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Hospiz - Begleitung in der letzten Lebensphase

Kommentar schreiben Dienstag, 19. April 2016

Hospizarbeit unterstützt unheilbar kranke Menschen in ihrer letzten Phase bis zum Tod. Neben der körperlichen Pflege wird auch Hilfe im seelsorgerischen Bereich geleistet, auch für die Angehörigen. Die gesamte Familie soll Zeit und Raum zu finden, sich auf den Tod des Kranken vorzubereiten. Ihre Bedürfnisse und die Wünsche des Patienten sind oberstes Gebot. Anliegen ist es, dass Menschen zu Hause sterben können. Dafür gibt es die ambulanten Hospiz-Dienste. Erst wenn die Versorgung zuhause, im Krankenhaus oder Pflegeheim nicht mehr gewährleistet ist, kommt die Aufnahme in ein stationäres Hospiz in Frage. Dafür gibt es bestimmte Voraussetzungen. Die Überweisung erfolgt durch den behandelnden Arzt.

Entstehung der Hospizbewegung

Die heutige Hospizbewegung wurde von zwei Frauen initiiert: der Ärztin, Sozialarbeiterin und Krankenschwester Cicely Saunders in England und der schweizerischen Psychiaterin Dr. Elisabeth Kübler-Ross in den USA. Saunders gründete 1967 das erste Haus für sterbende Menschen in einem Londoner Vorort. Der Name Hospiz kommt von Hospitium und heißt übersetzt Herberge. Im Mittelalter wurden so die klösterlichen Unterkünfte für Pilger, Arme und Kranke genannt. Die Gründung dieses ersten Hospizes setzte weltweit die Hospizarbeit in Bewegung. Auch für Dr. Kübler-Ross war der menschenwürdige Umgang mit Sterbenden ein tiefes Anliegen. In den 1970er Jahren wurden Todkranke in dem sonst reibungslosen Klinikablauf als Störfaktoren betrachtet und entsprechend behandelt. Sie starben einsam und isoliert. 1974 wurde das erste ambulante Hospiz in den USA gegründet. Dr. Kübler-Ross engagierte sich weltweit mit Vorträgen, Kursen und ihren Büchern für die Hospizbewegung und betonte dabei den ambulanten Ansatz.

Die Hospizbewegung in Deutschland

1983 wurde die erste Palliativstation an der Uniklinik Köln eröffnet. Die ersten ambulanten Hospizdienste entstanden 1984 durch Prof. Dr. Christoph Student. Das erste stationäre Hospiz wurde 1986 in Aachen gegründet. 1996 konnte nur unter Protest namhafter Experten verhindert werden, dass die Hospizarbeit aus dem Pflichtleistungskatalog der Krankenkassen gestrichen wurde. 2015 wurde die Übernahme von 95 % der Kosten durch Kranken- und Pflegeversicherung festgelegt. Der Patient hat nur die übliche Selbstbeteiligung an Arznei- und Hilfsmittelkosten zu tragen.

Die 5 Kennzeichen der Hospizarbeit

Der sterbende Mensch und seine Angehörigen stehen im Zentrum des Dienstes Anders als sonst üblich im Gesundheitswesen stehen die Wünsche des Patienten an erster Stelle. Neu ist auch, dass die Angehörigen in die Versorgung mit aufgenommen werden. Sie leiden meist mehr als der Mensch, der geht.

Der Gruppe der Betroffenen steht ein interdisziplinäres Team zur Verfügung Da Sterben keine Krankheit, sondern eine kritische Lebensphase ist, wenn auch oft mit Krankheit verbunden, genügt für die Betreuung nicht nur medizinisches Personal. Es sind auch Sozialarbeiter und Seelsorger notwendig. Nur ein Team aus verschiedenen Berufsgruppen kann den Bedürfnissen des Patienten und seiner Familie gerecht werden. Dazu kommt, dass sich die Teammitglieder auch untereinander unterstützen sollen, um einen Burnout zu verhindern.

Die Einbeziehung freiwilliger Helferinnen und Helfer Vor allem die ambulante Hospizarbeit lebt stark von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Sie durchlaufen einen Sterbebegleitungskurs und werden dann von den hauptamtlichen Mitarbeitern koordiniert. Ihre Aufgabe ist es, bei der Bewältigung des Alltags behilflich zu sein. Sie tun einfach das, was gerade gebraucht wird: einkaufen gehen, kochen, Babysitten, Gespräche führen, am Bett sitzen, zuhören usw..

Gute Kenntnisse in der Symptomkontrolle Eine der größten Ängste sterbender Menschen ist es, Schmerzen erleiden zu müssen. Symptomenkontrolle heißt deshalb in erster Linie, mit einer optimalen Schmerztherapie zu versorgen. Das ist bei 95 % der sterbenden Menschen mit Hilfe von Morphin heute machbar. Bei der Hospizarbeit werden alle Komponenten des Schmerzes beachtet: Der Körper erhält Medikamente und achtsame, liebevolle Berührungen. Seelischer Schmerz durch Ängste und soziale Isolation wird durch psychologische Betreuung behandelt. Seelsorger stehen für religiöse Fragen und den Wunsch, Unerledigtes noch zu bearbeiten, zur Verfügung. Auch die Angehörigen werden seelisch betreut.

Kontinuität der Fürsorge Körperliche und seelische Krisen können Tag und Nacht auftauchen. Deshalb ist es unerlässlich, dass Hospizarbeiter rund um die Uhr erreichbar sind. Gerade nachts, wenn der Patient zuhause betreut wird, können Angst und Unsicherheit bei den Angehörigen auftreten. Sie brauchen jederzeit einen Ansprechpartner, und sei es auch nur telefonisch. Deshalb bedeutet Hospizarbeit immer eine 24-Stunden-Verfügbarkeit. Kontinuität heißt auch, nach dem Tod für die Hinterbliebenen da zu sein. Die entstandene Nähe während der Pflege ist ein gutes Fundament für die anschließende Trauerbegleitung.

Ambulante Hospizarbeit

Die ambulanten Hospiz-Dienste mit einer großen Zahl an freiwilligen Helfern stellt die Basis der Hospizarbeit in Deutschland dar. Sie leisten ihren Dienst zuhause bei der Familie mit dem todkranken Menschen oder als Sitzwachen in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Sie sind auch unerlässlich in der Kinderhospizarbeit zur Entlastung der Familie. Ambulante Palliative Care-Teams sind in Palliativmedizin spezialisierte Pflegedienste und sichern die palliativ-medizinische Versorgung zuhause. Außerdem beraten sie Pflegedienste, Hausärzte und Betroffene.

Stationäre Hospize

Die stationären Einrichtungen sind kleine Einheiten von etwa 9 Betten. Das schafft Geborgenheit und eine familiäre Atmosphäre. Es arbeitet eine leitende Palliative-Care-Pflegekraft mit einem fachkundigen Hausarzt und freiwilligen Pflegerinnen zusammen. Das Hospiz ist ein letztes, liebevolles Zuhause für Menschen mit einer verbleibenden Lebensspanne von wenigen Tagen oder Wochen. Es versorgt bei körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Beschwerden, die zuhause, in der Klinik oder im Pflegeheim nicht mehr gelindert werden können. Mitzubringen sind nur Pflegeartikel, Versichertenkarte und Personalausweis. Wenn die Versorgung durch Angehörige oder Bewohner gesichert ist, kann auch ein kleines Haustier mitgebracht. Auch Palliativstationen im Krankenhaus gehören zu den stationären Hospiz-Einrichtungen. Sie versorgen vor allem die körperlichen Leiden und Schmerzen. Teilstationäre Hospize bieten an einem oder mehreren Tagen in der Woche als Tages- oder Nachthospize ihre Arbeit an.

Voraussetzungen zur Aufnahme in einem stationären Hospiz

Der Patient leidet an einer unheilbaren Krankheit, die in absehbarer Zeit zum Tod führen wird. Eine Heilung ist ausgeschlossen. Ein Krankenhausaufenthalt ist nicht erforderlich oder soll vermieden werden. Eine ambulante Versorgung oder der Aufenthalt in einem Pflegeheim ist nicht ausreichend. Die stationäre Hospizpflege muss von einem Arzt verordnet werden. Der Antrag bei der Krankenkasse wird vom Hospiz eingereicht. Bewilligt werden jeweils 28 Tage, die verlängert werden können. Privatversicherte sollten eine Kostenbewilligung einholen. Nicht jede Kasse zahlt. Der Betroffene kennt das Hospiz-Prinzip der lindernden Pflege und Therapie und ist damit einverstanden: keine forcierte Ernährung, keine künstliche Beatmung und keine kontinuierliche intravenöse Infusionstherapie. Auch die Familie und der behandelnde Arzt sollten mit dem Palliativprinzip einverstanden sein.

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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