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Soor: Wenn ein Hefepilz Überhand bekommt

Kommentar schreiben Mittwoch, 31. Mai 2017

Egal ob weißer Belag auf den Schleimhäuten oder eine Rötung in Hautfalten oder dem Windelbereich: Der Pilz Candida albicans kann die Ursache für die Beschwerden sein. Normalerweise unterdrückt das Immunsystem eine Ausbreitung, doch Babys, alte und kranke Menschen leiden häufig an einem krankhaften Pilzbefall. Lesen Sie hier alles Wissenswerte über die durch Pilze ausgelösten Soor-Erkrankungen.  Ein unangenehm pelziges Gefühl im Mund, Juckreiz in Hautfalten oder ein Ausschlag auf der Haut: Diese verschiedenen Symptome können ein und dieselbe Ursache haben. Soor ist der Sammelbegriff für Krankheiten, die durch Candida Pilze ausgelöst werden. Der weiße Hefepilz kommt bei den meisten gesunden Menschen vor. Das Immunsystem unterbindet ein krankhaftes Wachstum des Pilzes. Doch bei Menschen, die an einer Grunderkrankung wie Diabetes mellitus, einer Stoffwechselstörung, HIV oder einer Tumorerkrankung leiden, nutzt der Pilz eine Lücke im Immunsystem und kann sich ungehindert verbreiten. Auch die Einnahme von Medikamenten oder Antibiotika kann Soor begünstigen.

Soor: Überbegriff für Candida Pilzinfektionen

Soor hat kein einheitliches Erscheinungsbild, auch wenn die Ursache immer derselbe Pilz ist. Die Infektion äußert sich je nach Lokalisation anders. Es können Mund und Rachen, Schleimhäute der Genitalien, Afterbereich, Speiseröhre, Magen-Darm-Trakt, Fingerzwischenräume und –nägel, Haut und Hautfalten (bei Babys oft im Windelbereich) und innere Organe betroffen sein. Kommen die Pilzsporen in einer normalen, nicht krankhaften Anzahl vor, verursachen sie keine Symptome. Im Mund- und Rachenraum kommt es bei einem übermäßigen Befall zu weißen bis gelben Flecken auf rotem Grund. Dieser Belag kommt an den Wangeninnenseiten, der Zunge, dem Gaumen oder den Lippen vor und lässt sich ablösen. Darunter liegt rote und leicht blutende Schleimhaut. Auf der Haut und in den Hautfalten fällt die Pilzinfektion durch rote, juckende Pusteln und Schuppen auf. Unter den Brüsten, in der Achselhöhle, in der Falte in der Leistengegend und bei Babys, Kleinkindern und alten Menschen kommt Soor auch im Windelbereich (Windel-Soor) vor. Der Hefepilz bevorzugt ein feuchtes und warmes Milieu und kann sich hier ideal vermehren.

Ansteckung mit dem Hefepilz durch direkten Kontakt

Die Pilzsporen werden direkt von Mensch zu Mensch oder über kontaminierte Gegenstände übertragen. Babys infizieren sich meist bei der Geburt, wenn eine Scheidenpilzinfektion der Mutter vorliegt. Ist die Infektion bekannt, sollte sie vor der Geburt behandelt werden. Auch das Ablecken des Schnullers oder des Bestecks kann zu Mundsoor bei Babys und Kleinkindern führen. Da die Pilzinfektion durch direkten Kontakt mit der infizierten Stelle (etwa Schleimhäute in Mund und Genitalbereich) übertragen werden kann, gehört sie im weitesten Sinn zu den sexuell übertragbaren Krankheiten.

Pilzinfektion Vorbeugen: Hygiene ist wichtig

Damit es nicht zu einer Hefepilzinfektion beim Nachwuchs kommt, müssen Fläschchen, Schnuller und andere Gebrauchsgegenstände regelmäßig gesäubert und am besten abgekocht werden. Bettwäsche und Handtücher sollten bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden. Bei Mundsoor bei einem Säugling muss die Mutter ihre Brustwarzen mit behandeln, da es sonst zu einem Ping-Pong-Effekt kommen kann und sich das Kind immer wieder anstecken kann. Damit kein Soor in Hautfalten vorkommt sollten diese möglichst trocken gehalten und regelmäßig gründlich gepflegt werden. Ein Kondom kann vor einer Ansteckung mit dem Pilz im Genitalbereich schützen, ist der Pilzbefall weiter als nur auf die Schleimhäute ausgebreitet, handelt es sich allerdings nicht um hundertprozentige Sicherheit. Träger von Zahnprothesen müssen diese stets sauber halten. Auf diesen kann sich der Pilz optimal ansiedeln und so auf das Zahnfleisch und den gesamten Mundraum übergehen. Spezielle Tabletten und regelmäßige Pflege helfen dabei die "Dritten" sauber und pilzfrei zu halten.

Diagnose Soor: Abstrich gibt Aufschluss

Die Diagnose Soor kann von einem Kinder- oder Hausarzt gestellt werden. Nach einer gründlichen Befragung des Patienten oder der Eltern des betroffenen Kindes wird der Arzt die befallene Stelle untersuchen. Ein Abstrich und die daraus gezüchtete Bakterienkultur zeigen dem Mediziner, um welche Art der Infektion es sich handelt. Da einige Krankheiten ähnliche Symptome aufzeigen ist es wichtig, diese ärztlich abklären zu lassen. Eine Selbstdiagnose ist in keinem Fall ratsam.

Behandlung der Pilzinfektion: Antimykotika helfen

Ist die Diagnose gestellt folgt eine simple Behandlung. Ein Antipilzmittel, auch Antimykotika genannt, wird lokal auf die betroffene Stelle aufgetragen oder systematisch über Tabletten oder Tropfen verabreicht. Die Behandlung muss in jeden Fall so lange durchgeführt werden, wie vom Mediziner angesetzt. Die Symptome klingen zwar schnell ab, doch die Pilzsporen sind hartnäckig und können nach dem vorzeitigen Abbruch der Behandlung wieder kommen. Bleibt Soor unbehandelt kann sich der Hefepilz immer weiter ausbreiten und letztendlich innere Organe und Gehirn befallen. Ist das der Fall, besteht unter Umständen Lebensgefahr. Deshalb müssen Pilzinfektionen möglichst nach dem ersten Auftritt der Symptome behandelt werden. Wird der Behandlungsplan eingehalten, heilt eine Pilzinfektion folgenlos aus. In seltenen Fällen kann Soor chronisch werden und muss mit aggressiveren Mitteln behandelt werden.

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Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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