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Schilddrüse: Hashimoto-Thyreoiditis

Kommentar schreiben Freitag, 25. März 2016

In Deutschland ist bei etwa 2 Prozent der Bevölkerung eine Hashimoto-Thyreoiditis, eine chronische Entzündung der Schilddrüse, diagnostiziert – nach neueren Schätzungen vermutet man, das bereits 10 Prozent der Deutschen betroffen sind. Was steckt hinter der exotisch klingenden Erkrankung? Und was sind die möglichen Auslöser? Gibt es eine Heilung? Wissenswertes über eine Krankheit, die viele Gesichter hat:

Was versteht man unter Hashimoto-Thyreoiditis?

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist – neben Morbus Basedow – eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Autoimmunerkrankungen sind Erkrankungen, bei denen sich die körpereigene Abwehr gegen körpereigene Stoffe anstatt gegen körperfremde Stoffe richtet. Je größer der Stress, desto höher das Risiko einer Autoimmunerkrankung.

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis bildet der Körper fälschlicherweise Antikörper gegen die körpereigene Schilddrüse und zerstört das Schilddrüsengewebe. Dadurch kommt es zu einer Entzündung der Schilddrüse, sodass die Schilddrüse nicht mehr richtig funktionieren kann: die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Tetrajodthyronin, oder kurz T3 und T4, werden in ungenügender Menge produziert und freigesetzt.

Der Namensgeber der exotisch klingenden Erkrankung Hashimoto-Thyreoiditis war der japanische Arzt Dr. Hakaru Hashimoto, welcher die Erkrankung als Erster entdeckte und im Jahre 1912 veröffentlichte: In den Schilddrüsen verstorbener Frauen hatte er Entzündungszellen entdeckt, die die Schilddrüse zum Teil zerstört hatten.

Häufigkeit der Erkrankung

Der Krankheitsverlauf der Hashimoto-Thyreoiditis kann individuell sehr unterschiedlich sein – mit einem Verhältnis von etwa 9:1 sind Frauen deutlich häufiger als Männer betroffen. In Deutschland leiden vor allem viele berufstätige Frauen an Hashimoto-Thyreoiditis. Die Häufigkeit, an der chronischen Schilddrüsenerkrankung, zu erkranken nimmt zu und bisher ist nicht geklärt worden - obwohl ein sehr großes wissenschaftliches Interesse bei der Ursachenforschung besteht - warum die Hashimoto-Thyreoiditis so rasant an Häufigkeit zunimmt.

Symptome von Hashimoto

Hashimoto verursacht eine Entzündung der Schilddrüse und kann sich in zwei Verlaufsphasen äußern: Zunächst führt die Entzündung der Schilddrüse zu einer schlagartigen Freisetzung von Schilddrüsenhormone – eine Schilddrüsenüberfunktion kann eintreten; der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren, was sich in typischen Symptomen wie ständiges Unruhegefühl, Nervosität, Hektik, Stress und Herzrasen erkennen lässt. In der zweiten Phase schlagen die Symptome um und eine allmählich stärker werdende und dauerhafte Schilddrüsenunterfunktion tritt ein, da langfristig nicht genügend Schilddrüsenhormone gebildet werden können: Verstimmungen bis hin zu Depressionen, Motivationslosigkeit, Erschöpfung, Müdigkeit und brüchiges Haar können mögliche Symptome sein. Weitere Schilddrüsenunterfunktion-Symptome können unter anderem sein:

  • Kälteempfindlichkeit
  • Gelenkschmerzen
  • brüchige Nägel
  • trockene Haut
  • Verstopfung
  • verminderte Libido
  • Zyklusstörungen
  • Schwindel
  • Gedächtnis-und Konzentrationsstörungen

Zusammenfassend lässt sich also über den Krankheitsverlauf von Hashimoto-Thyreoiditis sagen, dass anfänglich die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion im Vordergrund stehen, auch als Hashitoxikose bezeichnet, und dann allgemein die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion häufiger werden. Nicht selten können aber auch neben den Schilddrüsenunterfunktion-Symptomen auch parallel Schilddrüsenüberfunktion-Symptome auftreten; Anzeichen beider Störungen können dann einsetzen oder sich sogar abwechseln, weshalb man in dem Zusammenhang von paradoxen Symptomen spricht.

Die chronische Schilddrüsenentzündung verläuft oft sehr schleichend, weshalb die Symptome kaum wahrgenommen werden. Auch können die Beschwerden wie Erschöpfung und Müdigkeit als Burn-Out fehldiagnostiziert werden.

Hashimoto und seine Ursache

Leider ist bislang nicht eindeutig geklärt worden, warum es zum Ausbruch der Hashimoto-Thyreoiditis kommt. Folgende potentielle Auslöser stehen in Verdacht:

  • Phasen der Hormonumstellung (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre)
  • Stress und seelische Belastungen
  • Chronische Infektionen
  • Schwere Erkrankungen wie Krebs
  • Rauchen
  • Mangel an Nährstoffen (Vitamin D, Folsäure, Selen, Omega-3-Fettsäuren, B-Vitaminen, Zink, Eisen)

Da die oben aufgelisteten Faktoren Auswirkungen auf das Immunsystem haben, zählen sie zu den potentiellen Auslösern für die Entstehung von Hashimoto-Thyreoiditis.

Begleiterkrankungen

Bei 25 Prozent aller Erkrankten können andere zusätzliche Erkrankungen auftreten bzw. bereits bestehen. Zu diesen Erkrankungen zählen unter anderem auch andere Autoimmunerkrankungen:

  • Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Chron, Colitis Ulcerosa
  • Lebererkrankungen wie chronische autoimmune Hepatitis
  • Erkrankungen der Nebenniere wie Morbus Addison
  • Gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus

Therapiemöglichkeiten dieser Erkankung

Hashimoto-Thyreoiditis ist bisher nicht heilbar, aber beherrschbar. Die wichtigste Therapiemaßnahme ist die Schilddrüsenunterfunktion auszugleichen, indem man L-Thyroxin, auch Levothyroxin genannt, einnimmt, welches dem körpereigenen Schilddrüsenhormon Tetrajodthyronin, T4, entspricht. In den allermeisten Fällen geht man bei Hashimoto-Thyroiditis von einer lebenslangen Erkrankung aus, die bei konsequenter ärztlicher Überwachung und Therapie weder die Lebensqualität noch die Lebenserwartung einschränkt.

Hashimoto-Thyreoiditis: Eine rätselhafte Erkrankung der Schilddrüse, bei der noch großer Forschungsbedarf besteht.

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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