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Süßigkeiten-Erziehung: Wieviel sollen Kinder bekommen?

Kommentar schreiben Dienstag, 30. Juni 2015

Hier ein Keks, da ein Eis. Jeden Tag bekommt man es zu hören: Mama, ich will was Süßes! Kinder würden sich am liebsten nur von Süßigkeiten ernähren. Da zu viel Naschwerk dick macht und die Zähne angreift, müssen Eltern leider auch mal Nein sagen und am besten mit gutem Beispiel vorangehen. Wie entsteht unser Essverhalten? Wie kann man die Lust auf Süßigkeiten regeln? Wie viel Süßes darf es sein? Was tun, wenn das Kind übergewichtig ist und welche Rolle spielen die Gene?

Wie entsteht unser Essverhalten?

Man isst gerne das, was man gewohnt ist, zu essen. Daher haben Eltern die Möglichkeit, ihre Kleinen von Anfang an auf eine gesunde Ess-Schiene zu bringen. Voraussetzung ist natürlich, dass sie selbst darauf unterwegs sind, denn sie sind die wichtigsten Vorbilder für den Nachwuchs.

Den süßen Geschmack sind wir schon vom Fruchtwasser und der Muttermilch her gewöhnt. Dennoch muss er nicht noch weiter antrainiert werden. Deshalb sollte aus Sicht von Experten im Beikostalter auf Babydesserts und bei Kleinkindern auf gesüßte Breie und Getränke verzichtet werden. Die Knabberlust zwischendurch kann auch mit Reiswaffeln, Obst, Trockenfrüchten und Nüssen zufriedengestellt werden. Steht viel Frischkost schon in jungen Jahren auf dem Tisch und das Kind ist daran gewöhnt, wird es auch später ganz selbstverständlich Lust auf knackiges Gemüse und saftiges Obst haben. Dasselbe gilt für den Geschmack von Vollkornbrot und –nudeln. Wer es nicht anders kennt, wird es auch als Erwachsener auf seinem Speiseplan haben. Auch hochwertige Fette und Öle sind lebensnotwendig und lassen sich problemlos in Salatsaucen unterbringen und mit einem lecker zubereiteten Fisch verköstigen.

Wie mit dem Wunsch nach Süßigkeiten umgehen?

Leckereien grundsätzlich zu verbieten, ist zwecklos. Das macht sie nur noch interessanter und es wird heimlich genascht. Am besten erstellt man mit dem Kind zusammen einen Plan, wie viel Süßes jeden Tag vertilgt werden darf. Die täglichen Rationen werden in der Küche aufbewahrt und herausgegeben. Es wird nur am Tisch gegessen, nicht nebenbei beim Spielen oder anderen Beschäftigungen. Man kann auch verabreden, dass es vormittags grundsätzlich nichts Süßes gibt. Ab einem bestimmten Alter, vielleicht wenn das Kind in die Schule geht, kann es entscheiden, ob es auch mal zwei Rationen auf einmal möchte, wohl wissend, dass es am nächsten Tag eine Nullrunde gibt. Ein paar klare Regeln, an denen auch nicht gerüttelt wird und die bestenfalls beim Kindergeburtstag aufgehoben werden, erleichtern den Umgang mit dem Thema. Für das Gelingen macht es Sinn, auch die wohlmeinenden Großeltern und anderen Anverwandten entsprechend zu instruieren.

Bei älteren Kindern, bei denen die Rationierungsmethode schwierig wird, könnte man mit Deals arbeiten wie:  Es gibt 1 Schokoriegel, wenn Du dafür auch 1 Apfel isst. Wenn die Lust auf Süßes überwältigt und Handlungsbedarf besteht, kann auch mit einem Obstsalat oder Honigbrötchen ausgeholfen werden.

Süßigkeiten sollen nicht die eigentliche Nahrung ersetzen, sondern sind eine besondere Köstlichkeit, die es erst nach dem Essen gibt. Das Kind ist schon satt und bekommt noch einen leckeren Nachtisch obendrauf. Süßes soll Genuss sein und bleiben. Ganz wichtig ist es, Naschzeug nicht als Trost oder Belohnung einzusetzen. Sonst ist für später die Keksdose als Rettungsanker bei seelischen Tiefs vorprogrammiert – und damit auch der Kummerspeck.

Wie viel Süßes darf es sein?

Da Naschwerk nur Kalorien und keinen weiteren Nährwert hat, sollen höchstens 10% der täglichen Energiezufuhr aus Süßigkeiten, Haushaltszucker und Knabbereien bestehen, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Elke Arms. Die Menge hängt vom Alter und entsprechenden Bedarf ab:

  • 4-6-Jährige: 150 kcal (Jungen und Mädchen)
  • 7-10-Jährige: 180 kcal (Jungen und Mädchen)
  • 11-12-Jährige: 220 kcal (Jungen und Mädchen)
  • 13-14-Jährige: 220 kcal (Mädchen, 270 Jungen)

Andere Experten sagen, dass ein Kind so viel Süßigkeiten bekommen kann, wie in seine Faust passen.

Was tun, wenn das Kind übergewichtig ist?

Heute bringt nicht nur jeder zweite Erwachsene, sondern auch schon jedes sechste Kind zu viele Kilos auf die Waage. Folgeerkrankungen können Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 (Altersdiabetes!), Herzinfarkt, Gicht und Verschleißerscheinungen an den Gelenken sein. Bei Kindern kommt die Belastung durch Hänseleien in der Schule dazu.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dicke Kinder auch übergewichtige Eltern haben, ist groß. Voraussetzung für einen dauerhaften Erfolg beim Abnehmen ist deshalb die Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten der ganzen Familie. Ein guter Einstieg in den Tag ist ein vollwertiges Frühstück (Müsli mit Obst, Vollkornbrot oder –brötchen, fettarme Wurst- und Käsesorten, Honig, etwas Marmelade). Wenn die Kinder satt und ausgerüstet mit einem leckeren, gesunden 2. Frühstück in der Tasche aus dem Haus gehen, ist schon viel gewonnen. Die Hauptmahlzeit sollte ebenfalls aus einer abwechslungsreichen Vitalkost bestehen. Fertigprodukte enthalten statt wertvoller Nährstoffe künstliche Aromastoffe, die den Appetit anregen anstatt zu stillen. Abends kann es dann Salat mit etwas magerem Fleisch oder Brot mit einem fettarmen Aufstrich sein.

Viele beliebte Gerichte können auch gewandelt werden, z.B. die Fertig-Pizza aus dem Tiefkühlfach in eine selbst gemachte Vollkornpizza mit Gemüsebelag und wenig Käse. Auch die gewohnten Burger können mit Vollkornbrötchen, Salat, Tomate oder Gurke und selbst gebratenem Hack oder Tofu zu einem gesunden Leckerbissen verändert werden.

Regelmäßige Bewegung, vielleicht auch im Familienverbund, ist unumgänglich, um das Gewicht erst mal zu halten und dann zu reduzieren. Am besten lässt man das Kind verschiedene Sportarten ausprobieren und sehen, was ihm gefällt. Nur mit Spaß wird es langfristig für die aktive Bewegung begeistert werden können.

Übergewicht bei Kindern: Welche Rolle spielen die Gene?

Untersuchungen zeigen, dass nur bei extremem Übergewicht die genetischen Faktoren schwerer wiegen als die Lebensführung. Forscher der London School of Economics gingen der Frage nach, ob es einen Unterschied in der Gewichtsentwicklung bei biologischen und Adoptivkindern von übergewichtigen Eltern gibt. Der Unterschied war nur geringfügig. D.h. sind die Eltern übergewichtig mit den entsprechenden Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, sind es fast immer auch die Kinder, egal ob sie blutsverwandt sind oder nicht.

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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