© apomio.de

Nachgefragt bei Frau Helm: Liebe ist...?

1 Kommentar Freitag, 13. Juli 2018

Beate Helm hat als Heilpraktikerin jahrelange Berufserfahrung in den Bereichen Naturheilkunde und Psychotherapie. Heute leitet sie ihr eigenes Ausbildungsinstitut und ist zudem als Autorin tätig. In ihrer apomio-Kolumne „Nachgefragt bei Frau Helm“ berichtet sie regelmäßig und ganz persönlich über eigene Erfahrungen, Meinungen und Wissenswertem zu den Themen Gesundheit, Prävention, natürliches Heilen und Persönlichkeitsentwicklung. Letztes Wochenende habe ich bei einem Trennungsumzug geholfen. Ein mit viel Herzblut und Eigenarbeit gebautes Haus musste von der Frau des Paares verlassen werden. Der Mann hatte sich nach über 25 Jahren Ehe anderweitig orientiert. Man will ja noch was haben vom Leben. Meint er. Nach dieser Nachricht sollte er sich erst mal zügig eine eigene Wohnung suchen. Hat er auch getan. Das Haus wird verkauft. Die Frau, eine alte Freundin meines Mannes, zieht nach Hamburg, wo ihre beiden Kinder leben. Ein kleines Enkelkind ist auch da. Sie hatte Glück und fand sofort eine schöne Wohnung. Einen Job hatte sie auch gleich. Lehrer sind auch in Hamburg gesucht. Das neue Leben sieht rosig aus, auch wenn es ihr noch weit weg erscheint.

Sehr originell!

Als ich von der Trennung hörte, war ich völlig geschockt. Das sympathische, angenehm alternative Paar, das letztes Jahr seine silberne Hochzeit groß feierte, soll sich getrennt haben? Ich kann es bis heute nicht glauben. Der Mann verabschiedet sich und alles, was die beiden sich liebevoll aufgebaut haben, um mit einer Jüngeren loszuziehen? Sehr originell. Wie in einem schlechten Film. Das volle Klischee.

Erschütternd – so kann man sich täuschen

Als wir mit dem Rad ankamen und sie uns die Tür öffnete, bin ich total erschrocken. Sie sah 10 Jahre älter und 10 kg dünner aus. Verweint. Klar, ich hatte mich schon darauf eingestellt, aber es war trotzdem erschütternd. Natürlich sollten Beziehungen aus Sicherheits- und Gewohnheitsgründen nicht krampfhaft aufrechterhalten werden, wenn es gar keine mehr sind. Aber diese Beziehung sah von außen so harmonisch und stimmig aus. So kann man sich täuschen. Als Außenstehender und auch als Paar. Natürlich schlägt man sich auf die Seite der Frau. Aber da kommen wir zur ersten harten Erkenntnis in der Beziehungswelt:

Es gehören immer zwei dazu

Auch wenn es auf den ersten Blick anders aussieht: Jeder der Partner trägt immer 50 % der Verantwortung für das, was in einer Beziehung geschieht. Großer Aufschrei! Ist aber so, auch wenn sich das Ego mit Händen und Füßen dagegen wehrt. Mit dieser Aufteilung kommt sofort Ordnung in das Geschehen. Es gibt keine Opfer und Täter mehr. Thema ist nur: Was ist mein Anteil an der jetzigen Situation? Was kann ich ändern, um meinen 50 % gerecht zu werden? Oder: Was war mein Anteil an der Trennung? Was werde ich das nächste Mal anders machen?

Hass bindet, Liebe macht frei

Verletzt sein, traurig, wütend und frustriert, ist nach einer Trennung ganz normal. Das muss man auch leben. Der Abschiedsschmerz und die Trauer brauchen ihren Raum und ihre Zeit. Sonst kann man nicht neu anfangen. Anders sieht es aus, wenn man dauerhaft in Hass- und Rachegefühlen gefangen ist. Sie machen das Leben eng. Und sie erhalten und festigen noch die Bindung an den Ex-Partner. Das schlägt auf die Nieren, wie alle Beziehungsthemen. Bei düsteren, negativen Gedanken und zerstörerischen Verhaltensweisen kann man die Bildung eines Tumors heraufbeschwören. Langfristig. Es ist nicht nur Zeit- und Energieverschwendung und hält einen vom Leben ab. Es kann auch gehörig auf die Gesundheit schlagen. Wer in Hass-Rache-Gefühlen festhängt, hängt auch am Partner fest. Man kann sich entscheiden: Entweder man ist weiter fest an die Person gebunden und gibt mit seinem Hass weiterhin Energie in diese Verbindung hinein. Oder Sie möchten die Vergangenheit hinter sich lassen, wieder in den jetzigen Moment kommen und am Leben teilnehmen, das Sie schon die ganze Zeit in Hülle und Fülle umgibt und verwöhnen möchte. Sie haben die Wahl. Wenn Sie sich lieber lösen wollen, gibt es dafür sehr effektive Lösungssätze (Siehe Ende des Textes*).

Der andere ist, wie er ist

Das ist ein hartes Brot, aber es ist so. Verständliche Änderungsversuche am Gegenüber sind zum Scheitern verurteilt. Und ehrlich gesagt, wer will schon selbst umgemodelt werden. Ich nicht. Es ist aber immer okay, zu sagen, was verletzt, stört und nervt. Was andere daraus macht, ist seine Sache.

Der Partner ist dein Spiegel

Was mich beim anderen nervt, bin ich eigentlich selbst. Es sind Eigenschaften und Verhaltensweisen, die ich auch in mir selbst trage und bei mir nicht mag, die mich bei meinem Gegenüber vehement stören. Ich bekämpfe bei ihm, was ich unterbewusst auch bei mir selbst bekämpfe. Hier gewinnt man, allen inneren Ego-Einwänden zum Trotz, wenn man diese Seiten in sich selbst ausfindig macht und an sich arbeitet, anstatt am anderen. Kleines Trostpflaster: Auch dieser Umgang mit Streitpunkten macht frei und unabhängig. Denn wieder sind Sie es selbst, die eine Veränderung in der Hand haben und es gleich in Angriff nehmen können.

Er kann nur angreifen, was Sie selbst nicht an sich mögen

Wenn Sie Ihre Oberschenkel zu dick finden, wird er entsprechend eine abfällige Bemerkung machen. Wenn Sie überzeugt sind, dass Ihre Oberschenkel schön weich und einladend sind, wird auch von außen nichts oder nur Gutes über sie gesagt werden. Probieren Sie es aus. Nähren Sie Ihr Selbstbewusstsein. Stellen Sie einen Notfallkoffer zusammen, was Sie Aufbauendes für sich tun können, wenn Sie sich verletzt fühlen. Je mehr Sie für sich da sind und Souveränität entwickeln, umso weniger Angriffsfläche bieten Sie. Nochmal: Der Partner ist Ihr Spiegel. Wenn Sie sich schätzen, tut er es auch.

Kommunikation ist das A und O

Manchmal wird so lange nicht über das Wesentliche, wo es drückt, gesprochen, bis ein Partner explodiert und der Scherbenhaufen schwer wieder zu kitten ist. Wenn die Kommunikation nicht einfach flutscht, kann man sie als Ritual ins Programm aufnehmen. Beispiel: Einmal im Monat zu einem festen Zeitpunkt teilt man sich 3 Dinge mit: was man gerade sehr gut in der Beziehung findet, was schwierig ist und was man sich wünscht. Das sagen beide hintereinander und es darf nicht von dem Zuhörer kommentiert werden. Keine Erklärungen, keine Rechtfertigungen. Es handelt sich einfach um eine Info, mit der der Partner machen kann, was er für richtig hält. Diese Infos werden in Ich-Sätzen formuliert: Ich finde es schwierig, dass…., statt Du machst dies und das falsch. Wem auch das schwer fällt, kann den Austausch schriftlich machen.

Es passiert, was Sie denken, das passiert

Ihre Gedanken formen die Ereignisse mit. Wenn Sie tagaus tagein denken, dass er Sie nicht mehr mag oder sie bestimmt nicht mit Ihnen in Urlaub fährt, beschwören Sie genau das herauf, wovor Sie am meisten Angst haben. Gedanken sind Energie. Sie wird sich manifestieren. Auch ein ewiges „er lässt sich nicht auf die Beziehung ein“ oder „sie zieht bestimmt nicht mit mir zusammen“ macht das zur Wirklichkeit, was Sie befürchten. Sie kreieren Ihre Welt mit dem, was Sie denken. Also denken Sie nicht, wovor Sie Angst haben, sondern was Sie sich wünschen. Wenn Sie negative Verhältnisse oder Ereignisse verhindern wollen, durchbrechen Sie Ihre tief eingravierten Gedankenschleifen. Bauen Sie eine neue Gedankenbahn mit dem, was Ihre kühnsten Träume sind. Auch wenn Sie an dem gewohnten, bekannten Genörgel hängen, bedenken Sie, dass Sie damit genau das zementieren, worüber Sie nörgeln. Sie haben wieder die Wahl!

Der Familienclan mischt mit

Wir sind keine isolierten Personen. Ich habe früh angefangen, mich mit psychologischen Themen und Bewusstseinsarbeit zu beschäftigen. Wer bin ich? Was ist mein Sinn? Warum laufe ich hier eigentlich in der Welt herum? Das waren meine Fragen, ich schätze 20 Jahre lang. Irgendwann hatte ich den Eindruck, mich im Kreis zu drehen. Alles getan und trotzdem keine neuen Effekte. Dann ist mir die systemische Therapie begegnet. Und es ging wieder voran. Wir sind in Systemen zuhause; familiär, kulturell, am Arbeitsplatz. Privates hängt auf jeden Fall eng mit der Familie zusammen. Aber nicht in dem Sinn, dass Mama und Oma etc. an allem die Schuld sind. Die Theorie fand ich schon immer doof. Sie bringt auch nicht weiter. Sondern dass es unbewusste Verstrickungen gibt, falsch verstandene Liebe, z.B. indem man meint, Leid oder Krankheit von einem anderen übernehmen zu können, indem man selbst die Krankheit bekommt. Geht aber nicht. Jeder trägt sein Päckchen und will es auch niemandem aufhalsen. Oder man übernimmt unbewusst leidvolle Beziehungserfahrungen, die andere in der Familie auch erlebt haben, um dazuzugehören. Eine tragische Form von Liebe, die keinem dient, aber weit verbreitet ist. Jeder will dazu gehören, auch im Leiden. Aber kein Vorfahre will, dass die Nachfahren dasselbe erleiden, wie man selbst. Man leidet umsonst. Das zu sehen, finde ich immer wieder erschütternd. Diese Verstrickungen kann man nicht nur durch Selbstanalyse lösen, sondern eine systemische Beratung oder eine Familienaufstellung.

Beziehung und Gesundheit

Wie schon gesagt, sind das körperliche Pendant für Beziehungen die Nieren. Verdrängte Wut kann sich in einer akuten Nierenentzündung äußern. Langfristig unterdrückte Aggressionen gegenüber dem Partner können eine chronische Nierenentzündung begünstigen. Am häufigsten sind Nierensteine. Sie treten auf, wenn die Beziehungsmuster oder die Partnerschaft starr geworden oder überholt sind. Auch Härte gegen sich selbst und den Partner kann sich in der Bildung von Nierensteinen zeigen. Es ist sehr interessant, zu welchem Zeitpunkt sich Nierensteine lösen. Es besteht immer ein Bezug zum Thema Partnerschaft. Auch langes Alleinleben kann hart machen und zur Steinbildung führen. Ein Stein kann sich unauffällig lösen oder durch schmerzhafte Koliken ausgetrieben werden. Dann tut es auch körperlich weh, das Alte, Verkrustete gehen zu lassen und neu anzufangen. Natürlich wirken auch körperliche Faktoren auf die Nierengesundheit ein. Und Nierenerkrankungen müssen medizinisch behandelt werden. Nierenstau und Nierenentzündungen können lebensgefährlich sein! Aber die Gesundheit und eine nachhaltige Heilung hängen eng mit dem Beziehungsleben und dem Umgang mit Liebe zusammen.

Und bei mir?

Der Trennungsumzug hat seine Spuren hinterlassen. Beziehung ist Arbeit. Das weiß ich. Und dieser Vormittag hat mir einen neuen Schub gegeben, Unklarheiten nicht unter den Teppich zu kehren, wo sie fröhlich vor sich hin gären und zu noch größeren Unklarheiten auswachsen, sondern sie zu klären. In mir selbst und im Gespräch mit meinem Mann. Es war ein Schub. Nichts ist selbstverständlich. Auch meine Beziehung nicht. Ich weiß sie jetzt wieder mehr zu schätzen. Sie ist ein wertvoller Bestandteil meines Lebens, den ich noch mehr hegen und pflegen werde. *Die Lösungssätze nach der Trennung: Name xy (Ex-Partner), ich werde mich jetzt von dir verabschieden. Ich danke dir für das Schöne. Es wird immer in meiner Erinnerung bleiben. Du hast einen guten Platz in meinem Herzen. Ich übernehme 50 % der Verantwortung dafür, dass unsere Beziehung zu Ende ist, und lasse dir deine. Ich trage dir nichts mehr nach. Ich gebe dir meine Segen und wünsche dir alles Gute auf deinem Weg. Je netter und liebevoller Sie sind, umso schneller können Sie sich von xy lösen.

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

1 Kommentare

Ingrid ***Nachname durch Redaktion entfernt*** – Samstag, 02. Mai 2020
Sehr geehrte Frau Helm, am Dienstag erfuhr ich, dass ich mich einer Hüft OP unterziehen muss für eine neue Hüfte. Ich wollte fragen, ob Sie auch beste Termine für Operationen errechnen. Wenn ja, dann schreibe ich Ihnen gerne meine Geburtsdaten. Für eine Antwort bin ich sehr dankbar und grüße Sie herzlich, Ingrid
Antwort von Beate Helm

Guten Tag liebe Ingrid, leider führe ich derzeit keine Beratungen durch.
Alternativ kann ich Ihnen für Ihren Wunsch meine Kollegin Frau Walter
empfehlen: http://www.barbara-walter.de/index.html Alles Gute bei Ihrer
Operation. Herzliche Grüße, Beate Helm

Liebe Grüße
Beate Helm

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.