© © sudowoodo - Fotolia.com

Damenhygieneprodukte: über Giftstoffe und das Toxische Schocksyndrom

Kommentar schreiben Dienstag, 04. April 2017

Einmal im Monat stellt sich jede Frau die Frage nach den passenden Damenhygieneprodukten. Dabei wissen wir nur wenig über die Produkte, die regelmäßig in der intimen Zone zum Einsatz kommen. Tampons und Binden können bei falscher Nutzung und durch chemische Inhaltsstoffe Krankheiten fördern. Was steckt wirklich drin in den Produkten? Wir klären auf und zeigen Alternativen zu den gängigsten Produkten.  Etwa 16.800 Tampons und Binden verbraucht die durchschnittliche Frau ihr Leben lang. Das ist eine beträchtliche Zahl. Dafür wissen die wenigsten über die verwendeten Hygieneprodukte Bescheid. Die Hersteller-Firmen sind nicht ganz unschuldig daran. Was in Tampons, Binden und Co enthalten ist, bleibt meist ein Geheimnis. Denn Tampons und Co gelten in Deutschland als Bedarfsgegenstände und unterliegen keiner speziellen Deklarationspflicht – ähnlich wie etwa Taschentücher. Die Unternehmen müssen zwar sicherstellen, dass ihre Produkte nicht gesundheitsschädlich sind, doch Testergebnisse von „Öko-Test“ zeigen, dass sich dennoch Spuren von schädlichen Substanzen finden.

Woraus bestehen Tampons und Binden?

Tampons bestehen aus Zellwolle, Viskose oder Baumwolle. Eine Schicht synthetischen Materials umhüllt den Stoff, sodass sich das Produkt leicht einführen lässt und sich im Unterleib nicht zersetzt. Manche Produkte werden chemisch gebleicht, sodass sich Rückstände von Dioxin finden lassen. Der Stoff steht mit der Krankheit Endometriose (die die Ursache von Menstruationsbeschwerden und Unfruchtbarkeit ist) in Verbindung. Frauen, die unter Endometriose leiden, haben eine erhöhte Dioxin-Konzentration in ihrem Körper. Ein guter Grund diesen Inhaltsstoff zu meiden. In einem Test aus dem Jahr 2009 hat „Öko-Test“ in zwei Produkten Formaldehyd gefunden. Dabei handelt es sich um ein Konservierungsmittel, das unter anderem in Desinfektionsmittel, Farben oder Lacken vorkommt. Bei Damenhygieneprodukten wie Binden oder Tampons kommt das Mittel in der Plastikverpackung vor und kann in geringen Dosen in den Zellstoff übergehen. Diese Konzentration war im Öko-Test zwar sehr gering, doch befinden sich Tampons und Binden an einer empfindlichen Körperstelle – und das mehrere Stunden am Stück. Auch Pestizide, die beim Anbau von Baumwolle eingesetzt werden, können sich in den Hygieneprodukten befinden und sich durch das lange Tragen im Körper anreichern.

Schleimhäute nehmen Chemikalien auf

Dadurch, dass die Schleimhäute der Scheide gut durchblutet sind und sowohl Tampons als auch Damenbinden über einen längeren Zeitraum mit den Schleimhäuten in Kontakt kommen, können die enthaltenen Chemikalien in den Blutkreislauf gelangen. Je natürlicher ein Produkt der Monatshygiene ist, desto besser ist das für den Körper. Deshalb gibt es immer mehr Anbieter von ökologischen Tampons und Binden. Diese Produkte sind teurer als die bekannten Marken und schlagen somit auf den Geldbeutel. Auch waschbare und somit wiederverwendbare Binden sind auf dem Markt.

Richtige Hygiene für eine bessere Intimgesundheit

Damit es trotz Tampons und Binden nicht zu Problemen kommt, ist während der Menstruation eine penible Hygiene wichtig. Der Tampon sollte regelmäßig, etwa alle zwei bis drei Stunden gewechselt werden. Über Nacht ist es besser auf das Einführen eines Tampons zu verzichten und eine Binde zu Tragen. Dadurch werden weniger der potenziell schädlichen Stoffe vom Körper absorbiert. Der Intimbereich muss mindestens einmal täglich mit klarem Wasser gereinigt werden. Dies dient auch dazu den unangenehmen Geruch, der durch die Kombination aus Menstruationsblut, Schweiß und Sauerstoff entstehen kann, zu bannen. Auf parfümierte Binden oder Tampons sollte grundsätzlich verzichtet werden. Sie können Hautausschläge und Allergien verursachen und die Scheide übermäßig austrocknen. Auch gefärbte Produkte sind nicht zu empfehlen – die Farbe kann schädliche Stoffe enthalten.

Nachhaltigkeit in der Damenhygiene: Schwämme und Menstruationstassen

Die Nachhaltigkeit bei der Damenhygiene hat in den vergangenen Jahren Auftrieb bekommen. Neben wiederverwendbaren Binden gibt es inzwischen auch Ersatz für Einweg-Tampons. Etwa Naturschwämme, die eingeführt werden und das Menstruationsblut aufsaugen. Apotheken oder gut sortierte Drogeriemärkte bieten sie an. Der Schwamm wird entnommen, wenn er vollgesogen ist, unter klarem Wasser oder mit einer Intimwaschlotion mit dem geeigneten pH-Wert ausgewaschen und wieder eingesetzt. Es sind keine Chemikalien oder Schadstoffe enthalten und es entsteht kein Müll. Auch sogenannte Menstruationstassen sind derzeit im Kommen. Dabei handelt es sich um ein trichterförmiges Gebilde aus medizinischem Silikon, das in die Scheide eingeführt wird. Hierbei wird das Menstruationsblut gesammelt – nicht wie bei Tampon, Binde oder Schwamm aufgesaugt. So entstehen laut Hersteller weniger unangenehme Gerüche und eine gesündere Scheidenflora. Die Menstruationstasse kann bis zu 12 Stunden lang getragen werden bis sie gelehrt und gründlich gereinigt werden muss. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Dafür entsteht aber kein Müll – die Tasse kann mehrere Jahre lang verwendet werden.

Menstruationstassen: Praktisch auf Reisen und kostengünstig

Durch die Wiederverwendbarkeit entstehen deutlich weniger Kosten. Tampons und Binden schlagen pro Jahr ein Loch von bis zu 100 Euro in unsere Taschen. Die Menstruationstasse kostet einmalig etwa 30 Euro. Außerdem kann die Tasse immer und überall verwendet werde. Auf Reisen nimmt sie kaum Platz in Anspruch und zur Reinigung ist lediglich klares Wasser oder ein Feuchttuch nötig.

Das Toxische Schocksyndrom

Auch die Gefahr des Toxischen Schock Syndroms (TSS) soll durch die Menstruationstassen gebannt werden. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektion, die von Streptokokken oder Staphylokokken ausgelöst wird. Der Bakterienstamm, der das Syndrom auslöst, kommt natürlicherweise in der Scheide oder auch auf der Haut vor. Lediglich 1% der Bakterienstämme produziert beim Stoffwechsel ein Gift, das im menschlichen Körper den Schock auslöst. Die Bakterien kommen durch verunreinigte Tampons oder Bakterien auf den Fingern beim Einführen in den Körper. Über die Schleimhäute der Vagina und der Gebärmutter gelangt das Gift in die Blutbahn und löst die Sepsis aus. Die Erkrankung kommt nur sehr selten vor. Das Tragen eines Tampons ist ein Risikofaktor für die Erkrankung. Denn: Bleibt ein blutgefüllter Tampon zu lange im Körper, finden die Bakterien hier einen idealen Nährboden um sich zu vermehren. Vor allem Produkte aus synthetischen Stoffen wirken ähnlich wie eine Petrischale (auf der Bakterien gezüchtet werden). Vor allem supersaugfähige Tampons gelten in diesem Zusammenhang als gefährlich.

Symptome des toxischen Schocksyndroms

Das toxische Schocksyndrom äußert sich durch plötzliches hohes Fieber (>39 Grad) bei einer zuvor gesunden Person. Dazu kommen Magen-, Darmbeschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfälle. Außerdem treten Kopf- und Gliederschmerzen und extreme Muskelschmerzen auf. Auch Wahrnehmungsstörungen, Ohnmacht und der Verlust von Haaren und Fingernägeln können Anzeichen für die Vergiftung sein. Im weiteren Verlauf kann es zu einem sonnenbrandähnlichen Hautausschlag kommen, die Haut löst sich nach einigen Tagen vor allem an den Handflächen und Fußsohlen ab.  Sollten diese Symptome auftreten ist es wichtig, den Tampon sofort zu entfernen und einen Arzt oder eine Klinik aufzusuchen. Im späteren Verlauf kann es zu multiplem Organversagen, Herzinfarkt und daraufhin zum Tod kommen. Das toxische Schocksyndrom wird allerdings nicht nur durch Verunreinigungen und Bakterien im Intimbereich ausgelöst. Auch bei Schürfwunden und Operationsnarben oder Fleischwunden können die Bakterien in den Körper eindringen und zu der lebensbedrohlichen Vergiftung führen. Deshalb können auch Männer an der Vergiftung durch die Bakterien erkranken. Allerdings sind 90% der Betroffenen Frauen, die gerade menstruieren und Tampons nutzen.

Behandlung der Vergiftung: Antibiotika

Wird die Vergiftung rechtzeitig erkannt, kann sie mit abgestimmten Antibiotika behandelt werden. Außerdem werden die Symptome behandelt. Um das Fieber zu senken kann Paracetamol verabreicht werden, der Kreislauf wird mit Infusionen stabilisiert. Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten, kann der Patient ins künstliche Koma versetzt werden

Biotampons: Das sind die Vorteile

In Reformhäusern und ausgewählten Apotheken gibt es Biotampons zu kaufen. Die sind chlorfrei gebleicht und bestehen zu 100% aus Baumwolle – sind also ökologisch abbaubar. Dadurch sind sie nicht nur gut für den Körper, sie schonen auch die Umwelt. Biotampons haben keine synthetische Oberfläche, was das Einführen gegebenenfalls etwas erschwert und sie können etwas fusseln. Außerdem sind sie teurer als die konventionellen Produkte.

Fazit: Menstruationstassen als gute Alternative

Bei einer guten Hygiene besteht zwar kaum eine Gefahr durch die geringe Konzentration der Inhaltsstoffe von Tampons und Binden, wer allerdings auf der sicheren Seite sein möchte, kann alternative Produkte nutzen. Vor allem die nachhaltigen Menstruationsschwämme oder –tassen sind gut für Körper und Geldbeutel. Sie sind verträglich und es kommt nicht zu unerwünschten Nebenwirkungen. Außerdem kann frau hier bares Geld sparen und der Umwelt durch das geringere Müllaufkommen etwas Gutes tun. In Punkto Nachhaltigkeit sind die Silikontassen kaum zu schlagen. Hier finden Sie Menstruationstassen im apomio Apotheken-Preisvergleich.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.

Beiträge die Sie auch interessieren könnten

Menstruationstassen - seltene Ursache einer Nierenkolik
Menstruationstassen - seltene Ursache einer Nierenkolik

Die Idee einer Menstruationstasse reicht bis in das Jahr 1867 zurück. Der Erfindung der sogenannten "Katamenialsäcke" lag der Gedanke zugrunde, das Monatsblut in einem Behälter aufzufangen.1 Leona Chalmers, eine amerikanische Künstlerin ließ sich dann in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts die Produktion eines Gummibechers patentieren. Doch erst mit einem gestiegenen Umweltbewusstsein konnte die Menstruationstasse in einer breiten Bevölkerungsschicht Anseh...

––– Weiter lesen