Achtung: Schadstoffe im Kinderspielzeug Freitag, 17. März 2017

Achtung: Schadstoffe im Kinderspielzeug | apomio Gesundheitsblog © Pexels

Als Kind kann man niemals genug davon haben – knuddeln, schmusen und spielen. Die Rede ist von Spielzeug, vor allem Plüschtiere sind bei Kindern heiß begehrt. Das liebste Kuscheltier kommt schon sehr früh sehr lange in Berührung mit dem Kind. Im Test fallen jedoch eine Vielzahl von Plüschtieren aufgrund von Schadstoffen und gerissener Nähte durch. Mehr darüber im folgenden Beitrag.

Stiftung Warentest deckt auf

Augen auf beim Kuscheltier-Kauf! So lautet wohl die Devise. Denn zwei Drittel von den getesteten 30 Teddy, Katzen und Mäuse fallen durch den Sicherheits- und Schadstofftest und eignen sich demzufolge garantiert nicht zum Kuscheln ohne dabei eine Gesundheitsgefährdung zu befürchten. Ein Beispiel: So süß das Kuscheltier Ty Frizzy Fang auch aussehen mag, so sehr enthält seine Mähne den Schadstoff Chrysen. Auch Plüschtiere namhafter Hersteller wie Käthe Kruse, Kösen, Sigikid und Steiff fallen negativ auf. Drei Kuscheltiere im Test können sogar die rechtlichen Vorgaben nicht einhalten. Der größte Spielverderber in der Kuschelrunde lautet PAK – polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe – diese sind krebserregend. Der Test deckt auf, dass gerade einmal 8 Kuscheltiere für einen schadstofffreien Kauf zu empfehlen sind.

PAK

Der Plüsch vieler Kuscheltiere weist eine Belastung von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe auf – in 19 der 30 getesteten Produkte, also in mehr als 60 Prozent ist eine kritische Menge dieser Stoffgruppe nachweisbar gewesen. Auf folgender Weise können diese krebserregenden Stoffe in das Spielzeug gelangen: über verunreinigte Weichmacheröle oder Farbstoffmischungen im Spielzeug. In einem Test aus dem Jahre 2010 waren bereits 13 von 15 Plüschtieren damit belastet – eine Besserung ist nach 7 Jahren nicht wirklich in Sicht. Die meisten aktuell betroffenen Produkte enthalten entweder PAK Chrysen oder PAK Naphtalin, früher in Mottenkugeln verwendet und im Verdacht stehend Krebs zu erzeugen. Einfach in der Waschmaschine auswaschen ist leider auch nicht erfolgsbringend, denn bei einem Test habe man jedes Kuscheltier dreimal 30 Minuten bei 30 Grad in der Waschmaschine gewaschen, aber der Gehalt an Chrysen und Naphtalin sei nahezu unverändert gewesen. Akut giftig sind krebserregende PAK nicht, was wiederum nicht unbedingt gut ist, denn so würde eine körperliche Belastung schnell in Erscheinung treten der man möglicherweise entgegenwirken könnte. Ohnehin sollten Spielzeuge, die chemisch riechen, im Regal gelassen und nicht gekauft werden, der Geruch kann nämlich darauf hinweisen, dass das Spielzeug einen Schadstoff ausdünstet. PAK wirken sich langfristig im Organismus aus – über den Mund oder die Haut können die Kinder diese aufnehmen während sie nichtsahnend und unschuldig mit ihren geliebten Kuscheltieren schmusen.

Schadstoffe in Kuscheltieren

Das Fatale an den Schadstoffen: Nicht wie in anderen Produkten, bei denen man die Chemie schon von weitem riechen kann, kann man diese Schadstoffe in Kuscheltieren weder sehen noch riechen. Nur im Labor ist ein Nachweis festzustellen, was den Kauf für Eltern und Co. erschwert. So enthalten zum Beispiel die Füße des Felsenpinguins von Kösen Formaldehyd, ebenfalls krebserregend. In den Flügeln des Kuscheltier-Drachens Kuno ist eine Kunststofffolie mit dem Schadstoff Diethylhexylphthalat (DEHP), welches die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflussen kann.

Worauf sollten Eltern achten?

Neben dem Ratschlag, nicht chemisch riechendes Spielzeug zu kaufen, da die Gefahr darin besteht Schadstoffe inklusive zu kaufen, sind noch folgende Tipps zu empfehlen, mit denen Eltern guten Gewissens Spielzeuge kaufen können:

  • Greifen Sie zu unlackierten oder gewachsten Bauklötzen: so schön bunte Holzklötze auch aussehen mögen, in dem Lack können Schadstoffe enthalten sein
  • auf Hinweise wie „PVC-frei“ und „Phtalat-frei“ achten
  • Spielzeug mit dem „Spiel-gut-Zeichen“ ist frei von PVC und kann bedenkenlos gekauft werden
  • aussagekräftiger als das CE-Zeichen (Communauté Européenne) – europäische Normen und Gesetze sollten hier erfüllt sein, trotz CE-Zeichen können bei Spielzeugen aber Schadstoffe nachgewiesen werden – ist das GS-Zeichen („Geprüfte Sicherheit“)
  • auf „ÖkoTex“ achten: Ein Siegel, das darauf hindeutet, dass die betreffenden Textilien auf Schadstoffe geprüft wurden.
  • GOTS: Das Siegel „Global Organic Textil Standard“ zeichnet Spielzeug aus ökologischer Produktion aus – der Einsatz vieler Chemikalien ist im gesamten Herstellungsprozess verboten

Spielzeuge müssen besser und sicherer werden

Schon in frühen Kinderjahren mit Schadstoffen in Berührung kommen muss und sollte nicht sein! Beim EU-Schnellwarnsystem belegten Spielsachen im vergangenen Jahr mit 650 Meldungen den ersten Platz – ob Made in China oder Made in Germany, ein Qualitätskriterium sei hier definitiv nicht gegeben. Hersteller müssen mehr dafür tun, dass Kinder unbedenklich mit ihren Spielzeugen spielen können und Eltern unbedenklich ihren Kindern mit Spielzeugen eine Freude machen können, anstatt diese unter Umständen sogar dadurch damit gesundheitlich zu gefährden. Kinderspielzeug muss schadstofffrei werden. Auch wenn die Realität aktuell leider noch anders ausschaut.

Autor: Judith Schega

Judith Schega ist als gelernte Operationstechnische und Chirurgischtechnische Assistentin in einem Krankenhaus beschäftigt. Das Schreiben hat sich immer mehr als Gegengewicht zu ihrem Vollzeitberuf im Gesundheitswesen entwickelt. Vor allem auch als Ausdruck ihres medizinischen Interesses, mit dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Frau Schega schreibt unter anderem für den Thieme Verlag und ist seit November 2014 auch als Autorin für apomio.de tätig.

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