© Jehsomwang - Fotolia.com

Falsches Training: Wenn Sport der Gesundheit schadet

Kommentar schreiben Dienstag, 27. Februar 2018

Falsches Training? Nicht nur ein Anfängerproblem. Wer eine Sportart oder körperliche Aktivität, wie beispielsweise im Fitnessstudio, falsch ausübt, bewirkt trotz guter Absicht leider das Gegenteil: Man schadet der Gesundheit. Dabei sollte Sport doch eigentlich gesund sein?! Eigentlich. Nämlich nur dann, wenn man es auch richtig macht. Im folgenden Beitrag mehr über falsches Training, Folgen für den Bewegungsapparat und wie diese vermieden werden können.  

Sport für das körperliche Wohlbefinden

Sport ist nicht nur das beste Mittel zur Entmüdung, zur Hebung der seelischen Verfassung und zur Beseitigung der sich täglich anreichenden Stoffwechselprodukte, sondern er stellt auch die beste Vorbeugung gegen vorzeitige Alterung und Abnutzung dar. Die Bewegung bildet für das Wohlbefinden und für die Funktion des Körpers einen der wichtigsten Reize. Der menschliche Organismus ist auf ausreichende Bewegungsreize angewiesen. Entwicklungsgeschichtlich hat sich in einem nur kurzen Zeitraum von 100 Jahren die Lebensform für Menschen in den industrialisierten Ländern grundlegend geändert, sodass unter vielen entstandenen Risikofaktoren der Bewegungsmangel nicht selten an oberster Stelle steht. Dabei ist regelmäßige körperliche Bewegung, besonders an der frischen Luft, sehr wichtig und wirkt sich harmonisierend auf den Tonus des vegetativen Nervensystems aus. Auch kann Sport in Gemeinschaft, wie beispielsweise das Wandern in einer Gruppe, ein gutes Lockerungsmittel gegen Verkrampfung und innerer Unruhe darstellen. Zudem lässt sich das psychische Wohlbefinden durch Sport steigern, indem beim Stressabbau geholfen und Glücksgefühle ausgelöst werden können. Darüber hinaus sind Gymnastik, Sport und Turnen auch wertvolle Mittel zur Willensbildung. Die große Bedeutung von körperlicher Aktivität kann gar nicht oft genug betont worden. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Sport wirkt sich nur dann auf Körper, Geist und Seele positiv aus, wenn er auch richtig ausgeübt wird. Denn unter gewissen Umständen können Laufen, Schwimmen, Nordic Walking und Co. auch das Gegenteil bewirken und den Bewegungsapparat schädigen. Auch wenn man im Training, den man sogar richtig ausübt, ständig seine Grenzen überschreitet, kann man seinen Körper und sein Immunsystem schwächen und damit der Gesundheit schaden.

Sport, aber richtig!

Wer Sport treibt, stabilisiert seinen Bewegungsapparat und kann Krankheiten wie Diabetes, Osteoporose und Arterienverkalkung vorbeugen. Aber auch nur dann, wenn der Sport richtig ausgeübt wird. Wer neu in eine Sportart einsteigt, sollte sich zunächst von einem ausgebildeten Trainer die Grundlagen erklären und ausüben lassen. Folgender Sinn steckt dahinter: Anfängern fehlt oft ein ausgeprägtes Körpergefühl, weshalb die eigene Belastungsgrenze nicht so gut abgeschätzt werden kann und ohne Aufsicht eines Trainers dazu führen kann, dass Überforderungen entstehen, die dann mit Verletzungen resultieren können. Bekanntes Beispiel sind hierfür Betroffene, die gerade mit Kraftsport begonnen haben und sich zu viel zumuten, sich an zu schweren freien Gewichten versuchen. Zerrungen und Muskelrisse können entstehen. Aber nicht nur im Fitnessstudio ist falsches Training typisch. Auch ein falsches Schuhwerk beim Laufen kann sich negativ auf den Bewegungsapparat auswirken und Gelenkerkrankungen, Verschleiß oder Rückenschmerzen verursachen. Bei einer Beinfehlstellung, X- oder O-Beinen oder einer Beinlängendifferenz ist davon abzuraten, einfach drauf los zu rennen. In diesem Fall sollte man zunächst einen Orthopäden oder Sportmediziner konsultieren, der spezielle auf das individuelle Fußbett angepasste Schuheinlagen verschreibt, damit man während des Laufens nicht zusätzlich seine Gelenke belastet. Eine falsche Fußstellung im Schuh überträgt sich nämlich beim Laufen auf Knie- und Hüftgelenk. Beim Schuhwerk sollte man darauf achten, dass eine Dämpfung und gute Sohle vorhanden ist: Der Schuh muss vor allem schützen, nämlich vor dem harten Asphalt, vor Kälte, Nässe oder spitzen Steinen. Ohnehin sollten Laufschuhe nicht ohne Beratung gekauft werden. Und ob ein Laufschuh individuell gut passt, ist auch erst nach vier bis fünf Laufeinheiten zu beurteilen.

Gefahr Fitnessstudio: Schlimme Trainingsfehler führen zu Schmerzen

Wer zum ersten Mal ein Fitnessstudio betritt, egal ob Mann oder Frau, hat oft hohe Erwartungen, erhofft schnelle Ergebnisse, schnellen Muskelaufbau und eine schlanke Linie. Un- und Halbwissen können schnell zu Fehlern führen, die dann beim Training an den Geräten vorkommen. Zu empfehlen ist, dass man zunächst nur unter Anleitung und Kontrolle von Fachleuten an Fitnessgeräten die unterschiedlichsten Übungen ausübt. Übungen, welche abrupte Bewegungsabläufe oder zu schweres Heben bedingen, sind nämlich häufig Ursache für Rückenschmerzen nach dem Sport. Besonders Nackenschmerzen können eine Folge von übertriebenem Krafttraining sein. Auch sind Nackenschmerzen nach Situps oder Crunches, die falsch ausgeübt werden, nicht selten. Das liegt daran, dass durch die starke Anspannung der Muskulatur im oberen Rückenbereich und im Nackenbereich der Trapezmuskel blockiert, insbesondere auch dann, wenn man schon vor der Trainingseinheit mit Muskelverspannung in der Körperregion zu kämpfen hatte, zum Beispiel durch zu wenig Bewegung, Fehlhaltung oder zu viel Büroarbeit. Außerdem sollten Sit-ups und Crunches die Bauchmuskulatur stärken,  können jedoch die Nackenmuskulatur beeinträchtigen. Denn die typische Haltung mit verschränkten Händen hinter dem Kopf, den Oberkörper gerade haltend, geht leider stark auf die Nackenmuskulatur. Ein weiterer großer Fehler ist, dass Verletzungen oder Schmerzen nicht ernst genommen werden. Der Körper gibt Bescheid, wenn er an seine Grenzen gelangt und es nicht mehr geht. Die Redensart „No pain, no gain“ trifft nur für den dumpfen, im Bauch sitzenden Überwindungsschmerz zu, nicht aber für alle anderen Sportübungen. Ein stechender, im Knie, Ellenbogen oder in der Hüfte befindlicher Schmerz ist ein Hinweis darauf, dass eine falsch Übung ausgeführt worden ist oder zu große Belastung dem Bewegungsapparat zugemutet wurde. Wer solche Beschwerden ignoriert, wird sich früher oder später Verletzungen zu ziehen und unter Umständen nicht mehr trainieren können. Aus diesem Grund sollte im Zweifelsfall stets ein erfahrener Trainer hinzugezogen werden. Falscher Stolz ist nämlich hierbei unangebracht.

Die eigenen Grenzen kennen

Stets sollte man diejenige körperliche Tätigkeit ausüben, die einem Freude bereitet und der man sich auch gewachsen fühlt, sei es nun Judo, Reiten, Tennis, Schwimmen, Skilaufen, einfaches Spazierengehen oder Gartenarbeit. Wer beabsichtigt, sich erstmals nach längerer Zeit wieder körperlich aktiv zu betätigen, sollte in jedem Fall seine derzeitige körperliche Verfassung berücksichtigen und sich nicht zu viel zumuten. Für Kranke, Funktionseingeschränkte oder Menschen mit erheblichen körperlichen Mangeltraining, beispielsweise stark übergewichtige Menschen, die mit exzessiven Sport versuchen möchten, um ihr Gewicht zu verlieren, ist die ärztliche Untersuchung unumgänglich. Wichtig ist, dass der Sportler, egal ob Freizeitsportler, Anfänger oder schon geschult, das Handwerkszeug seiner Sportart beherrscht: Körperhaltung, Grundtechniken und Bewegungsabläufe müssen korrekt ausgeführt werden, um Verletzungen zu vermeiden. Folgende Beispiele können hierzu genannt werden: Fehlerhaftes Brustschwimmen, welches sich darin äußert, krampfhaft den Kopf hinausgestreckt über Wasser zu halten. Oder eine überrissene Rückhand beim Tennisspielen kann früher oder später Beeinträchtigungen auf den Bewegungsapparat haben – angefangen bei einer leichten Mikroläsion bis hin zu schweren chronischen Schäden. Fazit: Mit Blick auf die Positiveffekte ist Jedem zu raten, Sport zu treiben, so auch die Meinung des Professors Löllgen von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Trainingsgrundregeln sollten dabei aber immer berücksichtigt werden. Denn wer falsch oder aber auch zu viel trainiert, kann seine Gesundheit aufs Spiel setzen, anstatt diese zu fördern.

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.

Beiträge die Sie auch interessieren könnten