Cannabis-Hyperemesis-Syndrom: Wenn THC paradox wirkt Dienstag, 12. September 2017

Das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom | apomio Gesundheitsblog ©Â©EpicStockMedia - stock.adobe.com

Starke Bauchschmerzen gepaart mit Übelkeit und Erbrechen: Das sind die unangenehmen Symptome des Cannabis-Hyperemesis-Syndroms. Der dauerhafte Konsum von Cannabis kann diese Erkrankung verursachen. Heißes Duschen hilft den Betroffenen gegen die Symptome. Die genaue Ursache ist noch nicht bekannt, die Behandlung dafür umso simpler. 

Bis zu ein dutzend Mal müssen sich betroffene in einer Stunde übergeben. Das ist der Gipfel der Symptome des Cannabis-Hyperemesis-Syndroms (CHS). Die Brech-Episode hat sich davor durch Übelkeit und starke Bauchschmerzen angekündigt. Betroffen sind meist langjährige Gras-Konsumenten – ob sie die Droge aus medizinischen Gründen nahmen oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

Im Jahr 2004 wurde das Syndrom erstmals in einer australischen Studie beschrieben. Seitdem gab es immer wieder Versuche und wissenschaftliche Test auf diesem Themengebiet mit unterschiedlichem Ausgang. Fest steht: Bei einem Bruchteil der Cannabis-Konsumenten entfaltet der pflanzliche Wirkstoff THC nicht die übliche Wirkung. Im medizinischen Bereich wird Cannabis unter anderem als Mittel gegen starke Schmerzen, Übelkeit und als Appetitanreger eingesetzt.

Symptome des Cannabis-Hyperemesis-Syndroms: Übelkeit und Erbrechen

Durch die eher unspezifischen Symptome kann es einige Zeit lang dauern, bis die Ärzte die Diagnose stellen können. Denn Übelkeit, heftiges Erbrechen und Magenschmerzen treten bei vielen Erkrankungen auf. Sehr spezifisch ist aber das Verhalten der Betroffenen: Sie stehen mitunter mehrmals täglich unter der kochend heißen Dusche, oder Baden in sehr warmen Wasser. Das heiße Wasser lindert die Symptome für den Moment. Woran das liegt, ist nicht ganz klar. Es wird vermutet, dass die thermische Stimulation der Hautzellen temperaturregulierende Zentren im Gehirn beeinflusst und so den Reiz mindert.

Das ständige heiße Duschen kann zu Verbrennungen führen, die der Patient manchmal nicht selbst bemerkt. Außerdem kann das ständige Waschen zu einem Zwangsverhalten führen.

CHS Verlauf: Krankheit tritt phasenweise auf

Während einer akuten Phase des Cannabis-Hyperemesis-Syndroms kann es zu einer Dehydrierung des Körpers kommen. Durch das stete Übergeben verliert der Organismus große Mengen an Flüssigkeit. Außerdem geht der Appetit verloren und der Betroffene verliert an Gewicht. Diese intensive Phase kann 24 bis 48 Stunden lang andauern. Danach verschwinden sie Symptome wieder. Es folgt eine beschwerdefreie Zeit, in der sich Appetit und Körpergewicht wieder normalisieren.

Fatal ist, dass viele Konsumenten mit dem Einsetzen der Übelkeit ihren Cannabis-Verbrauch steigern, da sie denken, das THC könne die Übelkeit lindern.

Therapie: Medikamente schlagen nicht an

Medikamente, die die Übelkeit und das Erbrechen lindern, schlagen in den meisten Fällen nicht an – im Gegenteil: manchmal verschlimmern sich die Symptome nach der Einnahme. Die einzige sinnvolle Maßnahme gegen das CHS ist der Verzicht auf Cannabis. Nach mehreren Tagen Abstinenz lassen die Beschwerden nach, bleibt der Betroffene clean, kommen sie nicht wieder.

Beruhigungsmittel wie Lorazepam können dem Betroffenen zwar helfen, die Episode zu überstehen, führen allerdings nicht selten zu einer Abhängigkeit und sind daher nicht in jedem Fall einsetzbar.

Ist THC als Tablette eine Alternative?

Wird das Cannabis aus medizinischen Gründen, etwa bei einem Grauen Star oder begleitend zu einer Chemotherapie, verschrieben und es kommt zu einem Cannabis-Hyperemesis-Syndrom, kann auf eine andere Darreichungsform zurückgegriffen werden. Der behandelnde Arzt kann THC in Tablettenform verabreichen. Hier ist der Wirkstoff aus dem Cannabis enthalten, doch die Dosierung kann verringert werden. So kommt es nicht zu Auswirkungen auf die Wahrnehmung und auch die negativen Auswirkungen des Rauchens fallen weg.

Seit März 2017 ist es in Deutschland möglich Cannabis auf Rezept zu erhalten. Die Medikamente Dronabiol, Sativex und Nabilon sind auf Basis von Cannabis hergestellt. Die Kosten für die Behandlung zahlt seit der Gesetzesänderung die Krankenkasse.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Seit Juli 2014 arbeitet Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion und im online Marketing bei apomio.de. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation an der Hochschule Ansbach.

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