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Über den Trend Cleansing Reduction und wie oft man eigentlich duschen sollte

Kommentar schreiben Samstag, 13. Februar 2016

Weniger ist manchmal mehr, so eine Redewendung. Das meinen auch Anhänger von Cleansing Reduction, die davon überzeugt sind, dass übermäßige Hygiene den Schutzmantel der Haut angreift und sowohl die Haut als auch die Haare austrocknen lässt. Aus diesem Grund die Empfehlung: Nur maximal zweimal pro Woche duschen! Was ist Cleansing Reduction? Was hat es mit dem Beauty-Trend auf sich? Und ist eine Wasch-Reduzierung sinnvoll?

Was ist Cleansing Reduction?

Cleansing Reduction, also „Reduziertes Waschen“ lautet der neueste Trend aus den USA und Großbritannien. Hierbei wird auf regelmäßiges Duschen und Haarewaschen verzichtet, um Haut und Haare zu schützen. Immer mehr wird lieber zu Trockenshampoos, Deos oder Parfums gegriffen, anstatt sich täglich zu duschen. Die Neigung zu Cleansing Reduction scheint zumindest in England zuzunehmen: Einer britischen Studie zufolge unterlassen 33 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer tägliches Duschen sowie Haarewaschen. Berühmtheiten wie zum Beispiel Prinz Harry aus dem englischen Königshaus oder die Olsen-Zwillinge sollen allem Anschein nach diesen Trend schon lange mitmachen und an Wasser und Shampoo sparen und stattdessen die Haarpracht pudern – Prinz Harry habe sich Angaben zufolge bereits seit zwei Jahre nicht mehr die Haare gewaschen; eine Aussage, die wohl von manch Einem mit Skepsis betrachtet wird.

Der Hintergrund des sogenannten Reinigungsschwunds anstatt Waschzwanges ist der Folgende: Schenkt man diesem Beauty-Trend Glauben, sollen mit dem reduzierten Waschgang weniger Bakterien, die natürlicherweise auf der Haut leben, weggespült werden. Das Vorhandensein der sogenannten residenten hauteigenen Flora schützt vor krankheitsverursachenden Bakterien, nämlich der sogenannten transienten Hautflora, und hemmt das Wachstum der transienten bzw. nicht-residenten Bakterien – der natürliche Schutzmantel der Haut soll durch sparsames Waschen demnach geschont werden.

Unsere Haut: Die residente hauteigene Flora

Unter „residente Hautflora“ versteht man die physiologische Flora, auch als Standortflora bezeichnet, die sich aus Keimen zusammensetzt, welche auf unserer Haut vorkommen bzw. leben, aber nicht schädlich sind. Diese Keime sind unter anderem Staphylococcus epidermidis, Propioni- und Corynebakterien. Sie befinden sich mit etwa 80 Prozent auf der äußersten Schicht der Haut.

Folgende wichtige Funktionen werden von ihnen erfüllt: Zum Einen hemmen ihre Stoffwechselprodukte das Wachstum nicht-residenter Bakterien (auch als transiente Bakterien bezeichnet) und Pilze und zum Anderen schaffen sie ein natürliches Gleichgewicht der Standortkeime. Als „transiente Bakterien“ werden Bakterien bezeichnet, die die körpereigene Hautflora besiedeln möchten, hautfremd und möglicherweise sogar krankheitsverursachend, auch pathogen genannt, sind.

Eine Vielzahl von „guten“ Hautbakterien kommt in talgdrüsenreichen Regionen des Körpers vor, wie zum Beispiel auf der Kopfhaut, der Stirn, der Achselhöhlen sowie der vorderen und hinteren Schweißrinne. Unsere Haut stellt einen großen mikrobiologischen Garten dar: auf jedem Quadratzentimeter unserer Haut werden zwischen 100 und 10.000 lebender Bakterien gezählt.

Was passiert bei häufigem Duschen und Haarewaschen?

Häufiges Duschen kann unter Umständen die körpereigene Hautflora angreifen und darüber hinaus der Haut die natürlichen Öle entziehen, wodurch die Haut ihren natürlichen Schutzfilm verliert und schutzlos äußeren Umweltbedingungen ausgeliefert ist. Die enthaltenen Tenside (Stoffe, die dafür sorgen, dass sich Fett in Wasser löst) in den Shampoos lösen zudem beim Haarewaschen nicht nur das Fett von den Haaren, sondern beim häufigen Reinigungsvorgang auch das Fett an der Kopfhaut. Die Konsequenz: Je mehr man die Haut und das Haar wäscht und entfettet, desto mehr versucht die Haut mittels erhöhter Talgproduktion dagegen zu steuern. Ein Teufelskreis entsteht und tägliches Haarewaschen wird als Muss angesehen, damit die Haare nicht fettig aussehen.

Allgemein ist es wichtig, kurze, nicht zu heiße Duschen durchzuführen, damit man die Haut nicht schädigt, trotzdem aber sauber bleibt. Heißes Wasser entfernt zu viele natürliche Körperfette und langes Duschen entzieht der Haut Feuchtigkeit. Aus dem Grund sind Experten der Ansicht, nur fünf bis maximal zehn Minuten zu duschen. Unter fließendem, warmem Wasser eine halbe Stunde zu verbringen ist zwar verführerisch, aber in dem Fall scheint eine kurze Duschdauer besser zu sein. Auch ökonomisch betrachtet.

Inhaltsstoffe von Reinigungsmitteln

Nicht nur die Dauer und die Temperatur einer Dusche können schädlich sein, sondern auch das Benutzen von desodorierender, das heißt (körper)geruchsbeseitigender, und antibakterieller Seife bzw. Duschgels. Denn der strenge Duft sowie die Inhaltsstoffe entziehen unserer Haut Feuchtigkeit, was zu extremer Trockenheit sowie Juckreiz und schuppiger Haut führen kann. Scharfe Inhaltsstoffe, auf die zukünftig verzichtet werden sollte, sind unter anderem Parabene, Duftstoffe, Tricosan, künstliche Stoffe, Formaldehyd, Natriumlaurylsulfat / Natriumlaurethsulfat. Diese Stoffe führen nämlich zu Hautreizungen und können bei häufigem Duschen zur ungewöhnlichen Trockenheit führen.

Reinigung des Intimbereichs

Neben Körperregionen wie den Händen, die Keime übertragen können und daher täglich gewaschen werden sollten, ist auch die Hygiene im Intimbereich wichtig. Mit einem nassen Waschlappen empfiehlt es sich demnach den Genitalbereich täglich zu waschen, wenn man auf eine tägliche Dusche verzichten möchte. Auf „Aggressive“ Waschlotionen sollte dabei verzichtet werden, um den schützenden Säuremantel der Haut im Genitalbereich nicht zu zerstören; der gesunde Bakterienhaushalt kommt sonst durcheinander, sodass Krankheitserreger dann ein leichtes Spiel haben. Aus diesem Grund reicht ein Waschvorgang mit lauwarmen Wasser vollkommen aus!

Der eigene Wasch-Rhythmus : Tipps von Dermatologen

Tägliches Duschen scheint in der heutigen Gesellschaft normal zu sein und scheinbar auch eine ästhetische Pflicht darzustellen, um sich rein und sauber zu fühlen ohne dass dabei biologisch-notwendige Gründe vorliegen. Wer sich noch vor der Arbeit duscht, dann mittags nach dem Sport und abends noch einmal vor dem Ausgehen, der beansprucht auf Dauer seine Haut zu sehr! Übertriebene Hygiene ist folglich genauso schädlich wie keine Hygiene!

Aus Sicht von Dermatologen gibt es keine Empfehlung, wie oft man sich pro Woche duschen und die Haare waschen sollte. Eine pauschale Aussage sei auch nicht möglich, da viele Faktoren wie zum Beispiel die individuelle Hautbeschaffenheit oder wie viel man schwitzt usw. davon abhängen, wann und wie viel Duschen sinnvoll ist und wann und wie viel eher nicht. Folglich müssen auch die äußeren Umstände auch berücksichtig werden. Diese sind zum Beispiel: Welchen Beruf übt man aus? Bürojob oder anstrengende körperliche Arbeit auf einer Baustelle? Der Ratschlag von Dermatologen: „Jeder muss für sich selbst herausfinden, wie viel Reinigung gut tut!“

Der Beauty-Trend Cleansing Reduction sollte daher auch nicht als Lebensanschauung radikalisiert werden, sondern jeder sollte für sich – typgerecht – beurteilen können und einen vernünftigen Umgang mit der eigenen Haut pflegen. Denn: Zu viel Reinigen ist auch nicht gut und zu wenig lässt uns unter Umständen irgendwann übel riechen!

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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