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Nur schlechte Laune oder psychisch krank? Ab wann braucht man eine Behandlung?

Kommentar schreiben Dienstag, 12. Januar 2021

Nur schlechte Laune oder schon ernsthaft krank? Der Grat zwischen normalen Stimmungsschwankungen, depressiver Verstimmung und psychischer Erkrankung ist mitunter ein schmaler. Hier aufmerksam zu sein, um nichts zu übersehen, ist ratsam. Denn je rascher Diagnose und Therapieeinleitung bei psychischen Störungen erfolgen, desto besser die Prognose. Der folgende Artikel beschäftigt sich ausführlich mit der Differenzierung zwischen alltäglichen Stimmungseinbrüchen und ernsthaften psychischen Erkrankungen. Fokus wird dabei nicht nur auf Ursachen und Symptome gelegt, sondern ebenso auf Therapiemöglichkeiten. Nicht zuletzt wird der Problematik von Stigmatisierung psychischer Erkrankungen Rechnung getragen.

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Warum hat man schlechte Laune ohne Grund?

Dass unsere Stimmung nicht in Stein gemeißelt ist, sondern schwankt, das ist ganz normal. Überwiegen negative Phasen, wird es immer schwieriger, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Auch die Abgrenzung zu ernsthaften psychischen Erkrankungen wie Depression, Angststörung oder Burnout fällt dann ungleich schwerer.

 

Häuft sich schlechte Laune, fühlen wir uns über die Maßen unausgeglichen, traurig oder gereizt, suchen wir gemeinhin nach Gründen. Nicht immer sind die Ursachen für schlechte Stimmung offensichtlich. Im Gegenteil, häufig bleiben Gründe im Verborgenen, sind uns nicht bekannt oder auch gar nicht so richtig bewusst. Das macht es natürlich schwer, die Problematik in Angriff zu nehmen und etwas an der Grundstimmung zu verändern.

 

Gemeinhin fährt unsere Stimmung aber nicht grundlos Achterbahn. Bei näherem Hinsehen finden sich sehr wohl Faktoren, die hier Einfluss nehmen. Nicht selten liegen Ursachen in unseren individuellen Lebensgewohnheiten. So können etwa Stress, Unzufriedenheit in Partnerschaft oder Berufsleben, unregelmäßiger Schlaf, einseitige Ernährung sowie mangelnde Bewegung schlechte Stimmung begünstigen. 

 

Darüber hinaus spielt unser Hormonhaushalt eine wesentliche Rolle, wenn uns Stimmungsschwankungen quälen. Auch eine genetische Komponente ist nicht außer Acht zu lassen. Gerade im Hinblick auf psychische Erkrankungen, die mit gedrückter Stimmungslage einhergehen, haben beide Faktoren große Bedeutung. In diesem Kontext ist ebenfalls der Wechsel der Jahreszeiten interessant. In Breitengraden, in denen in Herbst- und Wintermonaten deutlich weniger Sonneneinstrahlung zu verzeichnen ist, sind Bewohner anfälliger für Stimmungseinbrüche. Saisonal auftretende Depressionen (SAD) treten dort vermehrt auf.

 

Auch traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit können unsere Stimmung stark beeinflussen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sie nur unzureichend bearbeitet beziehungsweise verdrängt wurden.

 

Schlechte Laune: häufige Gründe im Überblick

 

•    Hormonelle Einflüsse 
•    Genetische Komponenten
•    Wechsel der Jahreszeiten („Herbst-/Winterdepression“)
•    Einseitige Ernährung/mangelnde Bewegung
•    Schlafprobleme (zu wenig Schlaf, Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen, verdrehter Schlaf-Wach-Rhythmus,...)
•    Stress (vor allem chronischer Stress)
•    Belastende Lebenssituationen (Partnerschaft, Sozialleben, Berufsleben, Finanzen,…)
•    Schwierige/Traumatische Ereignisse in der Vergangenheit

 

 

Wie Hormone unsere Stimmung beeinflussen

 

Psyche und Hormonhaushalt sind nicht nur eng miteinander verbunden, sie stehen in deutlicher Wechselwirkung. So kann man hormonelle Auffälligkeiten nicht nur bei gedrückter Stimmung oder Stimmungsschwankungen beobachten, sondern ebenso bei ernsthaften psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Bei Einbrüchen in der Stimmungslage ist oftmals ein zu niedriger Hormonspiegel ursächlich. Häufig fehlt es dann an Serotonin, Dopamin oder Oxytocin – den sogenannten Glückshormonen.1

 

Auch unsere Lebensgewohnheiten sowie diverse andere Faktoren nehmen Einfluss auf die Hormone und damit automatisch auf unsere Laune. Gute Beispiele dafür sind beispielsweise die Auswirkung von ungünstigen Schlafgewohnheiten, Dauerstress oder der Wechsel der Jahreszeiten. Gerät dadurch der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht, kann sich das massiv auf unser Wohlbefinden auswirken. 

 

So ist etwa erholsamer Schlaf maßgeblich vom Zusammenspiel verschiedener Hormone abhängig. Bei gesundem Schlaf-Wach-Rhythmus produziert der Körper vermehrt Melatonin („Schlafhormon“), sobald es dunkel wird. Unser Körper fährt sprichwörtlich sein System herunter. In der zweiten Nachthälfte wird zunehmend Cortisol freigesetzt und tagsüber kommt es durch das Sonnenlicht wiederum zur vermehrten Bildung von Serotonin („Wachhormon“). Die Balance dieser Hormone garantiert uns einen erholsamen Schlaf. Gerät dieses Gleichgewicht durcheinander, drohen Schlafprobleme, was sich in Folge negativ auf unsere Stimmung auswirken kann.

 

Auch Dauerstress ist ein im wahrsten Sinne des Wortes ein Stimmungskiller. Unser Körper reagiert darauf nämlich mit einem dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel, was für schlechte Laune sorgt. Darüber hinaus hat der Wechsel der Jahreszeiten bei vielen Menschen eine getrübte Stimmungslage zur Folge. Das fehlende Tageslicht regt den Körper nämlich zur Melatoninproduktion an, was depressive Symptome begünstigen kann. In Fachkreisen spricht man dann von einer saisonal bedingten Depression (SAD), im Volksmund kennt man sie gemeinhin als Herbst- oder Winterdepression.3

 

Nicht zuletzt wirken sich auch unsere Sexualhormone auf die Stimmung aus – Frauen sind davon ungleich stärker betroffen als Männer. So treten etwa im Laufe des Zyklus häufig Stimmungsschwankungen auf. Darüber hinaus sorgen Hormonumstellungen in Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahren, aber auch hormonelle Verhütungsmethoden, oftmals für schlechte Laune. Auffällige Stimmungseinbrüche und Unruhezustände sind zudem nicht selten mit einem Abfall von wichtigen Sexualhormonen wie Progesteron (wirkt ausgleichend und entspannend) oder Östrogen (weibliches „Glückshormon“) verbunden.4

 

Zum Glück ist man hormonellen Umbrüchen nicht zwingend hilflos ausgeliefert. Genügend Schlaf, gesunde Ernährung, Bewegung, Stressreduktion sowie ausreichend Tageslicht – all das trägt maßgeblich dazu bei, den Hormonhaushalt im Gleichgewicht zu halten.

 

 

Was tun bei schlechter Laune?

 

Schlechte Laune ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Besondere Lebensereignisse, Stress, hormonelle Umstellungen oder der Wechsel der Jahreszeiten – all das kann einen kurzfristigen Einbruch unserer Stimmung bewirken. Bewegen sich solche Stimmungsschwankungen in normalem Rahmen und sind mit keinem Krankheitswert verbunden, lässt sich leicht ansetzen. Bei ernsthaften psychischen Erkrankungen benötigt es zwar etwas mehr, doch auch hier können – neben herkömmlichen Therapieansätzen – Verhaltensänderungen im Alltag sowie konkrete Maßnahmen helfen.

 

Um schlechte Laune in den Griff zu bekommen, gibt es einige Möglichkeiten. Salopp formuliert, hilft uns alles, das Körper, Geist und Seele gut tut. Die besten Tipps haben wir für Sie zusammengefasst:

 

•    Ausreichend und vor allem regelmäßiger Schlaf 


•    Stress reduzieren: Bewusst nein zu sagen und öfter zu delegieren, ist eine Kunst, die erlernt werden muss. Darüber hinaus helfen konkrete Entspannungstechniken und regelmäßige Bewegung. Besonders effizient sind Yoga, Meditation oder Achtsamkeitstraining.


•    Genügend Bewegung sowie bewusste Ernährung: Der Fokus sollte auf einer ausgewogenen, vitamin- sowie ballaststoffreichen Ernährungsweise liegen, übermäßigen Genuss von Zucker und Fett gilt es zu vermeiden. Neben regelmäßigen Mahlzeiten und bewusster Nahrungsaufnahme ist ausreichend Bewegung das A&O.


•    Frische Luft und Sonnenlicht gilt es regelmäßig zu tanken – auch im Winter! in der dunklen Jahreszeit kann eine Tageslichtlampe die Laune zusätzlich heben.


•    Soziale Interaktion/Freizeit: Hobbys und bewusster Ausgleich sind besonders wichtig. Der Mensch als soziales Wesen profitiert nachhaltig von sozialer Interaktion.


•    Bewusste Entlastung: Negatives „abzulegen“ (z.B.: niederschreiben) ist wichtig, um damit abzuschließen. Der Fokus auf Positives und die eigenen Ressourcen hilft vor allem in turbulenten Zeiten.


•    Lebensumstände reflektieren und Änderungen in Angriff nehmen: Unzufriedenheit macht schlechte Laune! Daher gilt es, wesentliche Bereiche wie Familie, Freizeit, Sozialleben oder Berufstätigkeit von Zeit zu Zeit kritisch in den Blick zu nehmen und gegebenenfalls Änderungen in Angriff zu nehmen.


•    Schlechte Laune zulassen: Wir können nicht unentwegt guter Stimmung sein. Daher ist es manchmal notwendig, schlechte Laune einfach zu akzeptieren. Ein Stimmungseinbruch darf anderen gegenüber übrigens auch kommuniziert werden.

 

 

Nur schlechte Laune oder psychisch krank?

 

Häufen sich Stimmungstiefs, fragen sich viele Betroffene, ob das wirklich nur schlechte Laune oder vielleicht schon eine Depression oder andere psychische Erkrankung ist. Tatsächlich ist diese Frage oftmals gar nicht einfach zu beantworten. Übergänge zwischen schlechter Laune, depressiver Verstimmung und einer klinischen Depression sind fließend. Verschlechterung der Stimmungslage findet zudem häufig schleichend statt. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass sich eine psychische Erkrankung nach bestimmten Diagnosekriterien klar einordnen lässt. Ein deutlicher Krankheitswert sowie Therapiebedürftigkeit sind dann in der Regel gegeben. 

 

Ein gutes Kriterium, um zwischen schlechter Laune, depressiver Verstimmung sowie Depression zu unterscheiden, ist die Schwingungsfähigkeit. Hier wird darauf geachtet, ob sich Verstimmungen wieder geben und ein Wechsel zu guter und positiver Stimmungslage stattfindet. Schlechte Laune und leichtere depressive Verstimmungen haben Betroffene mit vergleichsweise einfachen Mitteln (Sport, Entspannungsübungen, Sozialkontakte,…) gemeinhin gut im Griff. Dabei sollten Häufigkeit und Dauer schlechter Phasen im Fokus bleiben, damit keine Chronifizierung droht. Der Übergang von einem „normalen“ Stimmungstief zu einer klinischen Depression ist nämlich fließend.5

 

Leichtere Stimmungseinbrüche geben sich meist von selbst wieder. Ausgeprägte depressive Verstimmungen hingegen sind von starker Niedergeschlagenheit geprägt und dauern länger an. Deutlicher Selbstzweifel und sozialer Rückzug können hier ebenso vorkommen wie diverse körperliche Symptome (Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Appetitstörungen, Konzentrationsprobleme,…). Der Grat zwischen einer starken depressiven Verstimmung und einer klinischen Depression oder Angststörung ist mitunter ein sehr schmaler.6

 

Eine Depression selbst zu erkennen, ist schwierig. Vor allem dann, wenn man auf keine Erfahrungswerte zurückgreifen kann. Symptome einer depressiven Erkrankung werden häufig nicht als solche erkannt. Zudem hat eine Depression nicht nur Auswirkung auf unsere Gefühle, auch Denken, Verhalten und Handeln sind beeinträchtigt. Umso wichtiger sind eine entsprechende Diagnosestellung sowie passende Therapie.

 

 

Sind psychische Krankheiten vererbbar?

 

Die aktuelle Studienlage ist eindeutig: Eine genetische Disposition ist bei so gut wie allen psychischen Erkrankungen gegeben. Viele solcher Krankheiten treten demnach familiär gehäuft auf. Verkürzt gesagt bedeutet das, dass ein Risikofaktor vorhanden ist – nicht mehr und nicht weniger. Dieser Faktor kann sich zwar durchsetzen, muss es aber nicht zwingend. Viele andere Aspekte (Lebensgewohnheiten, individuelle Lebenssituation, Umweltfaktoren,...) nehmen nämlich ebenfalls Einfluss auf unsere Psyche. Somit ist die Entstehung psychischer Erkrankungen stets als Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren zu betrachten.7

 

Was man allerdings berücksichtigen muss: Sind ein oder gar beide Elternteile von psychischer Erkrankung betroffen, hat das für den Nachwuchs leider häufig nicht ganz so ideale Entwicklungsbedingungen zur Folge. Die stetige Belastung durch die Störung der Eltern bindet einiges an Ressourcen. Das wiederum erhöht das Risiko für Verhaltensauffälligkeiten und psychische Erkrankungen.8

 

 

Welches sind die häufigsten psychischen Erkrankungen?

 

In Deutschland sind jährlich circa 27,8 % der Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen – eine Zahl, die aufmerken lassen sollte. Am häufigsten sind Angststörungen vertreten, dicht gefolgt von affektiven Störungen (Depression, bipolare Störung) und Suchterkrankungen.9 Darüber hinaus zählen Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen, ADS/ADHS oder Zwangsstörungen zu häufig vorkommenden psychischen Erkrankungen. Nicht zuletzt sind auch Traumafolgestörungen zu berücksichtigen.

 

Häufige psychische Erkrankungen im Überblick:

•    Angststörungen
•    Affektive Störungen wie Depression oder bipolare Störung
•    Suchterkrankungen (Alkoholabusus, Drogenabusus, Medikamentenabhängigkeit,…)
•    Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis (z.B.: paranoide Schizophrenie)
•    Zwangsstörungen
•    Essstörungen
•    Persönlichkeitsstörungen (z.B.: Borderline-Persönlichkeitsstörung, narzisstische Persönlichkeitsstörung)
•    ADHS/ADS
•    Traumafolgestörungen (z.B.: posttraumatische Belastungsstörung)

 

 

Welche Symptome gibt es bei einer psychischen Krankheit?

 

Symptome einer psychischen Erkrankung sind vielfältig. Manche Anzeichen wie Veränderungen im Antrieb, starke Ängste oder somatische Beschwerden zeigen sich besonders häufig. Auch treten psychische Störungen manchmal kombiniert auf (zum Beispiel Angststörung und Depression oder Angststörung und Zwangsstörung). 

 

Die Diagnose psychischer Störungen erfolgt in der Regel anhand verschiedener (Leit-)Symptome, die in bestimmter Anzahl/Ausprägung und über einen definierten Zeitraum vorhanden sein müssen.

 

Exemplarisch möchten wir nachfolgend gerne die häufigsten Symptome bei Depression, Suchterkrankung, Zwangsstörung sowie Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis darlegen.

 

Depression: Symptome im Überblick

 

•    Depressive Verstimmung, missmutige Stimmungslage
•    Müdigkeit/gesteigerte Ermüdbarkeit, Energiemangel
•    Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit/Interessenverlust (auch sexuelles Interesse), Apathie
•    Reizbarkeit/Aggression
•    Konzentrationsstörungen/Aufmerksamkeitsstörungen
•    Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
•    Schuldgefühle/Gefühl der Wertlosigkeit
•    Pessimistische Vorstellung der Zukunft
•    Ängste
•    Schlafstörungen
•    Appetitlosigkeit
•    Unspezifische körperliche Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen,…)
•    Suizidalität (Selbsttötungsgedanken und -handlungen)10

 

 

Suchterkrankung: Symptome im Überblick

 

Suchterkrankungen sind geprägt von körperlicher und psychischer Abhängigkeit samt entsprechender Symptome:

•    Wachsende Bedeutung des Konsums/Kontrollverlust („Nicht-aufhören-können“)
•    Interessenverlust/Gleichgültigkeit
•    Stimmungsschwankungen/Aggression
•    Beschönigung, Bagatellisierung, Verheimlichung
•    Körperliche/Psychische Symptome durch Entzug/Entzugserscheinungen: Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmung, Gewichtsverlust, Kreislaufstörungen, Schweißausbrüche, Herzrasen, neurologische Ausfallserscheinungen…11

 

 

Zwangserkrankungen: Symptome im Überblick

 

•    Wiederkehrende Gedanken und zwanghafte Handlungen (unerwünscht, stereotyp und den Alltag deutlich beeinträchtigend)
•    Zwänge werden vorrangig als sinnlos empfunden/man ist sich ihrer Unverhältnismäßigkeit bewusst
•    Schamgefühle, teilweise auch Verheimlichung
•    Zwangsgedanken und -handlungen sind auf die eigene Person bezogen (werden nicht extern oder fremdgesteuert erlebt)
•    Widerstand oder Unterlassung des Impulses führt zu Ängsten und Unsicherheit 12

 

 

Schizophrenie: Symptome im Überblick

 

Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis zeichnen sich in der Regel durch ein komplexes Krankheitsbild aus, das Auffälligkeiten auf verschiedenen Ebenen zeigt. Grundsätzlich lässt sich zwischen akuter und chronischer Krankheitsphase unterscheiden.

 

Gängige Symptome:

•    Ich-Störung (Grenzverschwimmung zwischen Umwelt und Selbst; Gefühl von Unwirklichkeit und Fremdheit)
•    Affektstörungen (schwankende Gemütslage; starke Ängste; depressive Verstimmung; Affektverflachung; gesteigerter Antrieb;…)
•    Kognitive Störungen (Beeinträchtigung in den Bereichen Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis)
•    Denk- und Sprachstörungen (Gedanken- und Sprechfluss ist verlangsamt oder beschleunigt; Zusammenhänge/innere Logik gehen verloren; Satzbau/Wörter werden durcheinandergebracht; „Gedankenabreißen“;…)
•    Wahn (Wahnvorstellungen; werden als real erlebt und lassen sich nicht von außen korrigieren)
•    Halluzinationen (Wahrnehmungsstörungen; es wird etwas wahrgenommen, das nicht real vorhanden ist; besonders häufig: akustische Halluzinationen, seltener: optische oder taktile Halluzinationen)
•    Auffälligkeiten in der Psychomotorik (Antriebslosigkeit oder gesteigerter Antrieb; auch: stereotype Bewegungsabläufe)13

 

 

Vermutung psychische Erkrankung: Warum der Arztbesuch so wichtig ist

 

Bei psychischen Erkrankungen wie Depression oder Angststörung gilt wie bei nahezu allen anderen Krankheiten auch: Je früher es zur Diagnosestellung und Behandlung kommt, desto besser die Prognose. Ab einer gewissen Ausprägung der Beschwerden ist Selbsthilfe nur mehr bedingt möglich. Ist deutlicher Leidensdruck vorhanden und der Alltag schwer zu bewerkstelligen, scheint professionelle Hilfe unabdingbar. 

 

Stellt man entsprechende Symptome und Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung fest, ist der zeitnahe Arztbesuch also ratsam. Eine rasche Diagnosestellung trägt nicht nur zur Auseinandersetzung mit der Erkrankung und damit zu entsprechender Krankheitseinsicht bei, sie ist auch notwendig, um eine geeignete Therapie einleiten zu können.

 

 

Psychische Erkrankungen: Ab wann braucht man eine Behandlung?

 

Psychische Erkrankungen sind ein wachsendes gesellschaftliches Problem. Alleine die hohen Betroffenenzahlen sprechen eine deutliche Sprache. Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen sind psychische Störungen maßgeblich für den Verlust gesunder Lebensjahre verantwortlich. Statistisch betrachtet verringern sie die Lebenserwartung zudem um rund zehn Jahre.14

 

Umso wichtiger ist es also, sich rechtzeitig in Behandlung zu begeben. Bei frühzeitiger Diagnose und Therapie sind in der Regel gute Behandlungserfolge zu erzielen. Wartet man zu lange zu, wirkt sich das auch im Hinblick auf eine mögliche Selbst- oder Fremdgefährdung negativ aus. Bei schwerwiegenden psychischen Erkrankungen, die unbehandelt bleiben, sind diesbezügliche Folgen mitunter massiv. 

 

Gute Indikatoren, um eine Behandlungsnotwendigkeit einzuschätzen, sind Leidensdruck und Krankheitswert. Ein Arztbesuch zur Abklärung ist in jedem Fall dann anzuraten, wenn entsprechende Symptome (körperlicher wie seelischer Natur) auftreten, deutliche Belastung spürbar ist und/oder es zu Einschränkungen im Alltagsleben kommt.

 

 

Psychische Erkrankung: Behandlungsmöglichkeiten 

 

Die Gewissheit, dass man psychischen Erkrankungen nicht hilflos ausgeliefert ist, ist eine wichtige. In der Regel sind psychische Störungen gut behandelbar. Je früher die Therapie einsetzt, desto besser die Prognose. Die erste Anlaufstelle ist gemeinhin der Hausarzt. Er überweist zum Facharzt für Psychiatrie und/oder vermittelt geeignete Therapeuten. 

 

Psychische Erkrankungen zeigen sich ganz unterschiedlich. Manche Menschen haben im Laufe ihres Lebens lediglich einen akuten Schub, bei anderen verläuft die Erkrankung chronisch mit seltenen oder häufigeren akuten Phasen. Mit entsprechender Behandlung schaffen es viele Betroffene über langen Zeitraum stabil zu bleiben und haben ihren Alltag trotz psychischer Erkrankung gut im Griff.

 

Im Grunde fußt die Behandlung einer psychischen Störung auf zwei Grundpfeilern: die medikamentöse Therapie (Pharmakotherapie) sowie Psychotherapie. Oftmals verhilft eine Kombination aus beidem zu guten Erfolgen. Bei der medikamentösen Behandlung kommen Psychopharmaka zum Einsatz – etwa Antidepressiva oder Antipsychotika/Neuroleptika. Sie wirken auf das Zentralnervensystem und lindern die bestehende Symptomatik. Oftmals kann die Medikamenteneinstellung ambulant erfolgen, manchmal ist dazu auch ein stationärer Aufenthalt notwendig. Im Rahmen der Psychotherapie kommen unterschiedliche Formen beziehungsweise Schulen zur Anwendung. Besonders häufig sind das verhaltenstherapeutische, tiefenpsychologische oder psychoanalytische Ansätze.15 

 

Neben medikamentöser Therapie und Psychotherapie können verschiedene Ansätze in Bezug auf Bewegung, Ernährung oder Entspannung helfen. Bewährte Entspannungstechniken bei psychischen Erkrankungen sind etwa die progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder autogenes Training.

 

 

Stigma psychische Erkrankung: Warum schämen sich so viele Menschen?

 

Obwohl psychische Störungen sehr häufig vorkommen, sind sie immer noch stark tabuisiert. Viele Betroffene schämen sich, möchten ihre psychische Erkrankung nicht einsehen. Das erschwert die Auseinandersetzung mit der Erkrankung und den Gewinn einer Krankheitseinsicht, was für optimalen Behandlungserfolg ausschlaggebend ist. Doch weshalb ist das so?

 

Gründe für die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen liegen einerseits in unserer Geschichte, andererseits in der gesellschaftlichen Anspruchshaltung begründet. Lange Zeit wurden psychisch kranke Menschen in unseren Breiten ausgeschlossen, verwahrt oder gar getötet. In manchen Teilen der Welt ist das auch heute noch der Fall. Zudem herrscht in unserer Gesellschaft Leistungsdenken vor. Der Mensch muss funktionieren. So gilt etwa Arbeitsunfähigkeit als Makel. Psychische Erkrankungen werden häufig nicht richtig ernst genommen und sogar bagatellisiert („Stell dich nicht so an!“). Auch Abwertung oder Ausgrenzung finden statt, vor allem dann, wenn eine stark ausgeprägte Symptomatik Angst macht.  

 

Obwohl sich im Hinblick auf die gesellschaftliche Akzeptanz psychischer Erkrankungen gerade in den letzten Jahren viel getan hat, liegt noch ein weiter Weg vor uns. Es geht hier vor allem um Aufklärung und Offenheit. Der Kontakt mit Betroffenen und entsprechender Austausch sind wichtig, um bestehende Vorurteile abzubauen. Was man kennt, davor hat man keine Angst, das wertet man tendenziell weniger ab. Grundsätzlich geht es darum, psychisch erkrankte Menschen nicht durch ihre Krankheit zu definieren, sondern durch ihre Persönlichkeitsanteile im Gesamten. 

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Quellen anzeigen

Daniela Jarosz
Autor: Daniela Jarosz

Daniela Jarosz ist Sonder- und Heilpädagogin. Während des Studiums hat sie sich intensiv mit Inhalten aus Medizin und Psychologie auseinandergesetzt. Sie arbeitet seit vielen Jahren im psychosozialen Feld und fühlt sich außerdem in der freiberuflichen Tätigkeit als Autorin zuhause. Im redaktionellen Bereich hat sie sich auf die Fachrichtungen Medizin, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance sowie Kinder und Familie spezialisiert.

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