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Au, Backe! Wenn Babys zahnen

Kommentar schreiben Donnerstag, 19. Januar 2017
Mit dem bezaubernden zahnlosen Lächeln von Babys ist es etwa ab dem sechsten Lebensmonat unwiederbringlich vorbei. In diesem Alter beginnen nämlich die ersten Zähnchen, nach und nach durch den Kiefer zu wachsen. Eltern merken das meist daran, dass ihr Kleines vermehrt unruhig und quengelig wird, schlechter durchschläft und vor allem mit Vorliebe auf allem, was es zwischen die Kiefer bekommt, herumbeißt – verstärktes „Sabbern“ inbegriffen. Kein Zweifel: Jetzt wird´s ernst, das Zahnen beginnt.

So wachsen Babys Zähne

Die Zahnentwicklung bei Babys beginnt schon im Mutterleib. Die Milchzähne sind beim Embryo im Kieferknochen angelegt, die Zahnkeime formen sich erstaunlich früh, nämlich schon etwa zwischen der achten und der 17. Embryowoche. Die Zahnkeime, also die ersten Spuren der kindlichen Milchzähne, entstehen aus Zellwucherungen. In diesem Entwicklungsstadium ist die Zahnkrone bereits vorhanden, es fehlt jedoch noch die ausgebildete Zahnwurzel. Alle Stoffe, die für den Zahnaufbau benötigt werden, werden aus dem Organismus der Mutter geliefert. Daher ist eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft für eine gute Entwicklung der kindlichen Milchzähne besonders wichtig. Ist das Baby auf der Welt, wird die weitere gesunde Entwicklung der Zähne durch das Stillen gefördert, weil das Kind beim Saugen an der Brust besonders effektiv den gesamten Kiefer trainiert. Beim Stillen wird die Mund- und Kiefermuskulatur stärker beansprucht als beim müheloseren Trinken aus dem Fläschchen.

Die Zähnchen arbeiten sich durch

Etwa ab dem dritten Lebensmonat beginnen die kleinen Zähne, schubweise im Kiefer nach oben beziehungsweise nach unten zu wachsen. Deshalb zeigen viele Säuglinge auch schon Monate vor dem eigentlichen Zahndurchbruch typische Symptome des Zahnens und quengeln viel, weil das Zahnwachstum im Kiefer leider auch schmerzhaft sein kann. Denn wenn sich die Zähne durch das Zahnfleisch schieben, ist das nun einmal eine Angelegenheit, die nur mit Druck funktioniert. Das kann, muss aber nicht mit Schmerzen verbunden sein und zu unangenehmen Schwellungen des Zahnfleischs führen. Normalerweise zeigt sich das erste Zähnchen nach etwa sechs Monaten – bei einigen Babys auch früher oder später, leichte Abweichungen sind hier ganz normal. Dabei ist es auch unterschiedlich, wie lange ein Zahn braucht, um sich durch das Zahnfleisch zu schieben: manchmal wenige Tage, manchmal auch Monate. Meistens zeigen sich als erstes die unteren mittleren Schneidezähne, das sind im Regenfall auch die, die dem Kleinen am meisten zu schaffen machen. Als nächste kommen die oberen und darauf folgend die seitlichen Schneidezähne. Die Backen- und Eckzähne kommen in der Regel zuletzt – jetzt kann es noch einmal zu größeren Schmerzen kommen, denn die Backenzähne sind die größten Zähne im Gebiss und wachsen deshalb oft nicht ganz so problemlos durchs Zahnfleisch. Mit etwa einem Jahr haben Babys durchschnittlich sechs Zähne, mit ca. zweieinhalb bis drei Jahren sind in der Regel alle Zähne durchgekommen – fertig ist das erste vollständige Gebiss mit 20 Zähnen.

Was sind die typischen Symptome beim Zahnen?

Das verbreitetste Symptom ist sicherlich, dass ein Baby in dieser Phase so ziemlich auf allem herumbeißt und -kaut, was es zu fassen bekommt. Dabei fließt meistens unablässig der Speichel, „das große Sabbern“ beginnt. Dazu kommt häufig, dass sich dort, wo sich der Zahn ankündigt, das Bäckchen rötet, und auch das Zahnfleisch selbst kann rot werden und anschwellen. An dieser Stelle reibt Baby dann auch unablässig herum. Nicht wenige Babys werden vom Zahnen so geplagt, dass sie sehr quengelig und weinerlich werden und in der Nacht schlecht schlafen. Was das Ganze nicht einfacher macht: Das Zahnen fällt oft auch in die Phase der Nahrungsumstellung, in der die Kleinen sich von der Muttermilch auf Folgekost umgewöhnen müssen.

Fieber und Co. – „ganz normal“ während des Zahnens?

Viele Eltern sind der Meinung, dass Symptome wie Blasen im Mund, erhöhte Temperatur, Fieber, Appetitlosigkeit und weicher Stuhl oder auch Durchfall normale Begleiterscheinungen des Zahnens seien. Dabei handelt es sich aber um einen weit verbreiteten Irrtum. Heute wissen Kinderärzte, dass hinter den genannten ernsteren Symptomen meistens eher ein Infekt oder andere Erkrankungen stecken, die auch ärztlich abgeklärt werden sollten. Was viele übrigens ebenfalls nicht wissen: Es gibt durchaus Säuglinge, denen der Durchbruch ihrer ersten Zähnchen überhaupt nichts ausmacht. Da ist die Überraschung groß, wenn Baby seine Eltern plötzlich mit einem kleinen weißen Beißerchen im Mund anstrahlt!

Was hilft  am besten gegen Probleme beim Zahnen?

Vorab gesagt: Es müssen durchaus nicht immer schmerzstillende Mittel oder Zahn-Gele sein, wenn das Kleine in der Zahnungsphase erkennbar unter Schmerzen leidet. Viele einfache Hausmittel können dem Baby sehr effektiv helfen. Was genau welchem Baby beim Zahnen am besten hilft, ist individuell immer ganz verschieden – unerfahrenere Eltern müssen da letztlich einfach das eine oder andere Hilfsmittel ausprobieren. Oft lassen sich Babys in dieser Zeit mit besonders viel Zuwendung, Zärtlichkeit und Ablenkung schon sehr gut trösten! Ansonsten haben sich die folgenden Maßnahmen gut bewährt: Kühles zum Beißen: Druck und Schmerzen können deutlich vermindert werden, wenn Baby auf etwas Gekühltem herumbeißen kann. Das Kühle mindert die Durchblutung, lindert so den Schmerz und hemmt mögliche Entzündungen. Dazu eignet sich beispielsweise ein spezieller, schadstofffreier Beißring, der zuvor im Kühlschrank gelagert wurde. Er sollte aus Vollsilikon sein, denn die anderen Modelle, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind, lassen sich nicht sterilisieren und könnten nach längerer Benutzung undicht werden. Statt eines Beißrings kommt auch ein kühler, feuchter Waschlappen in Frage. Und auch ein Schnuller kann den Schmerz lindern, wenn das Baby auf ihm herumbeißen kann. Ein Fläschchen mit gekühltem Wasser und/oder – sofern das Baby schon alt genug dafür ist – gekühltes Fruchtpüree oder Naturjoghurt haben oft einen ähnlich wohltuenden Effekt. Übrigens: Lutschen und Saugen hilft meist nichts – im Gegenteil! Dadurch kann mehr Blut ins geschwollene Zahnfleisch fließen und es noch empfindlicher machen. Das ist auch die Erklärung dafür, dass manche Babys während des Zahnens nicht an der Brust oder der Flasche Saugen wollen. Sanfte Massagen: Leichtes Reiben oder Massieren des Zahnfleischs mit dem Finger oder einem Löffel kann helfen, um den Schmerz wenigstens zeitweise zu reduzieren. Diese Maßnahme kommt jedoch nur dann in Betracht, wenn das Zahnfleisch nicht gereizt und entzündet ist. Größere Kinder kauen lassen: Ist das Kleine schon über sechs Monate alt, kann es auf hartem Zwieback (zuckerfrei!) oder Brot herumkauen. Soll es etwas Kühles sein, eignet sich auch ein tiefgekühltes Brötchen. Wichtig ist allerdings, das Kind damit nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Es könnte sich leicht daran verschlucken!

… und wenn es doch stärker wehtut?

Manchmal helfen die einfachen Mittel nicht wirklich. Dann können Eltern auch mal zeitweise zu einem Zahn-Gel greifen. Diese enthalten meist ein Betäubungsmittel und antiseptische Inhaltsstoffe, die in ihrem Zusammenwirken den Schmerz stillen und Infektionen verhindern können. Der schmerzstillende Effekt hält meist etwa eine halbe Stunde an. Das Gel sollte in kleinen Mengen mit einem sauberen Finger oder einem Wattepad auf das entzündete Zahnfleisch aufgetragen werden. Wichtig: Vor dem Stillen sollte das Kleine kein Zahn-Gel bekommen. Denn das Gel macht manchmal auch die Zunge etwas taub und erschwert damit dem Säugling das Saugen. Und auch der mütterliche Brustwarzenhof könnte durch das Mittel leicht betäubt werden, was das Stillen dann für beide Seiten schwierig machen würde. Bei Babys ab drei Monaten kommen als leichte schmerzstillende Mittel auch Paracetamol oder Ibuprofen in Frage. Ganz wichtig ist dabei jedoch, immer streng die vorgeschriebene Dosierung einzuhalten und dem Baby niemals Paracetamol und Ibuprofen zusammen zu geben. Vorher sollte man auf jeden Fall auch den Kinderarzt oder zumindest den Apotheker zu Rate ziehen. Als sanfte Hilfen gegen schmerzhafte Zahnungsprozesse eignen sich auch homöopathische Arzneimittel. Erfahrene Mütter greifen oft zum Wirkstoff Chamomilla (Kamille), geeignet sind außerdem Belladonna (Tollkirsche) und Symphytum (Beinwell).

Die Zähnchen sind da – Zeit, mit der täglichen Zahnpflege zu beginnen!

Gesunde Milchzähne sind die wichtigste Voraussetzung für gesunde bleibende Zähne. Dafür ist eine gute Zahnhygiene von Anfang an das A und O. Eltern unterschätzen manchmal die Bedeutung von intakten Milchzähnen bis zum Zahnwechsel – so kann der vorzeitige Verlust oder die Beschädigung von Milchzähnen gravierende Folgen für das spätere Gebiss haben und auch häufiger eine aufwändige und teure kieferorthopädische Behandlung nötig machen. Normalerweise fallen Milchzähne erst aus, wenn die zweiten Zähne bereit sind – das ist meist im Alter von etwa sechs Jahren der Fall. Wie Zähneputzen bei kleinen Kindern richtig geht, erfahren Sie aus unserem Blogbeitrag.

Fluorid für gesunden Zahnschmelz

Auch für Babys erste Zähnchen gilt es bereits: Der Zahnschmelz sollte optimal versorgt werden! Viele Mineralien und Spurenelemente machen den Zahnschmelz stabil und widerstandsfähig und sorgen dafür, dass die Zähne selbst harte Nahrung gut zerkleinern können. Der wichtigste dieser Bestandteile ist Fluorid, es ist sozusagen die beste „Waffe“ gegen Karies. Allerdings brauchen Babys und Kleinkinder weniger Fluorid als Erwachsene. Deshalb sollte ab dem Durchbrechen der ersten Milchzähne immer eine spezielle Kinderzahnpasta gewählt werden, die Fluorid in einer kindgerechten Dosierung enthält. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) empfiehlt einen Fluoridgehalt von 500 ppm. Wichtig hierbei: Das Kind sollte die Zahnpasta möglichst nicht herunterschlucken. Deshalb empfehlen Experten Zahnpasta, die nicht süß schmeckt. Allerdings wird es dem Kind nicht schaden, gelegentlich auch einmal eine kleine Menge zu schlucken, vor allem, wenn nicht zu viel Zahnpasta benutzt wird. Eine etwa erbsengroße Menge genügt. Eltern, die es besonders gut meinen, wollen ihrem Kleinkind oft zusätzliche Fluoridtabletten geben. Das allerdings halten Experten für überflüssig: Kinder nehmen schon mit der Nahrung (z.B. mit Mineralwasser, Tees und Vollkornprodukten) ausreichend Fluorid auf. Empfohlen wird dagegen, fluoridhaltiges Speisesalz zu verwenden – das jedoch nur maßvoll, da zu viel Salz Babys Gesundheit wiederum belastet.

Angst vor dem Zahnarzt gar nicht erst entstehen lassen!

Mit den allerersten Zähnchen steht auch schon der erste Besuch beim Zahnarzt an. Am besten ist es, einen Kinderzahnarzt auszusuchen! Fachärzte für Kinderzahnheilkunde sind für die speziellen Anforderungen des Milchgebisses ausgebildet und verfügen außerdem meist über eine kindgerecht eingerichtete Praxis sowie eine besondere Sensibilität im Umgang mit den kleinen Patienten. Das hilft, dem Kind von Anfang an Scheu oder Angst vor dem Zahnarzt zu nehmen und sie optimal darauf vorzubereiten, später regelmäßig zum Zahnarzt zu gehen. Wer frühzeitig mit dem Baby zum Zahnarzt geht, kann dafür sorgen, dass mögliche Fehlstellungen und eventuelle künftige Zahnprobleme rechtzeitig erkannt und behandelt werden können.
Helga Boschitz
Autor: Helga Boschitz

Helga Boschitz, Jahrgang 1966, ist freie Journalistin und Texterin, lebt in Nürnberg und gehört seit Januar 2016 zum apomio.de-Team. Nach Studium und Ausbildung arbeitete sie seit Anfang der 1990er-Jahre als Magazinredakteurin und Moderatorin in Hörfunk- und Fernsehredaktionen u.a. beim Südwestrundfunk, Hessischen Rundfunk und Westdeutschen Rundfunk. Medizin- und Verbraucherthemen sind ihr aus ihrer Arbeit für das Magazin „Schrot und Korn“ sowie aus verschiedenen Tätigkeiten als Texterin vertraut.

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