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Nesselsucht und Quaddeln?!

Kommentar schreiben Donnerstag, 19. April 2018

Quaddeln sind scharf begrenzte Hautveränderungen, die zumeist auch ödematös in Erscheinung treten können und rötlich oder weißlich gefärbt sind – der Begriff Nesselsucht wird häufig in diesem Zusammenhang verwendet. Wieso entstehen Quaddeln? Steht immer eine Überempfindlichkeit im Zusammenhang mit der Entstehung von Quaddeln? Welche Behandlungsmaßnahmen können ergriffen werden? Mehr zum Thema Nesselsucht im folgenden Beitrag.    

Nesselsucht (Urtikaria)

Der Name „Nesselsucht“ leitet sich von der Brennnessel ab – bei Berührung mit dieser Pflanze werden nämlich ähnlich aussehende Quaddeln auf der Haut hervorgerufen. Die krankhafte Veränderung der Haut auf bestimmte Nahrungsmittel, Arzneimittel oder andere Einwirkungen bezeichnet man als Nesselsucht oder Nesselfieber – kennzeichnend hierfür ist das Vorhandensein von Quaddeln. Die Quaddeln können dunkel- bis hellrot oder rosafarben, aber auch porzellanfarben hell weiß erscheinen. Sie sind gewöhnlich scharf begrenzt gegenüber der gesunden Haut und können sich überall an jedem Hautareal zeigen und in einigen Fällen sogar zu erheblichen Schwellungen (Ödeme) führen. Auch in ihrer Anzahl und Größe können Quaddeln stark variieren. Darüber hinaus charakteristisch ist der starke und qualvolle Juckreiz, welcher durch die Hautveränderungen erfahren wird. Das Vorhandensein von Quaddeln ist für gewöhnlich flüchtig bei einer Dauer von Stunden bis Tagen. Allerdings sind auch chronische Verlaufsformen möglich. Dauert die Nesselsucht weniger als vier Wochen an, wird diese als akut bezeichnet. Bei längerem Bestand spricht man von chronisch oder chronisch-rückfällig mit akuten Schüben. Treten Quaddeln bzw. Ödeme an den Lippen, an der Mundschleimhaut oder sogar am Kehlkopf auf, spricht man von einem sogenannten Quincke-Ödem. Dieses Quincke-Ödem kann einen gefährlichen Verlauf annehmen und Erstickungsanfälle können drohen. Für solch einen Notfall ist es ratsam, dass Betroffene, die daran leiden, bestimmte Medikamente, nämlich Glucocorticosteroide, greifbar zu Hause haben oder in der Reiseapotheke bei sich führen.

Wieso entstehen Quaddeln?

Man unterscheidet grundsätzlich allergische und nicht allergische Ursachen. Unter den allergischen Ursachen sind vor allem Nahrungsmittel, wie beispielsweise Nüsse, Eier, Milch, Fisch, Sellerie Schaltiere (Krebs) und bestimmte Früchte zu nennen, die zu den häufigsten Ursachen einer Nahrungsmittelallergie der Haut zählen.  Bestimmte Nahrungsmittel von vornherein zu verbieten ist in diesem Fall sicherlich nicht erforderlich. Wenn aber zum Beispiel nach Genuss von Erdbeeren, Quaddeln auftreten, dann liegt die Meidung dieser Früchte nahe. Über die Spezifität von Allergien gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln können allergologische Untersuchungen im Blut oder an der Haut Auskunft geben. Insbesondere bei der Nesselsucht versucht man, die auslösenden Ursachen, wenn diese tatsächlich nahrungsbedingt sind, mit einer sogenannten Auslassdiät zu ergründen. Die Auslassdiät bedeutet das Weglassen aller vermuteten Allergene in der Nahrung. Unter den Arzneimitteln kommen vor allem Penicillin, Sulfonamide, andere Antibiotika oder Chemotherapeutika als Allergene in Frage, die die Entstehung von Quaddeln auslösen können. Jeder sollte bei einer eventuellen Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Arzneimitteln möglichst genau informiert sein und diese in einem Allergiepass eintragen lassen, welchen man mit sich führt sowie bei ärztlichen Behandlungen vorlegen kann, damit Komplikationen in späteren Behandlungen vermieden werden können. Aber auch auf nicht-immunologischem Weg ist die Nesselsucht möglich, nämlich durch Einwirkungen von Wärme oder Kälte, Licht, Druck oder Wasser. So dürfen zum Beispiel Betroffene mit einer Kälteurtikaria nicht im Freien baden oder gar ins kalte Wasser springen, denn das kann infolge eines Schocks im schlimmsten Falle zum Tode führen. Darüber hinaus kann auch psychischer Stress dazu führen, dass sich Quaddeln ausbilden. Die vielfältigen Ursachen für die Nesselsucht zusammenfassend noch einmal im Überblick:

  • bestimmte Nahrungsmittel
  • histaminhaltige Nahrungsmittel
  • Nahrungsmittelzusatzstoffe
  • Medikamente
  • Psychischer Stress
  • Autoimmunreaktionen
  • Physikalische Reize wie Wärme, Kälte, Licht, Druck
  • cholinergische Nesselsucht – eine Sonderform, die entstehen kann,wenn die Körpertemperatur ansteigt, beispielsweise bei Anstrengung und Sport (Sie zählt wie die physikalische Nesselsucht zu den induzierbaren Urtikarien)
  • organische Ursachen wie Nebennierenschwäche
  • Schilddrüsenüberfunktion

Autoreaktive Nesselsucht

Bei einer chronischen Nesselsucht ist erforscht worden, dass auch das Immunsystem dazu befähigt ist, die unerwünschte Histamin-Ausschüttung von sich aus zu provozieren. Man spricht auch von der sogenannten autoreaktiven Urtikaria. Vermutlich ist diese sogar die häufigste Nesselsucht-Ursache bei schweren Krankheitsverläufen, insbesondere wenn die traditionelle, medikamentöse Therapie erfolglos bleibt. Das Immunsystem produziert selbst Antikörper gegen die IgE-Rezeptoren, die auf Mastzellen befindlich sind, eine Bindung bewirkt die Ausschüttung von Histamin. Bei bis zu 30 Prozent aller Patientinnen und Patienten mit chronischer Urtikaria lassen sich solche Antikörper gegen körpereigene Substanzen mittels einer Untersuchung des Blutbildes, dem autologen Serumtest, nachweisen und bestätigen. Das Ergebnis ist positiv, wenn die Haut des Patienten auf das eigene Blutserum mit der Ausbildung von Quaddeln reagiert. Der Test ist bei auf Nesselsucht spezialisierte Hautärzte durchzuführen und liefert bereits nach 30 Minuten Auskunft.

Abgrenzung zum Ekzem

Zu unterscheiden ist die Ausbildung von Quaddeln mit der Ausbildung eines Ekzems. Ein Ekzem wird auch mit dem Leitsymptom dermatologischer Erkrankungen begleitet, dem Juckreiz. Das akute Ekzem beginnt meist mit Juckreiz und Rötung. Der Unterschied zur Quaddelbildung liegt darin, dass bei einem Ekzem kleine rote Knötchen auftreten, die sich zu Bläschen umformen können und leicht platzen können, sodass es zu größeren nässenden roten Flecken kommt. Diese Flüssigkeit trocknet ein und bildet Krusten und Borken. Auch kann eine trockene Schuppenbildung im Anschluss an die Rötung auftreten.

Behandlung Nesselsucht

Die wirksamste Therapie besteht in der Vermeidung der Ursache. Dann man diese Ursache allerdings auch trotz intensiven Suchens leider nur in etwa 30 bis 40 Prozent der Fälle eruieren kann, ist die Behandlung häufig nur symptomatisch. Äußerliche Anwendungen sind durch kühlende Mittel den Juckreiz zu lindern. Für die innerliche Anwendung sind Antihistaminika zu empfehlen. Bei schweren Krankheitsverläufen kann eine intravenöse Verabreichung von Cortison im Krankenhaus notwendig sein. Das Quincke-Ödem muss meist mit Glucocorticosteroide behandelt werden.

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J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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