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Kreuzbandriss - Der stechende Schmerz im Knie

1 Kommentar Aktualisiert am 11. Oktober 2016

Eine abrupte, schnelle Bewegung und plötzlich ist er da: der stechende Schmerz im Knie. Vor allem bei Sportlern ist oft ein Kreuzbandriss Auslöser für den Schmerz. Doch die Verletzung ist gut therapierbar. Mit Operation und Physiotherapie ist die volle Beweglichkeit des Gelenks wiederherstellbar. Auch eine konservative Behandlung ist möglich. Wir erklären, wie ein Kreuzbandriss entsteht und wie die Therapie abläuft. 

Der Kreuzbandriss, auch Kreuzbandruptur genannt, ist eine der häufigsten Verletzungen am Kniegelenk. Vor allem bei Sportunfällen und durch Traumata bei Verkehrsunfällen können die Kreuzbänder reißen. In jedem Knie gibt es zwei davon. Sie sitzen in der Tiefe des Gelenks und sind deshalb nicht wie etwa die Innen- und Außenbänder tastbar. Die Kreuzbänder sind sehr stabile Strukturen, die den Oberschenkelknochen (Femur) und das Schienbein (Tibia) miteinander verbinden und so für die Stabilität im Knie sorgen.

Vorderes Kreuzband reißt häufiger

Bei einem Kreuzbandriss ist meist das vordere Kreuzband betroffen. Es besteht aus zwei Teilen. Der eine Anteil ist vorne mittig am Schienbeinknochen verankert, der zweite Anteil befindet sich an der hinteren Gelenkfläche der Tibia. Diese beiden Stränge verdrillen sich und enden im hinteren, inneren Bereich des Gelenkfortsatzes des Oberschenkelknochens. Das vordere Kreuzband verhindert, dass sich Schienbein und Oberschenkel bei gebeugtem Knie gegeneinander verschieben.

Das hintere Kreuzband ist wesentlich stabiler und es erfordert einer Krafteinwirkung von außen, um es zum Reißen zu bringen. Bei Verkehrsunfällen kommt diese Verletzung vor. Meist geht mit einem Riss des hinteren Kreuzbandes auch die Verletzung anderer Strukturen im Kniegelenk einher. Auch dieses Band besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil setzt an der vorderen, äußeren Oberschenkelgelenkfläche an, der zweite Teil sitzt hinten mittig am Femur. Auch diese beiden Stränge verdrillen sich und enden am hinteren Bereich des Schienbeins. Der Name „Kreuzbänder“ kommt von der deutlichen Überkreuzung in der Mitte des Kniegelenks.

Kreuzbandriss: Resultat schneller Bewegungen und Ermüdung

Bei schnellen Sportarten, die abrupte Richtungswechsel und Gewichtsverlagerung erfordern, ist das Knie einer großen Belastung ausgesetzt. Dazu zählen vor allem Ballsportarten wie Fußball, Handball oder Tennis, aber auch beim Skifahren werden die Knie beansprucht. Bei einem Abbremsen aus hoher Geschwindigkeit, einem Richtungswechsel bei gebeugtem Knie oder einer Krafteinwirkung von außen durch einen Gegenspieler, können die Kreuzbänder reißen. Der Kreuzbandriss ist eine Ermüdungsverletzung und tritt vor allem gegen Ende eines Spiels oder am Ende der Saison auf. Die Bänder sind stark belastet und anfälliger für eine Ruptur.

Doch auch bei einem Autounfall können die Strukturen zerstört werden, etwa wenn das gebeugte Knie (im Sitzen) gegen das Armaturenbrett schlägt. Hier wird vor allem das hintere Kreuzband in Mitleidenschaft gezogen.

Nach dem Riss: Schwellung und Bluterguss

Nachdem das Band gerissen ist, spüren Betroffene meist einen starken Schmerz im Knie. Der Riss an sich kann von einem hörbaren Knall begleitet sein. Da die Kreuzbänder gut durchblutet sind, kommt es zu einem Hämatom am Gelenk und einer Schwellung innerhalb der ersten Stunde nach der Verletzung. Der Betroffene kann nur noch schlecht bis gar nicht mehr selbstständig laufen und auftreten.

Das Knie ist nach einem Kreuzbandriss instabil. Sollte der Betroffene noch gehen können, können sich Oberschenkel und Unterschenkel bei der Bewegung schmerzhaft gegeneinander verschieben. Vor allem beim Treppenabsteigen schmerzt das Gelenk.

Kreuzbandriss: Sofortbehandlung und Diagnose

Unmittelbar nach dem Unfall sollte das Gelenk ruhig gestellt, gekühlt und hochgelagert werden. Ein Kompressionsverband kann eine übermäßige Schwellung des Knies verhindern. Ein Arzt kann dann die Diagnose stellen. Bei der Anamnese wird zunächst der Unfallhergang ermittelt. Mit einfachen Tests, etwa dem Schubladen-Test, stellt der Arzt die Instabilität des Gelenks fest. Kann er bei einem Anwinkeln von 45 Grad das Schienbein gegen den Oberschenkel nach vorne verschieben, ist ein Riss des vorderen Kreuzbandes wahrscheinlich. Kann er den Unterschenkel wie eine Schublade nach hinten gegen den Oberschenkel verschieben, kann das hintere Kreuzband geschädigt sein.

Endgültigen Aufschluss über den Zustand des Knies und die Verletzung gibt ein MRT. Hier wird die Struktur der Bänder sichtbar und die Diagnose kann gestellt werden. Auch eine Röntgenaufnahme kann helfen, denn gegebenenfalls ist der knorpelige Ansatz der Sehne aus dem Knochen heraus gebrochen.

Behandlung: Operation oder konservative Therapie

Ein komplett gerissenes Kreuzband wächst nicht wieder von selbst zusammen. Daher ist eine Behandlung nötig. Bei der Behandlung eines Kreuzbandrisses gibt es grundsätzlich zwei Vorgehensweisen. Die Verletzung kann operiert oder mit konservativen Methoden auskuriert werden. Bei jungen Menschen, Sportlern oder Personen mit einer großen körperlichen Belastung durch den Beruf ist eine Operation die Methode der Wahl. Hierbei wird das gerissene Kreuzband durch ein Implantat ersetzt. Das Implantat stammt entweder von einer körpereigenen Sehne am Oberschenkel oder es kommt von einem Spender.

Bei einem Spender-Implantat kann es zu einer abstoßenden Reaktion kommen. Deshalb wird in den meisten Fällen ein Stück körpereigene Sehne verwendet. Bei einer minimalinvasiven Operation wird das „neue Kreuzband“ über zwei Bohrlöcher in Oberschenkel und Schienbein fixiert und an Stelle des echten Kreuzbandes eingesetzt. Schrauben oder Platten können die Strukturen unterstützen. Mit der Zeit wächst die Sehne an den Knochen an und das Knie gewinnt wieder an Stabilität. Auf die Operation folgt eine lange Physiotherapie, um die Eigenschaften des Gelenks wiederherzustellen. Leichte sportliche Aktivitäten sind nach etwa vier bis sechs Wochen möglich, ein echter Wiedereinstieg kann jedoch erst erfolgen, wenn die Stabilität wieder komplett gegeben ist. Das kann bis zu neun Monate dauern.

Stärkung der Muskeln stabilisiert Kniegelenk

Bei der konservativen Behandlung wird auf die Operation verzichtet. Diese Maßnahme kommt bei Personen, die keine besondere sportliche oder berufliche Belastung auf das Knie ausüben in Frage. Auch bei älteren Personen kann diese Behandlung erfolgen. Dabei werden durch Krankengymnastik gezielt die Muskeln im Oberschenkel gestärkt, die das Knie stabilisieren. So wird das nach dem Riss „fehlende“ Kreuzband kompensiert.

Sind die Betroffenen keiner außergewöhnlichen Belastung ausgesetzt, erlangen sie durch die konservative Behandlung genug Stabilität für das alltägliche Leben und volle Bewegungsfreiheit. Für Sportler ist die konservative Methode allerdings keine Alternative, sie benötigen einen Kreuzband-Ersatz um die sportliche Belastung wieder auf sich nehmen zu können.

Einem Kreuzbandriss vorbeugen

Damit es gar nicht erst so weit kommt, können Übungen für das Knie die vorhandenen Strukturen stärken und einen Kreuzbandriss unwahrscheinlicher machen. Sprungübungen auf Matten und weichen Böden stärken die Muskulatur im Knie und sorgen für eine gute Motorik im Gelenk. Auch das Training auf einem Wackelbrett unterstützt die Strukturen im Knie. Auch wer sich vor dem Sport gut aufwärmt und seinen Körper nicht überlastet beugt Verletzungen vor.

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Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

1 Kommentare

Bobby – Samstag, 28. September 2019
"Einem Kreuzbandriss vorbeugen Damit es gar nicht erst so weit kommt, können Übungen für das Knie die vorhandenen Strukturen stärken und einen Kreuzbandriss unwahrscheinlicher machen. Sprungübungen auf Matten und weichen Böden stärken die Muskulatur im Knie und sorgen für eine gute Motorik im Gelenk. Auch das Training auf einem Wackelbrett unterstützt die Strukturen im Knie. Auch wer sich vor dem Sport gut aufwärmt und seinen Körper nicht überlastet beugt Verletzungen vor." Sprungübungen auf Matten verringern die Verletzungswahrscheinlichkeit bei Sprüngen auf Matten (Spezifität). Wenn die Sportart auf Rasen, Hallenboden, etc. stattfindet, ist das nicht ausreichend. Bei Training auf dem Wackelbrett gilt das gleiche Prinzip. Die Frequenz der Bewegungsänderungen auf einem Wackelbrett ist auch viel zu gering, um wirklich einem Kreuzbandriss bei einem Sportunfall verhindern zu können - ergo: zu unspezifisch. Man sollte sich auch nicht nur aufs Knie konzentieren: Das Knie ist lediglich der Sklave zwischen Sprunggelenk und Hüfte. Hier sollte also alles stimmen (Kraft, Beweglichkeit, etc.). Mit dem letzten Satz bin ich einverstanden. Regelmäßig 10min Warm-Up ersparen einem wohlmöglich eine monatelange Reha und lebenslange Einschränkungen.

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