist zu empfehlen, weiterhin Ausdauertraining anzustreben.
  5. Rücksprache mit dem Arzt: bei bekannten bestehenden gesundheitlichen Beschwerden, wie Rückenschmerzen oder Gelenkbeschwerden, sollte immer zuerst ein Arzt konsultiert werden, bevor man sich auf die Power Plate stellt. In der Schwangerschaft sollte das Vibrationstraining nicht durchgeführt werden, da das Risiko frühzeitiger Wehen bestehen kann.

Fazit: Power Plate und zusätzliche Bewegung

Abgesehen vom gesundheitlichen Nutzen müsse man auf dem Weg zu einer schlanken und fitten Figur Fett verbrennen, weswegen es zusätzliche Bewegung bedarf. Power Plate kann also den netten, sehr kostenspieligen Nebeneffekt, nämlich Verbesserung von Kraft, Beweglichkeit, Knochendichte und Körperhaltung erfüllen, aber sich gesund zu ernähren und Bewegung in den Alltag einzubauen, dazu bedarf es den eigenen Schweinehund zu überwinden.
Die Enttäuschung für Faulpelze: Nur durchs Nichtstun und Vibrations-Schalter-Drücken wird kein einziges Fettkörperkilogramm schwinden. Man wird lediglich wachgerüttelt!

Autor: Judith Schega

Judith Schega ist als gelernte Operationstechnische und Chirurgischtechnische Assistentin in einem Krankenhaus beschäftigt. Das Schreiben hat sich immer mehr als Gegengewicht zu ihrem Vollzeitberuf im Gesundheitswesen entwickelt. Vor allem auch als Ausdruck ihres medizinischen Interesses, mit dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Frau Schega schreibt unter anderem für den Thieme Verlag und ist seit November 2014 auch als Autorin für apomio.de tätig.

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