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Gehirnerschütterung– die unterschätzte Gefahr

Kommentar schreiben Donnerstag, 14. Juli 2016

Nach einem Aufprall oder einem Sturz auf den Kopf können Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit auf eine Gehirnerschütterung hindeuten und sollten keinesfalls fehleingeschätzt werden. Was passiert eigentlich bei einer Gehirnerschütterung? Und wie wird eine Gehirnerschütterung behandelt? Wissenswertes zum Thema „Gehirnerschütterung – die unterschätzte Gefahr“ im folgenden Beitrag.

Was versteht man unter einer Gehirnerschütterung?

Eine Gehirnerschütterung, der medizinische Fachbegriff lautet Commotio cerebri – lateinisch von commovere = erschüttern, bewegen, sprich „die Bewegung des Gehirns“, ist die leichteste und weitaus häufigste Form einer Schädel-Hirn-Verletzung. Das Gehirn ist im Inneren des Schädels in einer Flüssigkeit, die als Liquor bezeichnet wird, gelagert und prinzipiell gut geschützt. Ein Aufprall mit hoher Geschwindigkeit auf den Kopf – sei es zum Beispiel bei einem Skiunfall oder dem Sturz vom Fahrrad – kann dazu führen, dass das Gehirn schwappend gegen die Schädeldecke prallt und die Folge eine vorübergehende Störung der Gehirnfunktion ist.

Ursachen einer Gehirnerschütterung und die Folgen

Die häufigste Ursache für eine Gehirnerschütterung sind Schläge oder Stürze auf den Kopf – hierbei wird das Gehirn heftig gegen die Schädelwand gestoßen, wodurch sogar eine Schwellung des Gehirns zustande kommen kann. Da sich die Schwellung aufgrund der begrenzenden Schädeldecke nicht ausdehnen kann, entsteht ein Druck, welcher nicht entweichen kann. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer Hirnblutung führen.

Eine weitere Komplikation ist das sogenannte postkommotionelle Syndrom, welches sich einige Wochen nach einer Gehirnerschütterung äußern kann: Die Betroffenen können unter Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit sowie depressive Verstimmungen, Angst, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Schlafstörungen und Reizbarkeit leiden. Meistens nehmen diese Beschwerden nach einigen Wochen vollständig ab und werden nur in seltenen Fällen chronisch.

Symptome einer Gehirnerschütterung

Wichtigstes Symptom bei einer Gehirnerschütterung ist die kurz nach dem Ereignis eintretende Bewusstseinsstörung, die von kurzer Dauer sein kann. Danach kann sich eine Schläfrigkeit (Dämmerzustand) einstellen, die bis zu wenigen Stunden dauern kann. Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Erbrechen treten auf und auch Blutdruckschwankungen und Pupillenstörungen können möglich sein. Es ist wichtig, sofort den Notarzt zu kontaktieren – insbesondere, wenn der Betroffene kurz bewusstlos war und anschließend Gedächtnisstörungen hat – da sich die Symptome einer Gehirnerschütterung verglichen mit einer Hirnblutung, die schwerwiegende Folgen haben kann, auf den ersten Blick nicht unterscheiden.

Die Symptome im Überblick:

  • Bewusstlosigkeit von wenigen Sekunden bis zu einigen Minuten
  • Gedächtnislücke/ Erinnerungslücke unmittelbar vor und nach dem Unfall
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Sehstörungen
  • Desorientiertheit

Die Diagnostik einer Gehirnerschütterung

Nach einer gründlichen Untersuchung des Allgemeinzustandes wird bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung eine Computertomographie (CT) vorgenommen und eine Röntgenuntersuchung des Schädelknochens durchgeführt. Darüber hinaus werden die Reflexe überprüft und der Augenhintergrund durch die Pupille inspiziert. Endgültige Sicherheit, ob eine Gehirnerschütterung vorliegt, verschafft die Magnetresonanztomographie (MRT), da hier selbst kleine Hirngewebsschäden erkennbar werden. Der Betroffene bleibt in der Regel 24 Stunden stationär und wird beobachtet, da Beschwerden auch erst Stunden später auftreten können.

Gehirnerschütterung bei Kleinkindern und die Folgen

Bei Babys und Kleinkindern sind Stürze auf den Kopf wesentlich häufiger als bei Erwachsenen – die Symptome einer Gehirnerschütterung sind mit den Symptomen der Erwachsenen ähnlich, treten allerdings sehr zeitverzögert auf, sodass Eltern ihre Kinder nach dem Sturz auf den Kopf genau beobachten sollten. Sofern typische Symptome erkennbar werden, das Wesen des Kindes verändert ist und es lust- und appetitlos sowie schläfrig ist, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden; bei Kleinkindern unter einem Jahr ist ein Arztbesuch ohnehin in jedem Fall ratsam. Zudem ist eine Schädelfraktur für diese Altersgruppe eine relativ typische Verletzung, die medizinisch abgeklärt werden sollte. Gefürchtet sind auch Blutungen im Schädelinneren durch den Schlag auf den Kopf – besonders bei Babys, da die Schädeldecke noch nicht ganz verknöchert ist. Bei gesunden Kindern sind außerdem die Pupillen gleich groß und werden, sobald Licht darauf strahlt, kleiner – ein Alarmzeichen, wenn dies nicht der Fall ist.

Behandlungsmethoden einer Gehirnerschütterung

Eine Gehirnerschütterung wird nicht medikamentös behandelt – hier sind lediglich absolute Bettruhe für einige Tage und körperliche Schonung erforderlich. Erst danach kann eine langsame Aktivierung des Kranken erfolgen. Darüber hinaus empfehlen Mediziner, eine Abschirmung von sämtlichen äußeren Reizen, wie das Nutzen von Computer, Telefon und TV für einen Zeitraum von mindestens einer Woche; auch das Bücherlesen sollte stark eingeschränkt werden.

Bei Zunahme der Beschwerden sollte der Arzt sofort wieder aufgesucht werden. Im Allgemeinen verschwinden die Symptome allerdings in wenigen Wochen.

Erste Hilfe bei einem Sturz auf den Kopf

Bei einem Sturz auf den Kopf mit - wenn auch nur kurzer - Bewusstlosigkeit ist notärztliche Hilfe nötig; der Betroffene sollte keinesfalls alleine gelassen werden, da bei einer Kopfverletzung immer die Gefahr besteht, dass man ein weiteres Mal bewusstlos wird und durch einen erneuten Sturz eine weitere Kopfverletzung die Folge sein kann. Bei einer Bewusstlosigkeit ist die stabile Seitenlage nötig, damit beispielsweise Erbrochenes nicht in die Luftröhre gelangen kann. Sofern der Betroffene bei Bewusstsein ist, sollte der Oberkörper hoch gelagert werden, um das Risiko einer lebensgefährlichen Hirnblutung zu verringern. Bis der Notarzt eintrifft, sollte das Bewusstsein des Betroffenen die gesamte Zeit über kontrolliert und beruhigend mit ihm gesprochen werden.

Eine Gehirnerschütterung birgt eine unterschätzte Gefahr für die Gesundheit

Eine Gehirnerschütterung kann ohne Folgen abheilen, dennoch sollte man eine Gehirnerschütterung nicht unterschätzen, sondern ernst nehmen: Ein kurzer Aufprall auf den Kopf und damit verbundene Kopfschmerzen, aber immer noch kein Grund deswegen zum Arzt zu gehen? Möglicherweise eine Fehleinschätzung! Unter Umständen sind nämlich Komplikationen möglich, sodass unser Gehirn dauerhaft Schaden davon nehmen kann.

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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