Was versteht man unter Syphilis?
Bei Syphilis handelt es sich um eine weltweit verbreitete, hochansteckende Geschlechtskrankheit, die durch Bakterien hervorgerufen wird. Umgangssprachlich wird sie auch als „Lues“ bezeichnet. Syphilis verläuft in mehreren Stadien mit sehr unterschiedlichen Beschwerdebildern. Bis sich die ersten Symptome nach einer Infektion einstellen, können etwa zwei bis drei Wochen vergehen, daher bleibt die Krankheit oft unerkannt. Während Patienten in den ersten beiden Krankheitsabschnitten ansteckend sind, besteht ab späteren Stadien keine Ansteckungsgefahr mehr. Unbehandelt kann eine Syphilisinfektion zu Geschwüren der Haut, lebensgefährlichen Gefäßentzündungen und zu einer Gehirnbeteiligung führen. Der Infektionsnachweis erfolgt über eine Blutuntersuchung oder mit Hilfe eines speziellen Mikroskopieverfahrens aus der Flüssigkeit der Hautgeschwüre. Nach dem Infektionsschutzgesetz unterliegen der direkte und indirekte Nachweis einer Syphilisinfektion einer nichtnamentlichen Meldepflicht direkt an das Robert Koch-Institut.
Was sind die Ursachen von Syphilis?
Auslöser der Erkrankung ist eine Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum, das nur von Mensch zu Mensch überragen wird. Die Erreger befinden sich im Blut und überall, wo sich Haut oder Schleimhaut durch die Krankheit verändern und Flüssigkeit absondern.
Die Ansteckung erfolgt in den meisten Fällen bei direktem sexuellen Kontakt. Durch kleinste Verletzungen der Haut oder der Schleimhäute an Penis, Scheide oder im Analbereich sowie der Mundhöhle gelangt der Krankheitserreger aus dem Wundsekret des Infizierten in den Körper der Kontaktperson. Eintrittsstellen sind in den meisten Fällen die äußeren Geschlechtsorgane, gelegentlich aber auch der Gebärmutterhals. Aber auch durch den direkten Kontakt mit infiziertem Blut, beispielsweise durch gemeinsam genutzte Spritzen bei Drogenkonsum, kann Treponema pallidum leicht übertragen werden. Des Weiteren können schwangere Frauen die Krankheitserreger an ihr ungeborenes Kind weitergeben.
Im Gegensatz zu anderen Infektionskrankheiten schützt eine bereits durchgemachte Erkrankung nicht lebenslang vor einer erneuten Ansteckung, so dass man sich auch nach einer Heilung erneut an Syphilis anstecken kann.
Was sind die Symptome von Syphilis?
Eine Syphilisinfektion verläuft im Anfangsstadium zunächst sehr häufig ohne Beschwerden. In der Regel beträgt die Inkubationszeit bei Syphilis 14 bis 21 Tage, mindestens aber 10 und in seltenen Fällen bis zu 90 Tage. Es handelt sich hierbei um die Zeitspanne, die durchschnittlich vergeht, bis nach einer Infektion die charakteristischen ersten Symptome auftreten. Hierbei unterscheidet man drei Krankheitsstadien:
Primäre Syphilis/Lues I (Patienten sind hochinfektiös)
Erstes Anzeichen einer Syphilisinfektion ist ein dunkelrotes, schmerzloses Knötchen an der Eintrittsstelle des Erregers. Dieses wird auch als „primärer Schanker“ bezeichnet. Innerhalb von sieben bis vierzehn Tagen entwickelt sich daraus ein scharf begrenztes, flaches Geschwür (Ulkus durum) mit Schwellungen der benachbarten Lymphknoten. Häufig wird ein hochinfektiöses Wundsekret abgesondert, das eine hohe Zahl an Krankheitserregern enthält. Im Genitalbereich bereitet das Geschwür meist keine Schmerzen, an den Lippen, in der Mundhöhle, im Rachen und im Analbereich kann es durchaus schmerzhaft sein.
Das Geschwür heilt in der Regel innerhalb von vier bis sechs Wochen von alleine wieder ab, die Lymphknotenschwellung kann über Monate hinweg bestehen bleiben. Ohne Therapie kommt es häufig zu einem Übergang in die folgenden Stadien.
Sekundäre Syphilis/Lues II (Patienten sind weiterhin infektiös)
Etwa 9 Wochen nach Eindringen der Bakterien wird ein zweiter Krankheitsschub ausgelöst, der in der Regel über 2 Jahre verläuft. In diesem Krankheitsstadium breiten sich die Krankheitserreger über die Blut- und Lymphbahnen im Körper aus und erfassen weitere Organe. Anfangs leiden Betroffene unter grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen. Außerdem kommt es zu weiteren harten Lymphknotenschwellungen. Im weiteren Verlauf bildet sich ein Hautausschlag in Form von blass roten, nicht juckenden Flecken, die hauptsächlich am Rumpf und in den Beugeseiten von Armen und Beinen zu finden sind. Nach einigen Tagen können daraus Knötchen entstehen, die zu nässen beginnen. Das austretende Wundsekret ist hoch ansteckend.
Auf der Zunge können sich unterschiedliche Beläge bilden und bei vielen Betroffenen fallen die Haare stellenweise aus und es entwicklen sich Knötchen entlang der Stirn-Haar-Grenze.
Außerdem kann eine wechselnde Beteiligung anderer Organsysteme beobachtet werden: Leber- und Milzvergrößerung, Anämie, Entzündungen der Augen, Knochen, Gelenke und Nieren. Neurologische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Schädigung der Hirnnerven, Taubheit und Sehstörungen können auf eine Entzündung der Hirnhäute hinweisen.
Die Symptome des zweiten Stadiums können nach einigen Wochen abklingen, können aber auch mehrfach wiederkehren. Hierbei sind die Beschwerden von Mal zu Mal weniger ausgeprägt und die Hauterscheinungen breiten sich nicht ganz so großflächig aus.
Ruhephase/Lues latens (Patienten können weiterhin infektiös sein)
Nach dem zweiten Syphilisstadium kann es zu einer längeren Ruhephase kommen. Diese kann bis zu zehn Jahre andauern, durchschnittlich sind es drei bis vier Jahre. In dieser Zeit treten keine Symptome auf, der Erreger befindet sich aber nach wie vor im Körper und Betroffene können weiterhin infektiös sein. Eine Syphilis kann lebenslang im Latenzstadium verharren und keine Spätkomplikationen entwickeln. Bei rund zehn Prozent der unbehandelten Betroffenen stellt sich nach mehreren Jahren die sogenannte Spätsyphilis (Tertiäre Syphilis und Neurosyphilis) ein.
Tertiäre Syphilis/Lues III (Patienten sind nicht mehr infektiös)
In diesem Stadium bilden sich verhärtete Knötchen (Gummen) an der Haut, an den Schleimhäuten und an inneren Organen. Sie enthalten ein gummiartiges, entzündliches Sekret, können vereinzelt oder weit verstreut auftreten und sich in das umliegende Gewebe ausbreiten. Sie heilen langsam und hinterlassen Narben. Besonders gefährlich wird es, wenn die Syphilis die Wand der Hauptschlagader schädigt. An der betoffenen Stelle wird die Aortenwand sehr dünn und kann leicht platzen. Betroffene können innerhalb kurzer Zeit innerlich verbluten.
Neurosyphilis
Etwa zehn bis zwanzig Jahre nach der Infektion kann die Syphilis zu Entzündungen des Nervensystems, der Hirnhäute und der Blutgefäße sowie zu fortschreitendem Abbau von Nervengewebe in Gehirn und Rückenmark mit teilweise tödlichem Ausgang führen.
Wie wird Syphilis behandelt?
Eine Syphilisinfektion ist mit Antibiotika gut behandelbar. In der Regel wird auf Penicillin (Benzathin-Benzylpenicillin) zurückgegriffen, bei einer Penicillinallergie ist ein Ausweichen auf andere Antibiotika (Cephalosporine, Makrolide, Tetrazykline) erforderlich.
Wegen der hohen Ansteckungsgefahr sollte bis zum Abschluss der Behandlung auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Kondome senken das Ansteckungsrisiko, können aber eine Infektion nicht völlig verhindern. Auch die gemeinsame Nutzung von Sexspielzeug oder Küsse können als mögliche Übertragungswege dienen.
Alle Sexpartner und Sexpartnerinnen sollten daher über die Diagnose in Kenntnis gesetzt werden. Auch sie sollten sich untersuchen und gegebenenfalls mitbehandeln lassen, um eine gegenseitige Ansteckung oder eine Infektion anderer zu vermeiden.
Leidet ein Patient an einer primären Syphilis, so gelten alle Sexualpartner der letzten 3 Monate als potenzielle Ansteckungsquellen beziehungsweise als möglicherweise vom Patienten infiziert.
Patienten mit sekundärer oder frühlatenter Syphilis sollten die Sexualpartner der letzten 12 Monate bezüglich einer möglichen Ansteckung informieren.
Quellen:
Mutschler Arzneimittelwirkungen. 8. Auflage
Taschenatlas Pharmakologie, 5. Auflage
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Syphilis.html