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Lachen - Wie es unseren Körper beeinflusst

Kommentar schreiben Donnerstag, 30. April 2015

Lachen ist gesund. Es wirkt sich positiv auf unsere Stimmung und unseren Körper aus. Lachen verbessert die Funktion der Lungen, hilft gegen Schmerzen und aktiviert das Immunsystem. Es setzt Glückshormone frei und baut Stress ab. Lachen wird sogar als Therapie eingesetzt. Wie beeinflusst Lachen Körper und Seele? Warum lohnt es sich, eine Comedy-Sendung anzusehen und witzige Bücher zu lesen?

Eine Lachkur zur Selbstheilung

Die Lachwissenschaft (Gelotologie) ist noch sehr jung. Sie wurde von dem Psychiater Fry 1964 begründet und erfuhr großen Aufschwung nach dem unglaublichen Selbstversuch von Norman Cousins. Bei ihm wurde eine sehr schmerzhafte, chronisch entzündliche Erkrankung der Wirbelsäulengelenke diagnostiziert. Die Überlebenschancen waren gering. Cousins wusste von den Zusammenhängen zwischen Gemütszustand und körperlicher Gesundheit. Also wechselte er aus dem Krankenhaus in ein Hotel und lernte systematisch, sich durch witzige Filme und Bücher zum Lachen zu bringen. Dabei stellte er fest, dass nach zehn Minuten intensiven Lachens seine Schmerzen fast verschwunden waren. Die medizinische Untersuchung stellte außerdem fest, dass sich die Entzündungswerte zunehmend besserten. Cousins wurde mit Hilfe seiner Lachkur vollständig geheilt.

Was beim Lachen im Körper passiert

Beim Lachen wird die Atmung intensiviert. Die Bronchien werden weiter und die Lunge besser durchlüftet. Wir atmen mehr aus als ein. Der Austausch von verbrauchter und sauerstoffhaltiger Luft wird erhöht. Der vermehrte Sauerstoff aktiviert die inneren Verbrennungsvorgänge. Das wirkt sich günstig auf den Fettstoffwechsel und die Ausscheidung von Cholesterin aus. Puls und Blutdruck werden zuerst kurz erhöht und nach dem Lachanfall anhaltend gesenkt, weil sich die Arterien entspannen und erweitern.

Das Zwerchfell bewegt sich schnell auf und ab. Es massiert die Leber und Verdauungsorgane. Sie werden durchgeknetet und gut durchblutet. Die Darmtätigkeit wird aktiviert.

Beim Lachen werden vermehrt schmerzstillende Stoffe, die körpereigenen Opiate produziert. Am bekanntesten sind die Endorphine, die auch Glücksgefühle auslösen. Da Schmerzen oft mit einer Daueranspannung von Muskulatur verbunden sind, wird durch die Entspannung nach intensivem Lachen auch der Schmerz reduziert. Der Lachforscher Paul McGhee hat außerdem nachgewiesen, dass sich beim Ansehen eines witzigen Films die Schmerzgrenze nach oben verschiebt.

Lachen hat aufgrund der Ausschüttung körpereigener Hormone (Adrenalin und Noradrenalin) auch eine entzündungshemmende Wirkung.

Menschen, die viel lachen, sind weniger krankheitsanfällig und werden auch schneller wieder gesund. Denn Lachen aktiviert das Immunsystem. Der Lachforscher Lee Berk hat herausgefunden, dass die Anzahl z.B. der Killerzellen, die Krebszellen aus dem Verkehr ziehen, durch Lachen erhöht wird.

Lachen ist Arbeit. Die aktivierten Muskeln verbrauchen Energie. Lachforscher sagen, dass ein paar Minuten intensives Lachen genauso viele Kalorien verbraucht wie 15 Minuten Joggen. Die vermehrte Durchblutung macht die Haut rosig. Der Gesichtsausdruck wird entspannt. Lachen hat damit auch eine Anti-Aging-Wirkung.

Wirkung auf Geist und Seele

Lachen befreit, löst innere Spannungen und sorgt für gute Stimmung – in sich und seinem Umfeld. Es produziert Glückshormone (Endorphine) und Dopamin, das ebenfalls für das seelische Wohlbefinden zuständig ist. Gleichzeitig werden Stresshormone reduziert. Stress macht krank, wenn er zum Dauerzustand wird. Lachen durchbricht diesen Zustand aber nur, wenn es ausgiebig und lange ist, sagt Dr. Michael Titze, der Lachen therapeutisch einsetzt.

Ein Mensch, der viel lacht, ist offener, kontaktfreudiger und beliebter. Er ist gelassener und selbstbewusster und kann sich freier in seinem sozialen Umfeld bewegen. Es fällt ihm leichter, mit Stressphasen umzugehen.

Es kann auch passieren, dass wir in schwierigen, sehr angespannten Situationen lachen. Das macht unser Körper, um die Stresssituation zu entschärfen und Druck abzubauen. Denn Lachen entspannt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Psyche. Eine Minute herzhaftes Lachen soll denselben Effekt haben wie 45 Minuten Entspannungsübung.

Lachen durchbricht negative Gedanken. Es entsteht Abstand zu den Sorgen des Alltags. Sie werden relativiert. Das erleichtert nach Dr. Titze die Möglichkeit, die Situation neu wahrzunehmen und Zusammenhänge zu erkennen.

Die Kontrolle durch fixe Gedanken und ein bisheriges, unumstößliches Selbstbild wird aufgehoben. Es zeigen sich neue Lösungswege. Auch die Kreativität wird gefördert, wenn die gewohnte Gedankenwelt  durchbrochen und für bisher Unmögliches geöffnet wird. Vielleicht wird man auch wieder mehr zum Kind. Unsere Kleinen lachen 400 mal am Tag, während sich der Erwachsene auf 15 mal am Tag reduziert hat.

Humor als Therapie

Beim therapeutischen Einsatz geht es darum, wieder Leichtigkeit und einen mutigen, neuen Umgang mit sich und seinen Problemen zu gewinnen. Dazu wird die schwierige Situation überspitzt dargestellt und parodiert, erklärt Dr. Titze. Humor als Therapie in seiner Praxis soll nicht unbedingt zum Lachen bringen, sondern Menschen für eine lebensbejahende Haltung mit mehr Heiterkeit und Lebensfreude öffnen.

Dasselbe Ziel wird mit dem von Dr. Madan Kataria begründeten Lachyoga verfolgt. Nach Lockerungs-, Dehnungs- und Atemübungen wird mit einem Hoho Hahaha, Klatschen, Bewegungen und bestimmten Atemtechniken die Yoga-Sitzung eröffnet. Nach einem anfangs vielleicht künstlichen Gelächter wird nach und nach echt und herzhaft gelacht. Eine Lachyoga-Session dauert 20 bis zu 90 Minuten. Sie soll eine heitere Grundstimmung schaffen und dazu befähigen, mit den Herausforderungen des Lebens besser umzugehen.

Interessant ist, dass das Gehirn nicht zwischen echtem und künstlichem Lachen und auch Lächeln unterscheidet. Probieren Sie es aus. Lächeln Sie, ohne jeden Grund, und schauen Sie, was passiert. Bei sich und bei anderen. Allein das Hochziehen der Mundwinkel genügt, um Ihre Stimmung zu heben und geistig eine neue Richtung einschlagen zu können.

Eine weitere Form der Lachtherapie wird von den „Roten Nasen“, den Klinik-Clowns angewandt. Sie sprechen sich mit den Ärzten über die Befindlichkeit des Patienten ab, hören sich dessen Sorgen an und bringen mit ihren Clown-Einlagen Fröhlichkeit in die sterile Krankenhaus-Atmosphäre und das Leben der Patienten. Das kann vor allem bei kranken Kindern und Jugendlichen dazu beitragen, dass sie schneller wieder gesund werden.

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Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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