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Viagra – die Wunderwaffe?

Kommentar schreiben Dienstag, 22. März 2016

In Deutschland leiden 6-8 Millionen Männer unter Erektionsstörungen. Das bekannteste Gegenmittel heißt Viagra. Die blaue Pille verhilft zu Standfestigkeit. Ungefähr 1 Stunde nach der Einnahme kann der Mann mit stabilen Erektionen rechnen. Aber die Pille ist nicht umsonst verschreibungspflichtig. Es müssen Neben- und Wechselwirkungen ärztlich geprüft werden, bevor es losgehen kann. Rezeptfreie Präparate können ebenfalls für Abhilfe sorgen, wobei zuvor eine medizinische Beratung beim Arzt ratsam ist. Neben der synthetischen Variante sind auch pflanzliche Mittel gegen Erektionsstörungen erhältlich. Außerdem: Was steckt hinter Potenzproblemen, wenn nicht körperliche Erkrankungen die Ursache sind? Was plagt den Mann, wenn er nicht kann:

Wie wirkt Viagra?

Der Wirkstoff Sildenafil war eigentlich als Mittel gegen Bluthochdruck im Test. Der erhoffte Effekt blieb leider aus. Aber es gab da eine Nebenwirkung! Als der Entwicklungschef von Pfizer davon hörte, gab er den Startschuss für ein ganz anderes Medikament: Viagra. Die Pille ist kein Aphrodisiakum. Damit sie ihre Wirkung zeigen kann, muss der Mann schon sexuelle Lust und Erregung empfinden. Folge ist die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) und dadurch die Ausschüttung der Substanz cGMP im Penis. Seine Muskeln entspannen sich, die arteriellen Gefäße werden erweitert und der Blutzustrom in die Schwellkörper wird erhöht. Die Venen für den Blutrückstrom werden verengt. Es kommt zur Erektion. Damit sich diese nach dem Orgasmus wieder legt, wirkt ein Enzym. Es baut das cGMP ab. Hier setzt Viagra ein. Es hemmt dieses Enzym. Das Blut bleibt länger in den Schwellkörpern. Viagra kann so eine stabile und lang anhaltende Erektion bewirken, auch wenn sie nur schwach ausgebildet ist oder normalerweise nicht lange anhält.

Wie wird es angewendet?

Die blaue Pille wird ca. 1 Stunde vor dem Sex eingenommen. Ihre Wirkung setzt nach 30-60 Minuten ein und hält ungefähr 4-6 Stunden. Sie darf nur 1 Mal täglich angewendet werden. Geschluckt wird sie mit viel Wasser auf fast leeren Magen. Üppiges Essen und Alkohol können ihre Wirkung herabsetzen.

Was sind die Nebenwirkungen?

Kopfschmerzen und Gesichtsrötung treten bei 10% der Konsumenten auf, Magenbeschwerden und Schnupfen bei 3-4 %. Mit abnormen visuellen Wahrnehmungen, z.B. einem blauen Schleier im Gesichtsfeld, ist in knapp 3 % der Fälle zu rechnen. Daneben sind Schwindel, Verdauungsstörungen, Rücken- und Muskelschmerzen möglich. Auch Hörstörungen sind schon aufgetreten. Eine weitere Nebenwirkung, besonders bei Überdosierung, ist die Dauererektion. Sie ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann nach wenigen Stunden zur Schädigung des Penis-Gewebes und Dauerimpotenz führen.

Wann darf die blaue Pille nicht eingenommen werden?

Viagra darf auf keinen Fall mit nitrathaltigen Medikamenten wie Nitroglycerin-Spray bei Bluthochdruck-Krisen und Angina pectoris oder Stickstoff-Donatoren eingenommen werden. Dies sind Medikamente zur Gefäßerweiterung, z.B. Molsodomin und Amylnitrit, und die Szene-Droge „Poppers“. Inwieweit der Geschlechtsverkehr selbst bei koronarer Herzkrankheit ein Risiko darstellt, muss selbst oder von einem Arzt abgeschätzt werden.

Welche weiteren Medikamente wirken wie Viagra?

Dieselbe Wirkung üben die Medikamente Cialis (Wirkstoff Tadalafil), Levitra (Vardenafil) und Spedra (Avanafil) aus. Cialis hat die höchste Wirkungsdauer von bis zu 36 Stunden. Außerdem gibt es 5 mg-Pillen, die täglich eingenommen werden können und für dauernde Bereitschaft sorgen. In höheren Dosen ist auch hier die tägliche Anwendung nicht empfehlenswert. Levitra wirkt 8-12 Stunden, Spedra 6-17 Stunden. Die Nebenwirkungen und Kontraindikationen decken sich weitgehend mit denen von Viagra.

Wie bekommt man Viagra und Co?

Die benannten Medikamente sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Grund dafür sind die Risiken bei Herzerkrankungen und die gefährlichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Außerdem kann hinter einer Potenzstörung eine Grunderkrankung wie Diabetes stecken, die bei eigenmächtiger Selbstmedikation nicht festgestellt werden kann. Das Rezept kann in jeder Apotheke oder diskret in einer Online-Apotheke eingereicht werden. Bei rezeptfreien Präparaten empfiehlt sich ebenfalls zuvor eine medizinische Abklärung beim Arzt.

Welche pflanzlichen Alternativen gibt es?

Eine auch in Studien als wirkungsvoll bestätigte Kombination sind die Aminosäure L-Arginin und der Pinienrindenextrakt. Arginin ist Ausgangssubstanz für das Stickstoffmonooxid (NO) zur Weitstellung der Gefäße. Der Extrakt aus Pinienrinde verbessert die Aufnahme von NO ins Blut und schützt die Gefäße. Muira Puama (Ptychopetalum olacoides) heißt nicht umsonst übersetzt Potenzholz. Der brasilianische sexuelle Muntermacher steigert nicht nur die Potenz, sondern wirkt auch als Aphrodisiakum. Auch Damiana (Turnera diffusa) steuert in homöopathischer Aufbereitung ihren Beitrag zur Erektionsstabilität bei. Die Maca-Wurzel gilt als Superfood der südamerikanischen Inka. Sie beschert Lust und Potenz in einem. Ein Beispiel für ein pflanzliches Arzneimittel ist Neradin.

Wie kann mit anderen Mitteln der Erektion nachgeholfen werden?

Auch physikalische Unterstützungen sind möglich. Mit einer Einhandpumpe wird ein Unterdruck erzeugt und der Penis füllt sich mit Blut. Ein elastischer Ring verhindert den Rückfluss. Elektrotherapie-Geräte stimulieren die Penismuskulatur mit elektrischen Impulsen. Mit Hilfe einer Penisspritze wird eine Substanz nahezu schmerzfrei in die Schwellkörper injiziert. Sie erweitert die Gefäße, füllt die Schwellkörper mit Blut und bewirkt damit eine Erektion.

Was können die psychischen Gründe für Potenzprobleme sein?

Stress und Leistungsdruck sowohl beruflich als auch privat können den kleinen Mann am Mann streiken lassen. Auch ein Mangel an Selbstvertrauen, Versagensängste und Hemmungen können ihren Anteil an Potenzproblemen haben. Schlechte Erfahrungen, negatives Feedback und das Gefühl, den Erwartungen nicht genügen zu können, bewirken Anspannung und Druck. Kommunikation zwischen den Partnern ist Grundvoraussetzung für eine Veränderung, wenn der Sex nicht spontan funktioniert. Manchmal stehen auch fixe Vorstellungen beim Mann, die erfüllt werden müssen, damit sich etwas bei ihm regt, einem steifen Glied im Weg. Schwierig vor allem wenn die Partnerin von den heimlichen Wünschen nichts weiß. Auch Konflikte in der Beziehung können sich in Potenzproblemen niederschlagen. Hat der Mann die Rolle des ewig Starken, der immer kann, satt, regt sich wenig in der Hose. Auch depressive Verstimmungen sind oft Hintergrund für Erektionsstörungen.

Was kann Abhilfe verschaffen?

Eine psychologische Beratung für den Mann oder das Paar, um die Wurzel der Problematik zu beheben, macht immer Sinn. Ein ehrlicher Austausch zwischen den Partnern über die wirklichen Wünsche und die Wahrnehmung der Erwartungen des anderen sind ein Muss. Ist der berufliche Druck zu groß, eignen sich Entspannungsmethoden, um loslassen und sich hingeben zu können. Zur Intensivierung und Erweiterung des sexuellen Empfindens und Sexuallebens insgesamt empfehlen sich Übungen aus dem Tantra und Tao-Yoga.

 

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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