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Was verrät die Zunge über die Gesundheit?

Kommentar schreiben Donnerstag, 26. Mai 2016

Wie die Augen Spiegel der Seele sind, ist die Zunge Spiegel der Gesundheit. Verfärbungen und Beschaffenheit verraten etwas über Erkrankungen oder Mangelzustände. Die Zungendiagnose ist fester Bestandteil der chinesischen Medizin und des indischen Ayurveda. Aber auch der Laie kann die wichtigsten Veränderungen selbst erkennen und entsprechend einen Arzt aufsuchen. Neben Farbe und Art des Belags geben Vertiefungen und Trockenheit Auskunft über den Gesundheitszustand. Ähnlich wie bei den Fußreflexzonen sind auch auf der Zunge die wichtigen Organe abgebildet. So kann man anhand dieser Areale Rückschlüsse auf die Befindlichkeit der entsprechenden Organe ziehen.

Wie sieht eine gesunde Zunge aus?

Die gesunde Zunge ist blassrot-rosa und hat einen dünnen, weißlichen Belag. Sie ist feucht glänzend, gut beweglich und weder stark vergrößert noch zusammengezogen.

Warum eignet sich die Zunge als Abbild für die Gesundheit?

Die Zunge ist von vier großen Nerven durchzogen. Sie sind für den Geschmack, das Hitze-, Kälte- und Schmerzempfinden und für die Beweglichkeit der Zunge zuständig. Über die Nerven ist die Zunge gleichzeitig mit dem Gehirn und den inneren Organen verbunden. Deshalb können sich Erkrankungen auf der Zunge zeigen. Bei Veränderungen in den Organen vermitteln die Nerven veränderte Impulse an das Gewebe und die Schleimhaut der Zunge. Folge sind leichte Verhornungen, d.h. Zungenbeläge, die nicht entfernt werden können, verstärkte Durchblutung, was die Zunge tiefer rot erscheinen lässt, und andere Änderungen.

Welche Bedeutung haben Beläge und Verfärbungen?

Weiße Beläge deuten auf eine Erkältung oder eine Magen-Darmstörung hin. Ein dicker weißer Belag auf einer geschwollenen Zunge mit Zahneindrücken ist Hinweis auf eine Magenentzündung. Bei einer Magenblutung soll die Zunge zuerst trocken und weiß belegt und dann sehr blass und feucht sein. Weiße Beläge neben der Mittelrinne sind ein Hinweis auf eine Störung der Bauchspeicheldrüse.

Ein gelblicher bis bräunlicher Belag ist Zeichen einer Störung von Leber und Galle. Chronische Lebererkrankungen und eine Leberzirrhose zeigen sich als rote Lackzunge. Die Papillen haben sich zurückgebildet und deshalb sieht die Zunge glatt aus. Bei allgemeinen Verdauungsstörungen oder Veränderungen im Darmbereich ist die Zunge braun gefärbt. Eine graue Färbung ist Zeichen für Eisenmangel und Blutarmut. Bei einer Pilzinfektion ist die entzündete Zunge rot mit kleinen weißen Belägen. Der Betroffene hat ein pelziges Gefühl im Mund. Zunge und Hals brennen. Die Mundflora ist bei den meisten Menschen von dem Pilz Candida albicans besiedelt. Zur Infektion kommt es nur, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Scharlach beginnt mit einem weißen Belag, stark gerötetem Rachen, geschwollenen Mandeln und Fieber. Es ist auf jeden Fall ein Arzt aufzusuchen. Am dritten Tag löst sich der Belag, die Papillen sind vergrößert und die Zunge ist glänzend rot (Himbeerzunge). Schwarz kann sich die Zunge als Nebenwirkung bei längerer Einnahme von Antibiotika, bei einem extrem schwachen Immunsystem oder bei schweren Erkrankungen färben. Ein einseitiger Belag weist auf eine Erkrankung auf dieser Seite hin, z.B. eine Mittelohr- oder Nervenentzündung.

Was sagen andere Veränderungen der Zunge über die Gesundheit aus?

Eine schnell anschwellende Zunge ist Zeichen einer allergischen Reaktion und bedarf einer sofortigen notärztlichen Behandlung. Ist die Zunge chronisch trocken, liegt eine Speicheldrüsenerkrankung vor. Akut kommt eine trockene Zunge bei hohem Fieber und Erkrankungen mit starkem Flüssigkeitsverlust, wie Durchfälle, vor.

Bei ungleichmäßigem Belag und Zahnabdrücken am Rand wird von einer Landkartenzunge gesprochen. Ursache können Störungen des Verdauungstrakts oder schwelende Infekte sein. Ist die Zunge angeschwollen und hat Zahnabdrücke, kann es sich um eine Unterfunktion der Schilddrüse oder eine Lebererkrankung handeln. Zahnabdrücke alleine zeigen, dass nachts heftig mit den Zähnen geknirscht wird. Bei einer durchgehenden Furche in der Mitte mit kleineren seitlichen Furchen ist eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse möglich. Für eine brennende Zunge gibt es verschiedene Ursachen: Infektionen mit Pilzen oder Herpes, Magensäure- Refluxkrankheit, Mangel an Vitamin B12 mit Anämie und Zungenentzündung, Mangel an Nicotinamid (B3), Folsäure oder Eisen, Erkrankungen der Speicheldrüsen mit Mundtrockenheit, Schilddrüsenunterfunktion, Leberzirrhose, Einnahme von Medikamenten wie Antidepressiva oder Östrogenmangel in den Wechseljahren. Gestaute, d.h. dicke und geschlängelte Venen an der Unterseite der Zunge deuten auf Krampfadern, Hämorrhoiden oder eine Herzinsuffizienz hin.

Wo sind die Organe auf der Zunge abgebildet?

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird die Zungenspitze dem Herz zugeordnet. Wenn man sich dahinter eine gerade Linie vorstellt, kommt danach die Zone der Lunge, der Milz, in der Mitte die Region des Magens und der Bauchspeicheldrüse, dahinter die Harnblase und ganz hinten die Nieren. Rechts vom Magenbereich liegt die Zone der Galle und links davon die Region der Leber. Neben Harnblase/Nieren liegt rechts und links die Zone des Darms. Der TCM-Therapeut kann an den Änderungen der Zunge eine erste Diagnose stellen. Da die Zunge sich entsprechend dem Geschehen in den Organen schnell verändert, kann er ablesen, wie der Verlauf der Krankheit ist, wie die Therapie anschlägt und wie die weitere Behandlung aussehen sollte. Aber auch der medizinische Laie kann an Veränderungen in den Zonen feststellen, dass etwas im Argen liegt. Dazu muss die Zunge regelmäßig morgens nüchtern beobachtet werden.

Warum sollte die Zunge gereinigt werden?

Während der vordere und mittlere Teil der Zunge durch Sprechen und Schlucken oft mit dem Gaumen in Kontakt kommen und dadurch sauber gehalten werden, bilden sich im hinteren Teil Beläge aus Essensresten. Sie sind ein Hort für Bakterien und Pilze. Sie können die Erkrankungen der Mundschleimhaut hervorrufen. Bei der Zersetzung der Speisereste entstehen Gase und damit Mundgeruch. Sie sind in 80 % der Fälle für den unangenehmen Geruch verantwortlich. Nur bei 20 % ist er auf Erkrankungen im Verdauungssystem zurückzuführen. Beläge entstehen auch als Reinigungsprozess des Körpers. Deshalb werden durch eine regelmäßige Zungenreinigung nicht nur Mundgeruch und Erkrankungen verhindert, sondern auch der Körper in seiner Entgiftung unterstützt. Außerdem verhilft die Reinigung der Papillen (Geschmacksknospen) zu einem besseren Geschmacksempfinden.

Wie wird die Zunge gereinigt?

Weder mit Zahnpasta, noch mit der Zahnbürste, die die Beläge nur noch tiefer in die Zunge einbürstet und weiter hinten für Brechreiz sorgt. Ideal ist ein Zungenschaber. Durch das flache Design kann er ganz hinten auf der Zunge angesetzt werden. Die Zunge sollte täglich zwei Mal nach dem Zähneputzen gereinigt werden. Hinterher mit Wasser spülen.

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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