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Gallensteine: Wie entstehen sie?

Kommentar schreiben Donnerstag, 22. September 2016

Gallensteine kommen sehr oft vor. Etwa jeder vierte Mensch ist Gallensteinträger, ohne es zu wissen. Denn: Gallensteine rufen meist keine Beschwerden hervor, daher werden sie oft gar nicht bemerkt. Was sind Gallensteine und wie entstehen diese? Welche Komplikationen sind möglich? Welche Behandlungsmaßnahme bei Gallensteinleiden gibt es? Wissenswertes zum Thema „Gallensteine“ im folgenden Beitrag.

Was sind Gallensteine?

Gallensteine sind feste Gebilde, die aus verfestigter, schlecht löslicher Gallenflüssigkeit bestehen. Die Gallenflüssigkeit ist ein Sekret, welches dickflüssig ist, in der Leber gebildet und in der Gallenblase gespeichert und bei Bedarf in den Dünndarm abgegeben wird, um die Verdauung von Fetten zu unterstützen. Ist die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit nicht ausgeglichen, so können Gallensteine entstehen. Gallensteine können im Bereich der Gallenblase sowie im Gallengang vorkommen. Allgemein bezeichnet man das Vorhandensein von Gallensteinen im medizinischen Sprachgebrauch Cholelithiasis; handelt es sich um Gallenblasensteine spricht der Mediziner von Cholezystolithiasis und sofern sich die Gallensteine im Gallengang befinden (Gallengangsteine) bezeichnet man dies als Choledocholithiasis. In der Regel verursachen Gallengangsteine mehr Beschwerden als Gallenblasensteine. Verbleiben Gallensteine lange Zeit in der Gallenblase kann es zu einer Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) kommen.

Je nach Zusammensetzung der Gallensteine unterscheidet man zwischen

  • Cholesterinsteine und gemischte Steine (in Deutschland zu 80 Prozent für ein Gallensteinleiden verantwortlich)
    • sind gelb gefärbt
    • bestehen zu 70 Prozent aus Cholesterin

und

  • Bilirubin-(Pigment-)Steine
    • sind braun bis schwarz gefärbt
    • bestehen zum Großteil aus Bilirubin
    • machen etwa 20 Prozent aller Gallensteine aus

Ursachen für die Entstehung von Gallensteinen

Die Entstehung von Gallensteinen kann durch folgende Faktoren zustande kommen:

  • Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit: schwerer, lösliche Bestandteile der Gallenflüssigkeit, wie Cholesterin und/oder Bilirubin flocken aus und es bilden sich winzig kleine Kristalle, welche sich mit der Zeit vereinen und weiter wachsen. Zunächst bilden sich ganz feine Steinchen, auch Gries genannt, später größere Gebilde (Gallensteine)
  • Hämolyse (vermehrt Bilirubin im Blut und in der Gallenblase)
  • chronische Dünndarmerkrankungen
  • genetische Disposition
  • ballaststoffarme, cholesterinhaltige Ernährung
  • Diabetes mellitus
  • Risikofaktor: 5 F Regel
    • female (weiblich)
    • fat (übergewichtig)
    • forty (Alter 40 Jahre und älter)
    • fair (hellhaarig, blond)
    • fertile (fruchtbar)

Symptome bei Gallensteine

Gallensteine müssen nicht unbedingt Beschwerden machen, weshalb diese auch oftmals unbemerkt bleiben und erst zufällig bei einer röntgenonkologischen Untersuchung oder infolge einer Ultraschalluntersuchung vom Oberbauch festgestellt werden. Mediziner sprechen in diesem Fall von stummen, asymptomatischen Gallensteinen. Krankheitserscheinungen zeigen sich bei etwa 25 Prozent der Gallensteinträger.

Folgende Anzeichen für Gallensteine können sein:

  • unspezifische Schmerzen im Oberbauch
  • unspezifische Beschwerden, vor allem nach einer Mahlzeit, wie
    • Druckgefühl im rechten Oberbauch oft nach rechts zum Rücken und zur Schulter hin ausstrahlend
    • Völlegefühl
    • Aufstoßen
    • Blähungen
    • gelegentlich Übelkeit
    • gelegentlich Appetitlosigkeit
    • Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel und Getränke (Unverträglichkeit gegenüber fetter Speisen, Fettgebackenem, Hülsenfrüchten, Kohlarten, harten Eiern und schwarzem Kaffee)
  • heftige, krampfartige Schmerzen im Mittel- und Oberbauch (Gallenkoliken): es handelt sich um plötzlich, einsetzende, heftigste Schmerzen im rechten Oberbauch, zum Rücken und zur rechten Schulter hin ausstrahlend. Häufig kommt es gleichzeitig zum Erbrechen. Im Anschluss an die Kolik entwickelt sich oft ein geblähter Bauch und manchmal eine flüchtige Gelbsucht

Komplikationen bei Gallensteinleiden

Eine mögliche Komplikation bei Gallensteinleiden ist das Festklemmen eines Gallensteines im Hauptgallengang mit nachfolgender Stauung des Gallenabflusses: die Gallenflüssigkeit kann nicht mehr in den Dünndarm abfließen und staut sich auf. Die Folge: es entwickelt sich eine schwere Gelbsucht; dieser Zustand wird als Verschlussikterus bezeichnet. Durch die angesammelte Gallenflüssigkeit in der Gallenblase kann es zur Gallenblasenentzündung kommen; die Gallenblasenwand kann porös werden und perforieren, sodass die Gallenflüssigkeit in den Bauchraum gelangt und eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) hervorruft.

Bei ungünstiger Lage und Größe des Gallensteines kann es auch möglich sein, dass das Sekret der Bauchspeicheldrüse nicht abfließen kann, denn bevor der Gallengang in den Dünndarm mündet, enthält er noch Zufluss von der Bauchspeicheldrüse: ist der Stein hinter diesem Zufluss platziert, kann sich die Gallenflüssigkeit nicht nur in die Gallenblase zurück aufstauen, sondern auch in die Bauchspeicheldrüse, sodass es auch zur Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) führen kann.

Behandlung der Gallensteine

Ob Gallensteine behandelt werden müssen, ist von der Lokalisation abhängig und ob das Gallensteinleiden Beschwerden, wie Gallenkoliken, verursacht. Die akute Gallenkolik kann nur durch Injektion stark wirkender, schmerzstillender und krampflösender Arzneimittel beherrscht werden. Sehr heiße, feuchte Umschläge werden vom Betroffenen als angenehm empfunden. Auch Wasser, schluckweise getrunken, kann den starken Schmerz bei einer Gallenkolik zeitweilig lindern.

Sofern eine Gallensteinzertrümmerung durch Stoßwellen nicht zum Erfolg führt oder aufgrund der Steinzusammensetzung nicht sinnvoll erscheint und der Patient in operationsfähigem Zustand ist, sollte operiert werden. Dies gilt vor allem für den Fall, dass sich ein Stein im Gallengang festgeklemmt hat und zu anhaltender Gelbsucht geführt hat. Das Operationsrisiko ist heutzutage gering und die Beschwerden sind danach in der Regel ganz beseitigt. Mitunter werden Gallengangsteine heute ohne einen größeren chirurgischen Eingriff, nämlich durch eine operative laparoskopische Entfernung der Gallenblase, therapiert.

Vorbeugende Maßnahmen?

Eine direkte Vorbeugung gegen Gallensteine gibt es leider nicht. Trotz allem kann man versuchen, die allgemeinen Risikofaktoren wie Übergewicht und ballaststoffarme, cholesterinreiche Ernährung zu verhindern und eine gesunde Lebensführung mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger sportlicher Aktivität anzustreben. Die Kost soll möglichst arm an solchen Nahrungsbestandteilen sein, die den Gallenfluß besonders anreizen. Fettgebackenes, überhaupt fette Speisen, Bohnenkaffee und starke Gewürze sind zu meiden. Außerdem soll der Darm entlastet werden, weshalb Zurückhaltung im Genuß von Hülsenfrüchten und Kohlarten angebracht ist. Die Regelung der Verdauung ist besonders wichtig.

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J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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