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Blockaden im Rücken: Ein Fall für den Orthopäden?

1 Kommentar Montag, 25. Mai 2015

Über 80% der Bevölkerung leiden im Laufe des Lebens unter Rückenschmerzen. Nach anfänglicher Linderung durch Schmerzmittel und Massagen stellen sich die Beschwerden der Volkskrankheit Nr. 1 oft schnell wieder ein. Bei einem Fünftel der Patienten werden sie chronisch. Welche ganzheitlichen, alternativen Behandlungsmethoden gibt es? Was kann man selbst zur Vorbeugung und Heilung tun?

 

In den meisten Fällen handelt es sich um unspezifische Rückenschmerzen. Das sind Beschwerden, die nicht auf organischen Erkrankungen beruhen. Die Rückenmuskulatur ist verkürzt, verhärtet oder überdehnt. Auch die Sehnen und Bänder können in Mitleidenschaft gezogen sein. Ursache sind Fehlbelastungen im Alltag, wie einseitige Bewegungsabläufe oder Arbeitsplätze, die nicht ergonomisch eingerichtet sind. Auch die Belastung durch schwere körperliche Arbeit, übertriebenen sportlichen Ehrgeiz oder Übergewicht können Rückenschmerzen hervorrufen.

Bei Bewegungsmangel fehlt der Aufbau von Rücken- und Bauchmuskulatur zur Stütze des Kreuzes. Auch psychische Probleme, wie Depressionen haben Einfluss auf die körperliche Haltung. Es gibt also vieles, was man selbst tun oder verhindern kann, um Rückenschmerzen entgegenzuwirken. Haben sich dennoch Beschwerden eingestellt, müssen für eine dauerhafte Veränderung die Ursachen behoben werden. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Ganzheitliche manuelle Behandlungen gegen die Rückenschmerzen

Osteopathie

 

Jede Struktur im Körper ist mit einer dünnen Bindegewebshülle (Faszie) umgeben. Die Faszien sind miteinander verbunden, so dass Bewegungseinschränkungen an einer Stelle zu Funktionsstörungen und Schmerzen an einer anderen Stelle führen können. Aus diesem Wissen der Vernetzung heraus wurde die Osteopathie von dem Arzt Andrew Taylor Still entwickelt. Die Verklebungen der Faszien werden gelöst. Ziel ist nicht die Bekämpfung der Symptome an ihrem Ort durch Massage. Stattdessen wird ertastet, wo Blockaden vorliegen, die durch Druck und Dehnen behoben werden. Rückenschmerzen können z.B. aus einer Überdehnung des Fußes oder einer Fehlstellung im Kiefer resultieren. Erst ihre Behebung macht eine Genesung möglich. Die Osteopathie behandelt die Ursache und nicht das daraus entstandene Symptom.

 

Craniosakrale Therapie

 

Aus der Osteopathie entwickelte der Arzt William Sutherland eine sehr sanfte Methode: die craniosakrale Therapie. Es werden die Blockaden im Bereich des Schädels (cranium) bis hin zum Kreuzbein (os sacrum) behandelt. Ziel ist der freie Fluss der Rückenmarksflüssigkeit. Besonders effektiv soll die Methode nach HWS-Schleudertraumen und seelischen Schockzuständen, die sich im Körper niedergeschlagen haben, sein.

 

Chiropraktik

 

Der Begründer der Chiropraktik, Daniel Palmer, erlernte zwei Wochen lang Osteopathie und entwickelte dann daraus seine eigene Methode. Durch Hebeltechniken an der Wirbelsäule, einen kurzen Ruck, werden Gelenkverschiebungen ausgeglichen und Fehlstellungen korrigiert. Die Beweglichkeit der Wirbelgelenke wird wieder hergestellt.

 

Dorn-Breuß-Therapie

 

Die Dorn-Methode gleicht als erstes die Beinlängendifferenz aus – häufige Ursache für Wirbelverschiebungen und die damit verbundenen Schmerzen. Dann folgt die energetische, sehr sanfte Breuß-Behandlung entlang der Wirbelsäule, bei der Johanniskraut-Öl aufgetragen wird. Sie soll der Regeneration der Bandscheiben dienen. Darauf wird die Position des Beckens und der Wirbel von unten nach oben geprüft und korrigiert. Dabei wirkt der Patient durch eigene Pendelbewegungen von Armen oder Beinen mit. Er erhält ein einfaches Übungsprogramm für Zuhause zur weiteren Selbstbehandlung.

Vorsicht bei starker Osteoporose. Das gilt bei allen manuellen Therapien an der Wirbelsäule.

Das Naturheilverfahren bei Rückenschmerzen

Akupunktur/Akupressur

 

Ziel dieser Methoden der Traditionellen chinesischen Medizin ist der Ausgleich von Yin und Yang. Wo zu viel Energie ist, wird sie entlang der Meridiane (Energiebahnen) herabgesetzt. Bei Energiemangel werden durch Manipulation der Akupunkturpunkte die Blockaden gelöst und der Energiefluss wiederhergestellt. Akupunktur wird besonders bei akuten Schmerzen eingesetzt.

 

Homöopathie

 

Nach dem Prinzip „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“ gibt es bewährte homöopathische Arzneimittel bei Rückenschmerzen. Am besten und nachhaltigsten wirkt jedoch das individuell passende Mittel. Es bezieht die ganze Persönlichkeit ein. Auch der Zeitpunkt, ab wann die Schmerzen auftraten, wird mit in Betracht gezogen. Das könnte z.B. eine seelische Belastung, ein Sturz oder ein anderes einschneidendes Ereignis gewesen sein.

 

Heilpflanzen

 

Teufelskralle und Weidenrinde wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Sie gelten als besonders heilsam bei rheumatisch bedingten Rückenschmerzen. Kampfer, Thymian und Cayenne-Pfeffer sind stark durchblutungsfördernd und damit wärmend. Die Anwendung erfolgt als Salbe, ätherisches Öl stark verdünnt z.B. mit Mandelöl oder als Bestandteil von Wärmepflastern. Aber Vorsicht! Kampfer hat eine abortive (abtreibende) Wirkung und alle wärmenden Öle sollten nur sehr sparsam bei Bluthochdruck angewendet werden. Nach dem Auftragen von Salben oder Ölen die Hände gut waschen! Lavendel wirkt beruhigend und schmerzlösend in Massageölen oder als Badezusatz. Heublumenbäder durchbluten ebenfalls das Gewebe, regen den Stoffwechsel an und sind gleichzeitig beruhigend und schmerzstillend.

 

Thermotherapie

 

Grundsätzlich gilt: Kalte Anwendungen (Eissprays, Wickel etc.) bei entzündlichen (rot, geschwollen) und akuten Prozessen, die immer vom Arzt abgeklärt werden sollten.

Wärme eignet sich besonders bei Verspannungen und chronischen Rückenschmerzen: Bäder, Wickel, Thermopflaster, Wärmflasche, Kirschkernkissen.

Körperwahrnehmung und Haltung

Feldenkrais

 

Auch eingefahrene Bewegungsmuster können Ursache chronischer Rückenschmerzen sein. Bei der von dem israelischen Physiker Moshe Feldenkrais entwickelten, gleichnamigen Methode, führt man einfache Alltagsbewegungen durch. Der Teilnehmer/Patient spürt bewusst, wie er sich bisher bewegt hat. Danach werden verschiedene Alternativen, die meist nur kleine Veränderungen in Richtung gesunde Haltung beinhalten, vorgeschlagen und ausgeführt. Man experimentiert damit und lernt, wie wohltuend, vorbeugend und heilend eine neue Form der Haltung und Bewegung ist. Anliegen von Feldenkrais ist, seinen Körper bewusst wahrzunehmen und die neu erlernten Bewegungsmuster in den Alltag zu integrieren.

 

Alexandertechnik

 

Eine weitere Methode zur Körperwahrnehmung und Korrektur ist die Alexandertechnik. Ziel ist eine aufrechte Haltung bei gleichzeitig möglichst entspannter Muskulatur. Der Teilnehmer/Patient erhält entsprechende Anweisungen zur Bewegung und es erfolgen zwischendurch sanfte manuelle Korrekturen.

 

Was man selbst aktiv zur Vorbeugung und Selbstheilung tun kann

 

  • Einrichten eines ergonomisch optimalen Arbeitsplatzes (Schreibtischhöhe, Rückenlehne, Abstand zum Monitor) evtl. Korrektur einer Fehlsichtigkeit
  • Gesunde Schuhe für den Alltag
  • Eine qualitativ hochwertige Matratze
  • Bei Bedarf Gewichtsreduktion
  • Beim Heben von Lasten mit geradem Rücken in die Knie gehen und aus den Beinen heraus hochheben. Lasten beim Gehen nicht einseitig tragen, sondern rechts und links abwechseln oder zu zweit nehmen.
  • Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur unter Anleitung im Fitnessstudio
  • Arbeit mit dem Thera-Band
  • Hatha-Yoga-Asanas, T’ai Chi oder Qi Gong für den Rücken bzw. den gesamten Körper für mehr Gelenkigkeit, Lösung von Verspannungen und für innere Gelassenheit (Loslassen der Last auf den Schultern, Aufbau von Selbstbewusstsein durch eine gerade Haltung)
  • Work/Life-Balance. Gleichgewicht von sitzender Tätigkeit und Bewegungspausen (anstatt sich „krumm und buckelig zu arbeiten“)
  • Haltungsverbesserung durch Feldenkrais oder Alexander-Technik
  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobson

 

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

1 Kommentare

Ariane Hesse – Montag, 11. Februar 2019
Ich bin Lehrerin der F.M.Alexander-Technik. Sie geht weit über das Thema Haltungsverbesserung hinaus.Durch Alexander-Technik kann eine generelle Tonusveränderung und Umschulung ungünstiger Bewegungsgewohnheiten erreicht werden, die Selbstwahrnehmung wird geschult. Wenn ich gewohnte Bewegungen grundlegend ändern möchte, muss ich am Bereitschafts-potential, das den Bewegungsablauf auslöst, beginnen. In der AT geschieht das durch Bewußtwerden meiner Reaktion auf einen Reiz und Innehalten des alten Musters. So wird sie zu einer Aufmerksamkeitsschulung für den praktischen Alltag.

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