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Wenn Fruktose den Bauch grummeln lässt

Kommentar schreiben Sonntag, 07. Dezember 2014

Ein Grummeln im Bauch, ein aufgeblähter Unterleib und Krämpfe: Für viele Menschen sind das die Folgen des Verzehrs von süßen Speisen, Backwaren und Obst. Deren Körper ist nicht in der Lage den enthaltenen Fruchtzucker richtig umzusetzen – sie leiden an einer Fruktoseintoleranz.

Wenn der Verzehr von Obst für eine Rebellion des Magen-Darm-Trakts führt: Bei der Fruktose-Unverträglichkeit kann der Körper Fruchtzucker nicht richtig umsetzen und blähende Gase entstehen. Diese führen dann zu den Symptomen.

Ursache für eine Fruktose-Unverträglichkeit

Wenn man von der Fruktose-Unverträglichkeit spricht, meint man meist die intestinale Fruktoseintoleranz, auch Fruktosemalabsorption genannt. Dabei handelt es sich um eine Darmaufnahmestörung, nicht um eine Allergie.  Normalerweise wird der Einfachzucker Fruktose von der Schleimhaut des Dünndarms absorbiert und in den Organismus aufgenommen. Durch die Fehlfunktion eines Proteins (GLUT-5) funktioniert dieser Prozess nicht oder nur eingeschränkt – der Fruchtzucker wandert unverdaut weiter in den Dickdarm. Bakterien der Dickdarmflora wandeln den Zucker in organische Säuren, Kohlendioxid und Wasserstoff um, so der Deutsche Allergie- und Asthmabund (daab).

Durch diese „fehlerhafte“ Umwandlung können folgende Symptome entstehen:

  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Bauchgeräusche
  • Bauchkrämpfe
  • Schmerzen im Magen-Darmtrakt
  • Blähungen
  • Stuhldrang
  • Durchfall

Verschiedene Formen der Fruktoseintoleranz

Die Fruktosemalabsorption ist von der selteneren hereditären Fruktoseintoleranz (HFI), auch Fruktoseintoleranz-Syndrom genannt, abzugrenzen. Hierbei wird der Fruchtzucker zwar normal aufgenommen, kann dann aber im Körper nicht weiterverarbeitet werden, schreibt Dr. Volker Schmiedel, Chefarzt der Inneren Abteilung der Habichtwald-Klinik Kassel. Wegen einem fehlenden Enzym wird der Zucker nicht weiterverarbeitet und es kommt zu einem Anstieg des Fruktosespiegels im Blut, Glukose wird verdrängt und es kommt zu den Symptomen einer Unterzuckerung. Die schlimmste Folge kann ein Schock sein. Dieser Stoffwechseldefekt wird autosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, wenn beide Elternteile die Anlagen haben, ohne selbst daran erkrankt zu sein, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind erkrankt bei 1:4.

Worin ist Fruktose enthalten?

Der Fruchtzucker ist – wie der Name schon sagt – vor allem in Obst enthalten. Doch man sollte nicht vergessen, dass der normale Haushaltszucker zur Hälfte aus Fruktose besteht. Daher enthalten viele Backwaren und industriell gefertigte Produkte wie Soßen, Dressings, Schokolade, Aufstriche oder Müsli den Einfachzucker. Auch Gemüse enthält den Stoff, die meisten Sorten allerdings nur in sehr geringen Mengen.

Behandlung der Nahrungsmittelunverträglichkeit

Da die Protein-Fehlfunktion von verschiedenen Genen abhängt, ist eine Behandlung der Ursache bisher nicht möglich. Die einzig wirksame Therapie ist eine Ernährungsumstellung und die Aufnahme von Fruktose ganz meiden oder verringern. Die Ausprägung der Unverträglichkeit ist individuell. Wer sehr empfindlich reagiert, spürt bereits kleine Mengen des Fruchtzuckers. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (daab) empfiehlt als ersten Schritt eine fruktosearme und sorbitfreie Kost. Nach drei bis vier Wochen sollte der Patient beschwerdefrei sein und kann in Zusammenarbeit mit einer Ernährungsfachkraft langsam in einer Testphase ausprobieren, welche Lebensmittel vertragen werden. In einem Ernährungstagebuch können Betroffene genau dokumentieren, welche Lebensmittel zu Beschwerden führen.

Als Süßungsmittel können Betroffene Agavensirup oder Reissirup verwenden. Wasser, Kaffee und ungesüßter Tee (Ausnahme: bestimmte Früchtetees) können bedenkenfrei getrunken werden.

Fruktosegehalt in Obst und Gemüse

Getrocknete Früchte, Marmeladen und Gelees enthalten viel Fruktose. Auch Äpfel, Himbeeren, Erdbeeren, Datteln und Feigen enthalten relativ viel Fruchtzucker auf 100 Gramm. Zu den weniger süßen Obstsorten zählen Pfirsiche, schwarze Johannisbeeren, Mandarinen und Zitronen. Wer nur auf größere Mengen Fruktose reagiert, kann sich diese Früchte ab und zu leisten.

Wer schneller reagiert, kann sich in seiner Ernährung mehr auf Gemüse stützen. Zu den besonders fruktosearmen Gemüsesorten zählen vor allem Erbsen, Mais, Kichererbsen, Pfifferlinge, Schwarzwurzel, Kartoffeln, Spargel, Spinat und Steinpilze. Auch bei Sauerkraut, Meerrettich, Avocados und Kopfsalat müssen sich die Betroffenen kaum Gedanken machen.

Nahrungsergänzungsmittel können einer Vitamin- oder Nährstoff-Unterversorgung vorbeugen.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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