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Muskuläre Dysbalance: Das Ungleichgewicht des Körpers

2 Kommentare Aktualisiert am 08. September 2016

In der Medizin, Physiotherapie und im Sport sind muskuläre Dysbalancen hauptverantwortlich für Schäden sowie Funktionsstörungen am Bewegungsapparat. Was versteht man unter muskuläre Dysbalance? Welche Behandlungsmethoden gibt es? Alles zum Thema „muskuläre Dysbalancen – das Ungleichgewicht des Körpers“ im folgenden Beitrag.

Der Bewegungsapparat

Den aufrechten Gang, der den Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet, verdankt er einem ganz speziellen System aus Knochen, Muskeln, Sehnen, Bändern, das zwei Drittel seines Körpergewichts ausmacht und das größte menschschliche Organsystem überhaupt ist – dem Bewegungsapparat. Über die Sehnen sind die Knochen mit mehreren Muskeln verbunden, die durch ihre Kontraktion erst die Bewegungen ermöglichen. Die Muskeln sorgen außerdem für die aufrechte Körperhaltung, entlasten Knochen und Gelenke und produzieren auch einen großen Teil der Körperwärme.

Was sind muskuläre Dysbalancen?

Unter einer muskulären Dysbalance wird ein Ungleichgewicht zwischen funktionell gegenüberliegenden Muskelgruppen, wie zum Beispiel Bauch und Rücken oder rechte und linke Seite verstanden – es kommt zur Verkürzung einer aktiven Muskelgruppe (Agonist) bei gleichzeitiger Erschlaffung des muskulären Gegenspielers (Antagonisten). Mit Ungleichgewicht ist gemeint, dass dass der Spannungszustand unserer Muskulatur, welcher ursprünglich ausgeglichen war, aus dem Gleichgewicht gekommen ist, sodass einige Muskeln eine zu hohe Spannung, andere dagegen eine zu niedrige Spannung aufweisen. Ungünstige Spannungsunterschiede entwickeln eine muskuläre Dysbalance. Die Verschiebung des muskulären Gleichgewichts ist durch verschiedene Einflüsse möglich.

Wie entstehen muskuläre Dysbalancen?

Durch einseitiges Training, Bewegungsmangel oder Schonhaltungen nach Verletzungen können muskuläre Dysbalancen entstehen und zu Fehlfunktionen des Bewegungssystems führen. Ebenso kann eine dauerhafte Fehlhaltung, beispielsweise am Arbeitsplatz im Büro für eine muskuläre Dysbalance verantwortlich sein.

Ursachen für muskuläre Dysbalancen noch einmal im Überblick:

  • körperliche Inaktivität
  • sitzende Berufstätigkeit
  • Überbelastung beim Training
  • falsche Bewegungsausführung beim Training
  • Schonhaltungen nach einer Verletzung

Ein Beispiel: Durch eine krumme Sitzhaltung am Arbeitsplatz mit nach vorne hängenden Schultern wird der große Brustmuskel ständig verkürzt während der obere Rückenmuskel dauerhaft überdehnt wird. Die Folge: Es kommt zu einer dauerhaften Verkürzung des Brustmuskels und zur Bildung eines sogenannten Rundrückens. Dadurch wird die gesamte Statik der Wirbelsäule beeinträchtigt und das Muskelsystem zum Teil abgebaut. Durch Fehlhaltungen werden bestimmte Muskelgruppen durch zu einseitige Beanspruchung überlastet und verhärten sich; andere Muskelgruppen bauen ihre Muskelmasse ab, weil diese unterfordert sind und dadurch abschwächen. Schwache Muskeln sind nur wenig belastbar und können Knochen und Gelenke nicht ausreichend stabilisieren.

Ein weiteres Beispiel: Abgeschwächte Bauch- und Gesäßmuskeln treten sehr häufig in Verbindung mit verspannten Hüftbeuge- und Rückenstreckmuskeln auf und können zu einem Hohlkreuz führen – eine deutliche Fehlhaltung im Stehen ist dann zu erkennen.

Die Folgen von muskulären Dysbalancen sind:

  • verminderte Bewegungsabläufe aufgrund von Reizzuständen von Sehnen, Bändern und Gelenken
  • schmerzhafte Muskelverspannungen
  • Kopfschmerzen
  • Abnutzungserscheinungen an den Gelenken
  • Erhöhte Anfälligkeit für Zerrungen und Muskelrisse
  • Minderung der Leistungsfähigkeit

Wie kann einer muskulären Dysbalance vorgebeugt werden?

Muskeln, die zur Abschwächung neigen, sollten präventiv trainiert werden sowie Muskeln, die zur Verkürzung neigen, präventiv gedehnt werden.

Folgende Muskelgruppen neigen zur Abschwächung:

  • Brust
  • Bauch
  • Gesäß
  • Waden
  • Adduktoren

Folgende Muskelgruppen neigen zur Verkürzung:

  • vorderer Oberschenkel
  • hinterer Oberschenkel
  • unterer Rücken
  • Hüftbeuger

Die Behandlungsmethoden

Wer die Ursache für die muskuläre Dysbalance kennt, kann diese auch vorbeugen bzw. behandeln. Um den gesamten Bewegungsapparat wieder ins Gleichgewicht zu bringen, können auch schon kleine Tipps helfen:

  • eigene Haltungs- und Bewegungsgewohnheiten bewusst machen (Gewohnheiten und Alltagshandlungen, wie zum Beispiel: jahrelang die schwere Sporttasche immer auf der rechten Schulter getragen; besser: einen Rucksack tragen)
  • vielseitiges und ausgewogenes Training: nicht immer die gleichen Bewegungsabläufe, sondern abwechslungsreiche Sportaktivitäten, die folgendes enthalten: Cardio Parts, Kräftigungs-, Gleichgewichts-, Koordinations- und Dehnübungen – das Motto lautet immer wieder was Neues ausprobieren

Um muskuläre Dysbalancen zu vermeiden ist also Vielfalt im Sport gefragt, damit viele Muskelgruppen gleichzeitig und ausgewogen beansprucht werden können. Viele Muskeln, die gleichzeitig beansprucht werden, sind zum Beispiel beim Tanzen, beim Turnen und beim Kraftsport.

Um Sport erst einmal wieder voll ausüben zu können, muss man natürlich wieder beweglicher werden: durch regelmäßiges Dehnen hilft man Verkürzungen vorzubeugen sowie abzubauen. Kleine Knötchen in der Muskulatur, sogenannte Triggerpunkte, die zum Beispiel Teile des Rückens verhärten können durch Massage oder Mobilisation mit einem Foam Roller gelöst werden: die Muskeln entspannen sich, werden weich und voll funktionsfähig.

Fazit: Routine ist schlecht, Abwechslung ist gut – zurück ins Gleichgewicht lautet die Devise. Damit Bewegungsmangel, Fehlhaltungen, einseitige Trainingseinheiten oder Schonhaltungen nach Verletzungen keine muskulären Dysbalancen verursachen.

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

2 Kommentare

Judith Schega – Freitag, 09. Dezember 2016
Sehr geehrter Herr Ley, vielen Dank für Ihre Anfrage. Leider bin ich nicht befugt, bezüglich Ihrer Beschwerden eine klare Aussage zu geben, weil ich keine Ärztin bin. Deshalb würde ich Sie bitten, Ihren behandelnden Arzt in dieser Hinsicht zu befragen. Vielleicht könnte auch eine Physiotherapie in Betracht gezogen werden. Ich wünsche Ihnen alles Gute!
L E Y – Freitag, 18. November 2016
Sehr geehrte Frau Ehresmann, Nach einem AUFPRALL auf den unteren Rücken mit einem HÄMATOM welches 8x wegen drainage mit OP für eine BLUTAUSLASSUNG--PRADAXA LANGZEIT-- habe ich ein Problem mit dem Bewegungsablauf als Dysbalanz. Der lange Nerv ist durchlaufend ok hat aber sicher ein problem mit der ISOLIERUNG : Ich habe eine POLYNEUROPATIE AN FINGER UND FUSSZEHEN MIT GUMMIEFFEKT UNTER DN FÜßEN: wie denken SIE darüber?? danke für eine IDEE WILLI LEY -(81)

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