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Tipps: Wenn das Stillen nicht klappt

Kommentar schreiben Freitag, 09. September 2016

Das Stillen ist ein natürlicher Prozess und der erste Schritt zu einer engen Mutter-Kind-Bindung. Doch nicht selten kommt es beim Stillen zu Problemen: Das Kind trinkt nicht richtig, schläft ein, die Mutter hat Schmerzen oder es kommt schlichtweg nicht genug oder gar zu viel Milch. Frisch gebackene Mamas sollten sich von solchen Problemen nicht entmutigen lassen, denn es gibt wertvolle Tipps, die ihnen diese Mutter-Kind-Erfahrung erleichtern. Und wenn es mit dem Stillen partout nicht klappt, gibt es Alternativen – Abpumpen und Ersatzprodukte schaden dem Kind nicht. 

Nach dem anstrengenden und mitunter stundenlangen Geburtsmarathon ist es wohl das befriedigendste Gefühl, das eigene Kind auf der Brust liegen zu haben. Genau dieser Moment ist der Grundstein für eine intensive Mutter-Kind-Beziehung. Meist kommt es hier innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt zum ersten Stillen. Doch was, wenn es nicht klappt?

In vielen Kliniken wird das Kind nach der Geburt gewaschen und untersucht, bevor es bei Mama trinken kann, das kann unter Umständen das Stillverhalten beeinflussen. Damit Probleme gar nicht erst aufkommen, sollten Mutter und Kind unmittelbar nach der Geburt so viel Zeit wie mögliche miteinander verbringen können. Das erste Trinken an der Brust ergibt sich dann meist von ganz alleine. Damit die Beziehung zwischen Mama und Baby problemlos läuft, sollten sie schon im Krankenhaus so viel Zeit wie möglich beisammen sein. So lernen sie sich kennen und die Mutter lernt die Zeichen des Babys zu deuten.

Stillprobleme: Zu viel Milch in der Brust

Wenn das nicht möglich ist kann es sein, dass es erst einige Stunden nach der Geburt zum ersten Stillen kommt. Unter Umständen hat sich die Brust dann bereits mit der ersten Muttermilch (Kolostrum) gefüllt und ist groß und prall. Das Baby kann damit Probleme haben. Wenn die Milch ungebremst einschießt können Mütter versuchen die Milch etwas auszustreichen, sodass die Brustwarze wieder weich und für das Baby gut fassbar ist.

Kinderkrankenschwestern oder Hebammen können der Mutter diese Technik zeigen. Dabei wird die Brust um den Warzenhof herum leicht gedrückt und massiert bis sie für das Baby wieder gut zugänglich ist. Nach der Einweisung können Mamas diese Technik auch alleine anwenden, wenn die Brüste zu voll und hart sind.

Baby schläft beim Stillen ein

Vor allem Frühchen oder Babys mit starker Gelbsucht sind häufig müde und dösen beim Stillen schon einmal ein. Auch wenn schmerzlindernde Medikamente bei der Geburt zum Einsatz kamen, kann eine kleine Dosis in den Kreislauf des Babys gelangt sein und es ist schläfrig. Damit das Kind dennoch genug trinkt können sie das eindösende Baby sanft am Ellenboden massieren damit es wieder aufwacht.

Auch ein Positionswechsel kann das Trinken erleichtern. Die betreuende Hebamme kann der Mutter zeigen, wie sie ihrem Würmchen die Mahlzeit erleichtern kann. Ein Patentrezept gibt es dabei nicht – jedes Mutter-Kind-Team muss für sich den richtigen Weg finden.

Saugverwirrung durch Fläschchen und Schnuller

Wenn das Stillen nicht klappt, kann die Mutter die Milch regelmäßig abpumpen und das Baby mit dem Fläschchen füttern. Dabei gewöhnt sich das Kind einen anderen Trink-Mechanismus an. Das ist so weit nicht schlimm, allerdings ist es dann sehr schwer vom Fläschchen wieder auf die Brust umzusteigen. Es kann sein, dass das Kind die Brust ablehnt.

Neben dem Fläschchen kann abgepumpte Milch allerdings auch auf anderen Wegen gefüttert werden: Über einen sogenannten Fingerfeeder kann das Baby auf eine sehr natürliche Weise gefüttert werden. Es nuckelt dabei an einem Finger vom Mama oder Papa und bekommt beim saugen etwas Milch mit einer Spritze verabreicht. Wichtig dabei ist nur Milch zu geben, wenn das Kind auch kräftig saugt. Die Anwendung eines Fingerfeeders sollte man sich allerdings immer von einem Profi zeigen lassen, da sie etwas Übung erfordert. Auch ein Muttermilchbecher kann eine Alternative zur Brust sein. Hierbei wird dem Baby die Milch behutsam mit einem speziellen Becher verabreicht. Auch diese Anwendung sollte von der Hebamme oder der Kinderschwester erklärt werden. Bei beiden Methoden bleibt die Stillfähigkeit erhalten.

Nachfrage regelt Muttermilch-Angebot

Um die benötigte Muttermilch Menge braucht sich Mama keine Sorgen zu machen. Durch das Stillen oder auch das Abpumpen werden Hormone freigesetzt, die die erneute Milchproduktion ankurbeln. Wenn das Baby also nach Bedarf gefüttert wird, kann es kaum ein „zu viel“ oder „zu wenig“ geben. Das Zufüttern zusätzlich zum Stillen ist in den meisten Fällen erst ab dem vierten bis sechsten Lebensmonat notwendig. Bis dahin reicht die Versorgung durch die Milch völlig aus.

Stillberatung kann Mama und Kind helfen

Sollte es trotz geduldiger Versuche und Tipps der Hebamme weiterhin zu Problemen kommen, kann die Mutter eine spezielle Stillberaterin aufsuchen. Das sind zertifizierte Beraterinnen, die sich den Problemen des Mutter-Kind-Gespanns annehmen und diese beheben. Die Stillberatung wird allerdings nur in seltenen Fällen von den Krankenkassen übernommen, die Kosten sollten daher vorher geklärt werden.

Wenn das Stillen partout nicht funktionieren mag, Mama und Papa gestresst und ratlos sind, kann eine Stillberatung nützlich sein. Wenn das Stillen zwar funktioniert, aber die Mutter mit großen Problemen an Brust und –warze zu kämpfen hat, kann die Beratung neue Impulse geben und das Leiden (körperlich und auch psychisch) lindern. Denn bei vielen Frauen geht mit dem „Versagen“ beim Stillen eine enorme psychische Belastung einher.

Muttermilchersatz entspricht hohem Standard

Muttermilch ist in den ersten Lebensmonaten die beste Nahrung für das Baby. Doch auch wenn sich frau gegen das Stillen entscheidet, ist das für das Kind nicht schädlich. Oft müssen sich Mütter für diese Entscheidung rechtfertigen und werden schief angeschaut, dabei entsprechen die Muttermilchersatzprodukte inzwischen einem sehr hohen Standard und versorgen das Kind ebenfalls optimal. Sowohl das Immunsystem als auch die körperliche Entwicklung bleibt nicht auf der Strecke.

Welches Produkt für das Baby am besten geeignet ist, sollte mit dem Kinderarzt oder der Hebamme besprochen werden. Sie sind in solchen Fragen kompetente Ansprechpartner.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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