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Akupunktur: Wie hilft sie bei der Suchttherapie?

Kommentar schreiben Montag, 25. September 2017
Akupunktur ist Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin. Sie behandelt die Störung des Energieflusses im Körper, auf den die Jahrtausende alte Methode jede Erkrankung zurückführt. Die Indikationsliste der WHO für Akupunktur ist lang und umfasst alle Organsysteme. Sie wirkt auch auf die Psyche und fördert die Entgiftung bei der Behandlung von Suchterkrankungen. Dazu wird meist eine Kombination aus Körper- und Ohrakupunktur angewendet. Die Behandlung am Ohr, auf dem die Reflexpunkte des ganzen Körpers abgebildet sind, geht auf den französischen Arzt Dr. Paul Nogier zurück, nicht auf die Chinesen. Sie ist eine einfache Methode gegen Entzugserscheinungen und zur seelischen Stabilisierung. Lesen Sie hier, wie Akupunktur und Ohrakupunktur wirken und wie sie bei der Suchttherapie helfen können.

Was ist Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)?

Bei der TCM werden energetische Störungen ausgeglichen. Die Lebensenergie Qi muss frei fließen können, nicht zu viel und nicht zu wenig. Jedem Organ ist ein Meridian zugeordnet. Auf dieser Energieleitbahn befinden sich die Akupunkturpunkte. Sie werden mit Nadeln, Laser oder Druckpunktmassage stimuliert, der Energiefluss auf diese Weise ausgeglichen. Die Energieversorgung des zugehörigen Organs ist wieder hergestellt. Ziel für Körper, Geist und Seele ist der Ausgleich von Yin (weiblich) und Yang (männlich). Entsprechend gibt es gleich viele Yin- und Yang-Meridiane. Ungleichgewicht und Krankheit entstehen durch falsche Ernährung, Stress, Hitze und Kälte, Nässe und Trockenheit, Leere und Fülle, sowohl körperlich wie seelisch. Die Diagnose findet durch Anamnese, Betrachten, Riechen, Hören, Abtasten des Patienten und mithilfe der Puls- und Zungendiagnose statt. Neben der Akupunktur werden Heilpflanzen, Massage, Ernährungstherapie (5-Elemente-Ernährung) und Qi Gong eingesetzt.

Was sind die Anwendungsgebiete von Akupunktur?

Aus chinesischer Sicht: alle Erkrankungen. In Deutschland ist nur die Schmerztherapie mit Akupunktur anerkannt. Weitere bewährte Indikationen sind akute und chronische Entzündungen, degenerative Erkrankungen, Lähmungen, psychische Störungen, psychosomatische und Sucht-Erkrankungen, auch wenn sie von der gesetzlichen Kasse nicht erstattet werden. Das bedeutet aber nicht, dass solche Therapien für den Patienten weniger Nutzen haben.

Wie wird Akupunktur durchgeführt?

Körperakupunktur findet meist im Liegen statt. Die Meridiane ziehen sich über den gesamten Körper bis zu den Händen und Füßen. Deshalb ist es praktischer und auch bequemer, während der 20-30 Minuten Behandlungsdauer liegen zu können. Die feinen, sterilen Einmal-Nadeln werden fast schmerzfrei in die Haut gestochen. Zur Intensivierung kann der Therapeut die Nadeln bewegen oder die Punkte zusätzlich durch Wärme mit erhitztem Beifuß stimulieren (Moxibustion).

Was ist Ohrakupunktur?

Die Ohrakupunktur oder Aurikulotherapie wurde von dem französischen Allgemeinmediziner Dr. Paul Nogier (1908-1996) entdeckt. Aufmerksam wurde er auf die Möglichkeit, über das Ohr den ganzen Körper energetisch zu erreichen, durch nordafrikanische Patienten. Von ihnen erfuhr er, dass Rückenschmerzen durch die Behandlung am Ohr gelindert werden. Daraus schloss er auf eine Verbindung zwischen bestimmten Stellen am Ohr und der Wirbelsäule. Als sich das bestätigte, forschte er weiter, bis er Entsprechungen für alle Körperregionen am Ohr gefunden hatte. "Im Ohr steckt der ganze Mensch", war seine Schlussfolgerung. Es ist ähnlich wie bei der Fußreflexzonenmassage, bei der sich der Körper auf dem Fuß widerspiegelt und dort behandelt werden kann. Auf dem Ohr kann man sich den Menschen wie einen umgedrehten Embryo abgebildet vorstellen. Das Ohrläppchen entspricht dem Gehirn, der Rand der Ohrmuschel dem Rückenmark, nach innen kommen Wirbelsäule und innere Organe und oben Hand und Fuß der jeweiligen Körperseite. Die Ohrakupunktur ist eine eigenständige Methode. Der einzige Bezug zur TCM ist die Anwendung von Nadeln, um die zum Teil sehr kleinen Reflexpunkte genau zu erreichen und bei Bedarf mit Dauernadeln bei der Suchtbehandlung stimulieren zu können. Folgen sind ähnlich wie bei der Körperakupunktur die Freisetzung von Botenstoffen und die energetische Beeinflussung des Organs. Auch eine direkte Wirkung auf das zentrale Nervensystem aufgrund der Lokalisation am Kopf hält man für möglich. Die Verknüpfung zwischen der kleinen Reflexzone am Ohr mit einem Organ ermöglicht auch die Diagnose der Befindlichkeit der entsprechenden Körperregion. Ohrakupunktur wird mit Nadeln, Massage oder völlig schmerzfrei für empfindliche Patienten und Kinder mit einem Laser durchgeführt.

Was sind ihre Indikationen?

Ohrakupunktur wird eingesetzt bei Schmerzen, z.B. Migräne, Kopfschmerzen, Magen-, Darmkrämpfe, Angina pectoris, Allergien wie Heuschnupfen und Asthma, Muskelverspannungen, psychischen und psychosomatischen Erkrankungen, zur Suchtbehandlung und zur Stärkung des Immunsystems.

Wie wird Ohrakupunktur zur Suchtentwöhnung eingesetzt?

Gewöhnlich werden Mikronadeln für eine Woche eingesetzt. Der Patient stimuliert die Nadeln täglich mehrmals. Möglich ist auch eine Akupunkturbehandlung am Körper mit psychisch ausgleichenden Punkten, zur Entgiftung und zur zusätzlichen Unterstützung gegen die Entzugssymptome, z.B. 3 Sitzungen in der ersten Woche, 2 Sitzungen in der 2. Woche und 1 Sitzung von der 3. bis ca. 8. Woche, ab der Dauernadeln gesetzt werden, jede Woche abwechselnd am anderen Ohr. Es werden 3-5 Punkte genadelt, mindestens einen Punkt je nach Sucht, z.B. für die Lunge bei der Rauchentwöhnung und dem Magen bei Essstörungen, sowie den Antiaggressionspunkt und den Punkt der Begierde. Behandelt wird neben der Nikotin- und Esssucht auch die Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten. Die Akupunktur muss mit Nieren- und Leberpflege, Ernährungstherapie und vor allem Psychotherapie kombiniert werden.

Was ist Suchtakupunktur nach dem NADA-Modell?

NADA ist ein Therapiemodell, das in den 1980er Jahren in Bronx/New York entwickelt wurde. Angeregt durch die Erfolge mit Ohrakupunktur bei Opiumsüchtigen in Hongkong behandelte man in der Drogenambulanz des Lincoln Hospitals drogenabhängige und psychiatrisch auffällige Personen mit derselben Methode, die man noch weiterentwickelte. Bewährt haben sich 5 Akupunkturpunkte am Ohr und ein bestimmtes Setting des Entzugs, z.B. in der Gruppe, im Sitzen, mit beruhigenden Detox-Tees. 1993 wurde die Methode auch in Deutschland eingeführt (www.nada-akupunktur.de). NADA heißt National Acupuncture Detoxification Association. Im Spanischen heißt die Abkürzung interessanterweise Nichts. Passt auch, da mit Nichts, d.h. ohne Psychopharmaka, die Entzugssymptome gelindert und die Entgiftung angeregt wird. Die Akupunktur wird mit konventionellen suchtmedizinischen und psycho-sozio-therapeutischen Elementen kombiniert. NADA wird auch bei Traumata, Stress, ADHS und Burnout eingesetzt.

Was bewirkt Akupunktur bei der Suchttherapie?

  • Linderung und Verkürzung der Entzugserscheinungen wie Schmerzen, innere Unruhe, Herzrasen, Schwitzen, Aggressivität, Ängstlichkeit
  • Verminderung des Suchtverlangens
  • körperliche und seelische Stabilisierung
  • verbesserte Konzentration bei gleichzeitiger Entspannung
  • Schlafregulation
  • Reduktion oder völliger Verzicht auf Psychopharmaka
  • besseres Durchhalten der Therapie, Zugang zum Patienten, gute Zusammenarbeit
Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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