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Ohren richtig putzen: Ohrenstäbchen ja oder nein?

Kommentar schreiben Aktualisiert am 28. April 2016

Mit dem Wattestäbchen das Ohr reinigen? Nicht immer ist das die richtige Wahl, denn hierbei kann es zu einem Trommelfellriss kommen, warnen Experten. Ohrenschmalz erfüllt wichtige Funktionen im Ohr und auch wenn viele Menschen der Meinung sind, Ohrenschmalz regelmäßig entfernen zu müssen, regelt der Körper das eigentlich von selbst. Alles rund um das Thema „Ohrenschmalz richtig entfernen“ im folgenden Beitrag.

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Was ist Ohrenschmalz? 

In der Haut des äußeren, knorpligen Anteils des Gehörgangs befinden sich mehr als 1000 Ohrenschmalzdrüsen, welche ein Sekret, den sogenannten Ohrenschmalz, bilden. Das Ohrenschmalz, welches im medizinischen Sprachgebrauch auch Cerumen genannt wird, hat eine bittere, fettige gelblich-bräunliche Konsistenz und übernimmt folgende Funktionen:

  • Beförderung von Schmutz, Staub und abgestorbene Hautzellen in Richtung Ohrmuschel
  • Schutz vor Fremdkörpern und Insekten und Verhinderung des Eindringen (der beißende, bittere Geschmack von Ohrenschmalz verhindert das Einnisten von Insekten im Ohr)
  • Schutz vor Infektionen
  • Erhaltung des Säureschutzmantels der Haut

 

Das Ohrenschmalz enthält zudem Fette, Cholesterin und Cholesterinester sowie wichtige Enzyme, wodurch dem Ohrenschmalz auch eine antibakterielle Komponente zugeschrieben wird. Im Vergleich zu Erwachsenen produzieren Kinder deutlich mehr Ohrenschmalz, welches darüber hinaus auch viel weicher ist

Das häufige Waschen der Ohren sowie häufiges Schwimmen können den natürlichen Barriereschutzmantel schädigen und starke Ohrenschmerzen hervorrufen.

Falsche Ohrhygiene 

Das Herumstochern mittels Ohrstäbchen ist insofern nicht geeignet, da nur etwas Ohrenschmalz nach außen befördert werden kann und das meiste Ohrenschmalz in die falsche Richtung befördert wird, nämlich immer weiter in die Tiefe des Ohres. Zum Einen kann dadurch ein Ohrenschmalzpfropf gebildet werden und zum Anderen ist die Gefahr groß, das Trommelfell zu verletzen, indem man zu tief im Gehörgang herumstochert. Bei der Verwendung von Ohrstäbchen besteht demnach Verletzungs- und Verstopfungsgefahr!

Der Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. Winfried Goertzen bestätigt: „Immer wieder kommen Patienten in meine Praxis, weil sie sich beim Reinigen des Ohrs verletzt haben“. Lochbildende Verletzungen des zarten Trommelfells können auch durch das Stochern weicher Watteknäuel-Stäbchen im Gehörgang entstehen. Für den Betroffenen ist ein Trommelfellriss mit einem plötzlich einsetzenden Ohrenschmerz und starker Hörminderung verbunden; der Verletzte sollte unbedingt vermeiden, zuvor irgendwelche Gegenmaßnahmen zu ergreifen und eine Behandlung sofort durch den Ohrenarzt vorzunehmen.

Was ist ein Ohrenschmalzpfropf? 

Manchmal kommt es vor, dass zu viel Ohrenschmalz produziert wird und der Selbstreinigungsmechanismus des Körpers gestört ist. Die Ohrenschmalzdrüsen des äußeren Gehörgangs sondern normalerweise nur wenig Ohrenschmalz ab, das sehr langsam nach außen abfließt (dies entspricht der Selbstreinigung des Ohres; 1mm Ohrenschmalz/Tag). Wenn jedoch das abgesonderte Ohrenschmalz zu trocken ist, bleibt es am Entstehungsort liegen und sammelt sich allmählich zum Ohrenschmalzpfropf an, der sogar steinhart werden kann. Durch das Aufquellen des Ohrenschmalspfropfes beim Waschen oder Baden kann eine akute Schwerhörigkeit entstehen, da der Gehörgang teilweise oder völlig verschlossen ist. Zudem besteht ein Druckgefühl im Ohr und nach erfolglosem eigenem Entfernungsversuch können Ohrenschmerzen und Ohrensausen eintreten. Die Behandlung: Durch Einträufeln von drei bis vier Tropfen Speiseöl oder Gylzerin, Cerumenex oder ähnliches wird der Schmalzpfropf aufgeweicht, der dann vom Arzt mühelos ausgespült wird. Auf keinen Fall sollte man mit spitzen Gegenständen oder Pinzetten im Ohr herumbohren, weil das zarte Trommelfell sehr schnell verletzt werden und eine Entzündung des Mittelohres entstehen kann.

Hilfsmittel zum Reinigen der Ohren 

Sollte man das Ohrenschmalz also besser sich selbst überlassen? Denn zugegeben: Es sieht wenig ästhetisch aus. Mit folgenden Tipps klappt es mit der Reinigung der Ohren ohne dabei eine Schädigung hervorzurufen:

  • die „Absonderung“ lässt sich mit einem warmen, feuchten Tuch am besten sanft von der Ohrmuschel entfernen, denn Ohrenschmalz ist wasserlöslich; dabei ist es aber wichtig, nicht in den Gehörgang einzudringen – sprich: das Ohr nur von außen reinigen!
  • während des Duschvorgangs können die Ohren vorsichtig mit lauwarmen Wasser ausgespült und im Anschluss abgetrocknet werden; auf Seife oder Shampoo sollte verzichtet werden, um Reizungen vorzubeugen
  • bei sehr trockenen, juckenden Ohrmuscheln empfiehlt sich die Verwendung einiger Tropfen Babyöl

 

Weitere Hilfsmittel für zu Hause können sein:

  • Ohrentropfen: Rezeptfrei in der Apotheke erhältlich können Ohrentropfen Ohrenschmalz auflösen; sie sind gut verträglich, sollten allerdings nicht bei Vorerkrankungen des Ohres verwendet werden
  • Ohrensprays: Auch Ohrensprays weichen Ohrenschmalz auf, sodass es sich nach der Anwendung mit Wasser ausspülen lässt
  • Hausmittel wie Mandelöl, Babyöl, Dampfbäder: Hierdurch kann ebenfalls das Aufweichen des Ohrenschmalzes erzielt werden, um das Herausspülen zu erleichtern
  • Ballonspritzen: Zum Spülen der Ohren können sogenannte Ballonspritzen verwendet werden, welche mit Wasser gefüllt werden und das Ohr präziser spülen können

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Achtung: Von elektronischen Geräten, Zangen oder Anderes, sollte man im Hinblick auf die Reinigung des Ohres Abstand halten, denn zum Einen erfüllen diese nicht den Zweck und zum Anderen kann man schlimmstenfalls das Ohr sogar schädigen.

 

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J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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