© Remains - Fotolia.com

Klettern und Bouldern – Gut für Körper, Geist und Seele

Kommentar schreiben Aktualisiert am 06. Mai 2015

Regelmäßige körperliche Bewegung ist gut für die Gesundheit. Eine weit verbreitete Meinung. Mediziner sind davon überzeugt, dass Bewegung wie eine hoch dosierte Arznei auf den Körper wirkt. Neben den gängigen Sportarten wie Radfahren und Laufen entwickeln sich Klettern und Bouldern immer mehr zu Trendsportarten, die nicht nur fit halten, sondern auch einen positiven Effekt auf die Psyche haben.

Was ist Bouldern?

Schon als Kind hat man das Verlangen gehabt, an etwas„hochzuklettern“ – sei es ein hoher Baum, eine Mauer, ein Berg oder doch nur ein Klettergerüst. Und auch im Erwachsenenalter erfreut sich ein Großteil über das sogenannte Sportklettern, einer Form des Freikletterns, in Kletterhallen, bei der man künstliche Wände, die üblicherweise 15 m hoch sind, klettert und am Boden der Kletterpartner steht und den Kletterer mit Hilfe eines Seils sichert. Die Partnersicherung bezeichnet man als Seilschaft, die durch zwei Personen gebildet wird.

Bouldern, abgeleitet aus dem Englischen „boulder“ Felsblock, ist eine Form des Kletterns, bei welchem der „Boulderer“ ungesichert ohne Gurt oder Seil auf Felsblöcken, Felswänden oder künstlichen Felswänden in sicherer Absprunghöhe klettert. Die Sportart zählt seit 1970 als eine eigene Disziplin des Sportkletterns und bietet für Klein und Groß Spaß und Herausforderung. In einer Kletterhalle sind die Griffe zugehörig zum Schwierigkeitsgrad farblich gekennzeichnet. Das Farbsystem ist in fünf Leveln unterteilt: In Level 1 (leicht) sind die Griffe schwarz, in Level 2 grün, in Level 3 rot und blau, in Level 4 gelb und das anspruchsvollste Level beinhaltet weiße Griffe. Bouldern - Ein angesagter Trendsport für Anfänger sowie Profis, denn der Boulderer allein kennt seine Grenzen, kann über diese hinauswachsen und im Idealfall seine Leistungsfähigkeit steigern. Bouldern bietet die Möglichkeit, die Körperspannung auf eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Weise zu trainieren und dabei den Körper sowie Geist zu trainieren.

Beim Bouldern ist hundertprozentige Konzentration und Aufmerksamkeit gefragt. Da rüber hinaus wird die Fantasie angeregt, denn der Boulderer versucht, Probleme zu lösen, indem er nach einem anderen Weg Ausschau hält, wenn er an einer kniffligen Stelle hängt, um diese Hürde zu überwinden. Neben Ausdauer, Koordination und körperlicher Kraft gehören also auch Schlagwörter wie Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Kreativität zu dieser Sportart. Man bleibt nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf fit.

Klettern gegen Depressionen

An der Psychiatrischen Universität in Erlangen haben Wissenschaftler nun untersucht, dass Klettern auch Menschen mit Depressionen helfen kann. Die Studie „Klettern gegen Depressionen“ ist acht Wochen lang an depressiven aber psychisch stabilen Patienten durchgeführt worden. Bislang ist aus mehreren anderen Studien bekannt gewesen, dass Sport im Allgemeinen die Stimmungslage aufhellen und einen positiven Effekt auf die Psyche haben kann. Die Psychologin PD Kathrin Luttenberger hat die Studie „Klettern und Stimmung“ (KUS) betreut und erläutert, aus welchem Grund Bouldern als Therapie für diese Studie gewählt worden ist: Durch das Bouldern habe man die Möglichkeit, das Gefühl der Selbstwirksamkeit zu stärken, das heißt also „dass Menschen mit Depressionen wieder das Gefühl erlangen, dadurch dass sie etwas tun, auch etwas erreichen zu können.“ Ein weiterer positiver Aspekt sei es, dass während des Boulderns alltägliche sogenannte Grübelschleifen unterbrochen werden, weil diese Sportart Achtsamkeit abverlangt und den Anspruch stellt, im Moment/ Augenblick zu sein, um keine Fehltritte zu machen und eventuell zu stürzen.

Zu Beginn der achtwöchigen Studie ist der Schweregrad der Depressionen von den Teilnehmerinnen und Teilnehmer abgefragt worden, um nach den Sitzungen mögliche Besserungen messen zu können. Klettertherapeuten führten Entspannungsübungen durch, erklärten Klettertechniken und thematisierten wöchentlich in der Teilnehmergruppe Schwerpunkte wie Vertrauen und Angst. Die Zwischenergebnisse der Studie sind ermutigend: es ist erwiesen worden, dass Bouldern mittelschwere Depressionen auf leichte Depressionen abklingen lassen kann. Die Klettertherapie profitiert darüber hinaus von weiteren Lernerfolge, wie das Umgehen mit Höhenangst, das Aufbauen von Vertrauen zum Kletterpartner, welcher Ratschläge und Tipps zum Bouldern gibt, das Empfinden sich zugehörig zu fühlen, die Abnahme von Ängstlichkeit, die Stärkung von Selbstwirksamkeitsempfinden und die verbesserte Konzentrationsfähigkeit. Beim Bouldern kann man sich ohne Leistungsdruck entwickeln und lernt die eigenen Grenzen der Belastbarkeit kennen. Für viele Teilnehmer der Studie ist Bouldern zu einem wichtigen Bestandteil ihres Lebens geworden.

Klettern bei Rückenschmerzen?

Klettern, ob mit oder ohne Sicherheitsgurt und Sicherheitsseil zählt auch als eine ideale Sportart, um Rückenprobleme vorzubeugen. Heutzutage leiden immer mehr Menschen aufgrund von Bewegungsmangel und dauerhaften sitzenden oder einseitigen Tätigkeiten (im Auto, auf der Arbeit im Büro etc.) unter Rückenschmerzen. Mit der angesagten Trendsportart wird die Muskulatur gestärkt und die Rumpfstabilität verbessert. Klettern ist nicht nur präventiv ideal, sondern kann auch bei bestehenden Rückenbeschwerden Linderung erbringen. Ein dynamischer Sport, der jede Extremität in Anspruch nimmt ohne dabei eine Druckbelastung auf die Wirbelsäule auszuüben. Weiterhin kann man durch Klettern gut gegen Haltungsschäden ankämpfen – muskuläre Dysbalancen wie ein Hohlkreuz oder ein Rundrücken werden weggeklettert und Haltungsschwächen ganz von alleine korrigiert. Je besser sich der Körper im Gleichgewicht befindet, desto kraftsparender wird das Klettern. Klettern? Die beste Haltungsschule.

Der Besuch im Fitnessstudio? Das routinemäßige Laufen durch den Wald? Der alltägliche Radweg zur Arbeit? Viele Menschen sehnen sich nach Abwechslung beim Ausüben von Sport und könnten beim Klettern oder Bouldern fündig werden. Denn diese Sportart trainiert nicht nur die motorischen Fähigkeiten, wie Beweglichkeit, Schnelligkeit, Kraft und Koordination, sondern stärkt insgesamt die Muskulatur und Rumpfstabilität und beeinflusst die Lebensqualität positiv, indem Rückenschmerzen verhindert oder bekämpft werden. Klettern ist ein Ganzkörpertraining, welcher zudem auch auf die Psyche zustimmend ist. Wer Spaß an Bewegung hat und dabei auch geistig fit bleiben möchte, sollte diese Sportart ausprobieren. Überzeugen Sie sich selbst!

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.